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3D-Drucker

Conrad Renkforce RF1000 im Test

13.05.2014 | 14:15 Uhr |

Der 3D-Drucker Conrad Renkforce RF1000 überzeugt im Test dank präziser Technik, ist aber hochpreisig. Perspektivisch lässt er sich auch als Fräse nutzen.

Den 3D-Drucker Renkforce RF1000 gibt es als Bausatz oder als Fertiggerät zu Preispunkten von 1500 Euro für den Bausatz und 2000 Euro für das Fertiggerät . Die Preise sind schon eine Ansage. Allerdings bieten die Geräte einen Mehrwert, der bisher einmalig ist: Sie lassen sich zu Fräsen umbauen, um damit dann beispielsweise Türschilder zu beschriften. Das Fertiggerät haben wir als Vorserienexemplar im Labor unter die Lupe genommen.

Vorarbeiten – Aufbau, Material, Druckbett

Das Gehäusegerüst des Renkforce RF1000 ist aus Metall. An der Fertigvariante müssen wir nicht mehr viel anschrauben. Die Vorarbeit beschränkt sich auf das Anschrauben der Halterung für die Materialrolle. Sonst steht der 3D-Drucker betriebsbereit da. Er ist sehr stabil gebaut und kann auch nicht durch die mechanischen Bewegungen verrutschen, da er auf Gummistoppern steht, die die Vibration auffangen.

Die Kunstoffführung des Conrad Renkforce RF1000 wird von vier Schrauben fixiert.
Vergrößern Die Kunstoffführung des Conrad Renkforce RF1000 wird von vier Schrauben fixiert.

Zuerst versorgen wir den 3D-Drucker mit Filament. Er kann sowohl mit ABS- als auch mit PLA-Kunststoffen umgehen, hat aber auch nichts gegen Laybrick (Holzdraht) oder Bendlay (biegsames Kunststoffmaterial) einzuwenden. Der Materialfaden wird durch einen Schlauch zur Düse geführt. In unserem Fall war der Schlauch etwas fest am Metallgehäuse fixiert, was das Durchschieben etwas erschwert und auch gelegentlich zu Materialbruch führte. An der Düse angekommen, wird es etwas komplizierter: Zuerst wählen wir am Bedienmenü mit Display den Vorheizmodus (Preheat), damit der Plastikdraht auch korrekt weitergeführt werden kann. Danach müssen wir die vier Schrauben am Druckkopf lockern, um den Draht das letzte Stück bis zur Düse befördern zu können. Das ginge auch einfacher, hat aber den Vorteil, dass wir nach dem Fixieren der Schrauben eine sichere Materialführung erhalten, die sich im Falle eines Falles auch nachjustieren lässt und sich an unterschiedliche Drahtstärken anpassen lässt. Zugelassen sind Filamente mit bis zu 3 Millimetern Durchmesser.

Test-Video: 3D-Drucker Renkforce von Conrad

Das Druckbett des Renkforce RF1000 ist aus Keramik. Das hat den Vorteil, dass es sich enorm schnell heizen lässt und Temperaturen von bis zu 150 Grad Celsius aushält. In den Voreinstellungen von Conrad geht das Druckbett bei PLA-Kunststoffen auf etwas mehr als 60 Grad Celsius, bei ABS liegt die empfohlene Druckbetttemperatur bei ungefähr 135 Grad Celsius. Das Keramikbett hält die Wärme konstanter als die üblichen Heizplatten, die sonst bei 3D-Druckern zum Einsatz kommen. Auch ist die Oberfläche des Keramikbettes glatt mit einer leichten rauen Oberfläche. Ein Nachbearbeiten der Objekte aufgrund der Noppenstruktur, die Lochplatten hinterlassen, entfällt.

Die Druckplatte des Renkforce RF1000 ist beheizbar und lässt sich geometrisch vermessen.
Vergrößern Die Druckplatte des Renkforce RF1000 ist beheizbar und lässt sich geometrisch vermessen.

Clevere Kalibriermechanismen

Bevor es mit dem Druck des ersten 3D-Objekts losgeht, justieren wir das Druckbett. Dazu muss es zuerst auf 100 Grad Celsius aufgeheizt werden. Danach gehen wir im Display auf „Configuration“ und „Z Calibration“. Der Renkforce RF1000 fährt dann die gesamte Druckplattform ab und vermisst die gesamte Plattformgeometrie. Am Ende liegt die Plattform exakt „im Wasser“. Während unserer Testphase hat sich auch nichts verschoben. Wir mussten nie nachjustieren. Das hat der 3D-Drucker den verbauten Einzelteilen zu verdanken: Zahnriemen, Profilschienenführung und starke Motoren sorgen zusammen mit dem Kugelgewindegetriebe dafür, dass wenig bis gar kein Spiel im Laufe des Betriebes auf den Achsen entsteht.
Zusätzlich gleichen Wägemesszellen am Druckkopf etwaige Unebenheiten aus. Der Conrad Renkforce RF1000 vermisst dazu in den ersten drei Schichten des Drucks die Platte. Um das Objekt auf der Plattform korrekt zu fixieren, wird ein Raft – eine Hilfsplattform gedruckt. Im Falle des Renkforce RF1000 ist es eigentlich nur eine dünne Hilfsschicht, die sich leicht entfernen lässt, wenn das 3D-Objekt fertiggestellt ist.

