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Makerbot Replicator Mini im Test

09.06.2015 | 09:45 Uhr |

Als kleinster 3D-Drucker von Makerbot steigt der Replicator Mini in den Ring. Im Test zeigt er jedoch klare Schwächen.

Der derzeit kleinste 3D-Drucker aus dem Hause Makerbot ist der Replicator Mini. Er bringt es auf eine Baufläche von 10 x 10 x 12,5 Zentimetern (Breite x Tiefe x Höhe). Nicht nur die Baufläche, sondern auch das Gehäuse ist wesentlich kleiner als der Rest der Replicator-Reihe. Seitlich ist der 3D-Drucker mit Plexiglas versehen, nach oben ist das Gehäuse offen. Wie sein großer Bruder - der Replicator Desktop 3D Printer Fifth Generation, den wir auch schon im Testcenter durchleuchtet haben - ist die Mini-Variante mit einer Kamera ausgestattet, die eine Auflösung von 320 x 240 Pixel mitbringt. Außerdem hat der Replicator Mini ein WLAN-Modul eingebaut, um den 3D-Drucker ins heimische Netzwerk zu integrieren. So lässt sich der Druckfortgang per App Makerbot Mobile beobachten, wenn man nicht neben dem Drucker sitzt.

Installation – einfach und schnell in Betrieb

Es ist einfach, den Makerbot Replicator Mini in Betrieb zu nehmen. Das beiliegende Setup-Poster hilft zusätzlich dabei. Es ist zwar auf Englisch, bildet aber jeden Schritt grafisch ab. Los geht es mit dem Smart Extruder, den wir schon vom Test des Makerbot Replicator Fifth Generation kennen. Dank seiner Magneten lässt er sich schnell und unkompliziert an der Halterung anbringen. Danach legen wir das beiliegende Filament in den dafür vorgesehenen Schacht. Es handelt sich um eine wesentlich kleinere Rolle, als wir es von den 3D-Druckern bisher gewohnt sind. Im Nachkauf sollen etwa 220 Gramm Filament aufgerollt sein. Die Plastikführung zum Smart Extruder liegt separat bei. Wir fädeln den Kunststofffaden hinein und klippen die Führung seitlich am Filamentschacht fest.

Einsteiger vs. Profi - 3D-Drucker im Vergleich

Danach bekleben wir die Bauplattform mit der beiliegenden Folie, um die Haftung der 3D-Objekte zu erhöhen. Üblicherweise ist die Bauplattform bei Makerbot aus Glas oder Plexiglas, beim Mini ist sie aus Kunststoff. Der Hersteller gibt Acryl als Material an. Sie lässt sich an der Hebevorrichtung über Schienen befestigen und rastet ein. Nun verbinden wir den Replicator Mini per USB mit dem Rechner, bevor wir ihn mit Strom versorgen. Mehr Handgriffe sind für die Hardware-Installation nicht nötig.

Nur mit Account bei Makerbot ist die Inbetriebnahme des Makerbot Resplicator Mini erfolgreich.
Vergrößern Nur mit Account bei Makerbot ist die Inbetriebnahme des Makerbot Resplicator Mini erfolgreich.

Installation – Software, Account und Animation

Im üblichen Ablauf hätten wir jetzt die Drucksoftware Makerbot Desktop von der Hersteller-Webseite heruntergeladen. Da wir aber den Replicator Fifth Generation gerade getestet haben, ist das Programm noch auf dem Testrechner. Die Treiber für den Mini hat das Programm nach dem Verbinden per USB automatisch aufgespielt und beginnt die Setup-Routine am angeschlossenen Rechner. Als erstes werden wir aufgefordert, die Firmware des 3D-Druckers zu aktualisieren. Nach dem Druckerneustart folgt im nächsten Schritt das Aktivieren des WLAN-Moduls, das Einhängen ins Drahtlosnetzwerk und die Anmeldung am Makerbot-Account. Wer noch kein Konto bei Makerbot hat, legt es an dieser Stelle an.

