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Homefront im Test

16.03.2011 | 14:14 Uhr |

Ego-Shooter mit Anti-Kriegsspiel-Ambitionen – für den Homefront-Test haben wir uns in den Apache gesetzt und uns dem Widerstand angeschlossen.

"Besatzungspolizei. An die Tür!!" Eigentlich wollte Ex-Pilot Robert Jacobs unauffällig in seinem heruntergekommen Apartment weiterleben. Aber drei bewaffnete Männer setzen ihn gewaltsam in einen alten Schulbus und Jacobs fährt vorbei an Deportationen und Hinrichtungen am Straßenrand in Montrose, Colorado.

Homefront spielt in einer düsteren Zukunft im Jahr 2027: Nordkorea hat unter Führung des Diktator-Sohns Kim Jong-un mehrere asiatische Länder annektiert und die wirtschaftlich zerütteten USA besetzt. John Milius, Co-Schreiber des Antikriegsfilms "Apocalypse Now", hat sich das ausgedacht. Als wir später im Spiel in einer Hubschrauberstaffel Richtung Golden Gate Bridge mitfliegen, werden wir auch kräftig an die Hubschrauber-Szene aus "Apocalypse Now" erinnert, die Regisseur Coppola mit Richard Wagners "Ritt der Walküren" hinterlegt hat.

Zurück zu Robert Jacobs in Homefront: Gerade als der Bus eine Kreuzung überquert, wird dieser von einem anderen Fahrzeug gerammt. Widerstandskämpfer befreien Jacobs und drücken ihm wenig später eine Waffe in die Hand – jetzt ist Jacobs einer von ihnen. Im Kampf gegen die Besatzer verlassen sich die Widerständler aber nicht nur auf Gewehre und Granaten: Der unbemannte Goliath-Panzer fährt eigenständig umher und nimmt Gegner automatisch per Maschinengewehr aufs Korn. Über eine Fernsteuerung weisen wir dem Goliath Ziele für seinen Raketenwerfer zu – der zerlegt auch gepanzerte Feind-Fahrzeuge ruckzuck. Aber auch der Goliath ist nicht unverwundbar: Auf dem Weg durch ein Wohngebiet müssen wir im Schutz des vorrückenden Goliaths zügig gegnerische Raketenwerfer per Scharfschützengewehr ausschalten. Der Goliath bringt frischen Wind ins Shooter-Genre und ist definitv eines der Highlights in Homefront.

Fast das gesamte Spiel sind wir mit dem draufgängerischem Connor, dem Mechaniker Hopper und der schönen Rianna unterwegs. Nur manchmal trennen sich ganz kurz unsere Wege: Wenn wir uns mit dem Scharfschützengewehr Richtung Kirchturm aufmachen, etwa. So richtig ans Herz wachsen einem die drei trotzdem nicht; denn viel erfahren wir nicht über sie. Trotzdem hauchen Ihnen die Entwickler gekonnt so etwas wie Leben ein: Rianna kann ihre Tränen nicht zurückhalten, als ein Mitstreiter fällt und Connor gerät außer sich, als er ein Massengrab entdeckt. Wutentbrannt eröffnet er das Feuer auf die gegnerische Überzahl.

Apropos Massengrab: Dass sich Homefront an erwachsene Spieler richtet, wird schon in der Anfangssequenz klar. Immer wieder zieht das Spiel sämtliche Register, um die Grausamkeiten des Krieges zu zeigen und den Hass auf die Besatzer zu schüren. Einmal helfen wir gar einer Frau mit Baby auf dem Arm durch ein Feuergefecht – das ist schon sehr dick aufgetragen. Was wir dem Spiel hoch anrechnen: Homefront vermeidet eine allzu klischeehafte und einseitige Erzählstruktur – das Spiel zeigt auch, wie menschenverachtend einige Amerikaner mit überwältigten Besatzern umgehen und wie Amerikaner mit koreanischem Migrationshintergrund von ihren Landsmännern bedroht werden.

Im Multiplayer-Modus dürfen wir noch mehr Vehikel als in der Kampagne steuern: etwa eine Flug-Drohne, die Gegner markiert. Oder einen Panzer, auf dessem Rücken uns einer unserer bis zu 15 Teamkollegen im MG-Stand aushilft. Neben dem klassischem Team-Deathmatch müssen wir im Modus "Ground Control" drei Punkte auf einer Karte besetzen.

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