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CarPlay und Mirrorlink im Auto nachrüsten - ein Praxistest

26.04.2015 | 16:09 Uhr |

Warum nochmals teures Infotainment ins Auto einbauen, wenn alles ohnehin im Smartphone steckt? CarPlay (iOS) und Mirrorlink (Android) holen die Handy-Apps auf den Touchscreen des Radios. Unser Praxistest zeigt, wie es funktioniert.

Puh, das war mühsam. Mühsam nämlich, geeignete Android-Smartphones zu finden, die mit dem neuen Pioneer-Autoradio SPH-DA 120 zusammenarbeiten und den komfortablen Mirrorlink-Modus unterstützen. Im Prinzip ist die Mirrorlink-Technik eine feine Sache: Man nutzt sein ohnehin vorhandenes Smartphone auch im KFZ, verbindet es per USB-Kabel mit dem Autoradio und steuert über den Radio-Touchscreen das Handy samt seinen Apps. Auf diese Weise spart man sich vergleichsweise teure Hardware im Auto, die ohnehin wieder sehr schnell veralten würde.

Die Idee überzeugt also durchaus. Mirrorlink wird bereits von diversen Autoherstellern selbst in Kleinwagen eingesetzt und funktionierte in unserem Test des VW-Systems Discover Media gut. Auf der anderen Seite zeigten sich bereits bei früheren Versuchen , dass bei Weitem nicht alle Android-Geräte Mirrorlink-kompatibel sind und dass auch die offizielle Kompatibilitätsliste des Mirrorlink-Konsortiums nicht immer weiterhilft. Da bleibt auch angesichts der beiden Mirrorlink-Versionen 1.0 und 1.1 nur: ausprobieren, also try and error!

Das Mirrorlink-Konsortium veröffentlicht im Internet eine Liste Mirrorlink-kompatibler Autoradios und Smartphones, die sich aber nicht immer als zuverlässig erweist.
Vergrößern Das Mirrorlink-Konsortium veröffentlicht im Internet eine Liste Mirrorlink-kompatibler Autoradios und Smartphones, die sich aber nicht immer als zuverlässig erweist.

Wie steht es nun bei der neuesten Autoradiogeneration, die sowohl Mirrorlink als auch CarPlay von Apple unterstützt. Autoradios zum Nachrüsten gibt es noch kaum, das Parrot RNB 6 wurde zwar auf der CES 2015 vorgestellt, zu kaufen gibt es das Gerät aber noch nicht. Immerhin zeigt ein Video schon einmal, was es kann.

Weil das SPH-DA 120 von Pioneer beide Standards versteht, haben wir uns dieses Gerät für knapp 400 Euro in die Redaktion bzw. in Auto geholt. Und gerade weil das Pioneer-Gerät beim Koppeln mit Android-Smartphones solche Probleme bereitete, haben wir die Mirrorlink-Kompatibilität parallel mit dem Nur-Mirrorlink-Modell X800D-U von Alpine überprüft: mit einem ähnlichen Ergebnis.

Die Automotive-Neuheiten der CES 2015

Zurück zum Doppel-DIN-Radio von Pioneer mit 6,2 Zoll großem, kapazitivem Touchscreen, das sich dank der standardisierten Größe in viele Autos einbauen lässt. Der Einbau selbst ist auch deshalb vergleichsweise einfach, weil der Hersteller vom Halterahmen mit Befestigungsmaterial über Anschlusskabel bis zum Freisprechmikrofon und der GPS-Antenne wirklich alles mitliefert. Im Idealfall ist in knapp einer Stunde alles angeschlossen und eingebaut. Die zahlreichen Anschlüsse auf der Rückseite lassen kaum Wünsche offen: Heck- und separate Videokamera, GPS-Antenneneingang, Zusatzverstärker, Audio-out, Aux-in, HDMI-Buchse (mit MHL-Unterstützung), zwei USB-Anschlüsse fürs Android-Gerät und iPhone sowie ein Anschluss für die Lenkradfernbedienung.

