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Fitness-Armband im großen Praxistest

11.04.2013 | 10:00 Uhr |

Das UP-Armband von Jawbone kann Ihr Leben analysieren. Zumindest, wenn Sie brav alle Infos wie Ihre Schlafzeiten, die eingenommenen Mahlzeiten und Ihre tägliche Bewegung aufzeichnen lassen. Wir haben das Fitness-Armband für knapp 130 Euro ausführlich im Alltag getestet und verraten Ihnen, was wir davon halten.

Gleich eines vorneweg: Wer sich normalerweise nicht mit Armreifen schmückt, muss sich erst an das Tragen von UP gewöhnen. Denn das medizinisch zertifizierte und antiallergische Gummi-Armband misst an seiner dicksten Stelle 7 Millimeter und störte uns anfangs sehr beim Tippen. Hat man allerdings die richtige Position dafür gefunden - überhalb oder unterhalb des Handgelenks - merkt man das UP nach einiger Zeit nicht mehr. Außerdem sieht es außergewöhnlich schick aus: Die Designer haben beispielsweise den Klinkenstecker, über den Sie das Armband mit Ihrem Smartphone synchronisieren, unter einer Kappe versteckt, in die zwar der Herstellername deutlich sichtbar eingearbeitet ist. Das sieht jedoch eher elegant als aufdringlich aus.

Das UP-Armband besitzt einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker.
Vergrößern Das UP-Armband besitzt einen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker.

Am anderen Ende des Armreifs befindet sich ein Knopf, mit dem Sie vom Wach- in den Schlafmodus schalten und andere Funktionen aktivieren. Im Test brauchten wir für manchen Funktionswechsel mehrere Anläufe, was zum Teil etwas nervig war. Um einen gelungenen Funktionswechsel anzuzeigen, besitzt das UP zwei grüne LEDs, die je nach Funktion verschieden häufig in Form einer Sonne oder einer Mondsichel leuchten. Zudem gibt's eine Vibrationsalarm. Doch dazu später mehr. Das UP ist in drei Größen und acht Farben erhältlich, wobei Jawbone selbst im Online-Shop nur vier Farben anbietet. Außerdem ist der Armreif wasserfest und muss laut Hersteller auch beim Duschen nicht abgenommen werden.

Einrichten: Akku aufladen, Account anlegen und Einstellungen überprüfen

Nach dem Auspacken des UP müssen Sie zuerst seinen Akku aufladen, der dem Bewegungssensor und den LEDs den nötigen Strom gibt. Das geschieht über einen 11,5 Zentimeter langen USB-Klinken-Adapter am PC und dauert etwa 80 Minuten. Eine Akkuladung soll das Armband für zehn Tage mit Strom versorgen. Zum Synchronisieren und Auswerten der Daten benötigen Sie ein Smartphone mit Android ab Version 4.0 oder iOS 5.1 sowie die  kostenlose UP-App aus dem jeweiligen App Store. Jawbone bietet auf seiner Website übrigens eine Liste aller kompatiblen Geräte an. Wir haben das UP am HTC Desire X getestet, das zwar nicht auf der Liste steht, aber trotzdem problemlos mit der UP-App zusammenarbeitete.  

Verbinden Sie nun das Armband über seinen 3,5-Millimeter-Klinkenstecker mit dem Smartphone, und starten Sie die App, kann's losegehen: Um das UP zu nutzen, müssen Sie einen Account anlegen und einige persönliche Daten wie Ihr Geburtsdatum, Geschlecht, Ihre Größe und Ihr Gewicht eingeben. Alle diese Daten können Sie später unter "UP, Settings, User Settings" ändern. Folgen Sie den Anweisungen, um die App mit dem Armband zu koppeln. Als nächstes sollten Sie unter "UP, Settings, Privacy & Sharing" die Einstellungen überprüfen. Achtung: Ab Werk sind alle Optionen aktiviert, was bedeutet, alle Ihre Eingaben für die Schlafzeiten, Bewegungsanalyse, Mahlzeiten und Stimmung werden automatisch mit der Community geteilt. Die müssen Sie zwar selbst erst zusammenstellen. Ihr Name und Ihr Avatarbild sind in der UP-Community jedoch ab Ihrer Anmeldung zu finden, egal, was Sie in den Einstellungen eingegeben haben.

In den Einstellungen ändern Sie Ihre Daten und können weitere Optionen konfigurieren.
Vergrößern In den Einstellungen ändern Sie Ihre Daten und können weitere Optionen konfigurieren.

