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Tablet oder Notebook?

Microsoft Surface Pro 3 im Test

19.08.2014 | 11:40 Uhr |

Wie viel Tablet steckt im Microsoft Surface Pro 3? Nicht viel. Ist das ein Nachteil für das Windows-Tablet? Eher im Gegenteil.

12-Zoll-Bildschirm, 811 Gramm Gewicht: Als Tablet kommt das Surface Pro 3 ziemlich groß und schwer daher. Und das ist auch gut so, sagt Microsoft. Denn der wahre Konkurrent des Tablets mit Windows 8.1 Pro sei nicht das iPad, sondern das Macbook Air . Das Surface Pro 3 will also ein Ultrabook ersetzen, kein Tablet.

Edel außen, leistungsstark innen

Im Duell mit dem Macbook Air um das beste Arbeitsgerät zum Angeben hat das Surface Pro 3 eine gute Ausgangsposition: Das Tablet ist extrem stabil und hochwertig verarbeitet. Microsoft nutzt ein hellgraues Magnesium-Gehäuse, das nur 9,1 Millimeter hoch ist und damit deutlich schmaler ausfällt als der Vorgänger Surface Pro 2. Der Windows-Knopf liegt als Sensortaste sinnvollerweise vorne an der Seite, weil er dort leichter zu erreichen ist als unten in der Mitte, wenn Sie das Tablet im Querformat halten.

Edles Gehäuse mit Magnesium-Legierung: Die Rückseite des Surface
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© Microsoft

Das Surface Pro 3 wirkt überraschend leicht, wenn Sie es in die Hand nehmen - obwohl über 800 Gramm Gewicht für ein 12-Zoll-Tablet nicht rekordverdächtig leicht sind: Das Samsung Pro Note 12.2 wiegt mit einem größeren Bildschirm deutlich weniger, hat aber nur ein Kunststoffgehäuse. Das Surface liegt aber angenehm ausbalanciert in der Hand - Sie haben nie das Gefühl, dass Sie an einer Seite fester zugreifen müssen, weil es Ihnen sonst entgleitet. Ein kleiner Hinweis auf Apple ist der Stromstecker, der ähnlich wie beim Macbook Air per Magnet in der Buchse gehalten wird und sich unabhängig von der Ausrichtung einstecken lässt. Das eindrucksvolle Design durchbricht nur der Eingabestift. Für ihn hat Microsoft keinen Platz am Tablet vorgesehen, sondern liefert nur eine selbstklebende Schlaufe mit, in die Sie den Stift stecken und die sie dann ans Gehäuse kleben. Das ist funktional, aber absolut nicht elegant.

Arbeitsauftrag: Das Surface Pro 3 zielt vor allem auf Geschäftskunden
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© Microsoft

Schreiben, tippen, touchen: Vielfältige Eingabemöglichkeiten

Seine Vorzüge zeigt der Stift, wenn Sie ihn in der Hand halten: Er ist sehr stabil, ausreichend groß, um ihn sicher zu greifen und reagiert drucksensitiv: Drücken Sie ihn fester auf das Display, zeichnen Sie einen dickeren Strich. Mit zwei Knöpfen an der Seite können Sie Notizen auswählen oder löschen, der Knopf hinten öffnet die App One Note. Schreiben und zeichnen macht Spaß und funktioniert fehlerfrei: Das Tablet erkennt Stifteingaben zuverlässig und lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn Sie die Hand auf dem Bildschirm ablegen. Den Stift können Sie statt der Bildschirm-Tastatur nutzen, um beispielsweise eine URL ins Textfeld zu schreiben. Das Surface erkennt die Eingaben fast immer korrekt.

Video: Microsoft Surface Pro 3 im Test

Dass das Surface Pro 3 mehr sein will als ein Tablet, signalisiert auch der eingebaute Standfuß - der Kickstand. Damit steht das Windows-Tablet ohne Hilfe eines Covers oder einer Docking-Tastatur - Lenovo versucht bei den Yoga Tablets ähnliches, bekommt es aber nicht so überzeugend hin. Der Kickstand lässt sich in einem weiten Winkel bis zu 150 Grad stufenlos einstellen: Von sehr steil für den Notebook-Modus bis sehr flach, um bequem auf der Bildschirm-Tastatur zu tippen - die sehr schnell reagiert und im Notfall auch eine mechanische Tastatur ersetzt. Sie müssen zwar ziemlich kräftig zupacken, um den Kickstand zu verstellen, aber dafür steht das Tablet damit sehr sicher. Bei ungefähr 90 Grad gibt er übrigens ein leises Knacken von sich, was bei der ersten Benutzung schon zum empörten Ausruf der Kollegen führte: "Jetzt hast Du's kaputt gemacht!".

