03.07.2008, 12:00

Thomas Rau

Eee-PC-Konkurrent bei Aldi

Medion Akoya Mini Netbook E1210

Premiere bei Aldi: Mit dem Medion Akoya Mini Netbook E1210 für 399 Euro verkauft der Discounter am 3.Juli zum ersten Mal einen günstigen Mini-Laptop. Ist der Eee-PC-Konkurrent von Aldi besser als das Original? Die Antwort finden Sie in unserem Test.
Den Zeitpunkt für das erste Netbook, das bei Aldi Süd und Nord ab sofort erhältlich ist, hat Aldi gut gewählt: Asus verkauft erst seit kurzem die Windows-XP-Variante des Eee PC, den Eee PC 900. Und andere wichtige Hersteller, die dem Medion Akoya Mini Konkurrenz machen könnten, sind mit ihren Geräten noch nicht auf dem Markt: Der Acer Aspire One soll Ende Juli starten, der MSI Wind U100 – übrigens baugleich zum Aldi-Netbook - wird ebenso wie ein neuer Eee PC für August erwartet, im September wird HP das Mininote 2133 auf den Markt bringen und im Oktober will Dell mit seinem Netbook in Deutschland starten.
Eine zweite Premiere betrifft den Prozessor: Im Mini-Notebook von Medion arbeitet der Intel Atom N270. Diesen Prozessor hat Intel speziell für das Segment der Netbooks entwickelt, also der sehr günstigen, sehr kleinen und leichten Mobilrechner. Seine Arbeitstakt beträgt 1,6 GHz, sein L2-Cache ist 512 KB groß. Der Atom N270 besitzt einen physikalischen Rechenkern, erscheint gegenüber dem Betriebssystem dank Hyper-Threading aber als virtueller Doppelkern-Prozessor.
Der Atom N270 unterstützt verschiedene Stromsparfunktionen (unter anderem Enhanced Intel Speedstep), seine maximale Verlustleistung (TDP) liegt bei 2,5 Watt, in den unterschiedlichen Schlafzuständen braucht er zwischen 0,5 und 1 Watt. Der Atom N270 (Mobile Diamondville) im Aldi-Netbook ist übrigens nicht der von Intel unter dem Codenamen „Silverthorne“ entwickelte extrem sparsame Atom-Prozessor, der in kleineren mobilen Endgeräten, den sogenannten Mobile Internet Devices, zum Einsatz kommen soll.
Prozessor-Leistung
Im Vergleich der Rechenleistung mit dem Celeron M 353 im Asus Eee PC kann sich neue Prozessor nicht absetzen: Er erreichte im CPU-lastigen Test Cinebench 135 Punkte – mit aktiviertem Hyper-Threading. Der Celeron M 353 schaffte 122 Punkte. Auch im CPU-Test des PC Mark 05 liegen der Atom N270 und der Celeron M353 fast gleichauf.
Auch in der Systemleistung bewegen sich der Medion Akoya Mini und der Asus Eee PC auf ähnlichem Niveau: Mit beiden lassen sich gängige Office-Aufgaben problemlos erledigen – auf dem Aldi-Netbook ist dafür Word Perfect Office X3 vorinstalliert. Alle Programme starten und schließen ohne auffällige Wartezeiten – Word Perfect beispielsweise in vier Sekunden.
Ohne Probleme online
Auch das Internetsurfen erledigt der Akoya Mini ohne Probleme: Beim Abspielen von Flash-Videos liegt die CPU-Last bei rund 30 Prozent. Auch die Displayauflösung von 1024 x 600 Bildpunkten ist surf-kompatibel. Für Videotelefonie bringt das Netbook E1210 eine Web-Cam und ein Mikrofon mit, beide sind im Displayrahmen integriert.
Ins Netz gelangt der kleine Aldi-Rechner per Kabel (10/100 Mbit) oder WLAN nach dem aktuellen (Vor-)Standard 802.11n – im Asus Eee PC 900 sitzt nur ein 11g-WLAN-Modul. Allerdings besitzt der Medion Akoya nur zwei WLAN-Antennen - die meisten Notebooks mit 11n-Modul verfügen über drei. Ein Modem fehlt dem Akoya Mini – und auch Bluetooth, so dass man unterwegs das Handy nicht kabellos als Surf-Modem mit dem Netbook verbinden kann. Fehlanzeige auch bei einem integrierten UMTS-/HSDPA-Modem: Das kann man bei diesem Preis aber auch nicht ernsthaft erwarten.
