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Logitech G910 Orion Spark im Praxistest

30.04.2015 | 15:15 Uhr |

Logitech möchte den Markt der Gaming-Tastaturen mit selbstentwickelten mechanischen Schaltern, RGB-Beleuchtung und einer Second-Screen-Lösung fürs Smartphone umkrempeln. Wir haben das Keyboard im Praxistest.

„Orion Spark leuchtet den Weg in die Zukunft“: Mit diesen verheißungsvollen Worten stellt Logitech seine neuste Tastatur G910 Orion Spark auf der offiziellen Produktseite vor. Das Highlight schlechthin sollen nämlich die einzeln beleuchteten Tasten sein, die auf neu entwickelten Mechanik-Schalter sitzen. In Kooperation mit Omron sind die sogenannten Romer-G-Switches entstanden, die eigens für Gamer konzipiert sein sollen. Damit möchte der Hersteller dem Platzhirsch Cherry und seinen MX-Schaltern Paroli bieten. Laut Logitech wird es auch Zeit für neue Schalter, schließlich seien die Cherry-MX mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen.

Mechanische Tastaturen - Grundlagenwissen

Romer-G: Neue mechanische Schalter mit Farbspiel

Herstellerangaben zufolge lösen die Romer-G-Schalter bis zu 25 Prozent schneller aus. Hierfür muss der Nutzer nur einen Widerstand von 45 Gramm und eine Auslösedistanz von nur 1,5 Millimetern überwinden. Zum Vergleich: Die bei Gamer sehr beliebten Cherry-MX-Reds setzen zwar ebenfalls einen Druck von 45 Gramm voraus, lösen aber erst nach zwei Millimetern aus. Allerdings ahnen Sie es vielleicht schon: Die Gefahr sich zu vertippen steigt parallel dazu! Darüber hinaus verspricht Logitech eine Lebensdauer von 70 Millionen Anschlägen, während Cherry die Haltbarkeit mit 50 Millionen angibt. Natürlich gibt es auch ein taktiles sowie hörbares Feedback, letzteres fällt allerdings deutlich leiser aus als bei den Cherry-Schaltern. Grundsätzlich lässt sich die G910 also etwas unauffälliger und flotter bedienen, der Anschlag an sich fällt gefühlt weicher aus.

Die mechanischen Romer-G-Schalter im Querschnitt. Links ist deutlich der Lichtkanal zu sehen, der von der Spiralfeder umschlossen ist.
Vergrößern Die mechanischen Romer-G-Schalter im Querschnitt. Links ist deutlich der Lichtkanal zu sehen, der von der Spiralfeder umschlossen ist.
© Logitech

Innerhalb der neuen Module sorgt eine Spiralfeder dafür, dass die Taste wieder zurück in die Ausgangsposition schnellt. Die Feder umschließt dabei den von Logitech getauften Lichtkanal, der das Licht der im PCB sitzenden LED mittig auf die Tastenkappe weiterleitet. Auf diese Weise ermöglicht der Hersteller eine gleichmäßigere Ausleuchtung der Tasten, und auch die Streuung hält sich dadurch in Grenzen. Denn bei der Konkurrenz sitzen die LEDs meist über oder unter dem Tastenmodul. Natürlich folgen die Leuchten dem aktuellen Lichtspiel-Trend und beherrschen die Darstellung des vollen RGB-Farbspektrums, also 16,8 Millionen Farben. Tatsächlich empfinden wir die Ausleuchtung satter als bei der Konkurrenz mit Cherry-MX-Schaltern, und besonders bei vielen unterschiedlichen Farben sind die Abgrenzungen deutlich zu erkennen. Allerdings bezweifeln wir, dass RGB-Tastaturen generell imstande sind, die feinen Nuancen der Millionen auswählbaren Farben korrekt darzustellen.

Die Beleuchtung der Romer-G-Schalter wirkt intensiver und ist mittig angebracht. Die Aufnahme der Tastenkappen erfolgt über vier Punkte und ist somit stabiler als bei der herkömmlichen Kreuz-Aufnahme.
Vergrößern Die Beleuchtung der Romer-G-Schalter wirkt intensiver und ist mittig angebracht. Die Aufnahme der Tastenkappen erfolgt über vier Punkte und ist somit stabiler als bei der herkömmlichen Kreuz-Aufnahme.