Probedruck von SD-Karte: Flaschenöffner
Vergrößern Probedruck von SD-Karte: Flaschenöffner

Druck von der SD-Karte

Der Conrad Renkforce RF1000 hat einen SD-Kartenslot. Auf der mitgelieferten Karte sind einige Druckdateien zu finden, mit denen sich der 3D-Drucker sofort ausprobieren lässt. Über das Bedienmenü am Drucker lassen sie sich aufrufen. Die Druckdateien liegen als G-Codes vor. In unserem Fall gibt es beispielsweise einen Flaschenöffner mit Conrad-Logo. Schon der erste Probedruck zeigt, wie fein der 3D-Drucker die Kunststoffschichten übereinander setzt. Gleichzeitig ist erstaunlich, wie schnell das Gerät auf die vorgesehene Betriebstemperatur kommt. Nach einiger Zeit wird schon klar, dass der Renkforce RF1000 auf den unbeaufsichtigten Betrieb ausgelegt ist. Sollte doch etwas passieren, sieht das Menü eine Pausentaste vor, die den Drucker sofort anhalten lässt.

Als Drucksoftware nutzt der Conrad Renkforce RF1000 das Open-Source-Programm Repetier Host
Vergrößern Als Drucksoftware nutzt der Conrad Renkforce RF1000 das Open-Source-Programm Repetier Host

Drucksoftware Repetier Host

Bei der Drucksoftware zum Renkforce RF1000 setzt Conrad auf das Open-Source-Programm Repetier Host der German RepRap. Die Software liegt auf der SD-Karte zum Herunterladen bereit. Conrad hat einige Druckprofile mitgeliefert, die auf die Kunststoffe PLA und ABS zugeschnitten sind und die möglichen Qualitätsstufen abdecken. Wenn wir Objekte mit Support (Hilfsstrukturen) drucken wollen, müssen wir zusätzliche Einstellungen in der Drucksoftware definieren. Hier ist Ausprobieren angesagt, um die ideale Stärke der Stützen herauszufinden. Findige Anwender werden mit der Zeit eigene Profile ergänzen. Wir kommen aber für unsere Testdrucke gut mit den Herstellervorgaben zurecht.
Die Drucksoftware lässt einige Möglichkeiten zu: Nach dem Laden der STL-Datei, lässt sich das Objekt von allen Seiten ansehen. Es kann in der Mitte der Druckplattformt positioniert, gedreht oder aufgerichtet werden. Nach dem Slicen – dem Errechnen der einzelnen Druckschichten inklusive der Positionen der X-, Y- und Z-Achsen – lässt sich der G-Code prüfen und editieren. Das ist gerade für erfahrene Anwender praktisch. Die fertige Druckdatei lässt sich entweder auf dem Rechner oder der SD-Karte speichern.

Das Sahnetöpfchen dient uns als Testobjekt beim Renkforce RF1000
Vergrößern Das Sahnetöpfchen dient uns als Testobjekt beim Renkforce RF1000

Geschwindigkeit und Druckqualität des Renkforce RF1000

Je nach gewähltem Druckprofil unterscheiden sich die Druckzeiten des Conrad-3D-Druckers erheblich. Unser Testobjekt, ein Sahnetöpfchen, dauert in der niedrigsten Qualitätsstufe von 0,4 Millimetern gut 29 Minuten. Das ist vergleichsweise flott. Andere Testkandidaten haben uns hier schon doppelt so lange warten lassen. Die Software hat 82 Schichten errechnet. Gehen wir mit der Qualität herauf – etwa auf 0,1 Millimeter Schichtdicke, dauert dasselbe Objekt mit gut 1,5 Stunden erheblich länger.
Dabei können wir in beiden Fällen an der Druckqualität nicht viel herummeckern. Die Schichten sind sauber übereinandergelegt. Mit PLA-Kunststoff haben wir im Test keine Probleme mit der Haftung der Objekte auf der Druckplattform. Da diese fein strukturiert ist, können wir uns ein Nachbearbeiten der Testdrucke getrost sparen. Für den Gebrauch von ABS empfiehlt Conrad das Abkleben der Druckplattform mit Malerklebeband. Das ist ein Mittel, das wir etwa beim Makerbot Replicator 2 schon bei PLA anwenden mussten. Die fertigen Objekte lassen sich gut von der Plattform lösen. Den Einsatz einer Spachtel werden Sie selten brauchen.
Im Test muss sich der Renkforce RF 1000 auch Hürden stellen: So lassen wir ihn feinste Bögen drucken, die dazu noch frei stehen. Er meistert das gut bis sehr gut. Probleme gibt es eigentlich nur dann, wenn wir Stützstrukturen einbauen, die die Software unserer Meinung nach zu stark berechnet, auch wenn wir sie als lockere Gewebe einstellen. Vielleicht könnte Conrad für diese Fälle noch Profile nachliefern.