Akkulaufzeit
Medion stattet den Akoya Mini mit einem 3-Zellen-Akku aus (24 Wh). Trotzdem ist das Netbook E1210 schwerer als der Asus Eee PC mit einem etwas größeren Akku (32 Wh): Das Aldi-Netbook bringt 1140 Gramm auf die Waage, der Eee PC genau 1000 Gramm.
Entsprechend mau fällt die Akkulaufzeit des Akoya Mini aus: Bei geringer CPU-Last und einer Display-Helligkeit von 100 cd/m2 musste der Kleine bereits nach 2:39 Stunden wieder an die Steckdose. Der Eee PC hielt unter diese Bedingungen mit 3:07 Stunden etwas länger aus – dank des größeren Akkus, denn seine Leistungsaufnahme im Akkubetrieb lag rund 1 Watt höher als die des Aldi-Netbooks.
Beim Surfen per WLAN und auf 100 cd/m2 reduzierter Helligkeit hielt das Medion Akoya Mini knapp zwei Stunden durch.
Die Akkumessung bei der Video-Wiedergabe entschied ebenfalls der Eee PC klar für sich: Unser Testfilm lief auf dem Asus-Mini 2:42 Stunden, während beim Medion Akoya schon nach 1:45 Stunden Schluss war. Allerdings führten wir diese Messung praxisnah bei jeweils maximaler Displayhelligkeit durch: Und das Display des Netbook E1210 strahlt fast doppelt so hell wie das im Asus Eee PC.
Ausstattung
Medion Akoya Mini Asus Eee PC
Preis 399 Euro 399 Euro
Prozessor Intel Atom N270 (1,6 GHz) Intel Celeron M353 (900 MHz)
Arbeitsspeicher 1 GB DDR2-667 1 GB DDR2-400
Festplatte 80 GB 12 GB
Display (Auflösung) 10,2 Zoll (1024 x 600) 8,9 Zoll (1024 x 600)
Gewicht (inkl. Akku) 1140 Gramm 1000 Gramm
Betriebssystem Windows XP Home SP3 Windows XP Home SP2
Ein großer Vorteil des Medion Akoya Mini gegenüber dem Eee PC: Er besitzt eine 2,5-Zoll-Festplatte mit 80 GB Kapazität. Beim Eee PC gibt’s nur zwei Flash-Platten mit insgesamt 12 GB. Im Auslieferungszustand ist die Platte des Aldi-Minis in eine NTFS-Partition mit Betriebssystem und Anwendungen und eine rund 8 GB große Recovery-Partition unterteilt.
Da im Aldi-Netbook eine Standard-2,5-Zoll-Platte mit 9,5 Millimeter Bauhöhe steckt, steht einem Austausch gegen eine größere Platte nichts im Wege: Unsere testweise eingesetzte 320-GB-Platte wurde problemlos erkannt. Allerdings ist der Aus- und Einbau der Festplatte nicht ganz einfach: Sie müssen zunächst neun Schrauben lösen, um die Abdeckung auf der Gehäuseunterseite komplett abnehmen zu können. Anschließend müssen Sie das WLAN-Modul aus dem Minicard-Steckplatz entfernen. Denn unter dem Modul sitzt die Schraube, mit der die Festplatte an der Platine fixiert ist.
Wie dem Eee PC fehlt auch dem Netbook E1210 ein optisches Laufwerk. Über ein externes USB-Laufwerk oder von Festplatte lassen sich aber DVD-Dateien abspielen: Der Prozessor erledigt das locker mit rund 20 bis 30 Prozent Last. Auch Divx-Filme stellen den kleinen Mobilrechner nicht vor Probleme.
Bei den Schnittstellen bieten Aldi und Asus Identisches: Drei USB-Ports, einen VGA-Ausgang, je einen Audio-Ein- und Ausgang, den Netzwerk-Anschluss sowie einen Kartenleser für SD-Karten und Memory-Sticks.
Auf dem Aldi-Netbook ist neben Word Perfect der Virenscanner Bullguard, das Webcam-Tool Cyberlink Youcame, die DVD-Player-Software Cyberlink Power DVD, die Bildbearbeitung Ulead Photoimpact 12 sowie das Finanzprogramm Wiso Mein Geld 2008 vorinstalliert.
