Fertige Systeme

Freitag den 18.03.2005 um 10:49 Uhr

von Michael Ludwig, Markus Wagenseil

Fertige Systeme

Wer nur ein einziges Aufnahme- und Abspielgerät im Wohnzimmer haben möchte, das einfach alles kann, hat die Wahl: Noch besteht die Mehrzahl der Media-Center aus Mini-PCs mit optimierter Media-Oberfläche, doch immer mehr Hersteller setzen auf den typischen Player-Look. Digital.World stellt die interessantesten Geräte beider Kategorien vor.

KOMPAKT: MEDIA-CENTER-PC

Eine allgemein gültige Definition, was ein Media-Center-Rechner ist, gibt es nicht. Für Digital.World muss ein solches System folgende Komponenten enthalten: einen oder besser zwei TV-Empfänger, eine Soundkarte, Anschlüsse für die Anbindung an Fernsehgerät oder andere AV-Systeme, eine Festplatte von mindestens 120 GB sowie eine Fernbedienung. Wichtig: Das Gerät muss extrem leise arbeiten. Und das Design muss stimmen. Niemand will sich einen klobigen Klotz neben die Couch stellen.

DIE AUSWAHL: Wir testeten Geräte, die typische Vertreter der einzelnen Kategorien sind - vom leicht veredelten klassischen PC über Designermodelle bis hin zum Notebook. Media-Center-Rechner werden derzeit vor allem von kleinen PC-Schmieden angeboten. Firmen wie Dell oder Hewlett-Packard halten sich in diesem Bereich noch zurück.

VOR- UND NACHTEILE

+ ALLES IN EINEM SYSTEM Ein Media-Center-PC ersetzt mehrere Geräte, etwa DVD-Player oder -Recorder und AV-Receiver.

+ ALS PC EINSETZBAR Das System kann auch zum Spielen, Arbeiten oder als Internet-Zugangsstation eingesetzt werden.

+ FILME UND MUSIK HERUNTERLADEN Über Film- oder Musikhändler im Internet kann der Anwender aktuelle Titel auf den Rechner herunterladen und abspielen.

- SINGLE SOURCE OF FAILURE Fällt der Rechner aus, ist Schluss mit der Unterhaltung. Formschöne Media-Center-PCs sind teuer.

KOMPAKT: MEDIA-CENTER

Das sind eigentlich PCs, deren Hardware sich hinter wohnzimmertauglichen Fassaden versteckt. Auch das Betriebssystem verbirgt sich unsichtbar für den Nutzer hinter den eigens programmierten Oberflächen. Eine Windows-Oberfläche oder Probleme mit einzelnen Programmen gibt es nicht. Die Geräte lassen sich als DVD-/HDD-Recorder einsetzen und verwalten Foto- und Musiksammlungen. Sie können Mittelpunkt im heimischen Hi-Fi-Netzwerk sein und Daten mit externen Festplatten austauschen. Fujitsu-Siemens geht mit Activy noch einen Schritt weiter und verbindet den Nutzer mit dem Internet.

EIN MEDIA-CENTER IST IDEAL, WENN

> Sie viele Funktionen in einem Gerät vereinen möchten,
> dabei einfache Bedienung und Systemstabilität schätzen oder
> sowieso die Anschaffung eines DVD-/HDD-Recorders ansteht und Ihnen die zusätzlichen Multimedia-Funktionen willkommen sind.

NICHT EMPFEHLENSWERT, WENN

> Sie bereits einen DVD-Harddisk-Recorder besitzen,
> sich in naher bis mittlerer Zukunft einen HDTV-fähigen Fernseher anschaffen
möchten.

Ein Media-Center ist ein System, das unter anderem DVDs abspielt, Ihre Urlaubsbilder anzeigt, MP3s an Ihre Audio-Anlage schickt und Timeshift (zeitversetztes Sehen von Live-Sendungen) erlaubt. Das macht andere Geräte überflüssig, schafft mehr Wohnraum und trägt dem digitalen Zusammenwachsen verschiedener Medien Rechnung.
Media-PC oder Media-Center?

Beim Media-Center merken Sie nicht, dass ein PC unter der Hülle steckt; das Betriebssystem ist quasi unsichtbar (embedded). Der Media-PC ist dagegen als vollwertiger Rechner vielseitiger (E-Mail, Spiele) und besser aufrüstbar. Dafür passen die Media-Center optisch noch besser ins Wohnzimmer, und die Bedienung beschränkt sich wirklich auf Mediafunktionen. Wir haben die beiden Klassen getrennt getestet; sie dürften aber in Zukunft verschmelzen. Zunächst zu den Media-PCs: Der E2-MCE von Hush Technologies passt optimal ins Hi-Fi-Regal, nur die Frontanschlüsse für USB und Firewire verraten, dass es sich dabei um einen Computer handelt. Der Packard-Bell iXtreme Gold 6420 kann seine Abstammung dagegen nicht verbergen. Die Form eines Würfels haben der Compmehr Erl6 und der Shuttle G5 8300M. Sie lassen sich daher dezent in die Wohnzimmer-Landschaft integrieren. Am flexibelsten ist der Toshiba Qosmio G10, denn mit ihm können Sie auch unterwegs Filme ansehen. Die Testgeräte kosten zwischen 1000 und stolzen 3000 Euro, jedes setzt eine der Media-Oberflächen ein, die wir ab Seite 50 vorstellen.

Nicht nur multimedial

Eine Fernbedienung bringen alle Geräte mit, Tastatur und Maus nur der Packard-Bell. Schlecht, falls Sie den Media-PC nicht als reine Mediazentrale nutzen wollen, sondern auch mal ein Programm installieren oder Texte damit schreiben möchten. Analoge Fernsehsendungen können alle Geräte empfangen. Packard-Bell und, gegen Aufpreis, Hush beherrschen zudem terrestrisches digitales Fernsehen (DVB-T). Compmehr wiederum liefert den Erl6 in drei Versionen aus: analoge TV-Karte, DVB-TKarte oder DVB-S (Digital-TV per Satellit). Alle Systeme besitzen zudem analoge Video-Eingänge. Darüber kann der Anwender beispielsweise Aufnahmen von alten VHS-Videobändern auf die Festplatte des Media-Center-PCs überspielen oder einen Satelliten-Receiver anschließen. Schade, dass keines der Systeme das Video Program System (VPS) unterstützt. Der Aufnahmestart zum programmierten Sendebeginn wird so zum Glücksspiel.

Freitag den 18.03.2005 um 10:49 Uhr

von Michael Ludwig, Markus Wagenseil

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