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So finden Sie die beste SSD

04.04.2009 | 09:09 Uhr |

In diesem Kauf-Ratgeber erfahren Sie, ob sich eine SSD für Sie lohnt, was das Gigabyte kostet, und ob eine Flash-Disk schneller kaputt geht als eine herkömmliche Festplatte. Mit unseren Tipps zum SSD-Kauf finden Sie garantiert das optimale Modell.

Sequenzielle Leserate der Intel-SSD X25-M SSDSA2MH080G1
Vergrößern Sequenzielle Leserate der Intel-SSD X25-M SSDSA2MH080G1
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Die Flash-Festplatte ist der Massenspeicher der Zukunft: Die Technik der Solid State Drive (SSD) ist ausgereift und herkömmlichen Scheibendrehern in fast allen Belangen überlegen. Die Produktankündigungen von gut zwei Dutzend Herstellern wie Intel, Samsung und OCZ sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass die SSD im Massenmarkt angekommen ist. Diesen Trend unterstreicht auch die aktuelle Mitteilung von Western Digital - mit Silicon Systems holt sich jetzt auch der letzte große Hersteller ferromagnetischer Festplatten SSD-Spezialisten ins Haus!
Wenn Sie sich für die Festplatte der Zukunft interessieren und Sie der höhere Eintrittspreis für den überlegenen Massenspeicher nicht schreckt, führt Sie unser Kaufratgeber durch den Technik-Dschungel. Mit unseren Tipps finden Sie garantiert die optimale SSD.

1. SSD oder herkömmliche Festplatten-Technik

Noch ist eine SSD deutlich teurer als eine herkömmliche Festplatte. Im Vergleich zu ferromagnetischen 2,5-Zoll-Laufwerken müssen Sie durchschnittlich 20 Mal so viel pro Gigabyte bezahlen, und gegenüber 3,5-Zoll-Festplatten steigt der mittlere Gigabyte-Preis sogar um den Faktor 40. Sie müssen also zunächst einmal klären, ob Ihnen die Vorteile der SSDs wie spürbar höhere Transferraten, ultrakurze Zugriffszeiten, geringerer Stromverbrauch und überlegene Robustheit die drastischen Mehrkosten Wert sind.

2. SSD-Technik - Single oder Multi Level Cell

Welchem Speicherzellen-Typ Sie den Vorzug geben sollten, ist letztendlich eine Frage des Geldbeutels: Für eine SSD mit der Technik Single Level Cell (SLC) müssen Sie derzeit zwischen 5,70 und 12,40 Euro pro Gigabyte hinblättern. Bei einer Flash-Speicher-Festplatte mit der Technik Multi Level Cell (MLC) gibt’s das Gigabyte bereits ab 2,10 Euro. Wenn Sie sich’s leisten können, raten wir zur SLC-Technik. Gleich bleibend hohe Schreibraten, reaktionsschnelle Zellen und eine längere Lebensdauer sind der Lohn für die deutlich höheren Anschaffungskosten.

3. SSD-Tempo - mindestens doppelt so schnell

Wenn Sie deutlich mehr Geld für Ihren Massenspeicher ausgeben, müssen Sie auch einen angemessenen Gegenwert erhalten. Dieser spiegelt sich vor allem bei den Leistungswerten wider. Verglichen mit herkömmliche Festplatten bieten alle Solid State Drives spürbaren flinkere Zugriffszeiten. Anders sieht es bei den Datenraten aus. Hier gibt es enorme Unterschiede: So manche SSD ist in der Praxis langsamer als ein herkömmliches 2,5-Zoll-Laufwerk. Als Faustregel sollte eine SSD daher mindestens die doppelt so hohe Transferleistung erreichen als das Laufwerk, das sie ersetzt. Die maximale sequenzielle Datenrate von herkömmlichen 2,5-Zoll-Festplatten liegt aktuell bei rund 86 MB/s, 3,5-Zoll-Modelle schaffen rund 120 MB/s. Hochleistungs-SSDs kommen hier auf bis zu 250 MB/s.

