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Apple iPad im Test

27.09.2010 | 13:14 Uhr |

Bevor auch nur ein einziges Gerät verkauft wurde, hat das iPad eine enorme Aufregung verursacht. Ist es das Mobilgerät der Zukunft? Kann es ein Notebook oder Netbook ersetzen? PC WELT hat den Tablet-Computer getestet und sagt, was es kann und für wen es sich eignet.

Was ist das Apple iPad? Ein zu groß geratenes Handy oder ein Netbook ohne Tastatur? Es will auf jeden Fall beide Welten verbinden: Das iPad soll sich so schnell und einfach bedienen lassen wie ein Handy. Für Spaß und Arbeit ist sein Bildschirm, der so groß ist wie bei einem Netbook, aber deutlich besser geeignet als die Mini-Anzeige eines Handys.

Das iPad ist zwar etwas kleiner und deutlich flacher als ein Netbook. Doch in die Jackentasche passt es nicht: Man muss es unterwegs unter den Arm klemmen oder in Tasche oder Rucksack stecken. Schon beim ersten Anfassen fielen die hochwertige Verarbeitung und das elegante Gehäuse auf. Hier schneidet das iPad deutlich besser ab als die meisten Netbooks. Der zweite Unterschied zu einem Netbook: Das iPad ist schnell. Während auf einem Netbook Programme meist verzögert starten und sich die Bedienung manchmal zäh anfühlt, flutschte beim iPad alles. Ob Filme, Spiele, Internet oder andere Programme: Alles startet in Sekundenschnelle, nichts ruckelt. Auch das iPad selbst war schon 20 Sekunden nach dem Einschalten betriebsbereit. Aus dem Bereitschaftsmodus wachte es in Sekundenbruchteilen auf.

Schnell, aber unflexibel
Denn anders als bei Netbooks sind das Betriebssystem und die Programme (Apps) auf dem iPad ideal an die Leistungsfähigkeit des Gerätes angepasst. Das ist extrem bequem, schränkt Sie aber auch ein: Neue Programme für das iPad bekommen Sie nur über den App Store von Apple. In diesem Online-Shop darf nur Software verkauft werden, die Apple geprüft und für das iPad und das iPhone freigegeben hat. Einfach Anwendungen aus dem Internet herunterladen und installieren, wie man es von einem Windows-Rechner gewohnt ist, geht auf dem iPad nicht.

Nicht anschlussfreudig
Dass das iPad ein geschlossenes System ist, merkt man auch daran, dass Apples Bildschirm-Rechner nur zwei Anschlüsse besitzt. Das iPad hat eine Buchse, über die man es per beigelegtem USB-Kabel am Netzteil aufladen sowie mit dem PC verbinden kann. Außerdem lässt sich ein Kopfhörer anschließen. Das war's: USB-Buchsen, ein Leser für Speicherkarten - Fehlanzeige. Um Fotos direkt von einer Digitalkamera auf das iPad zu laden, brauchen Sie einen zusätzlichen Adapter von Apple. Fotos und Filme, die Sie auf einem PC gespeichert haben, bekommen Sie nur mit Itunes aufs iPad. Apples Multimedia-Programm benötigen Sie auch, um das iPad beim ersten Start einzurichten: Ohne einen Rechner, auf dem Itunes läuft, lässt sich das iPad also überhaupt nicht nutzen. Viel Speicherplatz für Dateien bietet das iPad aber sowieso nicht: Es besitzt nur 16 GB. Die anderen iPad-Modelle haben 32 beziehungsweise 64 GB Speicherplatz.

Fast ideal fürs Internet - aber ohne Flash-Unterstützung
Besonders das Surfen im Internet macht das iPad durch den Bildschirm und die Bedienung per Finger zum großen Vergnügen. Man hat dank der Auflösung von 1024 x 768 Bildpunkten die ganze Webseite im Blick. Details vergrößert man blitzschnell, indem man zwei Finger auf dem Bildschirm spreizt. Die Fingerbedienung funktionierte auch sonst genial einfach: Man tippt Programme kurz an, um sie zu starten. Mit einer Wischbewegung blättert man durch Webseiten oder Fotoalben.
Die komplette Welt des Internets bekommen Sie aber auf dem iPad nicht zu sehen: Es unterstützt nämlich das Flash-Format nicht und stellt deshalb viele Videos auf Webseiten oder Internet-Spiele nicht dar. YouTube-Filme kann man mit dem iPad aber anschauen: Dafür gibt es eine eigene App auf dem Gerät.

