01.09.2009, 09:29

Alexander Kuch

Flüsterleiser Nettop

Nettop-PC Nexoc Nettop MD100 Atom im Test

Der Nexoc Nettop MD100 Atom ist ein Mini-PC, der bei der Ausstattung der aktuellen Konkurrenz hinterherhinkt. Unser Test klärt, ob er dafür bei Stromverbrauch und Lautstärke mithalten kann.
Der Nexoc Nettop MD100 Atom entpuppte sich im Test als typischer Vertreter der ersten Nettop-Generation: Mit Intels CPU Atom 230 und dem Chipsatz GMA 950 bietet er lediglich Nettop-Hausmannskost, worauf auch die Festplattenkapazität von 160 GB hindeutet. Wir wollten wissen, ob sich der Nexoc Nettop MD100 Atom im Test wenigstens bei Stromverbrauch und Betriebslautstärke gegenüber der leistungsfähigeren Konkurrenz behaupten kann.
Ausstattung: Der Barebone ECS (Elitegroup) MD100 ist die technische Basis des Nettops von Nexoc. Beide Hersteller betreten damit Neuland: ECS war bisher hauptsächlich für Hauptplatinen und Grafikkarten bekannt, und Nexoc ist in den letzten Jahren überwiegend als Notebook-Hersteller in Erscheinung getreten. Der Barebone ECS MD100 ist auch für Endkunden zur Selbstkonfiguration erhältlich und basiert auf dem Nettop-Standard, den Asus mit der Eee Box B202 schon vor einem Dreivierteljahr festgelegt hat: Die Intel-Kombination aus der Atom-CPU 230 mit einem Kern und GMA-950-Chipsatz mit integriertem Grafikchip ist heutzutage angesichts von Nvidias ION-Plattform und Intels Dualcore-Atom-CPUs schon etwas veraltet.
Obwohl der Barebone ECS MD100 die Möglichkeit für Sonderkonfigurationen bieten würde, macht Nexoc für seinen Nettop davon keinen Gebrauch: Die Hauptplatine würde bis zu 2 GB Arbeitsspeicher unterstützen, Nexoc bleibt aber bei der Standardkonfiguration von 1 GB. Der SATA-Controller unterstützt Festplatten bis zu einem Terabyte. Ein Nettop mit dieser Festplattenkapazität wäre ein echtes Novum gewesen, Nexoc klammert sich weiter an die Minimalkonfiguration von 160 GB. Der Barebone ist für einen Speicherkartenleser sowie ein WLAN-Modul nach dem Standard 802.11n vorbereitet - beides vermissten wir im Nexoc Nettop. Der LAN-Controller unterstützt nur Fast Ethernet 10/100, aber kein Gigabit-Ethernet. Lediglich der integrierte DVD-Brenner hebt den Nexoc Nettop im Test etwas von der Masse ab.
Neben sechs USB- und zwei PS/2-Anschlüssen verfügt der Nexoc Nettop MD100 Atom über fünf analoge Audio-Buchsen, eine serielle Schnittstelle und einen VGA-Anschluss. Mit einem Kensington-Schloss können Sie den Nettop am Arbeitsplatz vor Gelegenheitsdieben schützen. Als Betriebssystem ist Windows XP Home vorinstalliert, eine Büro-Software, ein Brennprogramm und eine Antiviren-Lösung suchten wir vergeblich. Der Preis des Nexoc Nettop MD100 Atom ist mit 300 Euro zwar noch akzeptabel, es gibt aber preiswertere Konkurrenten wie den MSI Wind PC Nettop, der bei etwas besserer Ausstattung 30 Euro weniger kostet.