Ist Ihr Armreif aufgeladen und die Verbindung zum Smartphone ein erste Mal hergestellt, können Sie mit dem Loggen Ihres Lebens beginnen. Wichtig ist dabei: Alle Eingaben und die Synchronisation nehmen Sie über die App vor. Das Armband selbst zählt nur Schritte und misst die Zeit.

Mahlzeiten: Vorgaben schön bebildert, aber nicht übersetzt

Das UP-Band soll dazu genutzt werden, Ihren Lebensablauf aufzuzeichnen und zu analysieren. Dazu gehören natürlich auch die Mahlzeiten. Um Essen und Trinken aufnehmen und auswerten zu lassen, tippen Sie in der Hauptansicht der UP-App auf das "Messer und Gabel"-Symbol. Es stehen Ihnen insgesamt neun Kategorien zur Verfügung, die wiederum zahlreiche Gerichte und Getränke enthalten. Sie können aber auch selbst Gerichte mit Bildern einpflegen. Bei den vorgegebenen Gerichten fiel uns auf, dass die dazugehörigen Fotos zwar sehr schön sind. Es wurden jedoch die wenigsten Begriffe ins Deutsche übersetzt: Beispielsweise fanden wir in der Kategorie "Breakfast & Pastries" die Einträge "Eggs", "Räucherlachs", "Speck" und "Oatmeal". Oder in der Kategorie "Meats, Fish & Beans" (??) die Gerichte "Beef", "Schinken" und "Seafood".

Ihre Mahlzeiten können Sie aus verschiedenen Kategorien auswählen.
Vergrößern Ihre Mahlzeiten können Sie aus verschiedenen Kategorien auswählen.

Das Hinzufügen der einzelnen Mahlzeiten und Gerichte ist etwas umständlich, aber dennoch logisch: Mit "+" fügen Sie Gerichte zu einer Mahlzeit hinzu. Eine Mahlzeit findet zu einem bestimmten Zeitpunkt statt und kann aus mehreren Gerichten und Getränken bestehen. Mit dem Haken rechts oben beenden Sie das Hinzufügen zu einer Mahlzeit und können beispielsweise eine neue starten (etwa, wenn Sie eine Mahlzeit nachtragen möchten). Tag und Uhrzeit lässt sich dabei nachträglich anpassen. Außerdem können Sie den Gerichten eigene Nährwertangaben hinzufügen, was vor allem für die Gerichte sinnvoll ist, für die die App selbst keine Infos anbietet. Und Sie können mit "Add" angeben, ob Sie ein Gericht zuhause oder im Büro zu sich genommen haben. Ist der GPS-Sensor Ihres Smartphones aktiviert, lassen sich sogar die konkreten Geodaten mitloggen.

Alle Eingaben werden im Verlauf auf der Hauptseite angezeigt.
Vergrößern Alle Eingaben werden im Verlauf auf der Hauptseite angezeigt.

Bewegungssensor: Zeichnet Aktivität auf, weist auf Inaktivität hin

UP zeichnet nicht nur das auf, was Sie Ihrem Körper zuführen, sondern auch das, was weggeht - nämlich Ihre Bewegungen. Dazu verfügt das Gerät über einen Bewegungssensor, der Ihre Schritte und den damit verbundenen Kalorienverbrauch aufzeichnet. Außerden können Sie das Armband so einstellen, dass es Sie nach einer gewissen Zeit der Inaktivität per Vibration alarmiert. Die Joggingrunde um das Bürogebäude kann das UP dann auch gleich loggen, oder Sie lassen die Zeit per integrierter Stoppuhr festellen.

Der Hauptbildschirm zeigt Ihren Schlaf, Ihre Aktivitäten, Ihre Stimmung und Ihre eingenommenen Mahlzeiten an - sofern Sie diese Infos eingegeben haben.
Vergrößern Der Hauptbildschirm zeigt Ihren Schlaf, Ihre Aktivitäten, Ihre Stimmung und Ihre eingenommenen Mahlzeiten an - sofern Sie diese Infos eingegeben haben.

