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Metro Last Light im Test

14.05.2013 | 08:32 Uhr |

Ein tiefer Schluck aus der Pilzwodka-Pulle. Die alte Kalaschnikov geschultert und vorbei am letzten Posten. Vor uns liegt der dunkle Schacht der Metro.

Der Strahl der Taschenlampe reicht nur ein paar Meter. Ein letztes Mal überprüfen wir unsere Gasmaske und den Munitionsvorrat, bevor wir uns auf den langen Weg machen. Das war vor drei Jahren. Damals lautete die Aufgabe des Spielers, der in die Rolle des jungen Mannes Artjom schlüpfte: Hole Hilfe, sonst überrennen die Mutanten unsere Station – unsere Enklave der Menschheit tief unter dem atomar verseuchten Moskau! Nach dem Krieg ist nämlich nichts mehr wie zuvor. In "Metro 2033" verschanzen sich die Überlebenden in naher Zukunft in den alten U-Bahn-Schächten. Dort suchen sie Schutz vor der Strahlung. Sie haben sich organisiert, Siedlungen in verfallenen U-Bahn-Stationen gegründet. Sie züchten Schweine, bauen Pilze an und treiben Handel. Doch sie sind dort unten nicht allein...

Auch im Nachfolger des erfolgreichen Ego-Shooters, der den Titel "Metro: Last Light" trägt, lauern auf Artjom zahlreiche Gefahren in der Dunkelheit. Doch als wären die mutierten Bestien – mal muskelbepackt und nur teilweise mit verfilztem Fell bedeckt, mal mit mächtigen Schwingen und Krallen versehen – nicht genug, herrscht unter den Menschen in der Metro Zwietracht. Da gibt es "Das Reich": Hasserfüllte Faschisten, die einer menschenverachtenden Ideologie anhängen. Nur wenige U-Bahn-Stationen weiter hausen hingegen "die Roten". Diese Kommunisten der Metro sind schlecht ausgerüstet, doch ihre Zahl ist enorm. Folter und Erschießungen gehören bei ihnen zum Alltag.

Artjom, in dessen Haut der Spieler erneut schlüpft, gehört keiner der genannten Gruppierungen an. Er ist ein Ranger. Deren hehres Ziel ist die Verteidigung der Überreste der Menschheit unter Tage. Und als überraschend einer der als besiegt gedachten Mutanten aus dem ersten Spiel gesichtet wird, hat Artjom eine neue Mission: Verfolge und fange die Bestie! Aber die Bestie entpuppt sich als verängstigtes Mutanten-Kind, an welchem auch "Das Reich" Interesse zeigt. Warum das so ist, und auf welche Katastrophe die gesamte Metro zusteuert, erzählt der Ego-Shooter in rund zehn bis zwölf spannenden Stunden.

Schleichen statt Ballern

Diese Stunden verbringen wir zwar hauptsächlich in den Metro-Schächten – mal zu Fuß, mal auf einem Schienenfahrzeug – doch häufiger als in Teil 1 geht es auch an die Oberfläche. Dort warten in den giftigen Sümpfen neue Gegner auf Artjom. Apropos neu: Während wir in "Metro 2033" kaum um Feuergefechte mit den Gegnern herumkamen, eröffnet sich Artjom jetzt ein neuer Weg. Schleichend im Schutz der Dunkelheit darf er Gegner umgehen oder sie von hinten mit dem Messer oder seiner Faust ausschalten. Das war so im Vorgänger nicht vorgesehen: Wir drehen Glühbirnen aus der Fassung und löschen Petroleumlampen, damit die Wachen im Dunkeln tappen. Geduckt warten wir den richtigen Moment ab und wenn es schnell gehen muss, greifen wir zum Wurfmesser oder dem Schalldämpfer. Die neue Schleich-Option steht dem Spiel ganz ausgezeichnet und garantiert Nervenkitzel.

Grafikpracht

Schon der Vorgänger war ein Augenschmaus. Knackscharfe Texturen und beeindruckende DirectX 11-Effekte haben das Spiel optisch kaum altern lassen. Doch "Metro: Last Light" setzt scheinbar ohne Mühe noch einen oben drauf. Vor allem die Lichteffekte, sei es beim Öffnen einer Bunkertür nach draußen oder bei Durchqueren einer Flammenhölle, begeistern. Wabernder Bodennebel, schwebende Staubpartikel und die schweißnasse Haut der Metro-Bewohner sorgen für unheimlich viel Atmosphäre. Eine flotte CPU und eine moderne Grafikkarte sind für "Last Light" aber Pflicht. Auf unserem Testrechner mit 4 GB RAM, einer AMD Phenom II X6 1055T (2,8 Ghz) und einer Nvidia Geforce GTX 560 Ti lief das Spiel in HD-Auflösung mit hohen Details ruckelfrei. Maximale Kantenglättung war mit dieser Ausstattung aber nicht möglich. "Metro: Last Light" gibt es auch für die Playstation 3 und die Xbox 360. An die Grafikpracht am PC kommt die Konsolenfassung aber nicht heran.

Fazit

"Metro: Last Light" ist ein Fest für Shooter-Freunde mit Faible für postapokalyptische Szenarien. Grafik, Sound, Atmosphäre – hier finden selbst Anspruchsvolle nur kleine Kritikpunkte. Zum Beispiel, dass Munitions-Händler im Grunde überflüssig sind. Auf dem einfachen und mittleren Schwierigkeitsgrad liegt eigentlich immer genug Munition herum. Oder unsichtbare Levelbegrenzungen: Warum sollte Artjom nicht über einen lächerlichen Hocker springen können? Doch solche Kleinigkeiten verblassen angesichts der Atmosphäre, welche das Spiel förmlich atmet. In den Stationen lauschen wir minutenlang den Gesprächen der Bewohner – wenn ein Mädchen seinen Vater fragt, wo Mami ist. Oder wenn ein Funker witzelt, er habe mit Überlebenden in Sibirien gesprochen. Alle Dialoge sind hervorragend vertont, kein Gespräch ist sinnfrei oder kommt doppelt vor. "Last Light" basiert übrigens anders als "Metro 2033" nicht auf dem gleichnamigen Roman von Dmitry Glukhovsky. Der Autor arbeitete jedoch mit an der Entwicklung des Shooters und zeichnete für die Hintergrundgeschichte verantwortlich. Alles in allem ist "Last Light" sogar noch besser als Metro 2033.

Das Spiel ist ab dem 17. Mai erhältlich.

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