Tempo: Mit Single-Core-Atom und GMA950-Chipsatz reiht sich der Nexoc Nettop MD100 Atom ein in die Reihe der Mini-PCs mit schwacher CPU- und Grafikleistung: 93 Punkte unter 3D Mark 06 und 1758 Punkte im Benchmark PC Mark 05 sprechen eine deutliche Sprache. Für Büroarbeiten, E-Mail, DVD-Wiedergabe und das Surfen im Internet reicht die Rechenleistung problemlos. Spiele, Bild- und Videobearbeitung sind mit dem Nexoc Nettop MD100 Atom allerdings tabu. Hier bieten die Nettops der zweiten Generation schon wesentlich mehr: Der ICO Balios Office Mini und der Shuttle XPC X2700B haben mit dem Dualcore-Atom 330 eine wesentlich bessere CPU-Leistung vorzuweisen und der Acer Aspire R3600 Revo unterstützt dank Nvidias ION-Chipsatz die Wiedergabe von Videos in hoher Auflösung. Nexoc wird mit dem Nettop ION 330 demnächst selbst ein Gerät der zweiten Generation auf den Markt bringen.
Update 15:30 Uhr: Nexoc teilt uns mit, dass der erwähnte Nettop ION 330 mit Intel Atom 330, Nvidias ION-Chipsatz, 2 GB RAM, 320-GB-Festplatte und Windows Vista bereits im Handel verfügbar ist.
Ergonomie: Im Desktop-Modus zieht der Nexoc Nettop MD100 Atom 26,5 Watt aus der Steckdose. Dieser Wert ist zwar akzeptabel, allerdings gibt es mittlerweile Business-Nettops wie den Acer Veriton N260G, der nur 15,6 Watt verbraucht. Unter Volllast liegt der Verbrauch mit 37,6 Watt ebenfalls nur im Mittelfeld. Der Acer Veriton N260G hatte hier mit 22,8 Watt die Trophäe des sparsamsten Nettops errungen. Der Standby-Modus bringt beim Nexoc Nettop MD100 Atom übrigens gar nichts: Mit 3,3 Watt zieht der Mini-PC hier genauso viel Energie aus dem Stromnetz wie im ausgeschalteten Zustand.
Die einzige Disziplin im Test, bei der der Nexoc Nettop MD100 Atom wirklich überzeugt, war das Betriebsgeräusch im Desktop-Modus: Das Messgerät zeigte hier den sensationell niedrigen Wert von 18,6 dB(A) an, damit ist der Nettop selbst bei ruhiger Umgebung akustisch nicht wahrnehmbar. Unter Volllast bleibt das Geräusch mit 20,7 dB(A) weiterhin sehr leise, allerdings können die Konkurrenten von Asus und Acer hier allesamt Werte von unter 20 dB(A) vorweisen.
Fazit:Der Nexoc Nettop MD100 Atom bleibt im Test in allen Disziplinen nur Mittelmaß. Die Ausstattung ist schlechter als bei der Konkurrenz, die schon vor einem Dreivierteljahr ihre Produkte auf den Markt brachte. Die CPU- und Grafikleistung ist ebenfalls mau - für Büroarbeiten ist der Nettop aber okay. Die Konfigurationsmöglichkeiten des zugrundeliegenden Barebones von ECS hat Nexoc nicht genutzt und der Stromverbrauch ist für einen Nettop nur mittelmäßig. Lediglich beim Betriebsgeräusch im Desktop-Modus triumphiert der Nexoc Nettop MD100 Atom über die meisten Konkurrenten; unter Last bleibt er aber auch hier nur durchschnittlich. Das Fehlen von Kartenleser und Brennprogramm ist bei einem Preis von 300 Euro ein unverzeihlicher Ausstattungs-Schnitzer und auch für das fehlende Büroprogramm gab es im Test Minuspunkte.
Alternativen: Der ICO Balios Office Mini bringt mit dem Dualcore-Atom 330 eine wesentlich bessere CPU-Leistung und der Acer Aspire R3600 Revo unterstützt dank Nvidias ION-Plattform die Wiedergabe von Videos in hoher Auflösung.
Varianten: Nexoc Nettop ION 330
Barebone ECS (Elitegroup) MD100 zur Selbstkonfiguration (ohne RAM, Festplatte, optisches Laufwerk)
Barebone ECS (Elitegroup) MD110 zur Selbstkonfiguration (mit Intel Atom 330)
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