29.03.2012, 11:00

Thomas Rau

Das neue Aldi-Tablet

Medion Lifetab P9516 im Test

Das Medion Lifetab P9516 gibt es für 399 Euro bei Aldi

399 Euro kostet das neue Aldi-Tablet Medion Lifetab P9516 – so viel wie das günstigste iPad 2. Das Discounter-Tablet ist aber besser ausgestattet. Der Test zeigt, ob Aldi Apple damit überholen kann.
Aldi-Notebooks und -PCs sind schon seit längerer Zeit nicht mehr unschlagbar günstig. Sie bieten aber für ihren Preis meist eine üppige Ausstattung. Die gleiche Strategie verfolgt Aldi-Lieferant Medion mit dem Lifetab P9516: Es kostet 399 Euro - genau so viel wie das günstigste iPad 2 – das Aldi-Tablet bietet zu diesem Preis aber doppelt so viel Speicher (32 statt 16 GB) und 3G statt nur WLAN.
Heute kommt auch ein neuer Aldi-PC in die Läden des Discounters, der Medion Akoya P5350 D. Auch diesen haben wir im Test und klären, ob der Desktop-PC sein Geld wirklich wert ist. Denn die Konfiguration unterscheidet sich nur leicht zu seinem Vorgänger-Modell, ist aber günstiger.
Bei der Technik hat sich im Vergleich zum ersten Aldi-Tablet Lifetab P9514 vom Dezember nicht viel verändert: Auch das Lifetab P9516 läuft mit Android 3.2 – für beide Tablets soll es laut Medion ein Update auf Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) geben. Der 10,1 Zoll große Bildschirm zeigt 1280 x 800 Bildpunkte und damit eine Punktdichte von 149 ppi – wie die meisten aktuellen Android-Tablets und wie das Lifetab P9514. Zum Vergleich: Das neue iPad bietet 2048 x 1536 Bildpunkte und eine Punktedichte von 264ppi. Im Inneren des Lifetab arbeitet wie im Vorgänger der Prozessor Nvidia Tegra 2, begleitet von 32 GB Flash-Speicher und einem 3G-Modul.

Aldi-Tablet im Test: Neues Gehäuse - von einem alten Bekannten

Verändert hat Medion allerdings das Gehäuse beim neuen Aldi-Tablet. Es ist baugleich zum Lenovo Ideapad K1, das wir vor rund einem Monat getestet haben – und damit ein sichtbarer Beweis für die Verbindung der beiden Firmen: Lenovo hat Medion im Sommer 2011 gekauft.
Schöner wird das Lifetab dadurch nicht: Das Aldi-Tablet ist mit einer Bauhöhe von 1,35 Zentimeter recht breit und außerdem mit 762 Gramm kein Leichtgewicht. Das Plastikgehäuse lässt sich auf der Rückseite eindrücken: Verglichen mit den solide gebauten Tablets der Top-Klasse wie dem iPad 2, dem Asus Transformer Prime oder dem Samsung Galaxy Tab 10.1N sieht das Lifetab P9516 weder elegant noch hochwertig aus.

Die Apps auf dem Medion Lifetab P9516

Medion hat die Benutzeroberfläche von Android nicht verändert. Allerdings finden Sie auf dem Aldi-Tablet neben den Standard-Apps von Google wie dem Play Store, der Navigation oder Google Mail zahlreiche zusätzliche Apps. Dazu gehören beispielsweise Spiele wie  Dungeon Defenders, Galaxy on Fire 2 oder der Virenschutz Kaspersky Tablet Security. Nicht alle Apps sind wirklich sinnvoll, aber schlussendlich muss der Käufer entscheiden, ob er Programme von eBay, Autobild oder die Hotelsuche von HRS wirklich benötigt. Bookatable erlaubt eine Online-Tischreservierung in Restaurants, über Dailyme laden Sie Trailer und kurze Fernsehsendungen auf das Tablet: Das funktioniert über WLAN, wahlweise auch über 3G, kann aber bei einem Volumenvertrag problematisch werden: Alleine das Herunterladen der voreingestellten Sendungen verbraucht 1240 MB. Die App streamt die Sendungen nicht, sie starten erst, wenn sie komplett auf dem Tablet gespeichert sind. Zur Auswahl stehen Clips von Wissen vor 8, FashionDailyTV, Tagesschau, der Sendung mit der Maus, Sport 1 News, StupidVideo.com, Giga, SeaPatrol und dem ZDF.
Unter der App Lifetab Media hat Medion Programme zum Anschauen von Filmen und Fotos, fürs Musikhören und den Zugriff auf die Tablet-Kamera vereint. Die rückseitige Kamera besitzt einen Blitz und macht Aufnahmen mit 5 Megapixel. Die Bilder zeigen allerdings recht flaue Farben, außerdem benötigt die Kamera ziemlich lange zum Auslösen. Die Frontkamera besitzt einen 2-Megapixel-Sensor. Mit beiden Kameras lassen sich Videoaufnahmen in 720p anfertigen.
Zum Bearbeiten oder Erstellen von Office-Dokumenten wie Word, Excel und Powerpoint hat Medion die App Documents to Go vorinstalliert. Unter den zahlreichen Apps finden sich aber einige, die (noch) nicht funktionieren: Ein Touch auf die Aldi Photoapp zeigt eine Webseite, die erklärt, dass diese App bald erscheinen wird. Ebenso werden Sie nach einem Aufruf des Medion-eigenen App-Shops Medion Lifestore vertröstet. Beides war übrigens schon im Dezember beim ersten Aldi-Tablet der Fall – das zeugt nicht von hohem Engagement bei der App-Entwicklung.

