DVD-R-ROHLINGE: WIE WIR TESTEN
Rohlingsauswahl
Wir kaufen von aktuell angebotenen 4,7-GB-Rohlingen jeweils zehn Stück. Um transparent zu machen, welche DVD-Rs genau wir getestet haben, geben wir die Hersteller-ID im Testbericht an. Sie lässt sich beispielsweise mit der Freeware DVD Info für Windows 95/98/ME, NT 4, 2000 und XP (www.nicsoft.com.au/dvdinfo.html) feststellen. In diesem Code ist unter anderem der Hersteller verschlüsselt.
Die Testausrüstung
So nahe wie möglich an der täglichen Praxis – genau wie bei den CD-Rohlingen ist das für uns das entscheidende Kriterium beim Testen von DVD-Rohlingen. Wir nutzen drei DVD-Brenner: Plextor DVDR PX-708A, Lite-On DVDRW LDW-811S und LG GSA-4081B. Bei allen Laufwerken achten wir darauf, dass die jeweils aktuelle Firmware aufgespielt ist. Vor dem Brennvorgang überprüfen wir das Medium. Es darf keine Kratzer, Fingerabdrücke oder Staubpartikel aufweisen. In der Regel brennen wir mit dem maximal spezifizierten Tempo eines Rohlings. Ist keine Info zum Schreibtempo auf dem Rohling zu finden, brennen wir mit der Geschwindigkeit, die uns der Brenner vorschlägt. Die Geräte sind in zwei identischen Test-PCs (Intel Pentium 4 2,53 GHz, 256 MB RAM, Windows XP) installiert. Als Brennprogramm verwenden wir Ahead Nero Burning ROM 5.5.10.42 Die Tests erfolgen in einem auf 22 Grad Celsius klimatisierten Raum. Diese Temperatur hat sich sowohl für die Rohlinge als auch für die eingesetzten Brenner als ideal erwiesen. Gleichzeitig sind die Brennergebnisse so unabhängig von der jeweiligen Wetterlage. Das ist wichtig, denn Brenner reagieren empfindlich auf Temperaturunterschiede, so dass die Ergebnisse sonst im Detail nicht vergleichbar wären. Um Erschütterungen zu vermeiden, sind die Testrechner auf Schaumstoff gelagert. Zum Auslesen der Rohlinge nutzen wir das Testsystem Datarius CS-4 zum Preis von rund 60.000 Euro. Die Highend-Testanlage ist für die industrielle Qualitätsüberwachung gedacht. Das dort installierte Laufwerk stammt von Pulstec. Es analysiert unter anderem DVD-ROMs und DVD-R-Rohlinge (beide Formate) bei 1facher Geschwindigkeit.
Wir nehmen den Rohling erst unmittelbar vor dem Brennvorgang aus der Verpackung und legen ihn sofort in einen der vier Brenner. Dabei fassen wir die Scheibe stets am Rand an, damit keine Fingerabdrücke den Brennvorgang stören können. Stellen wir Kratzer fest oder sollte uns der Rohling versehentlich auf den Boden fallen, wird er aus dem Test ausgeschlossen.
Auf den Rohling brennen wir ein Test-Image, und zwar mit der maximal möglichen Geschwindigkeit. Derzeit testen wir ausschließlich DVD-Medien mit einer Kapazität von 4,7 GB. Ein entsprechend großes Image ist auf den Festplatten der Testrechner hinterlegt. Es enthält immer dieselben Daten. Mit jedem der Testbrenner beschreiben wir zwei DVD-Rohlinge.
Nach jedem Brennvorgang legen wir die Scheiben sofort zurück in ihre Verpackung, damit die Rohlinge nicht eventuell verschmutzen oder verkratzt werden. Testkandidaten, die keine CD-Hülle mitbringen – also beispielsweise auf einer Spindel verkauft werden –, packen wir in eine CD-Hülle. Zudem gönnen wir dem Brenner zum Abkühlen eine Pause von fünf Minuten bei offener Schublade, bevor wir den zweiten Rohling brennen.
