Erstes Windows-Phone-7-Smartphone auf dem Markt

Test: LG Electronics Optimus 7

Mittwoch den 01.12.2010 um 12:00 Uhr

von Yvonne Göpfert

Bildergalerie öffnen Test: LG Electronics Optimus 7
© 2014
LG war Erster. Erster mit einem fertigen Smartphone, das auf Windows Phone 7 basiert. Wie solide das LG Optimus 7 arbeitet und welche Macken Windows Phone 7 bereithält, verrät der Test.
LG Optimus 7: erstes Smartphone mit Windows Phone
7
Vergrößern LG Optimus 7: erstes Smartphone mit Windows Phone 7
© 2014

LG hat sich bei seinem Erstling für eine äußerst schlanke Bauweise entschieden: 125 x 69 x 11,5 Millimeter misst das solide verarbeitete Modell. Am Gehäuse kracht nichts. Die Metallplatte auf der Rückseite sorgt jedoch dafür, das das LG Optimus 7 ordentlich schwer ist: 160 Gramm, um genau zu sein. Auch das Display aus Echtglas ist beim LG Optimus 7 für sein Gewicht verantwortlich. Der kapazitive Bildschirm mit einer Diagonale von 3,8 Zoll (9,65 Zentimeter) reagierte im Test sensibel auf die Eingaben. Allerdings öffnen sich Menüs mit aufwändigen Animationen – das kostet Zeit, und auf Dauer sieht man sich satt an den optischen Spielereien.

Unter dem Display befinden sich die drei Windows-Phone-7-Tasten für Zurück, Home und Suchen. Sie arbeiten mechanisch, nur wer feste drückt, kommt beim LG Optimus 7 zum Ziel. Der Vorteil: In der Hosentasche wird nicht aus Versehen das Menü aktiviert. Übrigens: Wer Netzabdeckung, Akkustand oder Infos zu Bluetooth und WLAN sucht, wird sich erst einmal wundern, dass die Angaben fehlen. Ein Irrglaube, denn der Nutzer kann sie jederzeit mit einem leichten Fingertipp am oberen Bildschirmrand herbeirufen. Standardmäßig sind diese Informationen beim LG Optimus 7 jedoch ausgeblendet.

Kachel-Optik
Das LG Optimus 7 bietet das typische Windows-Phone-7-Layout: Microsoft hat sechs sogenannte Hubs entwickelt. Sie bieten Zugriff auf Kontakte, Office, Spiele oder Medien und den Market Place für Windows Phone Apps. Die Hubs finden sich über verschiedene Kacheln verteilt auf der Startseite wieder. Der Hub Medien beispielsweise teilt sich in zwei Kacheln auf: Bilder für den Zugriff auf die Fotosammlung und Musik und Videos für akustische und optische Unterhaltung. Sämtliche Hubs sowie weitere Funktionen werden also über verschiedene Kacheln aufgerufen. Beliebig viele dieser farbenfrohen Quadrate pflastern das Display und sorgen somit für den Zugriff auf Hubs, Programme und Funktionen. Die Optik wirkt kantig und aufgeräumt zugleich – und ist somit Geschmackssache. Der Nutzer kann jede beliebige Funktion auf den Startbildschirm bringen. Doch Achtung: Je mehr Programme man auf die erste Seite packt, desto länger muss man scrollen, um das Gewünschte zu finden. Mehrere Startseiten wie bei Android und dem iPhone-Betriebssystem gibt es bei Microsoft nicht. Und auch ein Querformat ist auf der Startseite und der ersten Unterseite, zum Beispiel bei den Fotos, nicht möglich. Wer eine Kachel anwählt, findet weitere Informationen, indem er mit dem Finger von rechts nach links wischt. Bei Kontakte sind das die neuesten Posts aus dem Netzwerk oder zuletzt verwendete Kontakte. Die Menüführung des LG Optimus 7 ist sehr einfach gehalten. Manchmal fehlen jedoch Untermenüs mit weiteren Optionen oder Einstellmöglichkeiten. Dann wird das Betriebssystem zur Systembremse.