In den Praxistests variiert die Transferleistung von 2,5-Zoll-Laufwerken beim Lesen, Schreiben und Kopieren zwischen 20 und 35 MB/s. 3,5-Zoll-Festplatten erreichen in den drei Praxistests zwischen 30 und 50 MB/s. Bei Solid State Drives gibt es hingegen große Unterschiede bei der Praxistransferleistung: So streut beispielsweise die Leserate zwischen 30 und 106 MB/s. Die Kopierrate liegt zwischen 13 und 100 MB/s und die Schreibrate zwischen 6 und 106 MB/s - einige SSD-Modelle bieten in der Praxis also deutlich geringere Datenraten als die klassischen Scheibendreher. Insbesondere von SSD-Festplatten ohne Pufferspeicher sollten Sie die Finger lassen.

4. SSD-Speicherkapazität - vergleichsweise niedrig

Pflicht: der Cache zur Datenpufferung (unten Mitte)
Vergrößern Pflicht: der Cache zur Datenpufferung (unten Mitte)
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Dass Flash-Speicher-Festplatten bei der Kapazität den klassischen Scheibendrehern hinterherhinken, gilt im 2,5-Zoll-Bereich nur noch für SLC-Modelle. Hier ist bei 128 GB momentan Ende der Fahnenstange. MLC-SSDs mit 256 GB wie die Samsung MMDOE56G5MXP-0VB können Sie schon kaufen und ab Ende April 2009 sollen dann auch die ersten 512-GB-Varianten auf den Markt kommen. Damit hätte die SSD herkömmliche 2,5-Zoll-Laufwerke sogar erstmals überholt, die momentan nur mit maximal 500 GB erhältlich sind.
Mindestens 32 GB Kapazität sollte eine SSD bieten. Was darunter liegt, lohnt sich nicht. Wenn Sie beispielsweise Ihrem Netbook nur ein paar Gigabyte zusätzlich spendieren möchten, ist eine Speicherkarte die bessere Wahl.

5. Gigabyte-Preis - SSDs sind noch sehr kostspielig

Der Gigabyte-Preis hängt nicht nur von der Speicherzellen-Technik, sondern auch von der Kapazität ab. Den günstigsten Gigabyte-Preis bieten derzeit die 128-GB-Modelle mit MLC-Technik. SSDs mit SLC-Technik sind aktuell in der 64-GB-Klasse am günstigsten zu haben. Hochleistungs-SSDs mit MLC-Technik bekommen Sie ab rund 3 Euro pro Gigabyte. Für sehr schnelle SLC-SSDs müssen Sie derzeit mindestens 8,50 Euro bezahlen. Ein besonders günstiger Gigabyte-Preis sollte Sie daher stutzig machen, meist will man Ihnen dann ein lahmes Auslaufmodell andrehen.

6. Ausstattung - eine SSD ohne Cache taugt nichts

Sparsam: SSDs benötigen weniger Strom
Vergrößern Sparsam: SSDs benötigen weniger Strom
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Wie unsere SSD-Tests gezeigt haben, ist ein Cache-Baustein eigentlich Pflicht - zu drastisch brechen die Datenraten beim Schreiben im Alltagsbetrieb ein, wenn ein Pufferspeicher fehlt. Viele Solid State Drives der ersten und zweiten Generation, die jetzt zu Aktionspreisen auf dem virtuellen Grabbeltisch der Online-Versandhändler landen, besitzen noch keinen Pufferspeicher. Hier raten wir vom Kauf ab. Prüfen Sie daher bei Schnäppchen-Angeboten, ob bei den technischen Angaben ein "Cache" mit Megabyte-Angabe auftaucht. Ein klarer Hinweis für das Fehlen eines Pufferspeichers ist auch der SSD-Controller mit der Bezeichnung Jmicron 602. Schweigt sich der Anbieter über diese technischen Merkmale aus, finden Sie die Angaben meist auf der Hersteller-Website oder in den SSD-Tests der Fachpresse.