Danach folgen einige Videos zur Hardware-Installation – darunter auch das Laden des Filaments. Dazu heizt der Drucker die Düse auf. Ist er fertig, folgt das Einführen des Kunststoffdrahts in den Smart Extruder. Eine Kalibrierung der Bauplattform ist in der Routine nicht vorgesehen. Ist das Filament geladen, sollen wir gleich einen ersten Probedruck durchführen.

Mini-Kalibrierung vor dem Drucken

Wie schon beim Replicator der fünften Generation führt auch der Mini eine kleine Kalibrierung der Bauplattform vor jedem Druck aus. Dazu checkt er den Abstand zuerst an der linken Ecke der Bauplattform. Sie ist mit Metall verkleidet. Danach fährt er einen Punkt auf der Baufläche an. Interessanterweise befindet sich dort eine der drei Befestigungsschrauben der Baufläche. Der 3D-Drucker nutzt diese Stelle, um den Abstand von Druckdüse und Bauplattform zu kontrollieren. Ist das erledigt, fährt der Replicator Mini in die Ausgangsposition, heizt die Düse auf und beginnt mit dem Druck des Objekts.

Beim Makerbot Replicator Mini ist auch die PLA-Rolle klein. Sie bringt rund 200 Gramm Filament mit.
Vergrößern Beim Makerbot Replicator Mini ist auch die PLA-Rolle klein. Sie bringt rund 200 Gramm Filament mit.

Ausstattung – ohne Display

Der Makerbot Replicator Mini ist nicht nur viel kleiner als der Rest der Makerbot-Reihe, er ist auch eine abgespeckte Version. Denn er lässt sich ausschließlich über einen Rechner oder ein Mobilgerät steuern. Drucken im Stand-alone-Betrieb ist nicht vorgesehen. So gibt es kein Display und keinen Drehdruckregler wie bei den anderen Makerbot-Modellen. Auch ein Drucken über eine Speicherkarte oder einen USB-Stick ist nicht möglich. Es bleibt nur die Kontrolle per Rechner über die USB-Verbindung oder WLAN, um per Smartphone und Tablet auf den Mini aufzupassen.

Daher kommt der kleinen Kamera, die im Rahmen des Makerbot Replicator Mini eingebaut ist, und der Monitorfunktion über die Drucksoftware Makerbot Desktop eine höhere Bedeutung zu als etwa beim Replicator der Fünften Generation. Denn über das Programm steuern Sie nun auch den Filamentwechsel und greifen ein, wenn etwas mit dem Druck nicht klappt.

Passiert etwas während des Drucks, stoppt der Vorgang und Sie sehen einen Alarm per App Makerbot Mobile.
Vergrößern Passiert etwas während des Drucks, stoppt der Vorgang und Sie sehen einen Alarm per App Makerbot Mobile.

Nicht alles ausgereift am Replicator Mini

Probleme treten im Test vor allen Dingen mit der Kunststoffrolle auf. Sie steckt in einem Schacht an der hinteren Seite des Gehäuseinnenraums. Während unserer Testläufe verkantet sie sich in regelmäßigen Abständen. Das führt zu einer Spannung im Filament, die so groß werden kann, dass es zu Materialstau kommt oder sich der Smart Extruder aus der Magnethalterung löst. In diesem Moment meldet das Druckprogramm entweder „Filament Jam“ oder „Extruder Error“. Der Druck stoppt automatisch.

Wir lösen die Rolle und führen entweder ein Entladen und erneutes Laden des Materials aus oder lassen den Extruder wieder an die Magneten anschnappen. Der Mini setzt nach dem Beheben des Problems den Druck fort, wenn wir auf „Resume“ klicken. Am Druckobjekt entstehen Unsauberkeiten, da sich die ersten Kunststofffäden daran als Tropfen ansammeln.

Wenn der Mini nach einem behobenen Druckproblem weiterarbeitet, verursacht er einen Kunststofftropfen am Objekt.
Vergrößern Wenn der Mini nach einem behobenen Druckproblem weiterarbeitet, verursacht er einen Kunststofftropfen am Objekt.

