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Android-Tablet

Dell Venue 8 (7840) im Test

27.03.2015 | 12:35 Uhr |

Eigentlich sollte die 3D-Kamera das auffälligste Extra am Android-Tablet von Dell sein. Doch im Test überzeugt es mit anderen Qualitäten.

Wenn ein Tablet knapp 400 Euro kostet und nicht von Apple oder Samsung kommt, muss sich der Hersteller etwas Besonderes einfallen lassen, um die Kundschaft zu begeistern. Lenovo beispielsweise baut ins Yoga Tablet 2 Pro einen Mini-Projektor ein. Dell geht noch einen Schritt weiter: Im Venue 8 sitzt eine 3D-Kamera von Intel.

Das Dell-Tablet macht Fotos mit Tiefe

Die 3D-Kamera RealSense Snapshot arbeitet mit drei Linsen. Sie erfassen ein Motiv samt Tiefeninformation. Die 3D-Fotografie können Sie beim Venue 8 für drei Funktionen nutzen: Im Foto lässt sich der Fokus nachträglich verschieben. Wenn zum Beispiel mehrere Personen hintereinander stehen, können Sie im Bild auf jede beliebige scharf stellen. Des Weiteren können Sie Effekte auf eine Tiefenebene anwenden: Zum Beispiel passen Sie Helligkeit und Kontrast nur für den Vordergrund an, oder Sie machen den Hintergrund Schwarz-Weiß, um den farbigen Vordergrund zu betonen. Zuletzt können Sie die RealSense-Kamera als Maßband nutzen: Wenn Sie auf einem Foto zwei Punkte markieren, zeigt das Tablet deren Entfernung, bei drei Punkten die Fläche an.

Für die 3D-Kamera hat Dell zwei Apps entwickelt: Eine eigene Kamera-App, die neben Einzelbild-Foto und Video-Aufnahme auch einen Tiefen-Schnappschuss erlaubt. Die 3D-Fotos rufen Sie in Dell Gallery auf, einer Foto-App, die über einen Cloud-Dienst außerdem alle Fotos aus Google+, Dropbox, Picasa und Facebook anzeigen kann.

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In den 3D-Fotos können Sie den Fokus nachträglich
verschieben
Vergrößern In den 3D-Fotos können Sie den Fokus nachträglich verschieben

Die 3D-Kamera im Test: Perfekt geht anders

Im Test bleibt von der spannenden Idee einer 3D-Kamera vor allem Enttäuschung. Das beginnt bei Details: Abmessungen zeigt die App nur in Fuß und Inches an. Das metrische System soll sie mit einem künftigen Update lernen. In der Praxis benötigt die 3D-Kamera absolut perfekte Fotobedingungen, um die Tiefenebenen zu erkennen. Im Test gelingt ihr das weder drinnen bei Studiobeleuchtung noch draußen bei bedecktem Himmel. Verschieben Sie anschließend in der Gallery-App den Fokus oder wenden Sie einen Effekt an, geschieht das nie in den tatsächlichen Tiefenbereichen, sondern immer in einem zu großen oder zu kleinen.

Deshalb sind auch die Messungen, die Sie in den Fotos vornehmen, meist ungenau. Sie können die Endpunkte der Messung auf dem Foto zwar sehr exakt markieren. Dafür öffnet die App eine Lupenansicht. Allerdings verändert sich die Messung erheblich, wenn Sie den gewünschten Punkt nicht genau treffen: Dann misst der Kollege im Foto plötzlich 1,90 Meter statt 1,60 Meter - in Wahrheit ist er übrigens 1,75 Meter groß. Wo es nicht auf wenige Zentimeter ankommt, kann das Venue 8 also weiterhelfen. Geht es allerdings darum, zu prüfen, ob der 65-Zoll-Fernseher wirklich in die Schrankwand passt, sollten Sie besser weiterhin zum Metermaß greifen.

Die Standard-Kameras mit 8 MP hinten und 2,1 MP machen dagegen gute Aufnahmen: Sie überzeugen mit hoher Schärfe und ordentlichen Farben. Bei Videoaufnahmen stört Farbrauschen sichtbar, bei Fotos fällt das weniger auf. Sinnvolles Detail: Das Tablet reagiert mit einem Signalton, wenn es auf einen per Touch gesetzten Fokuspunkt scharf gestellt hat.

