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Das Duell: Windows 7 und 8.1 im Vergleich

22.10.2014 | 09:55 Uhr |

Windows 10 lässt noch auf sich warten - 8.1 ist immer noch das neueste Microsoft-OS. Aber ist das aktuelle Betriebssystem besser als Windows 7, lohnt also der Umstieg? Schließlich kostet Windows 8.1 Pro online gerade einmal gut 60 Euro. Gut, dass wir verglichen haben, lautet das vorweggenommene Fazit.

Ab Ende Oktober 2014 wird es nur noch die Professional-Version von Windows 7 geben, der Verkauf der übrigen Varianten (Home Basic, Home Premium, Ultimate) wird zum 31.10.2014 eingestellt . Lohnt es also, noch schnell ein günstiges Windows 7 zu kaufen? Diverse Ebay-Händler bieten die OEM-Versionen zu Preisen ab ca. 30 Euro an, schnell zu finden über die Preissuchmaschine Billiger.de .

Auf der anderen Seite hat Microsoft Windows 8.1 gerade ein paar neue Funktionen spendiert, auch wenn das Unternehmen das Update zum Patchday im August nicht ein großes „ Update 2 “  nennen mag. Der perfekte Zeitpunkt also für den Vergleich zwischen Windows 7 und dem aufgefrischten 8.1.

Ganz anders: Bedienung und Oberfläche von Windows 7 und 8.1

Beide Betriebssysteme unterscheiden sich geradezu fundamental: Während Windows 7 langjährigen PC-Anwendern gleich die vertraute Oberfläche und Bedienung bietet, fehlt bei Windows 8.1 nach wie vor das Startmenü. Dafür gibt es die Modern UI-Oberfläche mit den App-Kacheln und der Möglichkeit der Steuerung mit den Fingern – ein Touch-Bildschirm natürlich vorausgesetzt.

Alle Windows 8.1 Editionen im Vergleich

Das Tool Classic Shell holt das klassische Startmenü in Windows 8.1 zurück, Microsoft wird es aller Voraussicht nach erst wieder in die nächste Windows-Version integrieren, die im Frühjahr erscheint.
Vergrößern Das Tool Classic Shell holt das klassische Startmenü in Windows 8.1 zurück, Microsoft wird es aller Voraussicht nach erst wieder in die nächste Windows-Version integrieren, die im Frühjahr erscheint.

Einen Teil dieser ursprünglichen Andersartigkeit von Windows 8 hat Microsoft mit der Version 8.1 und dann nochmals mit dem großen „ Update 1 “ vom April 2014 zurückgenommen. Rechner ohne Touch-Bildschirm lassen sich längst wieder mit dem klassischen Desktop booten, der Start-Button ist zurück, die Steuerung mit Tastatur und Maus wurde mehrfach nachgebessert und der Bruch zwischen den beiden Oberflächen ist reduziert. So erscheinen geöffnete Apps auch auf dem Desktop der Taskleiste unten. Das Herunterfahren und das Neustarten hat Microsoft ebenso erleichtert, die unsinnige Trennung verschiedener Suchbereiche wurde wieder aufgehoben. Und mit der Tastenkombination „Windows + X“ lässt sich eine kleine Startleiste aufrufen, die häufig verwendete Administrationstools wie die Systemsteuerung oder den Windows Explorer auflistet.

Nur das klassische Startmenü fehlt weiter, es soll erst mit dem neuen Windows 9 im Frühjahr des nächsten Jahres ins Betriebssystem zurückkehren. Das Tool Classic Shell stellt das Startmenü schon jetzt im aktuellen Windows wieder her. Damit bedient man seinen Desktop-PC nach wenigen weiteren Anpassungen so, dass von Modern UI, Touch und Kacheln nichts mehr zu sehen ist.

Die Funktionsunterschiede zwischen altem und neuem Windows

Windows 7 eignet sich, so viel ist klar, kaum zur Bedienung über einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Zwar unterstützt schon der Windows 8-Vorgänger die Multitouch-Bedienung im Prinzip, für die Praxis aber taugt dies angesichts der kleinen Schaltflächen in den klassischen Programmen nicht. Das ist in Windows 8 bzw. 8.1 anders.

Ansonsten sind die funktionellen Unterschiede zwischen den beiden Windows-Generationen nicht so gewaltig. Pluspunkte bietet Windows 8.1 unter anderem in Sachen Sicherheit, denn es bringt einen (fast) vollwertigen Virenscanner mit und unterstützt auf modernen UEFI-Boards die Funktion Secure Boot, die das Booten unsignierter Bootloader verhindert. Secure Boot soll potentielle Schadsoftware fernhalten, stellt zugleich aber eine Einschränkung dar – allerdings eine, die sich im UEFI in aller Regel abschalten lässt.