Außerdem sehen wir jeden neuen Ansatz, da der 3D-Drucker naturgemäß nicht an ganz genau der Stelle weiterdruckt, an der er aufgehört hat. Das geht zur Lasten der Druckqualität, denn die Druckfehler lassen sich nur durch Nachbearbeiten ausmerzen. Aufgrund dieser Erfahrungen können wir nicht dazu raten, den Replicator Mini komplett unbeaufsichtigt arbeiten zu lassen. Er hält zwar ohne unser Eingreifen im Druck inne. Allerdings kann er das Problem nicht alleine lösen. Das Gerät steht dann im schlechtesten Fall über Nacht im Standby, bis Sie selbst Hand anlegen.

Druckdüse als extra Bauteil, in dem Intelligenz steckt und das mit Magneten an der Halterung angebracht wird.
Vergrößern Druckdüse als extra Bauteil, in dem Intelligenz steckt und das mit Magneten an der Halterung angebracht wird.

Eine Verbesserung der Materialführung erreichen wir, indem wir den Smart Extruder austauschen. Der Ersatz kommt im Nachkauf auf extra 179 Euro – ein stolzer Preis. Allerdings haben seine Magneten mehr Kraft, um die Rolle in Bewegung zu halten. Unterm Strich bleibt das System aber anfällig, denn wer weiß schon, ob die Magneten nicht mit der Zeit wieder schwächer werden.

Grundsätzlich wollen wir aber auch nicht ausschließen, dass die Rolle selbst eine Unwucht hat und sich deshalb verkantet. Der Schacht, in dem sie steckt hat scharfe Kanten. Läuft die Rolle nur etwas schief, bleibt sie daran von Zeit zu Zeit hängen. Ein Abschleifen oder Abdecken könnte Abhilfe schaffen. Der Fehler tritt auch nur auf, wenn der Extruder beim Drucken einen weiteren Weg zurücklegen muss. Vielleicht zieht er in dem Moment auch zu ruckartig am Filament, so dass die Rolle aus der idealen Stellung im Schacht kommt.

In der Software Makerbot Desktop können Sie sich den errechneten Maschinencode grafisch anzeigen lassen.
Vergrößern In der Software Makerbot Desktop können Sie sich den errechneten Maschinencode grafisch anzeigen lassen.

Die Sache mit der Auflösung

Ein zweites Phänomen tritt beim Replicator Mini auf: Er hat nur eine Auflösungsstufe. Alle unsere Testobjekte gibt er im Standard-Modus aus. Im Klartext: Besser als mit 0,2 Millimetern Schichtdicke kann er nicht drucken. Das ist im Falle von Prototypen und bei präzisen Vorlagen im Zweifel zu grob. Umgekehrt können wir auch keinen schnelleren Druck in der niedrigsten Auflösung „Low“ starten, um etwa einen ersten Eindruck von einem Objekt zu bekommen.

Die festgelegte Auflösung bringt dem Makerbot Replicator Mini naturgemäß Abzüge in der Druckqualität. Der Grund: Die einzelne Schicht bleibt zu stark sichtbar und lässt die Oberfläche etwas rau ausfallen. Auch die Tatsache, dass er ausschließlich mit Raft – einer Hilfsplattform – druckt, spricht nicht gerade für einen 3D-Drucker dieser Preisklasse.

Die Kritikpunkte schlagen sich auch auf die Geschwindigkeitswertung nieder. Unser kleines Testobjekt – das Sahnetöpfchen - dauert 1:17 Stunden. Die Prognose vom Druckprogramm gibt eine nur eine Minute schnellere Druckzeit an, stimmt also überein. Hier sind jedoch die Zeiten, die wir für das Reparieren der Materialführung und des Extruders benötigen, bereits abgezogen. Allerdings verlängern sie eigentlich den Zeitaufwand erheblich. Vergleichbar bleibt die Zeitdauer, die der Replicator Mini fürs Aufwärmen benötigt: Wie der Replicator der fünften Generation stoppen wir hier 4:30 Minuten. Der Prozess ähnelt ja auch dem des großen Bruders.