Display
Das 10,2 Zoll große Display des Medion Akoya Mini zeigt 1024 x 600 Bildpunkte: Seine Auflösung ist somit augenfreundlicher als beim Eee PC, der die gleiche Anzahl Bildpunkte auf einem nur 8,9 Zoll großen Bildschirm unterbringt.
Auch bei den Messungen schnitt das Display des Aldi-Netbooks deutlich besser ab als der Eee PC: Wir ermittelten eine hohe durchschnittliche Leuchtdichte von 175 cd/m2, maximal bot das Display 214 cd/m2. Hier macht sich die LED-Hintergrundbeleuchtung deutlich bemerkbar. Allerdings fiel die Leuchtdichte zum unteren Rand sichtbar ab. Da das Display entspiegelt ist, lässt es sich auch unter freiem Himmel problemlos ablesen.
Tastatur
Medion nutzt fast die gesamte Gehäusebreite von 26 Zentimetern für die Tastatur. Die meisten Tasten sitzen daher in einem angenehm großen 17,5-Millimeter-Raster. Nur die Tasten für die Satzzeichen und die Cursor-Tasten sind mit 13,5 Millimetern schmäler.
Die Tastatur ist stabil eingebaut, nur oben in der Funktionstasten-Leiste gibt sie spürbar nach. Das Tasten-Feedback ist deutlich, auch der Hub überzeugt. So lässt sich auch für längere Zeit auf dem Akoya Mini tippen, ohne Fingerkrämpfe befürchten zu müssen. Insgesamt schlägt die Tastatur des Aldi-Netbooks die deutlich kleinere im Asus Eee PC um Längen.
Das Touchpad des Akoya Mini ist recht klein, reicht aber für eine präzise Maussteuerung vollkommen aus. Allerdings versteht es im Gegensatz zum Touchpad des Asus Eee PC keine Multitouch-Gesten.
Praxis-Probleme
Auf größeren Druck reagierte das grau-schwarze Gehäuse mit einem leichten Knarzen. Insgesamt wirkte es aber ebenso wie der matt-schwarze Displaydeckel stabil verarbeitet. In unserem Praxistest fielen uns nur Kleinigkeiten auf: Der Akku ließ sich nur mit einigem Kraftaufwand vom Netbook lösen, sitzt andererseits dafür im Betrieb aber auch stabil und wackelfrei.
Die Displayscharniere waren beim Medion Akoya Mini etwas leichtgängiger als wir es von anderen Netbooks gewohnt waren: Haute man etwas kräftiger in die Tasten, während man das Netbook auf den Oberschenkeln balanciert, öffnet sich der Displaydeckel stückweise immer weiter.
Der einzige größere Faux-Pas: Bei unserem Testgerät war der Kartenleser zunächst nicht aktiv. Auch eine Neuinstallation des Treibers brachte keine Besserung. Erst nach mehreren Neustarts entdeckte der Windows-Assistent den Kartenleser: Anschließend akzeptierte er aber klaglos unsere Test-Speicherkarten, darunter auch eine SDHC-Karte mit 8 GB.
Fazit
Der König ist tot, es lebe der König. Asus hat mit dem Eee PC die Geräteklasse der Netbooks populär gemacht. Doch der Medion Akoya Mini überholt den Pionier mal ganz locker: Er hat alles, was man beim Eee PC bisher vermisste - eine schnellschreibtaugliche Tastatur, ein helles, outdoor-taugliches Display und üppig Festplattenplatz.
Allerdings ist auch der Aldi-Mini nicht perfekt: Die Akkulaufzeit ist schlichtweg enttäuschend für ein Gerät, das man hauptsächlich fern der Steckdose nutzen will. Auch vom neuen Prozessor Intel Atom darf man sich keine Leistungs- und Stromsparwunder erwarten. Hier hilft nur ein größerer Akku, der aber wiederum das Gewicht des Mini-Laptops erhöht.
Alle, die beim Asus Eee PC oder jetzt beim Aldi Akoya Mini leer ausgehen, müssen sich nicht grämen: Wie eingangs erwähnt, stehen uns noch einige Netbook-Neuheiten bevor. Die Herausforderer müssen sich aber jetzt nicht mehr am Asus Eee PC, sondern am Winzling von Medion messen.
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