11.09.2009, 14:32

Alexander Kuch

Lüfterloser Wohnzimmer-PC

PC Deltatronic Silentium! Media-PC im Test

Lüfter streng verboten: Der Deltatronic Silentium! Media-PC überzeugt im Test durch beinahe lautlosen Betrieb und ein exklusives Design, setzt aber eine pralle Brieftasche voraus.
"Lautloses Media-PC-System": Hersteller Deltatronic verspricht für den Silentium! Media-PC absolute Ruhe im Betrieb und geht dafür radikal ans Werk: Außer Festplatten dürfen keine bewegliche Teile in den PC, Lüfter müssen draußen bleiben. In der Praxis bedeutet dies, dass alle Hitze entwickelnden Bauteile passiv gekühlt werden: CPU, Chipsatz, Grafikkarte und das Netzteil kommen dank interner und externer Kühlkörper komplett ohne Lüfter aus. Außerdem ist der Media-PC mit seinem Gehäusedesign in gebürstetem Aluminium ein echter Hingucker. Das Highlight ist ein kleines 7-Zoll-Touchscreen-Display auf der Vorderseite. Alle diese Vorzüge lässt sich Deltatronic allerdings fürstlich bezahlen: Wir wollten im Test herausfinden, ob der PC seinen opulenten Preis von 3020 Euro wert ist.
Ausstattung: Unser Testgerät des Deltatronic Silentium! Media-PC war mit dem Intel Core 2 Duo E8600 ausgestattet. Der im fortschrittlichen 45-Nanometer-Verfahren produzierte Prozessor greift auf üppige 6 MB L2-Cache zurück. Zudem hat der Core 2 Duo E8600 alle wichtigen Funktionen an Bord, die ein moderner Prozessor beherrschen muss. In unserem Test machte der Core 2 Duo E8600 beim Umwandeln von Musik und Videos in andere Dateiformate und Kompressionsstufen eine gute Figur - sofern Sie Software wie beispielsweise iTunes verwenden, die maximal zwei Kerne auslastet.
Der Deltatronic Silentium! Media-PC verfügt über 4 GB RAM, im Online-Shop lässt sich der Speicher auf auf 8 GB aufstocken. Unverständlich bleibt allerdings, warum Deltatronic zu diesem Zweck direkt im Shop kein Betriebssystem anbietet, das den Speicher voll nutzen kann. Windows Vista Home Premium und Ultimate stehen dort lediglich in der 32-Bit-Variante zur Auswahl - ein 64-Bit-System gibt es laut Aussage von Deltatronic nur auf Anfrage. Unschön ist auch, dass Sie das Betriebssystem selbst installieren oder für eine Vorinstallation 50 Euro extra bezahlen müssen. Einen Gutschein für Windows 7 bekommen Sie allerdings gratis.
Das Betriebssystem läuft auf einer Solid State Drive mit 64 GB Kapazität, zur Datenspeicherung dienen zwei (oder auf Wunsch drei) SATA-Festplatten mit einem Fassungsvermögen von jeweils 500 GB. Die Magentscheiben in den SATA-Festplatten sind tatsächlich die einzigen beweglichen Teile im gesamten PC.
Der integrierte DVD-Brenner kann auf Wunsch gegen einen Blu-ray-Brenner getauscht werden - für 200 Euro Aufpreis. Erfreulicherweise bietet Deltatronic die Möglichkeit, den PC mit einer echten Soundkarte auszustatten. Die Creative Soundblaster X-Fi Titanium verfügt neben den üblichen analogen Anschlüssen über einen optischen S/P-DIF-Ausgang und -Eingang. Die Angabe "12xUSB" im Onlineshop bezieht sich allerdings nur auf die Fähigkeit der Hauptplatine, insgesamt 12 Anschlüsse (intern und extern) bereitzustellen. Unser Testgerät hatte auf der Vorderseite zwei USB-Anschlüsse und auf der Rückseite sechs.
Blickfang auf der Frontseite des Deltatronic Silentium! Media-PC ist das integrierte 7-Zoll-Display mit Touchscreen. Auf dieser Anzeige werden nicht Temperaturwerte angezeigt, wie man dies von Lüftersteuerungen mit LCD-Display kennt: Der komplette Windows-Desktop ist auf diesem Display zu sehen. Die Bedienung von Windows mit den Fingern auf dem kleinen Touchscreen erwies sich im Test als so gut wie unmöglich. Selbst ein Zeigestift muss eine hauchdünne Spitze haben, um die Menüeinträge zu treffen. Doch der eigentliche Zweck des Displays ist die Steuerung des Windows Media Center, beispielsweise wenn ein Beamer angeschlossen ist, Sie aber keine Sichtverbindung zur Leinwand haben. Bequemer funktioniert es allerdings mit der beiliegenden Infrarot-Fernbedienung. Für Tastatur und Maus müssen Sie - ebenso wie für eine TV-Karte - zusätzlich bezahlen: Die günstigste Tastatur "Cherry Evolution Stream XT" kostet 34 Euro, die Laser-Maus "Logitech RX1000" liegt bei 23 Euro.