Die Option zum Abschalten von „Secure Boot“ ist aufgrund des unterschiedlichen UEFI-Aufbaus nicht immer gleich gefunden, doch in aller Regel existiert sie irgendwo in den Einstellungen.
Vergrößern Die Option zum Abschalten von „Secure Boot“ ist aufgrund des unterschiedlichen UEFI-Aufbaus nicht immer gleich gefunden, doch in aller Regel existiert sie irgendwo in den Einstellungen.

Fortschrittlich zeigt sich Windows 8.1 auch bei weiteren Funktionen: So lassen sich über die „ Speicherplätze “ („Storage spaces“) mehrere Festplatten zu einem Laufwerksbuchstaben zusammenfassen, auch externe USB-Festplatten. Den Inhalt von ISO- und VHD-Dateien zeigt der Windows Explorer gleich an und die Dateiversionierung sorgt dafür, dass frühere Dateiversionen nach Änderungen gespeichert bleiben. USB 3.0 wird nativ unterstützt, entsprechende Geräte liefern sofort den vollen Durchsatz, ohne dass man erst Treiber installieren muss. Das integrierte „Windows auffrischen“ sorgt zudem dafür, dass Windows inklusive aller Apps neu installiert wird, ohne dass dabei die persönlichen Dateien und Einstellungen verloren gehen.

Wichtig ist schließlich die unterschiedliche RAM-Unterstützung : 16 GByte stellen bei Windows 7 Home Premium bereits das Maximum dar, Home Basic unterstützt sogar nur acht GByte – jeweils natürlich die 64-Bit-Architektur vorausgesetzt. Windows 8.1 dagegen adressiert mindestens 128 GByte.

Auf der anderen Seite aber spart Microsoft aktuell an der einen oder anderen Stelle. Der für die DVD-Wiedergabe erforderliche MPEG-2-Codec fehlt im aktuellen Windows, nur in der Pro-Version lässt er sich für 9,99 Euro mit dem Media Center Pack nachrüsten. Ansonsten hilft der VLC Media Player . Passen muss das aktuelle Betriebssystem auch bei der Media Center Software, die in den meisten Versionen von Windows 7 integriert ist. Ob man nun den neuen Windows Explorer mit seinen Ribbons statt mit der klassischen Menüleiste besser findet, ist eher Geschmacks- und Gewöhnungssache.

Während die Media Center Software in fast allen Versionen von Windows 7 integriert war, fehlt sie beim aktuellen Windows 8.1. Hier lässt sich Microsoft die Nutzung extra bezahlen.
Vergrößern Während die Media Center Software in fast allen Versionen von Windows 7 integriert war, fehlt sie beim aktuellen Windows 8.1. Hier lässt sich Microsoft die Nutzung extra bezahlen.

Variantenvielfalt: Home, Core, Pro und Professional sowie 32- und 64-Bit

Out of the box bietet das aktuelle Windows also mehr Funktionen, die meisten aber lassen sich über Freeware auch beim Vorgänger nachrüsten. Das Zusammenfassen mehrerer Datenträger beispielsweise erledigt die Software Liquesce , dabei unterstützt sie anders als die „Speicherplätze“ von Windows 8.1 sogar USB-Sticks. Ähnlich verhält es sich bei der Telefonie-Software Skype und beim Cloud-Speicher OneDrive. Beide Tools sind in Windows 8.1 fest integriert, sie lassen sich aber genauso unter Windows 7 installieren.

Ein klares „besser“ oder „schlechter“ ist auch deshalb sinnlos, weil sich die einzelnen Varianten von Windows 7 funktionell stärker voneinander unterscheiden als beispielsweise Windows 8.1 Pro und Windows 7 Ultimate. Die EFS-Dateiverschlüsselung, die Domänen-Unterstützung, der Gruppenrichtlinieneditor, die Laufwerksverschlüsselung Bitlocker, die installierbaren Sprachpakete, die Gruppenverwaltung bieten die beiden Top-Versionen, während das Meiste in Windows 7 Home Premium und in der Basisversion von Windows 8.1 („Core“) fehlt.