Sonderfunktionen bei LG
Zwei spannende Funktionen sind allein auf dem Optimus 7 von LG zu finden: Erstens kann der Besitzer Musik, Fotos und Videos über den Multimedia-Kommunikationsstandard DLNA vom Handy auf dem PC oder Fernseher ausgeben. Das ist vor allem praktisch, um Musik über bessere Lautsprecher zu hören oder mehreren Freunden Videos auf dem Fernseher zu zeigen. Die Kopplung hat im Test reibungslos geklappt. Die zweite tolle Funktion des LG Optimus 7 heißt Scan Search. Sie arbeitet ähnlich wie der Layar-Browser unter Android. Dank Überlagerungstechnik wird Wissen aus dem Netz über ein gerade von der Kamera eingefangenes Bild eingeblendet. Wer beispielsweise ein Kino oder das nächste Fast-Food-Restaurant in der Nähe sucht, wählt die entsprechende Rubrik und hält das Handy hoch. Es blendet die passenden Lokale in rund zwei Kilometern Umkreis ein. Im Test hat auch diese Funktion ohne mit "gut" bestanden.

Internet Explorer
Damit das LG Optimus 7 nicht ins Straucheln kommt, gibt ein Gigahertz-Prozessor den Takt vor. HSPA und WLAN sorgen für einen schnellen Ausflug ins Internet. Doch der Internet Explorer bremst seine Nutzer gerne aus. Bei komplexen Javascript-Programmierungen kommt er ein wenig ins Straucheln. Flash-Seiten zeigt das LG Optimus 7 gar nicht an. Und wird in eine Seite hineingezomt, passt sie auch schon nicht mehr auf den Bildschirm. Eine automatische Größenanpassung wie bei Android und iPhone fehlt. Browsen in verschiedenen Tabs und Multizoom-Gesten verarbeitet der Internet Explorer dagegen mühelos. Tethering, also die Möglichkeit, das Smartphone unterwegs als Modem zu nutzen, ist derzeit unterbunden. Immerhin hat Microsoft angekündigt, diese Funktion per Software-Update nachzuliefern. Wer ein Textstück einer Webseite kopieren und per E-Mail versenden will, hat Pech gehabt: Kopieren und Einsetzen (Copy und Paste) funktioniert nicht. SMS und E-Mails schreiben geht auf dem LG Optimus 7 ohne Mühe. Wer allerdings mitten im Wort einen Fehler ausbügeln will, muss auf seine Fingerakrobatik vertrauen. Denn die Platzierung des Cursors erfordert etwas Übung. Der Zugriff auf Facebook ist integriert. Viele andere Plattformen wie zum Beispiel Flickr lassen sich jedoch nicht manuell einrichten. Insofern bietet das LG Optimus 7 nur eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten sozialer Netzwerke. Dass ein Windows Phone Bing statt Google Maps einsetzt, versteht sich von selbst. Schade nur, dass das LG Optimus 7 keine GPS-Navigation bietet. Rein- und Raus-Zoomen mit zwei Fingern ist hübsch animiert und erfolgt trotz optischer Spielereien recht flott.

Musik & Videos
Mit Windows Phone 7 folgt Microsoft dem Vorbild Apples: Ist die Software Zune auf dem PC installiert, lassen sich Spiele, Musikstücke und Videos herunterladen und auf das LG Optimus 7 verschieben. Alternativ können Sie neue Songs oder Videos auch direkt über Zune kaufen und aufs Handy laden. Übrigens: Dateien einfach vom Datei-Explorer aus auf das Handy zu ziehen, ist nicht möglich, da sich das Smartphone nicht als USB-Massenspeicher ausweist. Auch der Trick, Daten auf eine Speicherkarte zu schieben und abzugleichen, funktioniert nicht, da Microsoft Apple folgt und keine Speicherkarten-Steckplätze zulässt. Und noch eine Macke offenbart sich beim Musik-Player auf dem Smartphone: Playlisten lassen sich nur am PC erstellen und dann übertragen.

Kein Multitasking
Ein weiterer Anfangsfehler von Windows Phone 7 auf dem LG Optimus 7: kein Multitasking für Drittanwendungen. Nur Player und Browser laufen parallel. Andere Anwendungen müssen zurücktreten. Sie werden sofort beendet, wenn ein neues Programm gestartet wird.

Office
Microsoft hat seit jeher einen festen Stand im Office-Leben. Windows Phone 7 berücksichtigt diese Stärke und integriert im Office-Hub die Notizfunktion OneNote sowie Word-, Excel- Powerpoint- und sogar Sharepoint-Dateien. Das bedeutet, der Nutzer kann via Handy auf alle seine Dokumente zugreifen, sofern sie direkt auf dem Gerät, auf einem Sharepoint-Server oder auf Microsofts virtueller Festplatte SkyDrive liegen. Sie können mit dem LG Optimus 7 also nicht nur Dokumente lesen, sondern auch überarbeiten.