Blindschreiben leicht gemacht

Doch auch die Tastenkappen selbst unterscheiden sich von der breiten Konkurrenz: Anstelle von glatten Oberflächen formt der Hersteller die Kappen mit einer leichten Mulde. Zusätzlich sind die für Gamer so wichtigen Tasten W, A, S und D sowie die Pfeil- und Makrotasten mit einem speziellen sowie spürbaren Muster lasergraviert, um sie auch ohne auf die Tastatur zu kucken (Blindschreiben) zu finden. In der (Gaming-) Praxis machen sich diese Gravierung tatsächlich positiv bemerkbar und wir finden die Tasten auf Anhieb, ohne hinzusehen. Außerdem setzt Logitech auf eine neue Befestigung für die Aufnahme der Tastenkappen: Anstelle der von den Cherry-MX-Switches bekannten Kreuzaufnahme erfolgt die Befestigung über vier Punkte – das soll für eine stabileren Halt sorgen, was wir durchaus bestätigen können. Zu den weiteren Sondertasten zählen die Multimediasteuerung sowie ein gummiertes Drehrad für die Lautstärkeanpassung. Uns persönlich gefallen die gesonderten Tasten besser als die oft übliche Doppelbelegung der F-Tasten.

Die zusätzlichen Tasten lassen sich in der Treiber-Software beliebig belegen. Zu sehen ist auch die besondere Lasergravur der WASD- und G-Tasten, um sie beim Blindschreiben besser zu finden.
Vergrößern Die zusätzlichen Tasten lassen sich in der Treiber-Software beliebig belegen. Zu sehen ist auch die besondere Lasergravur der WASD- und G-Tasten, um sie beim Blindschreiben besser zu finden.

Mit im Lieferumfang befinden sich sogar zwei Handballenablagen. Die eine ist etwas schmaler, während die andere etwas breiter ausfällt. Bei beiden ist allerdings besonders die Ablage für den linken Arm größer und steht hervor – klar, denn Gamer bedienen in der Regel die Maus mit dem rechten Arm. Allerdings fehlt dadurch die Stütze für den rechten Arm beim Schreiben. Ganz weglassen können Sie die Handballenauflage auch nicht, da ansonsten das Grundgerüst offen liegt. In Sachen Qualität wirken die Auflagen jedoch ziemlich klapprig, da sie recht dünn sind. Zusätzliche USB- oder Audio-Ports gibt es an der G910 leider nicht, und auch das Kabel ist nicht geflochten – in dieser Preisklasse sollte das obligatorisch sein, wie wir finden.

Logitech schickt gleich zwei asymmetrische Handballenauflagen mit, die allerdings ziemlich dünn sind und nur die linke Hand stützen.
Vergrößern Logitech schickt gleich zwei asymmetrische Handballenauflagen mit, die allerdings ziemlich dünn sind und nur die linke Hand stützen.

Arx Control: Smartphone als Second-Screen

Treue Fans dürften sicher bemerkt haben, dass Logitech bei seinem neusten Tastatur-Flaggschiff auf ein integriertes Display verzichtet hat, wie seinerzeit bei der G19s. Allerdings müssen Sie nicht auf die Zusatzinformationen verzichten. In die Oberseite hat der Hersteller eine kleine Halterung integriert, um sein Smartphone oder Tablet einzusetzen. Über die zugehörige App „Arx Control“ für Android oder iOS dient das mobile Gerät ab sofort als Second-Screen, um beispielsweise Informationen zu Ihrem System oder zum aktuellen Spiel anzuzeigen. Um diese Technik zu nutzen, müssen sich der PC und das Mobilgerät im gleichen Netzwerk befinden und die Logitech-Gaming-Software muss installiert sein. In unserem Test klappt die Verbindung auf Anhieb. Auf Wunsch lässt sich das Mobilgerät auch direkt mit der Eingabe der entsprechenden IP koppeln.

Das "Arx Dock" nimmt auch größere Smartphones und Tablets auf (hier ein Samsung Galaxy Note 4), bei schmaleren Handys ist das Ganze allerdings etwas wacklig. Außerdem fehlt eine Stromversorgung oder die Möglichkeit, ein Ladekabel duchzuführen.
Vergrößern Das "Arx Dock" nimmt auch größere Smartphones und Tablets auf (hier ein Samsung Galaxy Note 4), bei schmaleren Handys ist das Ganze allerdings etwas wacklig. Außerdem fehlt eine Stromversorgung oder die Möglichkeit, ein Ladekabel duchzuführen.

