Gigabit-WLAN

11ac-Router im Tempo-Test

Mittwoch den 19.12.2012 um 10:25 Uhr

von Thomas Rau

Asus RT-AC66U (90-IGY7002M00-3PA0-)
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Gigabit-Tempo fürs WLAN verspricht der neue Standard 802.11ac. Ist das Funknetzwerk nun endlich so schnell wie Kabel? PC-WELT hat 11ac-Router von Asus, Buffalo, Linksys und Netgear im Test.
Bereits im Testlabor waren die Router Netgear R6300, die Airstation 1750 (WZR-D1800H) von Buffalo sowie der Asus RT-AC66U. Diese 11ac-Geräte funken gleichzeitig über die Frequenzen 5 und 2,4 GHz. Dabei können Sie bis zu drei Datenströme (spatial streams) gleichzeitig senden und empfangen (3x3). Damit soll der neue Standard 802.11ac die Gigabit-Grenze beim WLAN-Tempo knacken. Neu im Testlabor ist jetzt der Linksys EA6500: Auch dieser Router arbeitet parallel mit drei Datenströmen auf den Frequenzen 2,4 und 5 GHz und verspricht daher eine maximale Datenrate von 1750 Mbit/s. Außerdem verfügt er über vier Gigabit-LAN-Ports und zwei USB-Anschlüsse.
Der erste 11ac-Router von Buffalo: AirStation
1750
Vergrößern Der erste 11ac-Router von Buffalo: AirStation 1750

Warum 11ac so schnell ist

Über 2,4 GHz bleibt alles beim Alten: Hier versprechen auch die neuen Router nicht mehr Geschwindigkeit als aktuelle 11n-Router, die mit drei Datenströmen auf maximal 450 MBit/s kommen. Die Post geht erst über 5 GHz ab: Hier können die neuen Router breitere Funkkanäle nutzen. Außerdem kommt ein besseres Modulationsverfahren zum Einsatz. Das alles soll dafür sorgen, dass über diese Frequenz bis zu 1,3 GBit/s über die Funkkanäle gehen. Zusammen mit dem 2,4-GHz-Tempo kommen die Hersteller also auf 1750 MBit/s.

USB-Sticks für 11ac wie der Netgear R6200 werden erst ab
Oktober auf den Markt kommen
Vergrößern USB-Sticks für 11ac wie der Netgear R6200 werden erst ab Oktober auf den Markt kommen
© Netgear

Es gibt noch keine WLAN-USB-Sticks oder WLAN-Module für Notebooks, die 11ac unterstützen: Deshalb haben wir die Router jeweils mit einer passenden Gegenstelle getestet. Der Netgear R6300 trat als Paar mit einem zweiten R6300 an, der im Bridge-Modus an ein Notebook angeschlossen war. Ebenso beim Asus-Router, der zu einem zweiten RT-AC66U übertrug, der als Media Bridge eingerichtet war. Als Gegenstelle für die Buffalo Air Station kam die Media Bridge WLI-H4-D1300 zum Einsatz: Sie funkt mit bis zu 1300 MBit/s über 5 GHz und mit bis zu 450 MBit/s über 2,4 GHz, allerdings nicht gleichzeitig. Den Linksys-Router prüften wir mit dem Linksys Universal Media Connector: Diese WLAN-Bridge arbeitet über die 5-GHz-Frequenz.

Den Test führten wir mit der jeweils aktuellen Firmware durch: Für den Netgear-Router war das Version 1.02.14_1.0.23, für den Buffalo Version 1.87. Beim Test war das WLAN mit WPA2-PSK (AES) gesichert. Lobenswert - beide Router sind bereits ab Werk verschlüsselt. Ansonsten wurden die Router in den Werkseinstellungen belassen.

Der Asus-Router ist ab Werk unverschlüsselt: Der Installations-Assistent empfiehlt die Verschlüsselung zwar dringend, Sie können den Router aber auch ohne WPA(2) als Open System einrichten. Bei Benutzername und Kennwort für das Router-Menü ist der RT-AC66U pingeliger: Sie müssen beides setzen, sonst lässt er sich nicht einrichten - allerdings hat er nichts dagegen, wenn Benutzername und Passwort identisch sind. Den Router testeten wir mit der Firmware 3.0.0.4.164.

Auch der Linksys-Router ist beim ersten Verwenden nicht verschlüsselt. Außerdem funktioniert das Einrichten per LAN-Kabel nicht, wenn Sie das Installationsprogramm auf CD verwenden. Erst wenn es einen WLAN-Client gefunden hat, richtet der Assistent das Funknetzwerk automatisch mit SSID und WPA2-Verschlüsselung ein. Wir testen mit der Firmware 1.1.27.141816.

Datenrate bei der Übertragung über 5 GHz (in
MBit/s)
Vergrößern Datenrate bei der Übertragung über 5 GHz (in MBit/s)

11ac-Router: Tempo über 5 GHz

Über diese Frequenz sollten die neuen Router richtig Gas geben können. Im Vergleich zu schnellen 11n-Routern wie dem Netgear WNDR4500 (maximal 450 MBit/s, 3 gleichzeitige Datenströme), fällt das Tempoplus allerdings etwas mager aus. Der schnelle 11n-Router erzielt unter den gleichen Test-Bedingungen 163 MBit/s. Bei den 11ac-Routern lag der Netgear R6300 vorne: Er schafft über die Kurzstrecke (3 Meter) über 200 MBit/s, der Asus RT-AC66U kommt auf 200 Mbit/s, der Buffalo-Router erreicht 165 MBit/s. Dazwischen liegt der Linksys EA6500: Er schafft 173 MBit/s, wobei ab Werk die Kanalbreite auf 80 MHz eingestellt ist. Im störungsfreien Testumfeld sollte es zwar keinen Unterschied machen, wenn die automatische Kanalbreite ausgewählt wird: Bei dieser Einstellung reduzierten sich die Datenraten beim EA6500 allerdings auf rund 150 MBit/s.

