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3D-Drucker

Makerbot Replicator 2 im Praxistest

02.08.2013 | 10:28 Uhr |

Der Makerbot Replicator 2 gehört zu den bekanntesten, aber auch hochpreisigen 3-Druckern für den Desktop. Der Test untersucht, ob sich die Investition lohnt.

Der 3D-Drucker Makerbot Replicator 2 ist ein Fertiggerät. Ein Zusammenbauen, das bei Bausätzen erhebliche Zusatzarbeit verursachen kann, entfällt. Im stabilen Stahlgehäuse sind die Schrittmotoren, die Bauplattform und der Extruder angebracht. An der Gerätevorderseite befindet sich das Display, über das der Drucker bedient wird. Die Menüführung ist auf Englisch, eine andere Sprache ist nicht einstellbar.

Handgriffe vor dem Druck

Trotzdem der Makerbot Replicator 2 als Fertiggerät ausgeliefert wird, benötigt er einige Handgriffe, bevor es mit dem 3D-Druck losgehen kann. So muss zuerst die Bauplattform justiert werden. Dazu schalten wir den Replicator 2 ein und gehen am Display auf den Menüpunkt „Run Startup Script“. Nun fährt der Drucker vordefinierte Punkte auf der Bauplattform an, unter der sich Schrauben Austarieren befinden. Den idealen Abstand zwischen Düse und Plattform haben wir eingerichtet, wenn sich ein Blatt Papier, das wir zwischen Extruder und Plattform schieben, nur noch mit Zug bewegen lässt.

Im zweiten Schritt versorgen wir den Drucker mit Material. Der Makerbot Replicator 2 ist auf PLA (Polymilchsäure) optimiert. Das ist ein Kunststoff, der sich biologisch abbauen lässt. Das Material ist als Faden auf einer Spule aufgerollt. Diese lässt an der Gehäuserückseite anbringen. Den Kunststofffaden stecken wir in die Führung. Am Display haben wir den Menüpunkt „Change Filament“ und „Load“ aktiviert. Der Drucker heizt die Düse auf – das dauert eine kleine Weile, der Prozess lässt sich am Display gut verfolgen. Wenn uns der Replicator 2 dazu aufruft, führen wir den Kunststofffaden in den Extruder ein. Das Gerät ist betriebsbereit, wenn der Faden aus der Düse kommt.

3D-Drucker: Makerbot Replicator 2 im Video

Vorlagen – selbst machen oder herunterladen

Jeder, der einen 3D-Drucker vor sich stehen hat, möchte, dass das Gerät möglichst sofort mit der Arbeit beginnt. Der Makerbot Replicator 2 kann sowohl von SD-Karte als auch über USB vom Rechner drucken. Unser Testgerät hat mehrere Vorlagen auf der Speicherkarte hinterlegt. Das macht es im Test einfach, einen Druck zu starten. Wer allerdings keine Vorlage griffbereit hat, kann sich eine von der Makerbot-Community Thingiverse herunterladen. Für den privaten Gebrauch sind die Vorlagen ohne Probleme nutzbar, sofern Sie nicht mehr als sieben Kopien eines Gegenstandes machen. Die gewerbliche oder sonstige öffentliche Nutzung muss vom Urheber extra genehmigt werden.

Die Vorlagen selbst liegen in den meisten Fällen als STL-Dateien vor. Das Kürzel steht für Surface Tesselation Language und ist quasi die Standard-Schnittstelle bei CAD-Systemen. Das Format beschreibt die geometrischen Informationen von dreidimensionalen Modellen. Als Basis dient die Dreiecksfacette (tesselation oder Parkettierung), die durch drei Eckpunkte und die Fläche dazwischen bestimmt wird. Diese Daten werden dann für den Druck aufbereitet.