Das Pioneer-Radio SPH-DA 120 bietet eine Vielzahl von Anschlüssen, über die beiden USB-Buchsen lassen sich ein iPhone und ein Android-Gerät gleichzeitig anschließen.
Vergrößern Das Pioneer-Radio SPH-DA 120 bietet eine Vielzahl von Anschlüssen, über die beiden USB-Buchsen lassen sich ein iPhone und ein Android-Gerät gleichzeitig anschließen.

Einrichtung und Bedienung sind trotz der 140 Seiten starken Bedienungsanleitung einfach, das Bedienkonzept ist schnell verinnerlicht, der Bildschirm reagiert flott, der Klang ist gut, Telefonieren funktioniert über ein (per Kabel oder Bluetooth) verbundenes Handy und das mitgelieferte Mikrofon problemlos. Kurz: Die Alltagsaufgaben meistert das Pioneer-Radio gut, nur Digitalradio DAB+ gibt es nicht. Außerdem würde sich sicher mancher Fahrer statt zweier Tasten (+ und -) für die Lautstärke einen klassischen Drehregler wünschen, der ist während der Fahrt einfach besser zu bedienen.

Car-Infotainment: Autoradio mit Apps und DAB+ nachrüsten

Schwerpunkt dieses Praxistests aber sind die Konnektivität mit dem iPhone bzw. Android-Smartphone, also die CarPlay- und die Mirrorlink-Unterstützung. Die Anbindung und Steuerung eines iPhones ab Generation 5 überzeugen: das Apple-Handy per USB-Kabel anschließen und als Quelle wählen, die CarPlay-Funktion antippen, schon stehen die Apps für Navigation, Musik und Co. zur Verfügung – zumindest ein paar, denn längst nicht alle sind CarPlay-zertifiziert. Momentan ist die Auswahl noch stark eingeschränkt, immerhin sind Spotify und der eine oder andere Streaming-Dienst dabei. Jede x-beliebige, auf dem iPhone installierte App erscheint im CarPlay-Gerät aber nicht, denn Apple muss sie ausdrücklich für CarPlay freigeben – das ist bei Mirrorlink von Google besser.

Die Verbindung mit dem iPhone funktioniert auf Anhieb und läuft tadellos, allerdings ist die Zahl der CarPlay-kompatiblen Apps noch stark eingeschränkt.
Vergrößern Die Verbindung mit dem iPhone funktioniert auf Anhieb und läuft tadellos, allerdings ist die Zahl der CarPlay-kompatiblen Apps noch stark eingeschränkt.
© Pioneer

Gut funktioniert auch die Sprachsteuerung per Siri, die sich sowohl über das Pioneer-Radio oder per Zuruf „Hey Siri“ starten lässt, sofern dies im iPhone aktiviert ist. Unterstützt werden so die Telefonsteuerung, das Schreiben und Vorlesen von Nachrichten und die Zieleingabe in der Navi-App von Apple. Auswählen lassen sich hier auch die Einträge im Adressbuch, eine Offline-Navigation mit vorgeladenen Karte ist derzeit nicht möglich. Von der erforderlichen App-Zertifizierung durch Apple und damit einhergehend der kleinen App-Auswahl abgesehen funktioniert CarPlay Apple-typisch einfach und gut. Positiv hervorzuheben sind auch die großen Schaltflächen der maximal acht Apps auf dem Display.

Das ist auf der Android-Seite anders, denn viele Smartphones werden vom Pioneer-Radio nicht als Mirrorlink-fähig erkannt: diverse Samsung-, HTC-, Nexus- und Motorola-Geräte. Die offizielle Kompatibilitätsliste des Mirrorlink-Konsortiums hilft nur bedingt weiter, Pioneer führt keine eigene Liste mit unterstützten Smartphones, denn der Kompatibilitätscheck des Herstellers bezieht sich nur auf den sogenannten AppRadio-Modus . Darin lassen sich zwar ebenfalls einzelne Apps über das Autoradio nutzen, aber eben nicht wie bei Mirrorlink alle.