Vielfarbig: Das Surface Pro Type Cover kostet 130 Euro
Vergrößern Vielfarbig: Das Surface Pro Type Cover kostet 130 Euro
© Microsoft

Die Tastatur kostet extra

Das Surface Pro 3 fordert zwar das Macbook Air heraus: Das ist aber eigentlich ein ungleiches Duell, denn das Apple-Notebook hat ab Werk eine Tastatur, das Surface nicht. Dafür müssen Sie nochmal mindestens 120 Euro ausgeben, für das höherwertige Surface Pro Type Cover mit Beleuchtung sogar 130 Euro. Die flache und 297 Gramm leichte Tastatur schnappt per Magnet ans Surface und dient zusätzlich als Schutz-Cover. Sie können sie entweder ganz flach oder etwas schräg gestellt andocken. Die angewinkelte Position soll das Schreiben erleichtern - was sie im Test nicht tut. Denn der klare Druckpunkt geht verloren, weil die Tastatur beim Tippen nachgibt.

Legen Sie das Type Cover lieber flach hin und genießen Sie die sehr konkrete Druckrückmeldung der leisen und sehr stabilen Tasten. Der Hub ist recht flach, aber kaum geringer als bei den meisten Ultrabooks. Eine echte Tastatur werden Sie kaum vermissen, weil die Tasten im Type Cover mit einem 19-Millimeter-Raster Standardgröße haben - höchstens ein größeres Touchpad. Der Mausersatz fällt für Mehrfingergesten zu klein aus - was aber kein Problem ist, denn dafür haben Sie ja den Touchscreen. Minuspunkt gegenüber einer festen Ultrabook-Tastatur: Die Rückseite des Type Covers sieht schnell abgegriffen aus und schmälert den eleganten Eindruck des Surface.

Ein Nachteil hat die flache Ansteck-Tastatur: Steht das Tablet nicht auf einem festen, ebenen Untergrund wie einem Schreibtisch, sondern zum Beispiel auf den Oberschenkeln, wird kontrolliertes Tippen sehr schwer. Hier sind Sie mit einem schwereren, aber stabileren Notebook im Vorteil.

Notebook-Tempo: Der Core i5 legt los - aber nicht lautlos

Unter der Haube gibt es keinen Zweifel, was das Surface ist: Ein Ultrabook - und zwar ein sehr schnelles. Im Testmodell sitzen der Dual-Core-Prozessor Core i5-4300U mit 1,9 GHz (Turbo Boost bis 2,9 GHz), 4 GB DDR3-1600-RAM und eine 128 GB große SSD. Diese mittlere Konfiguration kostet 1000 Euro. Insgesamt gibt es fünf Modelle: Das günstigste Surface Pro 3 für 800 Euro hat einen Core i3, 4 GB RAM und eine 64-GB-SSD, das Top-Modell für 1950 Euro verfügt über einen Core i7, 8 GB RAM und eine 512 GB große SSD. Damit liegt das Surface Pro 3 in den Tempo-Tests auf dem Niveau schneller Ultrabooks - und erreicht eine Rechenleistung, von der Tablets nur träumen können. Auch für aufwändige Multimedia-Aufgaben wie Formatumwandlung ist das Surface Pro 3 gut gerüstet.

Im Gegensatz zu den meisten Tablets lässt sich diese hohe Leistung aber nicht vollkommen verbergen: Das Surface Pro 3 besitzt einen Lüfter - und der ist auch häufig in Bewegung, wenn das System unter Last steht. Allerdings dreht er mit einem tiefen und gleichbleibenden Laufgeräusch - er ist hörbar, stört aber nicht die Konzentration.

Immer besser: Die Akkulaufzeit des Surface Pro 3

Betrachtet man das Surface 3 Pro als Ultrabook, darf es sich auch für seine Akkulaufzeit ein Sternchen anheften: 7,5 bis 8,5 Stunden sind für ein mobiles Notebook nämlich sehr in Ordnung, bei einem Tablet wäre dieses Ergebnis nur durchschnittlich. Die Energieaufnahme liegt bei der Video-Wiedergabe bei 5,6 Watt, rund 2,5 Watt höher als bei einem Tablet mit Atom-Prozessor. Das ist allerdings ein guter Tausch, denn die Haswell-CPU im Surface rechnet in den meisten Tests mehr als doppelt so schnell. Das Macbook Air 13 schafft in diesem Test übrigens über zehn Stunden Laufzeit - weil sein Akku mit 54,3 Wattstunden größer ist als der 42-Wattstunden-Akku im Surface.