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Ein echter Hingucker: Der AMOLED-Bildschirm

Doch genug der Kritik: Denn abgesehen von der noch unfertig wirkenden 3D-Kamera überzeugt das Dell Venue 8 wirklich in fast jeder Beziehung. An erster Stelle steht der grandiose AMOLED-Bildschirm. Er zeigt auf 8,4 Zoll eine Auflösung von 2560 x 1600. Das ergibt eine Punktedichte von 359 ppi (zum Vergleich: das iPad Mini 3 liegt bei 324 ppi), was Fotos, Filme und Schrift absolut scharf aussehen lässt. Stand- und bewegte Bilder profitieren außerdem von den satten, kräftigen Farben. Das beruht auf dem sehr hohen, eigentlich nicht messbaren Kontrastverhältnis des AMOLED-Panels, weil dort bei einem schwarzen Bild die Bildpunkte abgeschaltet sind, also kein Licht abgeben. Bei schräger Draufsicht wirken Farben ein bisschen weniger kräftig. Bei weißem Hintergrund bemerken Sie dann den AMOLED-typischen Grünstich im Bild.

Außerdem leuchtet das Display sehr hell mit 370 cd/qm2. Aber nur im Idealfall, wenn das Bild sehr wenig weiße Pixel enthält, da das Panel dann seine Leuchtkraft nur unter diesen Pixel aufteilen muss. Je mehr Weiß im Bild, desto weniger hell strahlt jedes einzelne Pixel - bei einem weißen Vollbild erreicht das Venue 8 nur noch 192 cd/qm2.

Lange Akkulaufzeit - aber nur, wenn es dunkel ist

Auch die Akkulaufzeit des Tablets hängt deshalb extrem vom Bildinhalt ab: Das Venue 8 enttäuscht deshalb fast zwangsläufig beim WLAN-Surfen, wo es nur knapp über sechs Stunden schafft. Denn die meisten Webseiten enthalten viel Weißraum. Besonders beim Surfen lohnt es sich daher, die Helligkeit zu reduzieren: Wenn Sie die Leuchtstärke um ein Viertel senken, läuft das Tablet knapp drei Stunden länger. Bei unserem Testfilm "Source Code" mit vielen dunklen Sequenzen hält das Venue 8 dagegen sensationelle 13,5 Stunden durch - ein neuer Tablet-Rekord. Filme und Musik unterstützt es außerdem mit zwei sehr passablen Stereo-Lautsprechern: Sie klingen für Tablet-Verhältnisse angenehm kräftig. Über die App MaxxAudio können Sie den Sound für Musik, Filme oder Spiele optimieren.

Dell setzt in seinem Mini-Tablet nicht nur auf eine Kamera von Intel. Auch die CPU kommt von diesem Hersteller, es ist der Vier-Kerner Atom Z3580 mit 1,33 GHz (Turbo-Frequenz 2,33 GHz). Er sorgt dafür, dass sich das Tablet flüssig bedienen lässt und weitgehend verzögerungsfrei auf Touch-Gesten reagiert. Nur wenn Sie schnell durch eine Webseite scrollen, stören manchmal Mini-Ruckler. Das WLAN arbeitet mit dem 11ac-Standard und einer Antenne und erreicht dadurch sehr hohe Datenraten - nur 11ac-Tablets mit zwei Antennen wie das iPad Air 2 oder das Amazon Kindle Fire HDX sind deutlich schneller. Der interne Speicher ist 16 GB groß, rund 9 GB davon sind frei. Er lässt sich per Micro-SD-Karte erweitern: Sie kommt in ein Kartenfach, das bündig mit dem Gehäuse abschließt, damit nichts die elegante Optik des Tablets stört.

Das Venue 8 ist schmal, dank des Alu-Gehäuses aber sehr
stabil
Vergrößern Das Venue 8 ist schmal, dank des Alu-Gehäuses aber sehr stabil
© Dell

Das schmale Gehäuse hat nicht nur Vorteile

Denn das Gehäuse aus eloxiertem Aluminium ist nicht nur absolut stabil, sondern auch absolut schmal: Die Bauhöhe des Venue 8 beträgt lediglich sechs Millimeter. An drei Seiten ist der Gehäuserand und der schwarze Rahmen ums Display extrem schmal, nur nicht unten - oder oben? Denn dieses Rahmen-Design führt dazu, dass Sie das Tablet hochkant am breiten Rand aus Hart-Kunststoff halten. Dort befinden sich aber die Lautsprecherleiste und die Frontkamera, die Sie dann mit den Händen abdecken.

Auch die schmalen seitlichen Rahmen haben Nachteile: Das Venue 8 erkennt anders als das iPad Mini nicht, wenn Sie das Tablet dort nur halten wollen. Sobald Sie mit dem Finger über den schmalen Panelrand aufs Display geraten, interpretiert es dies als Touch-Eingabe. Das stört zwar nur in bestimmten Situationen, dann aber richtig: Halten Sie das Tablet zum Beispiel für ein Foto oder eine Videoaufnahme im Querformat und wollen in der Bildmitte mit dem Daumen den Fokus einstellen ohne die Hand hochzuheben, rollt der Handballen immer ein Stück über den Panelrand und löst einen Klick aus, der den Fokus verschiebt. Im Test führte die geringe Bauhöhe zu einem weiteren Problem: Die Ummantelung des Stromsteckers am mitgelieferten USB-Kabels ist breiter als der Gehäuserand. Legen Sie das Tablet beim Laden auf eine ebene Fläche, biegt sich der Stecker deshalb nach oben, was zu einem Defekt am Ladekabel führen kann.