Zweiter Teil des Tests: Die Analyse der Rohlinge
Nach dem Brennen geht es ans Auslesen der Medien. Für die Qualitätsbeschreibung von DVD-Medien sind drei Bereiche wichtig: digitale Fehlerraten, Tracking und Hochfrequenz-Signale. Sie beschreiben die Qualität einer DVD anhand digitaler und mechanischer Parameter. Unser Analyselaufwerk bietet eine Fülle einzelner Messergebnisse. Wir haben eine Auswahl getroffen. Dabei berücksichtigen wir, ob es einen vom DVD-Book vorgeschriebenen Grenzwert gibt, und ob dieser eingehalten wird. Liegen die Werte außerhalb des Grenzwertes, spricht das gegen die Qualität des Rohlings. Denn je schlechter die Ausgangslage eines DVD-Rohlings, desto weniger Toleranz bleibt dem Leselaufwerk, spätere Spuren des Gebrauchs wie Kratzer und Staub zu korrigieren.
Die getesteten DVD-Rohlinge bewerten wir in drei Kategorien: Qualität, Handhabung und Service. Die einzelnen Testkriterien gewichten wir unterschiedlich stark. Die Qualität ist mit 65 Prozent der wichtigste Punkt. Es folgen die Kriterien Handhabung (30 Prozent) und Service (5 Prozent).
Digitale Fehlerraten
Hierzu zählt an erster Steller der PIE (Parity Inner Code Error). Dieser Fehler wird über 8 ECC-Blöcke (= 256 KB) summiert. Pro MB finden vier Messungen statt. Der maximale Messwert pro MB wird ausgegeben. Je höher der Wert liegt, desto stärker ist die Fehlerkorrektur des Laufwerks beschäftigt. Die Qualität nimmt ab. In unsere Berechnung gehen der durchschnittliche und der maximale PIE mit jeweils maximal 30 Punkten ein. Dabei berücksichtigen wir die Ergebnisse aller Rohlinge auf jedem der Testbrenner abhängig vom unterstützten DVD-Standard. Der Durchschnitt aus den besten Ergebnissen wird gewertet. Wir skalieren die Punkte abhängig vom Bestwert. PIF (Parity Inner Code Fail) sind die Fehler, die nach der ersten Korrektur des Laufwerks übrigbleiben. Finden sich Fehler, spricht das gegen die Qualität des Rohlings. Deswegen honorieren wir nur fehlerfreie CD-Rs mit maximal 30 Punkten. Pro Brennertyp sind hier maximal 10 Punkte erreichbar. Sobald Fehler im jeweiligen Laufwerk auftreten, gibt es 0 Punkte. POF (Parity Outer Fails) sind Fehler, die nach der zweiten Korrektur des Laufwerks übrigbleiben. Sie sind eventuell nicht mehr korrigierbar und beeinträchtigen die Qualität des Rohlings erheblich. Da der Fehler schwer wiegt, erhalten CD-Rs ohne Defekt pro Testbrenner 15 Punkte. Kommt der Fehler in keinem der Brenner vor, gibt es noch einmal einen Bonus von 15 Punkten. Fehlerhafte Scheiben gehen dagegen leer aus (0 Punkte). Auch der Bonus entfällt, sobald der Fehler festgestellt wird. Im besten Falle kann ein Rohling hier 60 Punkte einsammeln.
Tracking-Signale
Aus der Vielzahl an Messdaten haben wir uns im Bereich Tracking für den Focus Error (FE) entschieden. Denn hier geht es um Fehler beim vertikalen Scharfstellen. Die Idealposition der Rohlingsoberfläche zum Laser wurde verlassen. Auslesefehler sind möglicherweise die Folge. Ursachen sind Unebenheiten, winzige Wellen im Rohling, Kratzer, Staub und örtlich unterschiedliche Brechungseigenschaften des Medienmaterials. Entscheidend ist hierbei das Verhalten über den gesamten Rohling hinweg. Deswegen zählt der durchschnittliche Wert. Je niedriger er ist, desto besser schneidet die Scheibe ab. Wir skalieren auf den Bestwert. Maximal sind 20 Punkte möglich. Unter Radial Noise (RNSd) versteht man Fehler beim radialen Nachführen. Hohe Werte bedeuten, dass die Datenspur nicht einfach genau in der Mitte zu halten ist. Sie eiert, was hohe Fehlerquoten verursachen kann. In die Wertung geht der maximal gemessene Wert ein. Weniger ist auch hier mehr. Im Maximum kann eine Scheibe 25 Punkte erreichen. Wir skalieren ausgehend vom Bestwert.