Cisco geht mit dem 11ac-Router Linksys EA6500 an den
Start
Vergrößern Cisco geht mit dem 11ac-Router Linksys EA6500 an den Start
© Linksys

Die meisten 11n-Router arbeiten nur mit zwei Datenströmen, wie zum Beispiel die Fritzbox 7270 oder der Linksys WRT610N. Sie schaffen theoretisch maximal 300 MBit/s pro Frequenz. Im Test erzielen sie etwa 100 MBit/s über die kurze Distanz bei 5 GHz: Hier arbeiten die 11ac-Router also rund doppelt so schnell und bieten eine spürbares Tempo-Plus.

Über eine Messdistanz von 40 Metern schafft der Netgear R6300 noch 138 MBit/s, der Buffalo-Router erzielt 90 MBit/s. Etwas besser war der Linksys EA6500, der auf 93 MHz kam. Der Asus-Router hatte mit 140 MBit/s knapp die Nase vorn. Schnelle 11n-Router kommen hier auf 40 bis 50 MBit/s, 300-MBit/s-Router gehen mit rund 30 MBit/s durchs Ziel. Die 11ac-Router verlieren also deutlich weniger Tempo über die lange Distanz. Das geht zum Teil auch auf das Konto der besseren Gegenstellen im Test. Die 11n-Router funkten nämlich an Notebooks mit einem 11n-Modul.

Störungen wirken sich übre 5 GHz kaum aus: In unserer Testumgebung befinden sich zwei 5-GHz-WLANs. Deshalb ist für unser Test WLAN ausreichend Platz, um störungsfrei und schnell zu übertragen. Alle Router verlieren über die Distanz von 20 Meter selbst über zwei Zimmer hinweg kaum an Tempo.

Datenrate bei Übertragung über 2,4 GHz in MBit/s
Vergrößern Datenrate bei Übertragung über 2,4 GHz in MBit/s

Tempo über 2,4 GHz

Tempobremse: Ab Werk nutzen auch die 11ac-Router nur
schmale Funkkanäle über die 2,4-GHz-Frequenz
Vergrößern Tempobremse: Ab Werk nutzen auch die 11ac-Router nur schmale Funkkanäle über die 2,4-GHz-Frequenz

Schon die Werkeinstellungen erlauben den beiden 11ac-Routern nicht das maximale Tempo.  Denn wie vom 11n-Standard vorgeschrieben, verwenden Sie über 2,4 GHz nur 20 MHz breite Funkkanäle: Damit könnten Sie maximal 217 MBit/s erreichen, und nicht 450 MBit/s, die nur mit 40-MHz-Kanälen möglich wären.

Obwohl sie also unter den gleichen Bedingungen arbeiten, schlagen die 11ac-Router in diesem Test die 11n-Konkurrenz. Die Buffalo AirStation 1750 erweist sich außerdem als der bessere Router für 2,4 GHz: Sie liegt in den Tests knapp vor dem Netgear R6300. Aber alle Router liegen eng beieinander: Der Asus RT-AC66U liegt über die kurze Distanz knapp vor dem Buffalo, geht aber in der Messumgebung mit Stör-WLANs als letzter durchs Ziel.

Der Linksys EA6500 hat über die 2,4-GHz-Frequenz leicht die Nase vorne, solange keine Stör-WLANs aktiv sind. Wenn sich andere 2,4-GHz-Funknetzwerke in der Umgebung breit machen, fällt er hinter die Router von Buffalo und Netgear zurück.

Schnelle 11n-Router schaffen über die kurze Distanz rund 20 MBit/s weniger als die 11ac-Geräten. Im Test mit Stör-WLANs auf der 2,4-GHz-Frequenz brechen die Datenraten bei allen Routern um rund 20 MBit/s ein: Die 11ac-Router sind also wie zu erwarten auf dieser Frequenz nicht robuster als die 11n-Kollegen.

Beim 40-Meter-Test schmilzt der Vorsprung auf rund 10 MBit/s zusammen: Die beiden 11ac-Router bringen 30 MBit/s durch, der 11n-Router bleibt bei rund 20 MBit/s hängen.

11ac-Router im Test: Fazit

Die neuen Router sind die schnellsten WLAN-Router, die es je gab. Über 5 GHz sind sie schneller als die 11n-Konkurrenz, sogar doppelt so schnell wie 300-MBit/s-Router. Der Umstieg auf 11ac lohnt sich, wenn Sie mit einem älteren 11n-Router unterwegs sind und bisher überwiegend die 2,4-GHz-Frequenz nutzen. Dreimal schneller wie von den Herstellern versprochen sind die 11ac-Router allerdings nicht. Und auch der Traum vom Gigabit-WLAN bleibt eine Utopie.

Den Umstieg auf 5 GHz können Sie allerdings auch günstiger haben: Schnelle Dual-Band-Router mit 11n-Standard kosten zwischen 100 und 120 Euro, während die Buffalo AirStation 1750 für etwa 160 Euro, der Netgear R6300 für rund 190 Euro über den Ladentisch geht. Den Asus RT-AC66U bekommen Sie im Internet derzeit für rund 170 Euro, ebenso wie den Linksys EA6500.

Mittwoch den 19.12.2012 um 10:25 Uhr

von Thomas Rau

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