Fazit – nicht ganz ausgereifter 3D-Drucker

So knuffig Makerbot der Replicator Mini vom Aussehen her gelungen ist, so wenig verlässlich erweist sich der 3D-Drucker im Test. Erst nach dem Austausch des Smart Extruders läuft das Gerät stabiler und unterbricht nicht ständig aufgrund von Materialstau oder Magnetproblemen mit dem Smart Extruder. Außerdem ist eine Auflösungsstufe für einen 3D-Drucker, der bei Makerbot Europe auf 1599 Euro kommt, einfach zu mager. Auch mag wohl nicht jedermann ausschließlich mit Raft drucken und nach dem Druck die Hilfsplattform manuell entfernen. Damit ist der Vorteil der eigentlich glatten Bauplattform dahin.

Gleichzeitig erweist sich das Gerät als teuer im Unterhalt. Da ausschließlich die speziellen kleine Rollen in den Schacht des Mini passen, kommen wir auf einen Kilopreis für das PLA-Filament von 104 Euro. Da das Gerät nur mit Raft druckt, verbraucht es auch stets mehr Material. Unser elf Gramm leichtes Sahnetöpfchen kostet damit auf 1,15 Euro – ein gesalzener Preis, der sogar noch über dem anderer Versionen der Replicator-Reihe liegt, die auch nicht gerade für günstige Materialkosten bekannt sind. Insgesamt muss Makerbot hier nachbessern. Immerhin soll der Replicator Mini für den Einstieg in den 3D-Druck begeistern. Das tut er im Moment nur bedingt.

Weitere Tests zu 3D-Druckern von Makerbot: Replicator 2 , Replicator Fünfte Generation

Produkt

Makerbot Replicator Mini

Bauart

Fertiggerät

minimale Schichtstärke (in mm)

0,2

Filamentstärke (in mm)

1,75

Düsendurchmesser (in mm)

0,4

Abmessungen betriebsbereit (B x T x H in mm)

298 x 311 x 381

Händler

Makerbot Europe

Druckqualität

Standardqualität

ausreichend

höchste Qualität

enfällt, da nur Standard möglich

Drucktischjustierung

exakt

Druckqualität mit Support

entfällt, da nicht vorgesehen

Geschwindigkeit

Testobjekt in geringer Qualität (in Std.)

1:17 - nur Auflösung "Standard" möglich

Testobjekt in höchster Qualität (in Std.)

entfällt

Aufheizen auf Betriebstemperatur (in Min.)

4:30

Ausstattung

max. Objektgröße (B x T x H in mm)

100 x 100 x 125

unterstützte Druckmaterialien

PLA

Bauplattform beheizbar

nein

Display / Speicherkartenslot / USB-Host

nein / nein / nein

Anschlüsse

USB 2.0, WLAN

LED-Beleuchtung

ja

unterstützte Betriebssysteme

Windows 7, 8, Mac-OS, Linux

Community

Thingiverse

Gewicht Drucker betriebsbereit (in kg)

8,9

Handhabung

Software

Makerbot Desktop

Bewertung Software

übersichtlich, viele Einstelloptionen

Dateiformate

STL, OBJ, THING, Makerbot

Display: Sprache / Menüaufbau

Englisch / übersichtlich

Aufbau Drucker: Installation / Materialbestückung

einfach / einfach

Druckbetrieb: Stabilität Drucker / unbeaufsichtigtes Drucken

noch stabil / bedingt

Verbrauch

Stromverbrauch (Betrieb / Ruhe / Aus)

68,9 / 14,3 / 0,3

Druckmaterial (Preis pro kg)

104,09 Euro

Preis Testobjekt (11 g)

1,15 Euro

Extras

App Makerbot für Android und iOS, App Printershop für iOS

Preis (Drucker)

1599 Euro

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