24.05.2012, 10:05

Peter Stelzel-Morawietz

Kindle-Konkurrent

Ebook-Reader Trekstor Liro Ink zum Kampfpreis im Test

Knapp 70 Euro kostet der Ebook-Reader Liro Ink von Trekstor, der baugleich unter der Bezeichnung Liro Pyrus im Handel ist. ©Trekstor

Ein Ebook-Reader für 70 Euro mit einem Display auf Basis „elektronischer Tinte“ – das gab es bisher nicht. Günstige Reader hatten bisher stets nur eine LCD-Anzeige, andere Geräte waren deutlich teurer. Was der neue Trekstor Liro Ink taugt, zeigt der PC-WELT-Test.
Trekstor hat erstmals ein Lesegerät für elektronische Bücher im Sortiment, das statt mit klassischem LCD-Display mit einer Anzeige auf Basis so genannter digitaler oder elektronischer Tinte ausgestattet ist. Vorteil Nummer eins dieses Graustufen-Displays ist die im Vergleich zu beleuchteten LCDs extrem lange Akkulaufzeit: Statt in Stunden misst man sie hier in Wochen. Denn Strom verbraucht die Anzeige nur beim Umblättern, sonst nicht. Der zweite große Vorteil ist die ausgezeichnete Lesbarkeit selbst bei direktem Sonnenlicht.
Soweit das Prinzip, denn die Anzeige des neuen Trekstor-Readers, der als Liro Ink im Buchhandel verkauft wird aber baugleich auch als Liro Pyrus im Handel ist, erfüllt bei Weitem nicht die Erwartungen, die man an einen Bildschirm mit elektronischer Tinte stellen darf. Die Schrift ist je nach Dokument ausgesprochen kontrastarm, was sich zwar durch den Austausch der Schriftart mühsamen mit dem PC-Programm Sigil ändern lässt. Doch diese Option kann wirklich kein Standard für ein Lesegerät sein, das sich an jedermann richtet.
Zudem zeigt der Bildschirm einen derart starken Ghosting-Effekt, dass mancher unserer Testbetrachter die dargestellten Buchseiten als „unleserlich“ oder „furchtbar“ bezeichnete, weil das Schriftbild der letzten Seite weiter stark sichtbar bleibt und die neue Seite überlagert. Ein geringer Ghosting-Effekt ist bei digitaler Tinte durchaus normal, aber beim Liro Ink stören die „Reste“ dermaßen, dass man in den Einstellungen die Option „Anzeige nach jeder Seite aktualisieren“ wählen muss – alles andere ist nicht zu gebrauchen. Dass dies keine gerätespezifische Schwäche des ersten Testmusters war, bestätigte die Kontrolle auf einem zweiten Gerät. Darüber hinaus verleidet das Auf- bzw. Nachflackern beim Umblättern das Lesevergnügen weiter, übrigens unabhängig von der gerade erwähnten Seitenaktualisierungseinstellung.

Trekstor Liro Pyrus mit deutlichen Schwächen

Auch ansonsten leistet sich der neue Ebook-Reader von Trekstor im Vergleich zum Amazon Kindle einige Schwächen. Noch zu verschmerzen ist der Umstand, dass das Gerät nicht über ein WLAN-Modul für die Übertragung der Bücher vom PC beziehungsweise aus dem Internet verfügt. So muss man den Liro Ink beziehungsweise Pyrus also stets per USB an den Rechner anschließen. Dass aber die zum Bücherkauf erforderliche Software weder in der gedruckten vierseitigen Kurzanleitung noch im ausführlichen Handbuch auch nur erwähnt wird, ist ein starkes Stück. Den Missstand hat auch der Hersteller bemerkt und versieht das Reader-Modell für den Handel nun mit einem Aufkleber, der auf das „eReader Suite“ genannte Programm hinweist. Denn ansonsten liegt es versteckt auf dem internen Gerätespeicher, von wo es erst installiert werden muss.
Die Buchauswahl im angeschlossenen Online-Shop ist mit mehr als 100.000 Werken groß, zudem lassen sich Ebooks recht einfach erwerben und aufs Gerät übertragen. Für elektronische Bücher mit DRM-Kopierschutz – das betrifft so gut wie alle kommerziellen Werke – ist zusätzlich noch das Verwaltungsprogramm Adobe Digital Editions zu installieren. Das ist Standard bei allen Lesegeräten, wenn man kopiergeschützte Bücher im in Deutschland verbreiteten Epub-Format zunächst online am Rechner kauft und dann auf den Reader überträgt – dafür kann der Gerätehersteller nichts.
Sehr wohl verantwortlich aber ist Trekstor für das Gerätedesign: Während die Tasten zum Blättern am linken und rechten Rand gut und fast exakt wie beim Amazon Kindle platziert sind, ist die Bedienung der vier Tasten unten ausgesprochen unangenehmen. Die Buttons für Home, Menü, Zurück und die Suche sind direkt am Geräterahmen platziert, dass man stets auch an die etwas scharfkantige Hervorhebung drückt.
Apropos Such-Button: Abgesehen von Dokumenten im TXT-Format bietet der Liro-Reader keine elektronische Textsuche. Bei einem Roman mag man das verschmerzen, aber bei einem Sachbuch ist die fehlende Stichwortsuche im Text nicht mehr zeitgemäß – dabei wäre sie so einfach zu realisieren.
Fazit: Ebook-Reader mit Standard-Features, aber …
Auf dem Papier macht sich der erste und im Übrigen gut verarbeitete Trekstor-Reader mit Display auf Basis digitaler Tinte ganz ordentlich: 6-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 800 mal 600 Pixeln, Unterstützung der gängigen Formate wie Epub, PDF usw., mit vier GByte ausreichend interner Speicher, dazu ein Slot für Micro-SD-Karten, USB-Anschluss, Standardfunktionen wie das Setzen von Lesezeichen, dazu Standardabmessungen und -gewicht (216 Gramm) – alles ganz normal also.
Doch in der Praxis liegen zwischen dem Liro Pyrus beziehungsweise Ink und den Kindle-Geräten von Amazon, dem Sony-Reader PRS-T1 oder dem Kobo Touch Welten. Zwar sind der einfachste Kindle und der Kobo-Reader mit knapp 100 Euro sowie das Sony-Lesegerät mit ca. 135 Euro deutlich teurer. Angesichts der Buchpreisbindung, die hierzulande auch für Ebooks gilt, sollten sich insbesondere Vielleser aber fragen, ob sie nicht die Mehrkosten in ein deutlich besseres Lesegerät investieren und damit auf Dauer auch mehr Lesefreude haben. Denn beim verbauten Display hat Trekstor an der falschen Stelle gespart. Das ist insbesondere deshalb bedauerlich, weil der Trekstor-Reader trotz mancher Schwäche im Detail angesichts des Kampfpreises von knapp 70 Euro ansonsten durchaus einen positiven Eindruck hinterlässt.
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