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Mass Portal Pharaoh ED im Praxistest

10.09.2015 | 10:31 Uhr |

Der Mass Portal Pharaoh ED hat eine runde Plattform und nutzt Delta-Technik. Beides stellen wir im Test auf die Probe.

Besonderheiten: Der Pharaoh gehört zu den sogenannten Delta-3D-Druckern. Sie zeichnen sich durch eine spezielle Aufhängung des Druckkopfs aus. Er ist an drei Armen befestigt, die an drei seitlichen Holmen hoch- und runterfahren. Die Druckplattform ist dagegen nicht beweglich, sondern fest am Boden verankert. Der Druckkopf bewegt sich zur Plattform, nicht umgekehrt. Außerdem ist sie rund und damit eine weitere Eigenheit des Pharaoh, denn üblicherweise sind die Bauplattformen viereckig. Die Konstruktion soll den 3D-Drucker vibrationsarm und damit leise arbeiten lassen, ohne dass er an Arbeitstempo einbüßt. Im Test klären wir, was diese technischen Finessen in der Praxis bringen.

Dank Delta-Technik hängt der Druckkopf des Pharaoh ED an drei Armen, die an drei seitlichen Holmen rauf- und runtergeführt werden. Der Vorteil: wenig Vibration.
Vergrößern Dank Delta-Technik hängt der Druckkopf des Pharaoh ED an drei Armen, die an drei seitlichen Holmen rauf- und runtergeführt werden. Der Vorteil: wenig Vibration.
© Mass Portal

Setup – einfach in der Hardware, kompliziert bei der Software

Viel müssen Sie beim Mass Portal Pharaoh ED an der Hardware nicht machen, um sie betriebsbereit zu bekommen. Denn der 3D-Drucker ist ein Fertiggerät und damit komplett montiert. Fürs Setup befestigen Sie auf der Rückseite den Materialhalter und hängen die Filamentrolle ein. Er verarbeitet Rollenmaterial und nicht wählerisch bei den Kunststofftypen: PLA, ABS oder andere Sorten lassen sich einsetzen. Über ein Loch im Gehäuse führen Sie den Kunststofffaden ins Innere des Pharaoh, während Sie die Materialtaste gedrückt halten, um den Faden zu schieben.

Der Rest geschieht weitgehend automatisch: So bringt der 3D-Drucker eine Auto-Kalibrierung mit. Dabei misst ein Sensor am Extruder den Abstand von Düse und Plattform und gleicht diesen gegebenenfalls aus. Auch das Filament findet das letzte Stück zum Extruder dank einer Einzugsautomatik ohne manuelles Eingreifen.

Video: Welchen 3D-Drucker / -Scanner kaufen?

Im Gegensatz dazu ist der Software-Setup nicht so trivial: Der Grund: Von Hause aus ist der Massportal Pharaoh ED als äußerst flexibel ansteuerbarer 3D-Drucker konzipiert. Deshalb wird er in Deutschland auch ohne bestimmtes Druckprogramm ausgeliefert. Vielmehr ist er mit Cura, Repetier Host und Simplify3D kompatibel. Letztere Software ist kostenpflichtig. Der Hersteller aus Lettland vertreibt den Pharaoh mit einer Lizenz des Programms für 3267 Euro. Von iGo3D – dem Lieferanten unseres Testgeräts - wird Repetier Host als Druckprogramm empfohlen. Da es aber keine vorkonfigurierte Version gibt, die Sie von der Webseite des Händlers herunterladen können, müssen Sie Repetier Host selbst an den Pharaoh anpassen. Das ist keine ganz einfache Aufgabe und für Anfänger im 3D-Druck eine sichtliche Hürde. Hier gilt es nachzubessern, denn für wirklich kundenfreundlich halten wir das nicht. Etwas Unterstützung bietet der Hersteller auf der englischsprachigen Webseite .

Der erste Druck mit dem Mass Portal Pharaoh ED

Da der Paraoh ED einen SD-Kartenslot an der Rückseite des Gehäuses mitbringt, funktioniert ein erster Probedruck am einfachsten von der Speicherkarte. Damit können Sie sich einen ersten Eindruck über die Druckqualität machen, ohne lange das entsprechende Druckprogramm einzurichten. Zugriff auf die Karte bekommen Sie über das Druckerdisplay. Probedateien liegen auf der SD-Karte bereit.