Hervorragender Bildschirm
Für Filme ist das 4:3-Format des iPad-Bildschirms nicht ideal: HD-Videos in der Auflösung 720p, die das Gerät im Test ohne Ruckeln abspielte, kann man beispielsweise nur verkleinert mit 1024 x 576 Bildpunkten oder als Vollbild mit seitlichem Beschnitt wiedergeben. Die Bildqualität war im Test nicht zu bemängeln: Die Darstellung war scharf, die Farben knackig. Auch der Labor-Test bestätigte diesen Eindruck mit einer hohen Helligkeit und einem guten Kontrast. Auch bei seitlichem Blick auf den Bildschirm geht davon nichts verloren. Es gibt keinen Netbook-Bildschirm, der die Qualität des iPad-Monitors erreicht. Allerdings spiegelte die Oberfläche stark, was vor allem bei dunklen Bildinhalten sehr störte. Bei dunklem Bildschirm sah man auch sehr deutlich die Fingerabdrücke, die die Bedienung des iPads nach sich zieht. Um den eleganten Gesamteindruck nicht zu verderben, sollte man daher immer ein Mikrofasertuch zur Hand haben. Damit lässt sich das Bildschirmglas schnell und einfach reinigen, denn es ist mit einer Fett abweisenden Schicht versehen. Die Tonwiedergabe des iPads überzeugte: Vor allem über den Kopfhörer klang es überraschend kraftvoll und deutlich besser als die meisten Netbooks.

Lange Ausdauer im Akkubetrieb
Egal, ob man das iPad als Internet-Gerät oder Film-Abspieler einsetzt: Es läuft sehr lange. Mit einer Akkuladung konnte man im Test über 13 Stunden lang per WLAN aufs Intranet zugreifen. Filme spielte es bei voller Bildschirmhelligkeit fast 7,5 Stunden lang ab, bevor der Akku leer war. Damit überflügelte es auch die besten Netbooks. Außerdem ist das iPad mit 680 Gramm Gewicht deutlich leichter. Doch anders als ein Netbook hält man es meist in der Hand: Und dabei wird ist es auf Dauer unangenehm schwer.

Zur Texteingabe kaum geeignet
Die Bedienung über den berührungsempfindlichen Bildschirm funktionierte zwar wunderbar. Um Texte zu schreiben, benötigt man eine Tastatur. Das iPad bietet dafür eine virtuelle, die es bei Bedarf auf der unteren Hälfte des Bildschirms einblendet. Die Tasten sind auch verhältnismäßig groß: Bei kürzeren Texten kommt man daher mit der Tastatur noch gut zurecht. Doch zum Dauer-Tippen ist das iPad nicht zu gebrauchen: Um Tasten für Ziffern und Sonderzeichen zu erreichen, muss man auf eine andere Tastaturansicht umschalten. Das Tippen auf der harten Bildschirmoberfläche ließ die Finger im Test rasch ermüden und aufgrund der fehlenden Druckrückmeldung stellte sich kein angenehmes Schreibgefühl ein. Man kann das iPad zum Tippen auch nicht auf den Tisch legen: Aufgrund der leicht abgerundeten Rückseite wackelte es dann. Wer das iPad unbedingt als Schreibmaschine nutzen will, sollte sich daher eine Bluetooth-Tastatur besorgen. Apple bietet außerdem einen iPad-Halter mit Tastatur an.

Fazit
Das iPad ist kein revolutionäres Gerät. Mit ihm kann man nichts machen, was sich nicht auch mit einem Smartphone oder Netbook bewerkstelligen ließe. Aber vieles geht mit dem iPad einfacher und schneller. Surfen im Internet beispielsweise macht auf keinem anderen Gerät so viel Spaß. Auch beim Lesen von elektronischen Büchern, beim Anschauen von Fotos und Filmen oder beim Spielen überzeugte das iPad durch seinen hochwertigen Bildschirm und die einfache Bedienung.
Ganz ersetzen kann das iPad ein Net- oder Notebook aber nicht: Fürs Arbeiten unterwegs sind diese Geräte wegen ihrer Tastatur immer noch erste Wahl. Und auch wer gerne selbst entscheidet, welche Software er auf seinem Gerät ausprobiert und woher er sie bekommt, sollte sich nicht gänzlich in die geschlossene Welt von Apple und dem iPad begeben.

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