28.02.2006, 15:00

Thomas Rau

Bemi D900K

Im D900K setzt Bemi einen Desktop-Prozessor von AMD ein – und zwar den Doppelkerner Athlon 64 X2 4600+. Damit ist klar: Es geht vor allem ums Tempo.

Zwei-Kern-Prozessoren bringen einen deutlichen Leistungsschub – das beweist nicht zuletzt Intels Core Duo. Während im Desktop-Bereich sowohl AMD wie Intel Dual-Core-CPUs anbieten, steht Intel bei doppelkernigen Notebook-Prozessoren im Moment allein auf weiter Flur: AMD wird wohl erst zur Jahresmitte einen Mobile Turion mit zwei Kernen auf den Markt bringen.
Mit dem D900K integriert Bemi trotzdem Doppelkern-Power ins Notebook: Der Hersteller baut einfach einen Desktop-Prozessor ein, den Athlon 64 X2 4600+ (2,4 GHz). Die Devise lautet: Power ohne Kompromisse: Dafür bürgt auch die High-End-Grafikkarte Geforce Go 7800 GTX von Nvidia. Die Rechnung von Bemi geht auf: Das D900K war sowohl bei Standard-Awendungen wie auch bei Spielen sehr schnell. Aber: Bei Standard-Anwendungen ist ein Core-Duo-Notebook trotz geringeren Prozessortaktes etwas schneller, bei Spielen ist das Bemi D900K nicht leistungsstärker als Centrino-Notebooks mit der gleichen Grafikkarte: Ein grafikintensiver Shooter wie F.EA.R. lässt sich mit maximalen Qualitätseinstellungen auch mit dem Bemi D900K nur in der XGA-Auflösung spielen – für die native Auflösung von 1920 x 1200 Bildpunkten reicht die Rechenpower nicht.
Nicht nur beim Tempo eifert das Bemi D900K einem PC nach: Auch die Ausstattung hat Desktop-Niveau: Unter anderem bieten zwei Festplatten insgesamt rund 200 GB Speicherplatz, und zusätzlich zum vorhandenen DVD-Brenner lässt sich ein zweites optisches Laufwerk einbauen. Für den Anschluss von Peripheriegeräten stehen ein serieller, ein paralleler, ein PS/2-, zwei Firewire- sowie vier USB-Ports zur Verfügung. Außerdem liest das Bemi D900K etliche Speicherkartenformate (unter anderem Compact-Flash, SD- sowie Smart-Media-Karten). Für Raumklang kann man Lautsprecher an die drei analogen Soundausgänge anschließen oder einen Decoder an den digitalen S-P/DIF-Ausgang. Zum Netzwerken bietet das Bemi D900K einen Gigabit-LAN-Chip – auf WLAN muss man verzichten, es lässt sich aber ebenso wie eine TV-Tuner-Karte nachrüsten.
Will ein Notebook als echter Desktop-Ersatz gelten, muss auch die Qualität von Display und Tastatur stimmen: Hier kann das Bemi D900K nicht überzeugen. Das 17-Display spiegelt deutlich und bietet eine viel zu geringe Helligkeit, was sich vor allem bei der mittelmäßigen Farbdarstellung bemerkbar macht. Die Tastatur verfügt über einen Ziffernblock, außerdem ist vor dem Schreibbrett viel Platz, um beim Tippen die Hände bequem abzustützen. Allerdings gab die Tastatur beim schnellen Schreiben vor allem in der Mitte etwas nach und war recht laut.
In Disziplinen wie Akkulaufzeit, Gewicht und Lautstärke schneidet das Bemi D900K erwartungsgemäß miserabel ab: Trotz des riesigen Akkus hält es nur rund 1,5 Stunden ohne Steckdose durch – kein Wunder, da es mit 62 Watt etwa doppelt so viel Strom verbrät wie ein vergleichbar ausgestattetes Notebook mit Mobil-Prozessor, obwohl der Dual-Core-Athlon im Akkubetrieb auf 1 GHz gebremst ist. Das Gewicht beträgt 5,74 Kilogramm, das Netzteil wiegt knapp 1,4 Kilogramm. Die vier Lüfter im Bemi D900K veranstalten unter Last einen ziemlichen Krawall, der besonders beim Spielen mit rund 39 dB(A) sogar einige PCs übertrifft.
Fazit: Zugegeben - das Bemi D900K ist schnell. Aber ein Notebook mit Core-Duo-CPU ist schneller, und selbst bei Spielen bringt der Desktop-Zweikerner keinen Vorteil gegenüber einem Notebook-Prozessor. Notebook-Eigenschaften wie tragbares Gewicht, erträglich leise Lüfter oder annehmbare Akkulaufzeit braucht man beim D900K ohnehin nicht zu erwarten. Bleibt als einziges Argument die (für ein Notebook) eindrucksvolle Hardware- und Schnittstellen-Ausstattung. Das ist angesichts des hohen Preises aber ziemlich wenig.
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