29.07.2010, 11:23

Alexander Kuch

Flüsterleise

MR Computertechnik Ichbinleise HFX Micro Media im Test

Der Ichbinleise HFX Micro Media macht seinem Namen Ehre und verfügt über Blu-ray und TV-Empfang. Ob er seinen fürstlichen Preis wert ist, klärt der PC-WELT-Test.
Schon rein äußerlich offenbart der MR Computertechnik Ichbinleise HFX Micro Media sein Kühlkonzept: Im Gehäuse sollen so wenige Lüfter wie möglich rauschen und deswegen setzt MR Computertechnik auf passive Kühlung. Beide Seitenwände sind außen gespickt mit Kühlrippen, die die Wärme über eine möglichst große Fläche nach außen transportieren. Das Gehäuse ist - außer in schwarz - auch in den Farben weiß, pink und grün erhältlich. Um erst gar keine große Hitze aufkommen zu lassen, setzt der Ichbinleise HFX Micro Media auf Netbook-Technik. Aber rechtfertigt dies den hohen Preis von 1000 Euro?
Vorschaugrafik: MR Computertechnik Ichbinleise HFX Micro Media im Test - klein
Ausstattung: Der Ichbinleise HFX Micro Media kombiniert Nvidias ION-Chipsatz mit Intels Prozessor Atom 330. Im Test fand PC-WELT heraus, dass der Hersteller diese CPU auf 1,9 GHz übertaktet hat - die reguläre Taktfrequenz liegt bei 1,6 GHz. Im ION-Chipsatz ist die Grafikeinheit Geforce 9400M integriert, die mit Videos in Full-HD-Auflösung umgehen kann. Zu diesem Zweck hat der Ichbinleise HFX Micro Media einen DVD-Brenner eingebaut, der auch Blu-rays wiedergibt. Der Schlitz für das Laufwerk in Slot-in-Bauweise ist etwas breiter als notwendig. Rechts vom Laufwerk sitzt nämlich (ohne Kennzeichnung) der Speicherkartenleser, der allerdings nur SD-Karten unterstützt.
Während der Arbeitsspeicher mit 4 GB punkten konnte, blieb die Festplattenkapazität des Ichbinleise HFX Micro Media hinter den Erwartungen zurück: 640 GB sind etwas mager, wenn man bedenkt, dass andere Rechner zum selben Preis bereits über eine Terabyte-Festplatte verfügen. Hervorzuheben ist dafür die eingebaute TV-Karte mit zwei Eingängen für das Satellitenfernsehen DVB-S nebst Fernbedienung.
Ansonsten überwiegt beim Ichbinleise HFX Micro Media Standardkost: Der Gigabit-Ethernet-Port ist das einzige Verbindungsmodul - WLAN und Bluetooth fehlen. Von den Anschlüssen her ist der Ichbinleise HFX Micro Media gut fürs Wohnzimmer disponiert: DVI, VGA und HDMI sorgen für die Verbindung zu Monitor oder Fernseher. Ein optischer S/P-DIF-Ausgang reicht das Sound-Signal an ein Surround-Boxenset weiter. Von den insgesamt sieben USB-Buchsen dienen zwei als kombinierte eSATA-USB-Anschlüsse.
Neben Windows 7 Home Premium in der 64-Bit-Variante fand PC-WELT die Vollversion von Cyberlink PowerDVD 9 Ultra im Lieferumfang des Ichbinleise HFX Micro Media - diese kann im Gegensatz zur Basisversion auch Blu-rays abspielen. Als Brennprogramm war die Cyberlink DVD Suite 7 vorinstalliert.
Handhabung: Um den Gehäusedeckel des Ichbinleise HFX Micro Media abheben zu können, müssen Sie zuerst die vier schwarzen Schrauben für die Anschlussblende auf der Rückseite lösen. Eine Aufrüstung des Systems ist aber kaum möglich. Mehr als die bereits verbauten 4 GB RAM unterstützt die Hauptplatine nicht. Obwohl es noch zwei freie SATA-Anschlüsse und einen internen USB-Anschlussblock gibt, sind keine Einbauschächte mehr frei.
Das Beschreiben einer CD-R erledigte der Brenner in exakt sechseinhalb Minuten, eine DVD-R war in 10:45 Minuten fertig. Zu viel Zeit beanspruchte allerdings das Kopieren der PC-WELT-Test-DVD: Was andere PCs in rund acht Minuten bewerkstelligten, dauerte beim Ichbinleise HFX Micro Media mehr als doppelt so lang.
Rechenleistung: Trotz der übertakteten CPU lief der Ichbinleise HFX Micro Media im Test stabil und erzielte eine geringfügig höhere Leistung als andere Wohnzimmer-PCs mit demselben CPU-Grafik-Gespann. Das Gesamtergebnis unter 3D Mark 06 war rund 13 Prozent besser, was ebenfalls auf das reine CPU-Ergebnis zutrifft. Unter PC-Mark 05 und Cinebench 10 lagen die Ergebnisse in den Einzelwertungen ebenfalls rund 10-20 Prozent über dem Durchschnitt. Dabei stellt sich die Frage, was diese Übertaktung in der Praxis bringen soll: Für CPU-hungrige Anwendungen wird man kaum auf eine übertaktete Atom-CPU zurückgreifen, sondern stattdessen ein leistungsfähigeres Modell wählen. Und für Blu-ray und Co. reicht auch die Leistung des Atom 330 in der Werkseinstellung.
Stromverbrauch/Betriebsgeräusch: Sowohl im Desktop-Modus als auch unter Last machte sich die übertaktete CPU in der Energiebilanz des Ichbinleise HFX Micro Media nicht bemerkbar - der Verbrauch blieb dauerhaft unter 45 Watt. Bei der Geräuschmessung bewies der PC, dass er seinen Namen zu Recht trägt - maximal 0,3 Sone hat PC-WELT gemessen. In einer normalen Büro- oder Wohnzimmerumgebung werden Sie vom Ichbinleise HFX Micro Media also nichts hören.
Fazit:Die passive Kühlung bewirkt, dass der Ichbinleise HFX Micro Media flüsterleise arbeitet. Obwohl die DVB-S-Karte und das Blu-ray-Laufwerk interessante Kaufkriterien sind, ist die restliche Ausstattung im Vergleich zur Konkurrenz mager. Lediglich die Schnittstellenausstattung und das vollwertige Blu-ray-Wiedergabeprogramm verdienen noch Beachtung. Die übertaktete Atom-CPU ist zwar ein interessantes Experiment, bei einem Wohnzimmer-PC in der Praxis aber irrelevant. Zum fürstlichen Preis von 1000 Euro müssten zumindestens WLAN, Bluetooth und ein besserer Speicherkartenleser inklusive sein. In der vorhandenen Konfiguration ist der Ichbinleise HFX Micro Media schlicht zu teuer.
Alternativen: Der Firstway HTPC Bluray arbeitet nur unwesentlich lauter und bringt ein WLAN-Modul mit, verzichtet aber auf eine TV-Karte. Obwohl seine Festplatte kleiner ist, kostet er nur wenig mehr als die Hälfte des Ichbinleise HFX Micro Media.
Varianten: Ichbinleise HFX Micro Media in den Gehäusefarben weiß, pink und grün
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