Zu unterscheiden ist ferner die 32- und die 64-Bit-Architektur. Alle Windows-Versionen gibt es – abgesehen vom seltenen Windows 7 Starter auf Netbooks – in beiden Varianten. Dabei spricht alles für die 64-Bit-Variante, von der RAM-Unterstützung über die Vorteile von UEFI-Mainboards und Festplatten mit einer Kapazität von mehr als 2,2 TByte im GPT-Format bis hin zur neuen Virtualisierungsfunktion von Microsoft. Denn Hyper V steht in Windows 8.1 Pro ebenfalls nur in der 64-Bit-Architektur zur Verfügung. Die Unterschiede der verschiedenen Windows-Versionen zeigt die folgende Übersicht:

Windows 7

Windows 8.1

Home Basic

Home Premium

Pro

Ultimate

Core

Pro

Apps (Modern UI Oberfläche)

-

-

-

-

+

+

Booten von GPT-Festplatten

64 Bit, UEFI-Modus

64 Bit, UEFI-Modus

64 Bit, UEFI-Modus

64 Bit, UEFI-Modus

64 Bit, UEFI-Modus

64 Bit, UEFI-Modus

Booten von VHD (Virtuelle Hard Disks)

-

-

-

+

+

+

Domänenbeitritt

-

-

+

+

-

+

DVD-Wiedergabe

-

+

+

+

-

10 Euro (Media Center Pack)

EFS-Dateiverschlüsselung

-

-

+

+

-

+

Gruppenrichtlinieneditor

-

-

+

+

-

+

Laufwerksverschlüsselung Bitlocker

-

-

-

+

-

+

Media Center Software

-

+

+

+

-

10 Euro (Media Center Pack)

Mounten von ISO- und VHD-Dateien

-

-

-

-

+

+

RAM-Unterstützung (64 Bit)

8 GByte

16 GByte

192 GByte

192 GByte

128 GByte

512 GByte

Remote Desktop Client/Server

+/-

+/-

+/+

+/+

+/-

+/+

Schattenkopien (Dateiversionierung)

-

-

-

-

+

+

Secure Boot

-

-

-

-

64 Bit, UEFI-Modus

64 Bit, UEFI-Modus

„Speicherplätze“ (Festplatten zusammenfassen)

-

-

-

-

+

+

Sprachpakete nachinstallierbar

-

-

-

+

+

+

Touch-Bedienung

-

eingeschränkt

eingeschränkt

eingeschränkt

+

+

USB 3.0-Unterstützung

Treiber erforderlich

Treiber erforderlich

Treiber erforderlich

Treiber erforderlich

+

+

Verwaltung „Lokale Benutzer und Gruppen“

-

-

+

+

-

+

Virenscanner

-

-

-

-

+

+

Virtualisierung Hyper-V

-

-

-

-

-

nur 64 Bit

Windows „auffrischen“

-

-

-

-

+

+

Einige Funktionen stehen nur in der 64-Bit-Version von Windows zur Verfügung, beispielswiese die neue Virtualisierung Hyper V in Windows 8.1 Pro.
Vergrößern Einige Funktionen stehen nur in der 64-Bit-Version von Windows zur Verfügung, beispielswiese die neue Virtualisierung Hyper V in Windows 8.1 Pro.

Performance: Das neue Windows startet schneller als das alte

Kommen wir zur Performance: Die Leistung eines Rechners hängt vor allem von der Hardware-Ausstattung ab, die durch das Betriebssystem selbst bedingten Unterschiede sind da marginal. Es gilt also weiterhin, dass das Aufrüsten des Hauptspeichers oder der Einbau einer schnellen SSD-Festplatte mehr Leistung aus dem Rechner herauskitzelt als der Umstieg auf eine andere Windows-Version.

Mehr Tempo dank SSD

Deutliche Unterschiede zwischen beiden Betriebssystemen zeigen sich aber bei der Startzeit. So bootete unter Testsystem, das Gaming-Notebook von Schenker XMG P304 mit Intel Core i7 4710 CPU (2,5 GHz), acht GByte RAM, Nvidia Geforce GTX 860M und SSD mit aktuellem Windows 8.1 nach knapp 15 Sekunden, mit Windows 7, Service Pack 1 und allen Updates dauert das Gleiche mehr als doppelt so lange. Ähnlich deutlich fallen die Unterschiede beim Ausschalten aus.

Bei den übrigen Leistungsmessungen sind die Differenzen dagegen nur gering. Die Performance hängt eben vor allem von der Hardware selbst ab, das Betriebssystem spielt dagegen keine entscheidende Rolle. Nur der Chalkboard-Benchmark bei der (gleichen) gleichen Version des Internet Explorers fällt reproduzierbar aus der Reihe, die Ursache dafür ist unklar. Auch hier listen wir die Messwerte im Detail auf:

Windows 7 SP1 

Windows 8.1 

PC starten inkl. Anmeldung

35,3 Sek. 

14,8 Sek.

PC ausschalten

12,8 Sek. 

6,9 Sek.

Browser-Benchmark Mozilla Kraken (Firefox 31)

1.135 Millisek.

1.145 Millisek.

Browser-Benchmark Chalkboard (Internet Explorer 11)

11,2 Sek.

27,9 Sek.

