Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

2013263

Becker professional.6 LMU im Test

04.11.2014 | 09:26 Uhr |

Das Becker professional.6 LMU soll ein Navigationsgerät für Vielfahrer sein. Mit großem und schnellem Touchscreen, Freisprecheinrichtung, Sprachsteuerung und Verkehrslageinformationen. In einem hochwertigen Gehäuse. Wir haben das PND getestet.

Die Hardware des Becker professional.6 LMU

Das Becker professional.6 LMU (UVP 269 Euro) von United Navigation ist ein Navigationsgerät mit einem kapazitiven 6,2 Zoll (15,8 cm, 800 x 480 Pixel) großem Touchscreen, der in ein hochwertig anmutendes Gehäuse mit Metallrahmen verpackt ist. Das PND wird per Saugnapf an der Windschutzscheibe befestigt und von der 12-Volt-Bordsteckdose mit Strom versorgt. Wobei man das Stand-Alone-Navi eine Zeitlang auch nur im Akku-Betrieb nutzen kann.

Der Saugnapf hielt während des gesamten Testzeitraums bombenfest. Wer das Navi nicht per Saugnapf befestigen möchte, sondern eine feste Halterung am Armaturenbrett bevorzugt: Der MagClick-Aktivhalter ist dank Herbert-Richter-Standard unter anderem kompatibel zu den bekannten Broditsystemen.

Der Ein- und Ausschaltknopf befindet sich oben am Gehäuserand, am unteren Rand hat der Hersteller diverse Anschlüsse unter anderem für micro-USB angebracht. Hängt man das Becker-Navi via USB an einem PC, so wird es dort als Wechselspeicher erkannt und man kann auf die Inhalte des Gerätes zugreifen. Und beispielsweise das im PDF-Format vorliegende Handbuch lesen. Außerdem findet man an der Unterseite den Videoeingang für eine optional anschließbare Rückfahrkamera.

Der Bildschirm reagierte im Test durchwegs flott auf unsere Fingereingaben. Die Schaltflächen sind ausreichend groß dimensioniert und lassen sich auch während der Fahrt zuverlässig treffen.

Nur mit dem mechanischem „Zurück“-Button am linken unteren Bildschirmrand haderten wir etwas: Man muss sich schon sehr konzentrieren, um den nur knapp einen Zentimeter langen und vielleicht drei Millimeter hohen Button zu treffen. Das lenkt den Fahrer unnötig vom Verkehrsgeschehen ab. Drückt man diesen Schalter etwas länger, so gelangt man direkt auf den Startbildschirm zurück – das ersetzt also den nicht vorhandenen Home-Button.

Bedienung per Fingerwisch und -druck

Der Startbildschirm, ein kapazitiver Echtglas-Touchscreen, ist in acht unterschiedlich große berührungssensitive Bereiche aufgeteilt. Die vier größten Schaltflächen sind für die Eingabe eines neuen Zieles, für das Wiederaufrufen eines bereits angefahrenen Zieles und der Heimatadresse, für Verkehrslagemeldungen und für die Telefonie reserviert. Etwas kleinere Schaltflächen führen zu dem Einstellungsmenü und zu Extras wie Reiseführer, Straße sperren, „wo bin ich“, Länderinformationen, Bildern (die man in den Speicher des Becker-Gerätes beziehungsweise in die optionale microSD laden kann) und Bordcomputer (mit Angaben zu Durchschnittsgeschwindigkeiten, Maximalgeschwindigkeit und eine Stoppuhr).

Links oben befindet sich wiederum eine kleine Schaltfläche für das Einschalten der Sprachsteuerung. Und die Mitte des Startbildschirms nimmt ein Kartenausschnitt ein. Drückt man auf diesen Kartenausschnitt, so öffnet sich die Kartenansicht im Vollbildmodus.

Auch die Untermenüs unter den oben genannten Schaltflächen sind übersichtlich und ausreichend groß. Insgesamt kann man feststellen, dass die Bedienung per Finger relativ angenehm möglich ist und das Gerät nahezu immer auf den ersten Eingabeversuch reagiert – und zwar flott. Das ärgerliche und gefährliche Wiederholen von Eingaben während der Fahrt ist fast nie nötig.

Der Bildschirm ließ sich zudem immer gut ablesen.

Karten, Routenführung und Verkehrslage
 
Das Kartenmaterial stammt von Nokia Here. Bei beiden Geräten ist Kartenmaterial für 47 europäische Länder vorinstalliert, inklusive Karten für die Türkei und Russland. Die Benutzer erhalten lebenslange kostenlose Karten-Updates und zwar bis zu drei pro Jahr. Die „lebenslangen“ Kartenupdates stehen bis zum Ende der Nutzungsdauer des Produktes oder bis zu dem Zeitpunkt, zu dem United Navigation von seinen Drittanbietern keine Kartendaten mehr erhält (je nachdem, welcher Zeitpunkt früher eintritt) zur Verfügung. Zudem ist der Marco Polo Travel Guide als Reiseführer vorinstalliert.