Vier Apps auf einen Streich: Aber dann wird's selbst auf dem großen Bildschirm ungemütlich eng
Vergrößern Vier Apps auf einen Streich: Aber dann wird's selbst auf dem großen Bildschirm ungemütlich eng
© Microsoft

Großes Display, riesige Auflösung

Der große 12-Zoll-Bildschirm des Surface zeigt 2160 x 1440 Bildpunkte. Das ungewöhnliche Seitenformat 3:2 soll vor allem Vorteile beim Multitasking bringen: Über die Funktion Windows Snap lassen sich bis zu vier Apps nebeneinander platzieren - das funktioniert aber erst, wenn Sie die Bildschirmanzeige auf "Kleiner" stellen. Ergonomisch arbeiten können Sie dann eigentlich nicht mehr. Am bequemsten ist es, zwei Apps nebeneinander zu platzieren - zum Beispiel Word und den Browser. Lässt sich eine dritte App in einer schmalen Leiste noch gut nutzen, etwa Twitter, bleibt es auch mit dreifachem Multitasking noch übersichtlich. Im Desktop-Modus ist die Anzeige auf 150 Prozent skaliert. Erst bei 100% bekommen Sie die volle Punktedichte von 216 ppi zu Gesicht, ein Hauch höher als die 208 ppi, die der 10,6-Zoll-Vorgänger mit Full-HD-Auflösung bietet. Trotzdem sehen Schriften selbst in der hochskalierten Einstellung angenehm scharf aus.

Auch bei der Bildqualität liegt das Surface Pro 3 eher auf Ultrabook- denn auf Tablet-Niveau - was in diesem Fall kein Vorteil ist. Denn in den meisten Fällen sind die Bildschirme aktueller Tablets heller und kontraststärker als bei den Ultrabooks. Das Display des Surface Pro 3 leuchtet maximal mit 307 cd/qm, der Spitzenwert des Pro 2 lag deutlich höher - auch beim Kontrast. Unter freiem Himmel stören deshalb deutliche Reflexionen auf der spiegelnden Bildschirm-Oberfläche. Bei üblicher Büro-Beleuchtung überzeugt das Display aber mit angenehm kräftigen, nicht übertriebenen Farben. Außerdem ist es absolut blickwinkelstabil.

Ausstattung: Nicht ganz Notebook-Niveau

128 GB ist eine sinnvolle Wahl für die SSD-Größe: Dabei bleiben rund 94 GB Speicherplatz frei. Weiteren Speicher spendieren Sie dem Surface über einen Micro-SD-Kartenleser hinter dem Kickstand. Das Windows-Tablet besitzt alle wesentlichen Anschlüsse - aber die meisten Ultrabooks haben noch mehr. Am Surface sitzen einmal USB 3.0 in Standardgröße für Peripheriegeräte und externe Massenspeicher, einmal Mini-Displayport für einen externen Monitor. Um einen VGA- oder HDMI-Monitor anzuschließen, benötigen Sie jeweils einen Adapter für 40 Euro. An die USB-Buchse passt auch ein Ethernet-Adapter für 40 Euro. Den brauchen Sie aber eigentlich nur, um beispielsweise im Firmen-LAN per Netzwerk zu booten. Denn das 11ac-WLAN im Surface Pro 3 arbeitet im 2x2-MIMO-Verfahren - und mit knapp 72 MBit/s im Test auch angenehm schnell. Im Zusammenspiel mit dem Core-Prozessor schlägt sich das außerdem in extrem schnellen Ladezeiten für Webseiten nieder.

Beide Kameras nehmen Fotos mit rund 5 Megapixel auf, laufende Bilder mit maximal Full-HD. Die Fotos sind ordentlich, neigen bei schwachem Licht aber deutlich zum Rauschen. Die Frontkamera eignet sich gut für Videotelefonate, hat aber ebenfalls Probleme bei schwachem Umgebungslicht.