Alle Hitze entwickelnden Komponenten besitzen einen Kühlkörper. Die Abwärme von CPU und Grafikkarte wird über eine Heatpipe an die Rückseite des PCs geleitet. Dort führt eine Temperaturbrücke zum großen Kühlkörper, der außen am PC angebracht ist. Dieser Kühlkörper erstreckt sich über die gesamte Gehäusebreite und ist 43fach aufgefaltet, um die Wärme über eine möglichst große Fläche an die Luft abzugeben. Die Oberseite des PCs ist etwa zur Hälfte mit Lüftungsöffnungen versehen, aus denen im Test merklich warme, aber nicht zu heiße Luft strömte. Im Betrieb dürfen Sie den PC also keineswegs abdecken oder andere Geräte auf den Lüftungsöffnungen abstellen.
Tempo: Für eine Dualcore-CPU sind die Benchmarkwerte sehr gut. Allerdings bekommen Sie bei einem Spiele-PC ab 1000 Euro aufwärts bereits eine Quadcore-CPU wie den Intel Core i7. Allerdings kann dieser nur bei Anwendungen, die alle vier Kerne ausnutzen, seine Vorteile voll ausspielen, und eine Kühlung ohne Lüfter ist bei dieser CPU-Familie nur per Wasserkühlung machbar.