Den Schrittzählen müssen Sie übrigens nicht extra aktivieren, er läuft automatisch mit und zeigt Ihren aktuellen Bewegungsstand in Prozent auf der Hauptseite an (100 Prozent = 10 000 Schritte, in den Einstellungen anpassbar). Tippen Sie auf den orangefarbenen Balken, gelangen Sie zu einer aufgeschlüsselten Übersicht ihres Bewegungsstandes. Hier finden Sie weitere Infos zu den verbrauchten Kalorien, Ihrer aktiven und Ihrer inaktiven Zeit sowie den Kilometern, die Sie schon zurückgelegt haben.

Den Inaktivitätsalarm und die Stoppuhr sowie einen Workout-Logger finden Sie auf der Hauptseite der App, wenn Sie das Wecker- respektive das Plus-Symbol antippen. Der Workout-Logger, den Sie etwa für Radtouren, Yoga oder andere nicht-schrittbasierte Betätigungen einsetzen können, lässt zudem verschiedene Eingaben zu.

Die Schlaf-Optionen: Für Langschläfer und Power-Napper

Nur, weil Sie abends schlafen gehen, ist für das UP-Armband die Arbeit noch lange nicht zuende. Schalten Sie es nämlich in dem Schlafmodus, zeichnet der Bewegungssensor Ihr Schlafverhalten auf. Die Auswertung gibt später an, wie lange Ihre Tiefschlafphase und Ihre Leichtschlafphase war, wie oft Sie aufgewacht sind, wie lange Sie insgesamt im Bett waren und wie schnell Sie eingeschlafen sind.

Das UP zeichnet im Schlafmodus Ihr Schlafverhalten auf.
Vergrößern Das UP zeichnet im Schlafmodus Ihr Schlafverhalten auf.

Interessant ist auch die Smart-Alarm-Funktion, die Sie über das Wecker-Symbol auf der Hauptseite aktivieren: Hier stellen Sie eine Weckzeit und ein Weckzeitfenster von 10 bis 30 Minuten ein. Befinden Sie sich innerhalb dieses Zeitfensters - also maximal 30 Minuten vor der Weckzeit - in einer Leichtschlafphase, weckt das UP Sie mit seinem Vibrationsalarm.

Gut drauf oder stinkig: Loggen Sie Ihre Stimmung

Eine weitere Funktion, die das UP von Jawbone bietet, ist der Stimmungs-Logger. In der Hauptansicht der App finden Sie einen Smilie, den Sie nach Antippen per Fingerstreich nach oben oder unten verändern. Damit können Sie pro Tag einmal Ihre Stimmung festhalten und eventuell aus den anderen UP-Informationen den Grund für Ihre schlechte Laune ableiten.

Auch Ihre Stimmung können Sie über eine anpassbare Smilie-Figur angeben.
Vergrößern Auch Ihre Stimmung können Sie über eine anpassbare Smilie-Figur angeben.

Synchronisieren: Einstecken und App starten

Das Abgleichen des Armbands mit dem Smartphone ist kinderleicht. Sie verbinden beide per Klinkenstecker miteinander und betätigen in der App den allseits bekannten Sync-Button rechts oben in der App. Es erscheint eine Schaltfläche, mit der Sie den Vorgang starten, ein Fortschrifttsbalken zeigt an, wie lange der Abgleich noch dauert und wieviel Akkuladung das Armband noch hat.

Zum Synchronisieren verbinden Sie das Armband per Klinkenstecker mit Ihrem Smartphone.
Vergrößern Zum Synchronisieren verbinden Sie das Armband per Klinkenstecker mit Ihrem Smartphone.

Fazit: Alles gut, aber irgendwie zuviel Arbeit

Egal, was wir mit dem Jawbone UP erfasst und analysiert haben - es hat gut funktioniert. Zwar klappte das Umschalten vom normalen Schrittzählmodus beispielsweise in den Stoppuhrmodus oder den Workout-Logger-Modus nicht immer beim ersten Mal. Hatten wir da jedoch den Dreh raus, arbeiteten auch diese Funktionen einwandfrei.

Der Grund, wieso wir das Jawbone UP dann aber doch nach einigen Tagen wieder abgelegt haben: Es war uns einfach viel zu aufwändig, jedes Wurstbrot, jeden Kaffee und jedes Snickers einzeln zu erfassen. Wenn man das aber nicht tut, macht das UP nicht wirklich Sinn. Und ist dann mit 129,99 Euro nur ein sehr teures Gummiarmband.

Das UP von Jawbone sieht schick aus, lässt sich gut tragen, macht aber viel Mühe.
Vergrößern Das UP von Jawbone sieht schick aus, lässt sich gut tragen, macht aber viel Mühe.
© Jawbone
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