Video: Microsoft Surface Pro 3 im Test

Microsoft Surface Pro 3 im Test: Fazit

Das Surface Pro 3 ist die beste Kombination aus Tablet und Notebook. Weil Microsoft das Kombigerät konsequent in Richtung Ultrabook optimiert, ohne Tablet-Qualitäten zu vernachlässigen. So bekommen Sie hohe Rechenleistung und einen großen Bildschirm, aber auch ein robustes, elegantes, nicht zu schweres Gehäuse sowie eine ordentliche Akkulaufzeit. Für Privatnutzer ist diese Mischung überdimensioniert, auch ihr Preis. Wer ein Tablet zum Arbeiten sucht, findet derzeit nichts Besseres.

Testergebnis (Noten)

Microsoft Surface Pro 3

Testnote

gut ( 2,16 )

Preis-Leistung

teuer

Bedienung und Geschwindigkeit(30 %)

1,38

Mobilität (25 %)

2,60

Bildschirm (22 %)

2,76

Ausstattung (20 %)

2,31

Service (3 %)

2,78

Aufwertung

Eingabestift (-0,05)

Bedienung und Geschwindigkeit

Microsoft Surface Pro 3 (Note: 1,38)

Bildschirm / Bildschirm-Tastatur / Mehrfinger-Gesten / Bildschirm-Technik

sehr angenehm / angenehm / ja / kapazitiv

Spracheingabe

ja

abspielbare Video- / Audio- / Fotoformate

3GP, ASF, AVI, MP4, MOV, WMV / AAC, MP3, WMA, WAV / BMP, GIF, JPG, PNG, TIF

Browser: Geschwindigkeit (Sunspider) / 3D Mark Ice Storm Unlimited / GL-Benchmark / mittlere Ladezeit für Webseiten

261,3 Millisekunden / 47.957 Punkte / 119 Bilder pro Sekunde / 2,85 Sekunden

WLAN-Geschwindigkeit

71,8 MBit/s

Startzeit: aus ausgeschaltetem Zustand / aus Bereitschafts-Modus

17 / 1 Sekunden

Mobilität

Microsoft Surface Pro 3 (Note: 2,60)

Akkulaufzeit: Internetzugriff per WLAN / Video abspielen

8:38 Stunden / 7:29 Stunden

Gewicht (mit Akku) / Gewicht Netzteil / Gewicht Tastatur

811 / 206 / 297 Gramm

Bildschirm

Microsoft Surface Pro 3 (Note: 2,76)

Diagonale / Auflösung / Punktdichte

12,0 Zoll (30,6 Zentimeter) / 2160 x 1440 Bildpunkte / 216 ppi

Helligkeit / Kontrast / Entspiegelung

307 cd/m² / 929:1 / gering

Ausstattung

Microsoft Surface Pro 3 (Note: 2,31)

Prozessor

Intel Core i5-4300U (1,9 GHz)

Arbeitsspeicher

4 GB

Maße (L x B x H)

29,2 x 20,2 x 0,91 Zentimeter

Betriebssystem

Windows 8.1 Pro

eingebauter Speicherplatz (Art) / davon frei

128 GB (Flash) / 94 GB

Wireless-LAN / Bluetooth / UMTS / GPS

11ac (2x2)/ 4.0 / nicht vorhanden / nein

Anschlüsse

1x USB (Micro), 1x Mini-Display-Port

Kartenleser (Formate)

ja (Micro-SD)

Einschub für SIM-Karte

nein

Kamera

ja (2592 x 1728 Pixel)

Internetkamera

ja (2592 x 1728 Pixel)

Audioausgang

1

Mikrofon

ja

Lichtsensor

ja

Lieferumfang

Eingabestift, Netzteil

Allgemeine Daten

Microsoft Surface Pro 3

Internetadresse von Microsoft

www.microsoft.de

Preis (unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers / Straßenpreis)

999 Euro / 999 Euro

Technische Hotline

01805/672255

Garantie

12 Monate

Service

Microsoft Surface Pro 3 (Note: 2,78)

Handbuch: deutsch / gedruckt / umfangreich / als PDF

ja / nein / ja / ja

Garantie

12 Monate

Service-Hotline / deutsch / Wochenenddienst / Erreichbarkeit / durchgehend / per E-Mail erreichbar

01805/672255 / ja / nein / 10 Stunden / ja / ja

Internetseite / deutsch / Handbuch verfügbar / Treiber verfügbar / Hilfsprogramme verfügbar

www.microsoft.de / ja / ja / ja / ja

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