Die Plattform des Mass Portal Pharaoh ED ist rund. Wenn sie aufgeheizt sind, schalten die LEDs darunter auf Rot.
Vergrößern Die Plattform des Mass Portal Pharaoh ED ist rund. Wenn sie aufgeheizt sind, schalten die LEDs darunter auf Rot.

Bevor sich der Druckkopf bewegt, fängt der Massportal Pharaoh ED an, die Druckplattform aufzuheizen. Wiederum ist der 3D-Drucker großzügig ausgelegt, denn er verträgt Plattform-Temperaturen bis maximal 110 Grad Celsius. Der Aufheizprozess selbst dauert im Test im Schnitt 5 Minuten – ein mittlerer Wert. Damit Sie auch optisch verfolgen können, wie es um die Plattformtemperatur steht, färben sich die darunter angebrachten LEDs beim Aufheizen langsam von Blau auf Rot.

Ist die Temperatur erreicht, fährt der Druckkopf hinunter zur Bauplattform. Der Sensor an der Druckdüse überprüft automatisch den Abstand zwischen Plattform und Extruder. Über das Licht direkt am Druckkopf können Sie die Bautätigkeit gut verfolgen. Da auf dem Heizelement aus Metall eine Glasplatte liegt, empfiehlt es sich, die Haftung des Objekts mit einem Klebestift zu erhöhen.
Auf der SD-Karte unseres Testgeräts war ein rundes Objekt, das nahezu den gesamten Bauraum ausgeschöpft hat – jedenfalls, was den Durchmesser angeht. Der Druckkopf hat beim Vorbeifahren an der Vorderseite automatisch die Tür aufgestoßen, damit er überhaupt den gesamten Radius realisieren konnte. Das hat den Pharaoh aber nicht weiter gestört. Die seitlichen Verkleidungen stellen ein konstantes Mikroklima her, das auch von einer offenen Front nicht aus dem Gleichgewicht kommt.

Dank der runden Plattform lassen sich relativ große Objekte mit dem 3D-Drucker fertigen.
Vergrößern Dank der runden Plattform lassen sich relativ große Objekte mit dem 3D-Drucker fertigen.

Druckqualität: erstaunlich fein

Mit der beiliegenden, schmalen Spachtel lässt sich das fertige Objekt leicht von der Glasplatte lösen – jedenfalls, solange sie noch warm ist. Schon beim ersten Probedruck überzeugt die Druckqualität: Die einzelnen Schichten sind so extrem fein, dass sie tatsächlich fast nicht mehr mit den Händen zu ertasten sind. Dank der glatten Oberfläche der Bauplattform fällt auch die Standfläche absolut glatt aus. Schon beim ersten Objekt aus dem Mass Portal Pharaoh ED wird klar, wie gut die Delta-Technik des Druckkopfs funktioniert.

Was der Pharaoh ED drauf hat, zeigt dieses Bild. Der einzelne Layer ist kaum mehr zu sehen oder zu fühlen.
Vergrößern Was der Pharaoh ED drauf hat, zeigt dieses Bild. Der einzelne Layer ist kaum mehr zu sehen oder zu fühlen.

Vorlagen lassen sich per USB oder über die SD-Karte zum 3D-Drucker bringen. Wie gut sie mit dem Pharaoh ED entstehen, hängt entscheidend von den Slicer-Programmen ab: Im Test verwenden wir Repetier Host und Simplify3D. Letzteres liefert eindeutig bessere Ergebnisse. Da wir jedoch nur bedingt auf vordefinierte Druckprofile des Herstellers zurückgreifen können, hängt das Druckergebnis auch von unseren Einstellkünsten ab. Und hier ist viel Ausprobieren angesagt – gerade, weil der 3D-Drucker so viel Spielraum lässt. Letztlich erhalten wir jedoch auch bei unseren Testobjekten gute bis sehr gute Ergebnisse.

Ums Probieren kommen Sie nicht herum: Dabei kann einiges schief gehen, wie das linke Objekt zeigt. Ist alles gut eingerichtet, kriegen Sie aber sehr gute Druckergebnisse - siehe rechtes Objekt.
Vergrößern Ums Probieren kommen Sie nicht herum: Dabei kann einiges schief gehen, wie das linke Objekt zeigt. Ist alles gut eingerichtet, kriegen Sie aber sehr gute Druckergebnisse - siehe rechtes Objekt.

