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Nokia X7 im Test

16.09.2011 | 10:00 Uhr |

Flottes Design, riesiges 4-Zoll-Display und eine 8-Megapixel-Kamera – damit will das Nokia X7 punkten. Ob diese Ausstattung unter dem Betriebssystem Symbian Anna überzeugen kann, verrät der Test.

Es ist - ein Symbian! Mit dem Nokia X7 haben die Finnen vorerst ein weiteres Symbian-Smartphone auf den Markt gebracht. Das große Warten auf das erste Windows Phone 7 von Nokia geht also weiter:

Handhabung und Bildschirm

Das Nokia X7 überrascht mit einem abgefahrenen Design, das dank Echtglas, einem massiven Metallkorpus und abgeschrägten Ecken sehr futuristisch, aber auch robust anmutet. Die Handhabung leidet allerdings unter dem innovativen Äußeren: So sitzt der Auslöser der Kamera beispielsweise an der nach hinten abfallenden Rundung des Gehäuses. Die Folge: Der Finger rutscht beim Drücken leicht ab, weil er schlecht Halt findet.

Auch der Einschub für Micro-SD-Karten, den sich Nokia bei Apples SIM-Karten-Einschub abgeschaut hat, ist eine knifflige Sache: Um die Karte zu wechseln, müssen Sie ein Blättchen herausziehen, in das die Speicherkarte eingelegt wird. Das Herausziehen verlangt dabei viel Fingerspitzengefühl. Zudem mosert das Betriebssystem recht schnell, wenn Sie die Speicherkarte entnehmen wollen und dies vorher im Ausschaltmenü nicht kundgetan haben. Weiterer Minuspunkt: Der Akku ist fest im Gerät verbaut und benötigt einen Fachhändler zum Auswechseln. Wer gern mit Ersatz-Akku reist, muss beim Nokia X7 also seine Gewohnheiten umstellen.

Dickes Plus: Das Nokia X7 kommt mit einem großen, kapazitiven 4-Zoll-Bildschirm – da ist viel Platz für die Darstellung von Webseiten oder Videofilmen. Die Auflösung des kontrastreichen AMOLED-Displays liegt mit 640 x 360 Pixeln jedoch hinter der Konkurrenz. Immerhin macht die Technik wett, was die Auflösung an kleinen Unschärfen hervorbringt. Insgesamt ergibt sich somit ein schönes Bild.

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Der Touchscreen arbeitet kapazitiv – das bedeutet, eine leichte Berührung genügt, um einen Befehl auszulösen. Zusätzlich können Sie Vibrations-Feedback für den Touchscreen anschalten. Dann passiert es jedoch häufiger, dass der Touchscreen nur schwerfällig auf Ihre Eingaben reagiert. Flüssiger bedienen lässt sich das Smartphone ohne Vibrationsmodus.

Ausstattung und Software

Die große Schwäche von Nokia: das Betriebssystem. Zwar merken Sie der Symbian-3-Version Anna an, dass sie in vielen kleinen Dingen überarbeitet worden ist. Beispielsweise müssen Sie jetzt nicht mehr zweimal auf ein Symbol klicken, bevor es reagiert. Doch Anna schleppt noch viele Altlasten mit sich herum: Insbesondere die Menüstruktur ist trotz überarbeiteter moderner Icons unübersichtlich und komplex, so dass Sie eine Weile brauchen, um sich ins System einzuarbeiten.

Die große Stärke von Nokia: Die Finnen packen traditionell sehr viel Software auf Ihre Symbian-Smartphones, darunter ein Office-Paket, mit dem Sie Dateien nicht nur lesen, sondern auch erstellen und bearbeiten können. Weiter gibt es einen Datei-Manager, einen Task-Manager, einige Spiele ("Angry Birds Rio", "Asphalt 5" und "Avatar") sowie die Navigationslösung Ovi Karten. Der Vorteil: Für das Routing und die Sprachansagen ist keine Online-Verbindung nötig – das spart Datentraffic und Kosten. Sehr schön: Ovi Karten in der aktuellen Version 3.06 liefert Infos zum öffentlichen Nahverkehr für die großen deutschen Städte.