Hat man ein kompatibles Smartphone wie das HTC One M8 oder das Sony Xperia SP , ist die Mirrorlink-Anbindung meist etwas mühsamer als bei CarPlay. Die konkrete Ausgestaltung der Verbindung gestalten die Handy-Hersteller etwas unterschiedlich, gegebenenfalls ist deshalb die eine oder andere Bestätigung zu drücken. Insgesamt ist die Mirrorlink-Einrichtung deutlich hakeliger als bei CarPlay, aber es funktioniert. Manche Hersteller schalten gleich auf einen bedienerfreundlichen Auto-Modus mit großen Schaltflächen um, ansonsten kann man eine Hilfs-App wie Car Home Ultra oder Ultimate Car Dock mit großen Schaltflächen nachinstallieren.

Mirrorlink in Aktion: Die Inhalte des Smartphones werden wie hier vom HTC One Mini 2 in einem bedienungsfreundlichen Auto-Modus auf das Display des Fahrzeugs gespiegelt.
Vergrößern Mirrorlink in Aktion: Die Inhalte des Smartphones werden wie hier vom HTC One Mini 2 in einem bedienungsfreundlichen Auto-Modus auf das Display des Fahrzeugs gespiegelt.
© Pioneer/PC-WELT

Der eigentliche Reiz von Mirrorlink aber ist, dass sich das gesamte Smartphone und damit wirklich jede App spiegeln lässt, Beschränkungen wie bei CarPlay existieren also gerade nicht. In der Praxis gilt das allerdings nur im Stand bei angezogener Handbremse, ansonsten erscheint ein Hinweis wie „Achtung: Video auf dem Frontmonitor ist während der Fahrt nicht zulässig!“ oder „Diese Funktion ist aus Sicherheitsgründen nicht im Fahrmodus verfügbar“. Verbindet man das Kabel für die Handbremskontrolle aber einfach mit dem Metallgehäuse des Radios, ist die Sperre ausgetrickst. Dies ist aber nicht als Rat zu verstehen, als Fahrer während der Fahrt am Radio herumspielen. Spracherkennung und -steuerung funktionieren im Übrigen auch bei Mirrorlink gut, so dass der Einsatz bei richtig platziertem Mikrofon absolut alltagstauglich ist.

Wer ein iPhone (ab Version 5 aufwärts) besitzt und im Auto via CarPlay auf das Apple-Gerät samt Apps zugreifen möchte, macht mit dem Pioneer-Radio SPH-DA 120 zum Nachrüsten alles richtig. Anschließen, einstellen – und läuft. Voraussetzung ist natürlich, dass das Doppel-DIN-Radio ins Auto passt: Der Einbau ist zwar in viele Fahrzeuge möglich, aber bei Weitem nicht in alle. Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Zahl der CarPlay-kompatiblen Apps (noch) ziemlich klein ist.

Im Prinzip lässt sich jede Android-App via Mirrorlink vom kompatiblen Radio aus starten. Im Bild die Navigation von Google, die sich teilweise auch per Sprache steuern lässt.
Vergrößern Im Prinzip lässt sich jede Android-App via Mirrorlink vom kompatiblen Radio aus starten. Im Bild die Navigation von Google, die sich teilweise auch per Sprache steuern lässt.
© Pioneer/PC-WELT

Das ist bei Mirrorlink anders, hier lässt sich im Prinzip jede App spiegeln. In der Praxis funktioniert das allerdings nur mit wenigen Android-Smartphones, auch die Aktualität des Geräts oder der Hersteller sind keine Garantie. So funktionierte das HTC One M8 gut, das One Mini 2 vom gleichen Hersteller dagegen nur leidlich. Gute Erfahrungen haben wir insgesamt mit Sony-Geräten gemacht – eine Garantie bietet diese Marke dennoch nicht. So muss man sich als potenzieller Käufer eine Strategie überlegen, die Mirrorlink-Kompatibilität von Autoradio und Smartphone sicherzustellen: beispielsweise durch eine Vereinbarung mit dem Händler, eine Online-Bestellung mit Widerrufsrecht oder durch Ausprobieren der Handys von Bekannten. Ärgerlich ist, dass weder Hersteller noch das Mirrorlink-Konsortium eine verlässliche Auskunft bieten.

Video: Futuristische Highlights der CES 2015
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