Ganz neu ist das allerdings nicht: Roccat brachte bereits 2013 eine ähnliche Technik namens Power Grid auf den Markt – allerdings bietet der Hersteller aktuell keine Tastatur ein, bei dem sich das Smartphone einsetzen lässt. Das ist generell eine nette Idee, auch wenn wir uns eine Möglichkeit zur Stromversorgung gewünscht hätten, also beispielsweise einen integrierten Micro-USB-Anschluss. Allerdings würde Logitech damit iOS-Nutzer ausschließen, die ja auf die proprietäre Lightning-Schnittstelle setzen. Eine Lösung wäre vielleicht eine Kabel-Durchführung im Halter gewesen. Beim Arx-Dock fällt uns weiterhin auf, dass schmalere Smartphones innerhalb der Halterung ziemlich wackeln. Bei breiteren Geräten klappt die Fixierung jedoch recht gut.

Arx Control nutzt das Smartphone als Second-Screen, um zusätzliche Informationen anzuzeigen, oder auch um weitere Eingaben zu ermöglichen. Außerdem lassen sich darüber auch Spiele direkt auf dem PC starten.
Vergrößern Arx Control nutzt das Smartphone als Second-Screen, um zusätzliche Informationen anzuzeigen, oder auch um weitere Eingaben zu ermöglichen. Außerdem lassen sich darüber auch Spiele direkt auf dem PC starten.

Kontrollzentrale: Logitech Gaming Software

In der Logitech Gaming Software stellen Sie die Beleuchtung ein, programmieren Profile und Makros. Die Menüführung ist übersichtlich gestaltet und braucht nur wenig Einarbeitung. Wenn Sie das erste Mal den Reiter zur Makro-Programmierung öffnen, führt das Programm auf Wunsch eine Suche nach den installierten Spielen auf Ihrem System durch, um Ihnen bereits vordefinierte Profile anzubieten – auch bei der Beleuchtung gibt es bereits eine breite Auswahl von Logitech, die die wichtigsten Tasten (in der Standardbelegung) der jeweiligen Spiele entsprechend hervorhebt, eine Nachbearbeitung ist auch möglich. Natürlich dürfen Sie auch selbst Hand anlegen und nicht nur Tastengruppen, sondern auch einzelne Tasten mit einer eigenen Farbe belegen. Des Weiteren stehen Ihnen auch verschiedene Effekte zur Verfügung, wie beispielsweise ein Pulsieren oder auch eine Regenbogen-Welle.

Die Logitech Gaming Software erlaubt viele Einstellungen und ist dabei übersichtlich und intuitiv aufgebaut: So lassen sich dort unter anderem die Beleuchtung und Effekte sowie die Tasten-Progammierungen erledigen.
Vergrößern Die Logitech Gaming Software erlaubt viele Einstellungen und ist dabei übersichtlich und intuitiv aufgebaut: So lassen sich dort unter anderem die Beleuchtung und Effekte sowie die Tasten-Progammierungen erledigen.

Zusätzlich bietet Ihnen das Programm auch die Möglichkeit, eine eigene Heatmap zu erstellen: Wenn Sie auf Aufnahme klicken, erfasst das Tool, wie oft Sie welche Tasten drücken. In unserer Abbildung stoppen wir die Zeit nach über viereinhalb Stunden Spielen von GTA 5. Unsere Heatmap zeigt uns deutlich, dass wir die WASD-Tasten am meisten genutzt haben, während wir nur wenig restliche Tasten benutzt haben. Übrigens fasst die Software alle Eingabegeräte von Logitech in nur einer Anwendung zusammen.

Die Heatmap in der Software zeigt an, welche Tasten Sie wie oft genutzt haben. So lassen sich besonders häufig genutzte Tasten oder -gruppen beispielsweise anders beleuchten, um einen optischen Hinweis zu setzen.
Vergrößern Die Heatmap in der Software zeigt an, welche Tasten Sie wie oft genutzt haben. So lassen sich besonders häufig genutzte Tasten oder -gruppen beispielsweise anders beleuchten, um einen optischen Hinweis zu setzen.