Ein Druck auf den breiten Knopf unter dem Bildschirm öffnet das Menü mit allen Programmen. Alternativ gelangen Sie auch über verschiedene Widgets zu den häufigsten Anwendungen. Sie haben die Möglichkeit, sie auf bis zu drei Display-Seiten zu verteilen, pro Seite sind maximal sechs Felder vorgesehen. Natürlich können Sie sich auch für das Nokia X7 Apps herunterladen. Die Auswahl ist jedoch deutlich beschränkter als für Geräte, die auf Android oder Apples iOS beruhen.

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Im Inneren des Nokia X7 arbeitet ein 680-MHz-Prozessor, der immer wieder überfordert zu sein scheint. Und so hat es im Test oft quälend lange gedauert, bis das Smartphone reagierte und ein Programm öffnete. Und auch zwei Totalabstürze musste die Test-Redaktion verzeichnen, einen davon, als wir auf tagesschau.de ein Flash-Video ansehen wollten.

Internet und Geschwindigkeit

Das Nokia X7 lässt sich schnell starten – nach einer halben Minute ist es bereits einsatzbereit. Der Browser, den Nokia überarbeitet haben will, hat dagegen nicht gerade einen Lade-Rekord hingelegt, und so warten Sie gut 20 Sekunden, bis eine Webseite wie www.pcwelt.de via HSDPA komplett dargestellt wird. Der Zwei-Fingerzoom, um eine Webseite größer zu ziehen, ruckelt deutlich sichtbar.

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Mobilität

Im Akkutest hat das mit 146 Gramm nicht allzu leicht Smartphone gerade mal 2,5 Stunden durchgehalten - dafür sind der große Bildschirm und die schwache Akkukapazität von 1200 mAh verantwortlich.

Multimedia

Das Nokia X7 bietet eine 8-Megapixel-Kamera, die tagsüber gute Aufnahmen machte. Auch nachts können Sie die Kamera bedenkenlos einsetzen – eine Doppel-LED sorgt für den nötigen Aufhellblitz. Für Nahaufnahmen taugt die Kamera dagegen nicht, da sie Motive erst ab einem Abstand von etwa 30 Zentimetern scharf stellt. Damit können Sie das X7 weder zum Abfotografieren von Visitenkarten noch zum Barcode-Scannen einsetzen. Zudem fehlt ein Autofokus. Videos zeichnet die Kamera mit 1280 x 720 Pixeln (720p) und knapp 25 Bildern pro Sekunde aus. Die Bild- und vor allem auch die Tonqualität war im Test gut.

Der interne Speicher beläuft sich auf 350 MB. Eine 8 GB große Micro-SD-Karte ist im Lieferumfang enthalten. Sie lässt sich durch eine 32-GB-Karte austauschen, falls Ihnen der Speicherplatz ausgehen sollte. Die Übertragung der Daten vom Handy zum PC via USB-Kabel hat sich im Test etwas schwierig gestaltet: Das Virenschutzprogramm Antivir auf dem Testrechner hat nämlich den Massenspeicher des Nokia X7 als feindlich eingestuft, und nur eine Virenschutzdeaktivierung ermöglichte den Testern das Überspielen von Daten via Massenspeichermodus. Wenn Sie diesen Weg nicht gehen wollen, müssen Sie die Speicherkarte herausziehen und direkt in den PC stecken.

Fazit

Mit dem Nokia X7 ist den Finnen ein Smartphone gelungen, das durch ein großes, kontrastreiches AMOLED-Display und ein interessantes Design punktet. Die Bedienung lässt jedoch zu wünschen übrig: Das liegt zum einen am Betriebssystem von Symbian 3 Anna, zum anderen an dem gering getakteten 680-MHz-Prozessor. Dafür werden Sie zum Teil durch die gute Software-Ausstattung entschädigt. Nur bei den Apps zum Herunterladen ist die Auswahl nicht allzu groß. Gute Dienste leistete die Fixfokus-Kamera mit 8 MP Auflösung. Sie dürfen nur nicht zu nah an Ihr Motiv herangehen.

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