Dass der Intel Core 2 Duo E8600 bei Anwendungen, die nur einen CPU-Kern nutzen, problemlos mit Quadcore-CPUs mithalten kann, zeigt der Single CPU Render Test unter Cinebench 10, bei dem der Deltatronic Silentium! Media-PC 3653 Punkte erreicht: Zum Vergleich: der Atelco 4gamez! AMD Phenom II X4 940 hatte mit der gleichnamigen Quadcore-CPU hier nur 3378 Punkte geschafft, der Arlt Core i7 Xtreme Gamer GTX295 mit Core i7 920 liegt mit 3838 Punkten nur knapp darüber. Erst bei einer Übertaktung des Core i7 schaffen Spiele-PCs hier Werte um 6000 Punkte.
Bei den Benchmarks kann der Deltatronic Silentium! Media-PC allerdings nicht mit den Spiele-PCs seiner Klasse konkurrieren. Mit 3555 Punkten im 3D Mark Vantage schafft er gerade einmal 10 Prozent der Leistung der besten Spiele-PCs im Test. Im PC Mark Vantage erreicht er mit 6941 Punkten gut die Hälfte der Punktzahl eines hochgezüchteten Spiele-PCs. Die Vorzüge des Deltatronic Silentium! Media-PC liegen auch hier eher im Detail: Dank der superschnellen Solid State Drive ist der Deltatronic Silentium! Media-PC im PC Mark Vantage HDD-Benchmark mit 19822 Punkten der zweitbeste PC im Test. Im HDD-Benchmark von PC Mark 05 stellt er mit 26935 Punkten sogar einen neuen Bestwert auf und lässt die Konkurrenz der Spiele-PCs mit mehreren SSDs im RAID0 hinter sich.
Bei der Grafikleistung muss der Deltatronic Silentium! Media-PC allerdings vor den Spiele-PCs die Segel streichen: Mit der ATI Radeon HD4670 und 512 MB Videospeicher ist der Media-PC für aktuelle DirectX10-Kracher in hoher Auflösung und bester Qualitätseinstellung nicht geeignet. Für Blu-ray- und DVD-Wiedergabe ist diese Karte aufgrund der passiven Kühlungsmöglichkeit aber eine gute Wahl.
Ergonomie: Der Stromverbrauch des Deltatronic Silentium! Media-PC liegt im Desktop-Modus mit 80,3 Watt im akzeptablen Bereich. Auch unter Volllast steigt der Energieverbrauch nie über 134 Watt; Spiele-PCs verbrauchen hier im Vergleich zwischen 200 und über 800 Watt.
In der normalen Büroumgebung war der PC akustisch nicht wahrnehmbar - in der Schallmesskammer musste er beweisen, ob er das Versprechen erfüllen kann, "lautlos" zu sein. Während der Messung zeigte der PC wegen der fehlenden Lüfter und der lautlosen SSD mit einem Pegel von 0,3 Sone keinerlei Unterschied zwischen Desktop-Betrieb und voller Last. Eine Geräuschquelle konnten wir allerdings doch entdecken: In der Ruhe der Schallmesskammer vernahmen wir ein hörbares Summen des Netzteils. Bei der Pegelmessung schwankte das Ergebnis zwischen 20,6 und 21 dB(A). Im Gegensatz zur Messung bei ausgeschaltetem PC ergab sich hier eine Differenz von 0,2 Sone beziehungsweise 4 dB(A). Rein messtechnisch ist der PC also nicht lautlos, und wenn Sie in einer ruhigen Umgebung den Kopf direkt über den PC halten, können Sie das Summen des Netzteils hören. Die Bezeichnung "lautlos" ist aber für eine normale Büro- oder Wohnzimmerumgebung mit einem gewissen Abstand zum PC und der üblichen Geräuschkulisse durchaus gerechtfertigt. Völlig lautlos verhielten sich in unseren Tests allerdings Nettops wie beispielsweise die Asus Eee Box B202.
Fazit: Im Alltagsbetrieb ist der Deltatronic Silentium! Media-PC akustisch nicht wahrnehmbar und erhält dafür unseren eco2-Award. Im Test überzeugt der PC durch eine intelligente Komponentenauswahl, die passive Kühlung und das edle Design, wofür wir ihn mit unserem Design-Award auszeichnen. Das Touchscreen-Display ist für die Mediacenter-Bedienung eine nette Option und der Stromverbrauch des PCs akzeptabel. Die SSD gefällt durch einen sehr schnellen Betrieb. Für soviel Luxus müssen sie mit über 3000 Euro allerdings einen horrenden Preis bezahlen. Denn die Dualcore-CPU kann nur bei Anwendungen punkten, die 1-2 CPU-Kerne benötigen. Für 3D-Spiele und andere grafikhungrige Anwendungen ist der PC mit seiner Festlegung auf passive Kühlung nicht geeignet und auch die Festplattenkapazität ist zu diesem Preis mager. Ärgerlich ist, dass ein 64-Bit-Betriebssystem nur auf konkrete Anfrage zur Verfügung steht und der DVD-Brenner keine Blu-ray-Lesefunktion hat.
Alternativen: Die Nettops Asus Eee Box B202, Acer Aspire R3600 Revo und Acer Veriton N260G erwiesen sich im Test als noch leiser. Obwohl ihre Rechenleistung deutlich schlechter ist, kosten sie nur ein Zehntel des Deltatronic-PCs. Eine vergleichbare Rechenleistung bietet der HP Pavilion m9584de für 1000 Euro, arbeitet aber für einen Multimedia-PC im Wohnzimmer zu laut.
Varianten:
Deltatronic Silentium! Media-PC mit Intel Core 2 Duo E7400 oder E8400
Deltatronic Silentium! Media-PC mit 2 oder 8 GB RAM
Deltatronic Silentium! Media-PC mit SSD-Kapazität bis 256 GB und SATA-Festplattenkapazität bis 1,5 Terabyte
Deltatronic Silentium! Media-PC mit Nvidia Geforce EN6200LE oder ATI Radeon HD4350
Deltatronic Silentium! Media-PC mit TV-Karte und/oder Blu-ray-Brenner
Deltatronic Silentium! Media-PC mit Windows Vista Ultimate 32-Bit inkl. Windows-7-Gutschein
Deltatronic Silentium! Media-PC mit schwarzem Aluminium-Gehäuse
Vorschaugrafik: Medion Akoya P7350 D (MD 8860) im Test - klein
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