Medion Lifetab P9516 im Test: Bedienung und Geschwindigkeit

Das Medion Tablet lässt sich einigermaßen flott bedienen, doch nie so flüssig wie das iPad: Bei manchen Gesten fällt das nicht auf - etwa dem Pinch-Zoom, mit dem Sie Fotos vergrößern. Hier reagiert das Lifetab P9516 schnell und folgt ohne Verzögerung der Fingerbewegung. Doch schon beim Blättern durch Fotoalben fällt ein kurzes Stocken auf. Bei den meisten Webseiten stören beim Scrollen nur kleine Ruckler. Doch wenn Sie die Webseiten vergrößern, muss das Tablet Bilder oder Textelemente nachladen, bevor sie vergrößert auf dem Bildschirm erscheinen. Je mehr Bilder und Elemente eine Webseite mitbringt, desto mehr ruckelt, stockt und hüpft es auf dem Aldi-Tablet, wenn Sie sie verschieben oder hineinzoomen. Bei den Android-Tablets kriegen das nur ein paar Geräte ein bisschen besser hin als das Aldi-Tablet, zum Beispiel das Asus Transformer Prime oder das Sony Tablet S. Das iPad bietet immer noch die mit Abstand beste Bedienung.
Wie die meisten Android-Tablets sitzen beim Lifepad P9516 seitlich am Gehäuse mechanische Knöpfe fürs Ein- und Ausschalten, für die Lautstärke und zum De-aktivieren des Lagesensors. Außerdem besitzt es einen Multifunktionsknopf vorne im Displayrahmen: Ein kurzer Druck darauf bringt Sie zum Start-Bildschirm zurück, ein längerer fertigt einen Screenshot an. Außerdem verhält sich der Knopf wie ein Touchpad: Halten Sie das Tablet im Querformat entspricht ein Fingerstrich nach unten dem Zurück-Befehl, eine Bewegung nach oben ruft das Kontextmenü auf. Weiße Status-LEDs neben dem Schaltknopf zeigen an, ob das Touchpad die Bewegung erkannt hat. Damit funktioniert der Knopf wie die virtuellen Knöpfe unten links, über die alle Honeycomb-Tablets gesteuert werden – und mit denen geht das deutlich schneller und bequemer.
Die Datenraten beim Übertragen per WLAN oder USB sind beim Lifetab P9516 ordentlich, zu den schnellsten gehört es allerdings nicht. Die Leistung des Dual-Core-Prozessors und der Grafikeinheit reichen aus, um selbst komplexe Webseiten schnell darzustellen und die allermeisten Spiele problemlos zu bewältigen. Effekt-Extras sehen Sie derzeit ohnehin nur in Spielen, die für den Tegra 3 optimiert sind. Dieser Prozessor ist ebenso wie die CPUs im iPad 2 und im neuen iPad dem Tegra 2 im Aldi-Tablet deutlich überlegen: Das zeigt der Android-Benchmark Smartbench 2012 sowie der Grafik-Test GLBenchmark. Im Alltag wird Ihnen dieser Kräftenachteil nur selten auffallen – höchstens wenn Sie häufig Bilder oder Filme am Tablet bearbeiten. Eine Ausnahme ist das Öffnen und Blättern in PDFs: Im Test braucht das Aldi-Tablet zum Darstellen der ersten Seite unseres Test-PDFs knapp zehn Sekunden. Beim Blättern vergehen dann rund 20 Sekunden bis die nächste Seite dargestellt wird.
Zur Eingabe von Buchstaben bietet das Medion Lifetab P9516 die normale Android-Bildschirmtastatur. Bei Lenovo können Sie im baugleichen Ideapad K1 eine zusätzliche Tastatur auswählen, die größere Tasten und eigene Tasten für Umlaute anbietet. Trotzdem lässt sich recht schnell auf dem Medion-Tablet tippen: Die Einstellungen für Wortvorschläge und Autokorrektur können Sie in den Tastatur-Optionen anpassen.
Multimedia
Das Medion-Tablet spielt auch viele Video-Formate ab, deutlich mehr als das Apple iPad – zumindest mit den Standard-Apps. MP4-Videos sind zum Beispiel kein Problem für das Lifetab P9516: Sie müssen nur darauf achten, dass Full-HD-Filme mit H.264-Codec nicht im High-oder Main-Profil kodiert sind. Dann scheitert der Prozessor beim Abspielen. Aber H.264-Filme in 720p liefen problemlos, ebenso wie Videos im MKV-Container und die meisten unserer AVI-Testdateien. Musik gibt das Aldi-Tablet in allen gängigen Formaten wieder – auch FLAC und OGG gehen.
In einem Punkt ist das Aldi-Tablet dem Apple iPad aber klar überlegen - welcher das ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.
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