5-Megapixel-Kamera
Bei der Kamera hat LG dem Optimus 7 lediglich die Minimalauflösung spendiert, die Microsoft fordert: 5 Megapixel bei Standbildern und Videoaufnahmen in HD-Auflösung (720p). Ein LED-Licht erleuchtet dunkle Szenerien, ein Minispiegel erleichtert Selbstportraits. Sämtliche Foto- und Videoaufnahmen landen im 14 GByte großen internen Speicher. Die Kamera, die über einen eigenen Knopf am rechten Gehäuserand verfügt, bietet diverse Motivprogramme, eine Panoramafunktion und einen Bildstabilisator. Die Bilder gelingen erfreulich rauscharm, die Farben stimmen. Der automatische Auslöser beim Panorama arbeitet eingermaßen genau, so dass es selten zu Fehlern im Anschlussbild kommt.

Fazit: Das LG Optimus 7 ist ein solides, wenn auch recht schweres Smartphone, das vor allem durch hochwertige Verarbeitung und eine gute Kamera für rauscharme Bilder punktet. Die Menüführung auf Basis von Windows Phone 7 ist eingängig, kleine Macken wie Copy und Paste, fehlendes Tethering oder eingeschränktes Multitasking muss der Nutzer jedoch hinnehmen. Überzeugen kann das Smartphone bei der übersichtlichen Menügestaltung und der schnellen Prozessorgeschwindigkeit.

ALLGEMEINE DATEN
Testkategorie Handys
Handy-Hersteller LG Electronics
LG Electronicss Internetadresse www.lg.com
Preis (unverbindliche Preisempfehlung) 480 Euro
TESTERGEBNIS (NOTEN)
Handy-Basics (30%) 2,10
Handhabung (25%) 2,65
Ausstattung (20%) 1,75
Multimedia (15%) 1,65
Connectivity (10%) 1,60
Testnote gut (2,10)
DIE TECHNISCHEN DATEN
Handy-Basics
Größe 125 x 69 x 11,5 Millimeter
Gewicht 157 Gramm
Formfaktor Barren
Betriebssystem Windows Phone 7
Prozessor 800 MHz
Besonderheiten
Akku-Laufzeit
Stand-by-Zeit im GSM-Netz in Stunden 400 Stunden
Gesprächszeit im GSM-Netz in Minuten 420 Minuten
Stand-by-Zeit im UMTS-Netz in Stunden 400 Stunden
Gesprächszeit im UMTS-Netz in Minuten 360 Minuten
Netze
GSM 900 ja
GSM 1800 ja
GSM 1900 ja
GSM 850 ja
EDGE ja
UMTS ja
HSDPA ja
HSUPA ja
Display
Größe 50 x 82 Millimeter
Auflösung 480 x 800 Pixel
Touchscreen ja
Handhabung
Mechanische QWERTZ-Tastatur nein
Ruftonzuordnung pro Kontakt oder Kontaktgruppe ja
Profile nein
Flugzeug-Modus ja
Ausstattung
Schnittstellen
Bluetooth ja
Bluetooth 3.0 nein
USB ja
WLAN 802.11b/g ja
WLAN 802.11n nein
3,5-Millimeter-Klinkenstecker ja
Speicher
RAM 512 MB
ROM 14000 MB
Speichererweiterung nein
Speicherkarte im Lieferumfang nein
GPS
GPS-Chip ja
Navigationssoftware nein
Multimedia
Fotos
Auflösung 2592 x 1944 Pixel
Autofokus ja
Makro ja
Motivprogramme ja
Bildstabilisator ja
Optischer Zoom nein
Videos
Auflösung 1280 x 720 Pixel
Bildstabilisator ja
Musik
Anzahl Formate 7
Headset im Lieferumfang ja
UKW-Radio ja
Connectivity
Browser ja
Push-E-Mail ja
E-Mail-Anhänge ja
Instant Messaging ja
Facebook vorinstalliert ja
Übernahme Kontakte aus Facebook ins Adressbuch ja
Twitter-Client vorinstalliert nein

Mittwoch den 01.12.2010 um 12:00 Uhr

von Yvonne Göpfert

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
738764