Druckersoftware Makerware

Hier kommt beim Makerbot Replicator 2 die Druckersoftware Makerware ins Spiel. Sie ist kostenlos und lässt sich von der Webseite des Herstellers herunterladen. Wie schon beim Drucker-Display ist auch bei der Software Englisch die Verkehrssprache. Ist die Vorlage in die Software geladen, lässt sich das Objekt verschieben, vergrößern, verkleinern, auf maximal mögliche Druckgröße bringen oder duplizieren. Mit einem Klick auf „M“ kommen wir in die Druckeinstellungen. Hier stellen wir ein, wie stark der Faden, die Wände und die Füllungen sein sollen. Ist alles festgelegt, lässt sich das Objekt entweder gleich drucken oder die Vorlage samt Einstellungen exportieren. Das Format „thing“ ist Makerbot-eigen. Behalten Sie besser STL weiter bei, wenn Sie die Vorlage für andere 3D-Drucker offen halten wollen. Auch das Druckprofil lässt sich separat exportieren. Wiederum sollten Sie das Format mit Bedacht wählen: X3G ist ein Makerbot-Format, GCode dagegen offen. Automatisch speichert das Programm keine Einstellungen.

Druckqualität und Drucktempo

Aus der Software heraus, startet der Druck mit einem Klick auf „Make it“. Drucken Sie von der SD-Karte, wählen Sie das entsprechende Motiv via Display aus. Hier startet der Druckprozess, ohne dass Sie weiter Einfluss nehmen können. Der Replicator 2 greift auf die Einstellungen zurück, die Sie vorher definiert haben. Von diesen sind sowohl Druckqualität als auch Tempo abhängig. Grundsätzlich arbeitet der Makerbot Replicator 2 fein. Die Folge: Ein Nachbearbeiten der fertigen Objekte beschränkt sich auf ein Minimum. Meist müssen Sie nur die Anfangs- und Endfäden abschneiden. Stückgerüste lassen sich ausbrechen.

Je feiner das 3D-Objekt aussehen soll, desto länger dauert auch der Druck. Zum Vergleich: Im Test benötigte ein kleines Töpfchen in mittlerer Auflösung mit 2 Shells (Wandstärken) 32 Minuten. Erhöhten wir die Druckqualität und die Stabilität des Töpfchens, dauerte der Druckvorgang 45 Minuten. Am Display und in der Software wird die Zeit angezeigt, allerdings nicht wie lange es noch dauert, sondern wie viel Zeit bereits verstrichen ist.

Testergebnisse

Makerbot Replicator 2

Druckzeiten: Töpfchen

Standardauflösung: 32 min, hohe Auflösung: 45 min

Stromverbrauch (in W)

Betrieb: 72 / Standby: 11,8 / Ruhe: 8,6 / Aus: 0,4

Die Einstellungen variieren auch je nach Druckmaterial. Wir mussten einige Drucke abbrechen, da der Faden buchstäblich gerissen ist. Hier hilft, die Fadenstärke zu erhöhen und das Tempo zu drosseln, mit dem sich die Druckdüse bewegt. Der Makerbot Replicator 2 hätte einfach weitergedruckt. Eine Alarm-Funktion fehlt dem Gerät.

Fazit – ausgewogener 3D-Drucker für den ambitionierten Nutzer

Der Makerbot Replicator 2 ist ein sehr stabil gebauter 3D-Drucker. Er steckt auch eventuelle Fehlgriffe und Anfangsfehler seiner Anwender klaglos weg. Während der Arbeit machen die Schrittmotoren und die Lüfter etwas Lärm. Auch Gerüche können entstehen. Gestört hat uns das nicht. Nett: Was der 3D-Drucker gerade macht, wird auch optisch vermittelt. LEDs im Gehäuse zeigen an, ob der Drucker gerade arbeitet, die Düse aufheizt oder fertig ist. Gut gefallen hat uns auch die Materialführung, die im Test problemlos funktioniert hat und die Fäden ordentlich zum Extruder bringt. Die Software ist eingängig und nach etwas Training trotz der englischen Sprache flott zu bedienen.

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