Dell Venue 8 im Test: Fazit

Das Dell Venue 8 reiht sich bei den Top-Tablets von Apple oder Samsung ein. Es eignet sich perfekt, wenn Sie ein Tablet für Fotos und Filme suchen. Dann spielt es Stärken wie das hervorragende Display, das stabile Design und die lange Akkulaufzeit bei Videos aus.

Bei Android-Tablets unter 400 Euro ist nur das Samsung Galaxy Tab S 8.4 besser, weil es zu diesem Preis auch LTE mitbringt. Die 3D-Kamera im Venue 8 überzeugt nicht, hat aber Potential, wenn es dafür künftig mehr Funktionen und mehr Apps gibt.

Testergebnis (Noten)

Dell Venue 8 (7840)

Testnote

gut ( 2,21 )

Preis-Leistung

preiswert

Bedienung und Geschwindigkeit(30 %)

2,47

Mobilität (25 %)

2,11

Bildschirm (22 %)

1,77

Ausstattung (20 %)

2,79

Service (3 %)

3,20

Aufwertung

3D-Kamera (-0,10)

Ausstattung

Dell Venue 8 (7840) (Note: 2,79)

Prozessor

Intel Atom Z3580 (1,33 GHz, Quad)

Arbeitsspeicher

2 GB

Maße (L x B x H)

12,44 x 21,5 x 0,6 Zentimeter

Betriebssystem

Android 4.4.4

eingebauter Speicherplatz (Art) / davon frei

16 GB (Flash) / 9.2 GB

Wireless-LAN / Bluetooth / UMTS / GPS

11ac / 4.0 / nicht vorhanden / ja

Anschlüsse

1x USB (Micro)

Kartenleser (Formate)

ja (Micro-SD)

Einschub für SIM-Karte

nein

Kamera

ja (3264 x 2448 Pixel)

Internetkamera

ja (1920 x 1080 Pixel)

Audioausgang

1

Mikrofon

ja

Lichtsensor

ja

Lieferumfang

Netzteil, USB-Kabel

Bedienung und Geschwindigkeit

Dell Venue 8 (7840) (Note: 2,47)

Bildschirm / Bildschirm-Tastatur / Mehrfinger-Gesten / Bildschirm-Technik

angenehm / angenehm / ja / kapazitiv

Spracheingabe

ja

abspielbare Video- / Audio- / Fotoformate

3GP, ASF, AVI, MKV, MOV, MP4, WAV, WMA / AAC, FLAC, MP3, OGG, WAV, WMA / BMP, GIF, JPG, PNG

Browser: Geschwindigkeit (Sunspider) / 3D Mark (Ice Storm Unlimited) / Gfx Bench (T.Rex) / mittlere Ladezeit für Webseiten

825.2 Millisekunden / 20519 Punkte/ 20 Bilder pro Sekunde / 5,50 Sekunden

WLAN-Geschwindigkeit

72,0 MBit/s

Startzeit: aus ausgeschaltetem Zustand / aus Bereitschafts-Modus

27 / 1 Sekunden

Mobilität

Dell Venue 8 (7840) (Note: 2,11)

Akkulaufzeit: Internetzugriff per WLAN / Video abspielen

6:08 Stunden / 13:30 Stunden

Gewicht (mit Akku) / Gewicht Netzteil

320 / 80 Gramm

Bildschirm

Dell Venue 8 (7840) (Note: 1,77)

Diagonale / Auflösung / Punktedichte

8,4 Zoll (21,4 Zentimeter) / 2560 x 1600 Bildpunkte / 359 ppi

Helligkeit / Kontrast / Entspiegelung

370 cd/m² / nicht messbar / gering

Allgemeine Daten

Dell Venue 8 (7840)

Internetadresse von Dell

www.dell.de

Preis (unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers / Straßenpreis)

379 Euro / 360 Euro

Technische Hotline

069/97927200

Garantie

12 Monate

Service

Dell Venue 8 (7840) (Note: 3,20)

Handbuch: deutsch / gedruckt / umfangreich / als PDF

ja / ja / nein / nein

Garantie

12 Monate

Service-Hotline / deutsch / Wochenenddienst / Erreichbarkeit / durchgehend / per E-Mail erreichbar

069/97927200 / ja / nein / 10 Stunden / ja / ja

Internetseite / deutsch / Handbuch verfügbar / Treiber verfügbar / Hilfsprogramme verfügbar

www.dell.de / ja / ja / nein / ja

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