7. Lebensdauer - auf die Schreibzugriffe der SSD kommt es an

Bald mit bis zu 512 GB zu haben: SSD von Toshiba
Vergrößern Bald mit bis zu 512 GB zu haben: SSD von Toshiba
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Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Lebensdauer einer Solid State Drive. Die maximal mögliche Anzahl von Schreibvorgängen, die eine Flashzelle aushält, variiert je nach Typ und Fertigungsqualität um den Faktor 50: Während minderwertige MLC-Bausteine bestenfalls 10.000 Schreibzyklen pro Zelle überdauern, können erstklassige SLCs mehr als 5 Millionen Schreibzugriffe pro Flash-Zelle bewerkstelligen. Die meisten SSD-Hersteller machen allerdings keine Angabe zur Lebensdauer der verwendeten Flash-Chips. An diese Informationen kommen Sie - wenn überhaupt - nur über Umwege.

Zunächst müssen Sie über Tests der Fachpresse herausfinden, welche Flash-Chips verbaut sind. Kennen Sie die genaue Bezeichnung der Speicherchips und den Hersteller, lässt sich häufig auf der Website des Chip-Produzenten die Lebensdauer recherchieren. Unterm Strich kann die Lebensdauer aktueller Solid State Drives aber locker mit herkömmlichen Festplatten mithalten.

8. SSD-Zuverlässigkeit - viel besser als bei Scheibendrehern

Die technische Kenngröße für die Zuverlässigkeit ist die MTBF (Mean Time Between Failures), also die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen. Die MTBF von Solid State Drives liegt zwischen einer und zwei Millionen Stunden. Zum Vergleich: Bei herkömmlichen 2,5-Laufwerken sind nur 0,3 bis 0,6 Millionen Stunden üblich. Das Vorurteil, dass SSDs schneller ausfallen als klassische Scheibendreher, spiegelt sich also nicht in den Herstellerangaben wider.

9. Stromverbrauch - eine SSD ist viel genügsamer

Solid State Drives brauchen keinen Strom fressenden Elektromotor, der die Datenscheiben herumwirbelt. Deswegen sind SSDs sparsamer im Stromverbrauch als ferromagnetische Laufwerke. Doch die Unterschiede bei den Flash-Speicher-Festplatten sind groß: Während besonders sparsame SSDs im Betrieb nur 0,2 Watt benötigen, genehmigen sich die Stromfresser unter den Solid State Drives mit bis zu 2,5 Watt mehr als das zwölffache. Letztere dringen damit in den Verbrauchsbereich der 2,5-Zoll-Laufwerke mit herkömmlicher Technik vor.

10. Robustheit - eIne SSD ist hart im Nehmen

Vollkommen ohne bewegliche Teile kommt eine Solid State Drive aus. Dadurch sind Flash-Speicher-Festplatten viel robuster als herkömmliche Laufwerke, die im Betrieb Erschütterungen von maximal 350 G vertragen, während SSDs mindestens 1000 G aushalten. Einige SSD-Modelle bieten darüber hinaus eine Schockfestigkeit von bis zu 1500 G oder sogar 2000 G. Das Fehlen beweglicher Teile, macht SSDs obendrein unempfindlicher gegenüber übermäßiger Wärmeentwicklung: Sie vertragen eine Betriebstemperatur von bis zu 70 Grad Celsius, während herkömmliche 2,5-Zoll-Modelle bereits ab 55 Grad Celsius die Segel streichen. Wenn Sie Ihr Notebook also auf eine Bergtour oder in den Wüstenurlaub mitnehmen wollen, sollten Sie beim Kauf einer SSD auch diesen technischen Daten Beachtung schenken.

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