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Rhythmus-Knobelei Patapon (PSP) im Test

17.03.2008 | 15:44 Uhr |

Man nehme die Elemente eines Rhythmusspiels, packe taktische Komponenten und einen abgefahrenen Grafikstil a la Loco Roco hinzu, fertig ist Patapon für Sonys PSP. Während sich das Grundprinzip des Titels einfach anhört, wird das Ganze im Verlauf des Spiels immer kniffliger. Ein paar Designschwächen trüben allerdings den Gesamteindruck.

Bereits mit Loco Roco, einem Puzzle-Spiel mit abgefahrener Grafik, landete Sony einen Treffer. Auf den ersten Blick ähnlich sieht Patapon aus, ein neues Taktik-Rhythmus-Spiel, das PSP-Fans an ihre tragbare Konsole fesseln soll. In dem Titel übernehmen Sie die Rolle einer Art Gottheit. Ihre Aufgabe ist es dabei, die Patapons, kleine, tapfere Krieger, durch über 30 Missionen zu führen und schließlich das Erdende zu entdecken.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Strategietiteln müssen Sie bei Patapon über ein gewisses Maß an Taktgefühl verfügen, um erfolgreich zu sein. Denn gesteuert werden die kleinen Kämpfer über Trommelschläge, die Sie über die vier Steuerbuttons der PSP ausführen. Insgesamt stehen vier verschiedene Trommeln zur Verfügung, je nach Kombination ergeben sich unterschiedliche Befehle, beispielsweise für Angriff, Verteidigung, marschieren oder Wunder wirken. Haben Sie es geschafft, mindestens neun Mal nicht aus dem Takt zu kommen, verfallen die Kämpen in den so genannten "Fever"-Modus. In diesem Zustand der Raserei singen die Patapons lauter und erzielen bei ihren Angriffen mehr Schaden. Aber Achtung: Ein falscher Knopfdruck und das Fieber wird wieder auf Normaltemperatur gesenkt.

Zu Beginn gestaltet sich Patapon noch überaus einfach. In den ersten Missionen gilt es, auf die Jagd zu gehen, darüber hinaus treffen Sie so auf neue Arten von Patapon-Kämpfern, beispielsweise Bogenschützen oder Nahkämpfer. Schnell müssen Sie sich aber auch mit taktischen Elementen des Spiels auseinander setzen. Dazu gehören etwa Rohstoffe (Steine, Holz, etc.), die Sie bei den Jagdausflügen erbeuten, sowie eine virtuelle Währung, die - neben den Rohstoffen - für die Erschaffung neuer Kämpfer nötig ist. Zuweilen erbeuten Sie auch verbesserte Ausrüstungsgegenstände, die die Schlagkraft der Truppe erhöhen. Danach gilt es, in den verschiedenen Missionen Endgegner zu vernichten, Ruinen zu erkunden oder Angriffe rivalisierender Stämme zu überstehen.

Während man zu Beginn noch recht leicht mit den verschiedenen Trommelbefehlen zurecht kommt, wird die Sache nach ein paar Missionen schon deutlich komplizierter. Das Auswendiglernen der unterschiedlichen Kombinationen ist nicht zu vermeiden, teils kommt man aber in der Hitze des Gefechts schnell durcheinander. Darüber hinaus ist die Rhythmusabfrage im "Fever"-Modus teils extrem pingelig. Selbst wenn Sie nur gefühlte Millisekunden neben dem Takt liegen, geht der Raserei-Status verloren.

Zu den weiteren Mängeln gehört eine teils unverständliche KI der Kämpfer. So wird die Angriffsreihe Ihrer Krieger im Verlauf einer Schlacht immer ein wenig auseinander gezogen. Ab einem gewissen Punkt ergibt es sich dann, dass zwar vorne die Nahkämpfer eigentlich noch gut zu tun hätten und auch einen Feind direkt vor Augen haben, der Trommelbefehl "Angriff" aber nicht mehr ausgeführt wird, da Ihre Patapons angeblich niemanden mehr sehen. In diesem Fall müssen die nachrückenden Einheiten erst wieder mit dem "Marschieren"-Befehl nach vorne gebracht werden, damit sie wieder angreifen können.

Der größte Designmangel ist allerdings, dass schnell aus Versehen unausgewogene Truppen zusammen gestellt werden können. Hat man hier einmal einen Fehler gemacht (zum Beispiel zu wenige Nahkämpfer), kommt man bei den Missionen schnell nicht mehr weit. In diesem Fall müssen dann mühsam ältere Missionen wiederholt werden, bis genügend Rohstoffe für die fehlenden Truppen gesammelt wurden. Einen Shop für Waffen oder Rohstoffe gibt es in Patapon leider nicht. Eine weitere Designschwäche ist, dass man bereits abgeschlossene Missionen erneut ausführen muss, um bestimmte Gegenstände oder ähnliches zu bekommen. Leider verrät einem das Programm dies nicht, so dann man im Spiel oft an seinen Künsten zweifelt, obwohl das Problem durch das erneute Aufsuchen eines Levels behoben hätte werden können.

Fazit: Insgesamt ist Patapon ein durchaus nettes Spiel mit einem erfrischenden Konzept, das einem nach ein paar Stunden aber gehörig auf die Nerven geht. Leider ist es dabei genau das neue Konzept, das rhythmische Trommeln, das im Verlauf des Spiels zunehmend abstumpft. Die Trommlerei wiederholt sich - gerade zu Beginn der Level - schnell und Level-Designschwächen führen zum Umherirren des Spielers. Auf Grund der verschiedenen Truppentypen, wovon im Kampf nur je drei eingesetzt werden können, ergeben sich im Verlauf der Spiels aber durchaus knifflige Taktikknobeleien.

Spielspaß: 75 Prozent
Patapon ist im Handel erhältlich und kostet rund 40 Euro.

Wer sich vorab einen Eindruck von Patapon verschaffen möchte, findet im Playstation Store eine Demo des Titels für PSP.

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