Benchmark PC Mark 7

5.711 Punkte 

5.828 Punkte 

RAM-Last (Leerlauf)

14%

13%

CPU-Last (Leerlauf)

0%

0%

Kopieren auf USB-Stick (2,7 GByte, USB 2.0) 

13:12 Minuten 

12:42 Minuten 

Kopieren von USB-Stick (2,7 GByte, USB 2.0) 

3:09 Minuten 

2:49 Minuten 

Archiv packen mit 7zip (2,5 GByte) 

1:50 Minuten 

1:48 Minuten 

Archiv entpacken mit 7zip (2,5 GByte) 

0:40 Minuten 

0:41 Minuten 

Dass Windows 8.1 so viel schneller betriebsbereit ist, hängt damit zusammen, dass anders als beim Vorgänger beim Herunterfahren nur die Treiber und Systemdienste in die Hyberfile.sys-Datei geschrieben werden, nicht aber die laufenden Programme. Je kleiner diese Startdatei, desto weniger Daten müssen beim Reboot gelesen werden und desto schneller ist der Rechner da. Zudem sucht Windows 7 beim Aufwachen nach neuer Hardware und initialisiert alle Treiber neu, das erklärt die deutlichen Differenzen.

Der hybride Standby-Modus kombiniert Ruhezustand und Standby. Windows startet blitzschnell, greift aber auf die Hiberfile.sys-Datei zurück, wenn die Stromversorgung unterbrochen war.
Vergrößern Der hybride Standby-Modus kombiniert Ruhezustand und Standby. Windows startet blitzschnell, greift aber auf die Hiberfile.sys-Datei zurück, wenn die Stromversorgung unterbrochen war.

Nur in Multiboot-Umgebungen bremst der Schnellstart das System aus und sollte dort deaktiviert werden. Zum Schluss noch ein Tipp: Der PC-Start lässt sich auch unter Windows 7 nochmals beschleunigen.

Fazit: Das bessere Windows gibt es nicht

Die Microsoft-Insiderin Mary Jo Foley fällte kürzlich ein vernichtendes Urteil: Windows 8.1 sei Microsofts „Vista 2.0“ und damit etwas, von dem sich der Konzern distanzieren müsse. Dieses Fazit teilen wir nicht.

Denn das aktuelle Betriebssystem startet nicht nur deutlich schneller, es verhält sich auch im täglichen Praxiseinsatz ziemlich problemlos. Zudem wartet Windows 8.1 mit einigen guten Funktionen auf, die beim Vorgänger fehlen. Dazu zählen das Zusammenfassen mehrerer Datenträger („Speicherplätze“), die Dateiversionierung („Schattenkopien“), das Mounten von ISO-Dateien, der Virenscanner und manches mehr. Das Problem ist nur, dass sich all dies mit Freeware schnell nachrüsten lässt. So bleibt nur ein Killerkriterium für Windows 8.1, nämlich die Touch-Bedienung mit berührungsempfindlichen Bildschirmen. Die aber sind größtenteils in Tablets und Notebooks verbaut, die ohnehin mit dem aktuellen Betriebssystem verkauft wurden bzw. werden.

Andererseits gibt es kaum ernsthafte Gründe für den umgekehrten Wechsel, also das Downgrade. Denn mittlerweile lässt sich Windows 8.1 auf dem Desktop und Nicht-Touch-Notebook so einstellen, dass man die Kacheloberfläche nicht mehr sieht. Dass die Bedienung an vielen Stellen dennoch uneinheitlich bleibt, nehmen die meisten Anwender pragmatisch hin. Man arrangiert sich eben, so auch der Autor.

Windows ist und bleibt nur ein Betriebssystem und kein Selbstzweck: Viele PC-Nutzer verwenden deshalb auch beide Versionen, Windows 7 auf dem einen, Windows 8.1 auf einem anderen PC. Im Herbst 2015, wenn mit Windows 10 die nächste Version erscheint, steht dann eine Neubewertung der Frage nach dem „richtigen“ Windows an. Eine erste öffentliche Testversion von Windows 10 ist bereits erschienen.

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Was ist Windows 8?

Das neue Microsoft-Betriebssystem ist der Nachfolger von Windows 7 und erschien am 26. Oktober 2012. Windows 8 baut auf seinen sehr erfolgreichen Vorgänger auf und enthält den neuen Kachel-Startbildschirm, der sich an der Oberfläche mit rechteckigen Kästen orientiert, die Microsoft mit Windows Phone 7 eingeführt und später auch bei der Xbox 360 integriert hat. Der zunächst eingeführte Begriff der "Metro-Oberfläche" wurde kurz vor dem Start aus rechtlichen Gründen zurückgezogen. Inzwischen spricht Microsoft von "Windows-Live-Tiles".

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