Fazit zur Logitech G910 Orion Spark

Mit der G910 Orion Spark hat Logitech nicht nur ein sprichwörtliches Brett im Angebot: Die Tasten lösen präzise, zuverlässig und angenehm leise aus, die Beleuchtung ist kräftig und das Programmieren in der Software geht einfach von der Hand. Mit dem neuen Tastenkappen-Design trifft der Hersteller den Nerv der Gamer, denn beim Spielen macht sie sich durchweg positiv bemerkbar. Die Verarbeitung ist rundum gelungen und dem Preis entsprechend hochwertig, auch wenn Logitech etwas an der Handballenauflage gespart hat. Die Second-Screen-Lösung auf das Smartphone auszulagern ist unserer Meinung nach eine gute Idee – nur die fehlende Möglichkeit zum Aufladen der Geräte ist sehr schade. Dank öffentlich zugänglicher SDKs können sich Entwickler auch eigene Anzeigen basteln.

Die fehlenden USB- und Audio-Anschlüsse und das Gummikabel sind zu verschmerzen, allerdings wiegen sie bei einem Preis von 179 Euro (unverbindliche Preisempfehlung) doch recht schwer. Und auch für Vieltipper ist die G910 eher weniger geeignet: Zum einen wegen der schmalen Handballenauflage für den rechten Arm, und zum anderen aufgrund der markanten Tastenkappen.  

Und wie steht es um die Unterschiede zwischen den Cherry-MX- und den Romer-G-Schaltern? Beide Lösungen lösen stets präzise aus, setzen Eingaben zuverlässig um und sind sehr robust – einen qualitativen Unterschied konnten wir nicht feststellen. Nur lassen sich die Romer-G etwas flotter und leiser auslösen. Wie bei allen Eingabegeräten ist hier der eigene Geschmack maßgebend, weshalb Sie die Tastatur vor dem Kauf unbedingt ausprobieren sollten.

Die Alternativen zur G910 Orion Spark sind die mechanischen RGB-Modelle von Herstellern wie Corsair oder Razer, die sich preislich alle auf dem etwa gleichen Niveau befinden. Kommt es Ihnen aber nur auf die Mechanik-Switches an und Sie können gut auf die Leuchtspiele verzichten, dann tut es auch eine weitaus günstigere Tastatur mit Cherry-MX- oder Kailh- respektive Razer-Switches. Eine günstigere Tastatur mit Romer-G-Schaltern gibt es bisher allerdings noch nicht.

Aufgrund der neuen Schalter-Module, durchdachten Software-Programmierung und Second-Screen-Lösung verleihen wir der Logitech G910 Orion Spark den offiziellen PC-WELT-Award "Innovative Technik".
Vergrößern Aufgrund der neuen Schalter-Module, durchdachten Software-Programmierung und Second-Screen-Lösung verleihen wir der Logitech G910 Orion Spark den offiziellen PC-WELT-Award "Innovative Technik".

Aufgrund der neuen Schalter-Module, durchdachten Software-Programmierung und Second-Screen-Lösung verleihen wir der Logitech G910 Orion Spark den offiziellen PC-WELT-Award "Innovative Technik".

Technische Daten

Logitech G910 Orion Spark

Maße (H x B x T)

505 x 243,5 x 35,5 Millimeter

Gewicht

1,5 Kilogramm

Bauart

mechanische Schalter (Romer-G)

Anschluss

USB 2.0

Kabellänge

1,8 Meter

Anschluss-Hub

nicht vorhanden

Format

Standardlayout mit Nummernblock (113 Tasten)

Sondertasten

9x Makro-Tasten, Multimedia-Tasten, Lautstärke-Drehrad

Beleuchtet

ja (RGB, 16,8 Millionen Farben)

Onboard-Speicher

nein

Extras

Mobilgeräte als Second-Screen / Multimedia-Funktionen / N-Key-Rollover / bis zu 1000 Hz Polling-Rate / sperrbare Windows-Taste / wechselbare Handballenauflagen / speicherbare Profile /

Allgemeine Daten

Testkategorie

Peripherie

Hersteller

Logitech

Internetadresse

http://gaming.logitech.com/

Preis (unverbindliche Preisempfehlung)

179 Euro

Garantie

24 Monate

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