Geschwindigkeit – keine Hast beim Pharaoh

Der Mass Portal Pharaoh ED arbeitet im Test die gestellten Aufgaben ruhig ab. Im Zusammenspiel mit der Druckersoftware Simplify3D erhalten wir drei Auflösungsstufen: Fast mit 0,3 Millimeter Schichtdicke, Medium mit 0,2 Millimetern und High mit 0,1 Millimetern. Das Sahnetöpfchen, unser Standard-Testobjekt dauert entsprechend 41 Minuten bis 1:51 Stunden. Die Druckzeiten sind mittelmäßig. Für den Anfang empfehlen wir, den 3D-Drucker nicht unbeobachtet zu lassen. Ist er erst einmal richtig eingestellt, kann er getrost ohne Aufsicht arbeiten.

Fazit – ein 3D-Drucker für geübte Anwender

Auch wenn sowohl der Hersteller als auch der Händler iGo3D behaupten, der Pharaoh würde sich für Schulen und Heimanwender eignen, sind wir der Meinung, dass er nur etwas für Anwender mit 3D-Druck-Erfahrung ist. Denn er benötigt eine intensive Einarbeitung, damit das Zusammenspiel zwischen Soft- und Hardware reibungslos klappt. Es fehlt ihm etwas an einfacher Bedienbarkeit. Das liegt in erster Linie an seiner Vielseitigkeit, die für Anfänger zu verwirrend sein dürfte. Ist er optimiert, liefert er ausgewöhnlich gute Ergebnisse. Dabei ist er belastbar und damit für die Prototypen-Erstellung geeignet. Auch der Preis von über 3000 Euro wird Hobbyisten eher abschrecken. Das Prinzip der Delta-Technik ist eine sehr gute Idee. Auch die runde Bauplattform hat etwas für sich. Ums Üben mit dem Mass Portal Pharaoh ED wird allerdings kein Anwender herumkommen.

In Sachen Verbrauch ist der Pharaoh nicht nur flexibel, sondern auch relativ günstig. Mit Verbatim-Filament als Grundlage, das iGo3D beilegt, kommen wir auf 32 Cent für unser Testtöpfchen mit knapp 10 Gramm.

Produkt

Mass Portal Pharaoh ED

Bauart

Fertiggerät

minimale Schichtstärke (in mm)

0,1

Filamentstärke (in mm)

1,75

Drucktechnik

Schmelzschichtung

Abmessungen betriebsbereit (B x T x H in mm)

320 x 310 x 630

Händler

iGo3D

Druckqualität

Standardqualität

gut

höchste Qualität

gut

Drucktischjustierung

sehr exakt

Druckqualität mit Support

gut

Geschwindigkeit

Testobjekt in geringer Qualität (in Std.)

00:41

Testobjekt in höchster Qualität (in Std.)

02:23

Aufheizen auf Betriebstemperatur (in Min.)

5:00

Ausstattung

max. Objektgröße (B x T x H in mm)

150 x 150 x 186

unterstützte Druckmaterialien

ABS, PLA, PET, HIPS

Bauplattform beheizbar

ja

Display / Speicherkartenslot / USB-Host

ja / ja / nein

Anschlüsse

USB 2.0

LED-Beleuchtung

ja

unterstützte Betriebssysteme

Windows XP, Vista, 7, 8, Mac OS X, Linux

Community

-

Gewicht Drucker betriebsbereit (in kg)

16,60

Handhabung

Software

Repetier Host, Cura, Simplify3D

Bewertung Software

entfällt, da mehrere zur Wahl

Dateiformate

STL, OBJ

Display: Sprache / Menüaufbau

Englisch / übersichtlich

Aufbau Drucker: Installation / Materialbestückung

einfach / einfach

Druckbetrieb: Stabilität Drucker / unbeaufsichtigtes Drucken

sehr stabil / ja

Verbrauch

Stromverbrauch (Betrieb / Ruhe / Aus)

110 / 16 / 0,0

Druckmaterial (Preis pro kg)

32,99

Preis Testobjekt (9,7 g)

0,32 Euro

Extras

-

Preis (Gerät)

3199 Euro

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