Hochfrequenz-(HF)-Signale
Dazu zählt beispielsweise der Jitter (JIT). Dahinter verbirgt sich die Abweichung der Pits (vom Laser eingebrannte Stellen) und Lands (vom Laser unberührte Stellen) von ihrer spezifizierten Länge. Je höher die Abweichung, desto wahrscheinlicher ist ein Auslesefehler. In die Wertung gehen die Durchschnittswerte ein. Maximal sind 25 Punkte zu vergeben. Wir skalieren auf den Bestwert. Hier heißt die Devise: Je kleiner desto besser. Unter der Bezeichnung I14N versteht man die Reflektivität. Der Wert beschreibt das Verhältnis reflektierender und nicht reflektierender Stellen. Je höher der Wert ist, desto besser ist der Rohling zu lesen. In unsere Wertung geht der Durchschnittswert pro Brenner ein. Maximal gilt es 30 Punkte zu erreichen.
Da der Brennvorgang selbst gerade bei DVD-Brennern zeitlich nicht ohne Aufwand ist, gehört für uns die Brennbarkeit bei maximalem Tempo zu einem Qualitätsmerkmal einer Scheibe. Schafft sie die maximal spezifizierte Geschwindigkeit auf jedem Brenner, sind pro Brenner 10 Punkte (insgesamt maximal 30 Punkte) zu erreichen. Ist auf der Packung keine spezifische Geschwindigkeit angegeben, erhält sie immerhin noch 20 Punkte.
Die Verpackung eines DVD-Mediums ist von Bedeutung, da sie vor dem Feind Nummer 1 schützt – dem Staub. Je weniger Staub bei der jeweiligen Verpackung bis zum Rohling vordringen kann, desto mehr Punkte vergeben wir. 80 Punkte räumt ein Rohling ab, wenn er einzeln in einer Video-Box liegt. Ist er zusätzlich noch mit einer Klarsichtfolie verschweißt, erhält er maximalen Schutz vor Staub und von uns dafür noch einmal 20 Punkte. Für eine normal breite Box, in der maximal ein Rohling liegt, vergeben wir 70 Punkte. 60 Punkte gibt es für eine schmale Box. Weniger zu empfehlen sind Scheiben, die auf einer Spindel übereinander gestapelt sind (50 Punkte). Sie reiben aneinander und verkratzen so sehr leicht.
Zur Handhabung eines Rohlings zählt neben der Verpackung seine Oberfläche: Eine Beschichtung der Oberfläche, die ein Beschriften zulässt, schützt den Rohling zusätzlich und ist uns deshalb 30 Punkte wert. Ist das DVD-Medium bedruckbar, werten wir diese Zusatzfunktion mit 20 Punkten.
Beispiele: Finden wir Hinweise, wie die DVD-Rohlinge behandelt werden sollen, bekommt der Testkandidat von uns 20 Punkte. Gibt es eine Anbieteradresse, ist uns das ebenfalls 20 Punkte wert. Ein Vermerk der Internet-Adresse bringt gleichermaßen 20 Punkte. Wenn der Hersteller abdruckt, dass er das DVD-Medium bei einem Herstellungsmangel ersetzt, bekommt der Rohling genauso noch einmal 20 Punkte wie wenn er Hinweise zum Urhebergesetz beziehungsweise dem Kopierschutz auf dem Rohling oder seiner Verpackung beschreibt. Insgesamt sind 100 Punkte in dieser Kategorie zu vergeben.







