25.02.2010, 16:22

Benedikt Plass-Fleßenkämper

Interaktives Meisterwerk?

Fazit

Großes Kino
Selten gab es so viele Diskussionen wie über Heavy Rain. Ist es nun ein wahres Kunstwerk? Oder doch nur ein ambitioniertes Projekt, das an seinem eigenen Anspruch zu Grunde geht? Fest steht: Ich mag Heavy Rain -- sehr sogar. Mir gefällt die finstere Atmosphäre und die Art, wie die Charaktere in das Spiel eingebunden wurden. Jeder besitzt seine Schwächen und seine düstere Vergangenheit. Klar, spielerisch ist Heavy Rain bestenfalls Durchschnitt. Aber dafür entschädigen mich die packenden Filme mit immer wieder neuen Überraschungen und toll inszenierten Ereignissen. Daher spreche ich für Heavy Rain auch eine klare Kaufempfehlung aus -- als eine der ungewöhnlichsten Spielerfahrungen der letzten Jahre.
9/10

Begeistert: Benedikt
Viel gewollt
Heavy Rain ist ein Experiment, deshalb verzeiht man dem Titel, dass er die Balance zwischen interaktivem Krimi und herkömmlichen Videospiel noch nicht gefunden hat. Auf der einen Seite sitzt man mit einem glücklichen Lächeln vor der Konsole, wenn Ethan mit den Kindern spielt. Auf der anderen Seite holen einen himmelschreiende Detailfehler (warum darf der Held in seinem eigenen Haus nicht in die Küche, wenn er nicht vorher geduscht hat?) und Logiklöcher wieder in die Realität, von der vor allem für Einsteiger katastrophal hakeligen Steuerung ganz zu schweigen. Ich ziehe meinen Hut vor Quantic Dreams, weil sie sich mutig von vielen Spiele-Konventionen befreien. Ich wünsche den Entwicklern aber auch Glück und Augenmaß, damit (das hoffentlich schon geplante) Heavy Rain 2 ohne die vielen Macken und Holprigkeiten des Erstlings erscheint.
8/10

Macht Kraniche: Markus
Schwacher Thriller
Im Gegensatz zu Benedikt bin ich mit Heavy Rain überhaupt nicht warm geworden. Das liegt vielleicht daran, dass ich zumindest Ansätze eines Spiels erwartete, als ich die Scheibe ins Laufwerk schob. Die »Spielmechanik« erinnert mich ans düstere Konsolen-Mittelalter, als »interaktive Filme« wie Dragon's Lair versuchten, allein durch die Optik zu begeistern. Selbst dabei versagt Heavy Rain, denn die Wirkung der zugegebenermaßen gelungenen Gesichter der Figuren wird durch staksige Animationen zunichte gemacht. Es ist also kein Spiel im herkömmlichen Sinne -- funktioniert Heavy Rain also wenigstens als spielbarer Film? Auch das tut der Titel (zumindest für mich) nicht: Zwar finde ich die Geschichte über weite Strecken durchaus spannend, doch angesichts einiger hanebüchener Wendungen und Logiklöcher versagt David Cages Projekt auch hier.
5/10

Enttäuscht: Kai
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