Verbrauch des Renkforce RF 1000

In Sachen Strom bleibt der 3D-Drucker im Rahmen. Die meiste Energie benötigt er, wenn er aufheizt. Dann kann er schon auf 470 Watt kommen. Beim Drucken errechnen wir ein Mittel von 120 Watt. Im Ruhemodus zeigt unser Messgerät 18,6 Watt an und ausgeschaltet trennt sich der Drucker mit 0 Watt sauber von der Stromzufuhr.
Eine Kunststoffrolle liegt dem Renkforce RF1000 nicht bei. Sie muss extra erworben werden. Im Conrad-Online-Shop ist kein extra Filament für den 3D-Drucker zu finden. Vielmehr empfiehlt der Anbieter Filamente von German Reprap. Es gibt sie neben ABS und PLA in verschiedenen Farben auch etwa als Laybrick (Holzimitat). Für ABS in einer 2,1-Kilogramm-Rolle werden 50 Euro, für die PLA-Variante mit demselben Gewicht werden 67 Euro fällig. Je schwerer das Druckobjekt, desto teurer kommt es. Unser kleines Sahnetöpfchen wiegt je nach Auflösung 10 bis 11 Gramm und kostet so mit ABS-Material ungefähr 20 Cent, mit PLA-Filament 30 Cent.

3D-Drucker: Conrad Renkforce RF1000
Vergrößern 3D-Drucker: Conrad Renkforce RF1000
© Conrad

Fazit – ein 3D-Drucker mit Ausbaupotenzial

Insgesamt hat uns der Conrad-3D-Drucker gut gefallen. Er arbeitet sauber, präzise und liefert wiederholbare Ergebnisse. Für den Einsteiger in den 3D-Druck stellt jedoch selbst der Bausatz des Renkforce RF1000 eine ziemlich hohe Investition dar. Was den Anschaffungspreis rechtfertigt: Conrad hat nicht gespart an den einzelnen Bauteilen. Der 3D-Drucker ist dem Dauerbetrieb gewachsen und kann auch unbeaufsichtigt arbeiten. Einzig bei den Druckprofilen unseres Vorserienmodells könnte Conrad noch Feintuning leisten. Allerdings werden Anwender, die sich für den 3D-Drucker entscheiden, sicher selbst Profile für die eigenen Zwecke definieren. Unterm Strich spricht der Renkforce RF1000 den fortgeschrittenen User an: Modellbauer, Prototypenhersteller, Messebauer oder Architekten werden mit dem 3D-Drucker gut arbeiten können. Auch der relativ großzügige Bauraum von 245 x 200 x 230 Millimetern (B x H x T) spricht für den Einsatz im professionellen Umfeld oder dem gehobenen Hobbybereich. Ein vielseitiger, wenn auch hochpreisiger 3D-Drucker, der dank blauer Innenraum-LEDs auch einen gewissen Spaßfaktor mitbringt. Dass bei dem Preis kein Filament mitgeliefert wird, ist allerdings wenig verständlich.

Dass sich die Druckeinheit durch eine Fräse ersetzen lässt, macht den Renkforce RF1000 zum derzeit flexibelsten 3D-Drucker am Markt. Zum Testzeitpunkt war die Fräseinheit allerdings noch nicht verfügbar und konnte deshalb nicht ausprobiert werden.

3D-Drucker  

Conrad Renkforce RF1000  

Drucktechnik

Schichtschmelzverfahren

Filamentstärke

bis 3 mm

Bauraum (B x T x H in mm)

245 x 200 230

Druckersoftware

Repetier Host, Version 0.95F

Betriebssysteme Drucksoftware  

ab Windows XP, Mac OS X, Linux  

Standard-Schichstärken

0,4 bis 0,05 mm

Druck von SD-Karte

ja

Druck von PC

ja, per USB

Druckzeit Testobjekt (max. Aufl. in min)  

1:36  

Druckzeit Testobjekt (geringste Aufl. in min)  

0:29

Preis Fertiggerät  

1999 Euro

Preis Bausatz

1499 Euro  

Webseite  

www.conrad.de  

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