Eine Fülle von Informationen
Vergrößern Eine Fülle von Informationen
© Becker

Die Routenführung war in der Regel sehr genau. Die gesprochenen Abbiege-Hinweise kamen immer rechtzeitig und in ausreichender Zahl. Eine schon länger durch Bauarbeiten bedingte Vollsperrung einer wichtigen Durchgangsstraße in einer bayerischen Großstadt kannte das Beckergerät trotz aktuellem Kartenmaterial jedoch nicht.

Zwar bietet das Becker-PND keine Fotos von Panoramio und auch kein Google Street View, doch zur Orientierung tragen die auf der Karte eingezeichneten 3D-Sehenswürdigkeiten wie die Allianz-Arena in Norden von München bei. Gut: Parkplätze lassen sich über die Icons auf der Karte direkt ansteuern.

Staus kommen manchmal unangekündigt

Die Verkehrslagedaten basieren aber standardmäßig nur auf TMC - mit allen damit verbundenen Nachteilen. So standen wir so manches Mal in einem Stau, ohne davor gewarnt worden zu sein. Vor kürzeren Stauungen aufgrund von Wanderbaustellen warnte uns das PND so gut wie nie. Vor allem fernab der Autobahn sind die TMC-Daten vergleichsweise ungenau. Darum sollten Sie, wann immer es möglich ist, zusätzlich Echtzeitverkehrsinformationen aus dem Internet abrufen. Dafür ist aber Tethering nötig - siehe unten.

Der Empfang der TMC-Daten hat aber einen Vorteil: Man benötigt dafür kein gekoppeltes Smartphone und keine SIM-Karte. Die TMC-Antenne ist übrigens in das Stromkabel integriert.

Alternativrouten werden bei Staus automatisch berechnet und dem Fahrer angeboten. Allerdings ist die Kartenübersicht dazu optimierungsbedürftig, man muss erst von Hand einzoomen, um sich einen optischen Überblick zur Alternativroute zu verschaffen.
Die GPS-Positionsermittlung nach dem Einschalten des Gerätes benötigt mitunter etwas Zeit. Dafür klappt das Neuberechnen der Route nach einem falschen Abbiegen sehr schnell. Einmal fiel das System während der Fahrt plötzlich komplett aus und musste neu gestartet werden.

Das Becker professional.6 LMU hilft dabei, die richtige Autobahnausfahrt zu erwischen
Vergrößern Das Becker professional.6 LMU hilft dabei, die richtige Autobahnausfahrt zu erwischen
© Becker

Ein Fahrspurassistent und ein Abbiegeassistent helfen bei der schnellen Orientierung auf der Autobahn. Die Tag-Nachtumschaltung funktionierte ebenfalls reibungslos.
 
Freisprecheinrichtung an Bord

Das Becker professional.6 LMU lässt sich als solide Freisprecheinrichtung für das via Bluetooth gekoppelte Smartphone verwenden. Das klappte im Test mit einem Nexus 4 und einem iPhone 5C zuverlässig. Die Bedienung ist dabei sowohl per Sprachbefehl als auch per Fingerdruck möglich.

So können Sie Nummern auf dem Zahlenfeld des Navis eintippen und Kontakte aus dem Adressbuch des Smartphones anrufen. Eine Anrufwiederholung steht über die Anrufliste zur Verfügung. Eingehende Anrufen lassen sich problemlos per Tastendruck ablehnen.

Sprachsteuerung

Das Becker professional.6 LMU verfügt über eine grundsätzlich solide arbeitende Sprachsteuerung. Allerdings lassen sich auch bei der Sprachsteuerung des Beckergerätes Missverständnisse nicht vermeiden. So versteht es manchmal eine Adresse und manchmal auch wieder nicht.

Die Sprachsteuerung lässt sich allerdings nicht per Sprachbefehl einschalten - ein ärgerlicher Nachteil gegenüber beispielsweise dem TomTom Go 50.
 
Internetverbindung via WLAN-Hotspot

Wenn man auf dem Smartphone einen WLAN-Hotspot einrichtet und das Becker-Navi damit via Tethering verbindet, dann kann man verschiedene Internetdienste, die so genannten Becker Link2Live Pro Dienste, auf dem Navi verwenden. Die Koppelung via WLAN-Hotspot und Smartphones ist allerdings für Fahrer mit wechselnden Smartphones etwas umständlich. Weil das einzugebende WLAN-Passwort deutlich länger ist als ein typischer Bluetooth-Key – Vertipper sind da geradezu garantiert. Zudem muss der Mobilfunkvertrag des Smartphones natürlich ausreichend dimensioniert sein, um das Datenvolumen stemmen zu können. Und im Ausland drohen erhebliche Zusatzkosten aufgrund von Roaming. Das alles gilt es zu bedenken.

An erster Stelle sind bei den aus den Becker Link2Live Pro-Diensten die Echtzeitverkehrsinformationen zu nennen, die Stau-Vorhersagen exakter machen sollen. Daneben kann man aber auch aktuelle Kraftstoffpreise an den Tankstellen in der Umgebung aus dem Internet abrufen. Und es steht eine Online-Suche nach Adressen und Sonderzielen zur Verfügung.
Die Becker Link2Live Pro-Dienste sind kostenlos, nur eine Registrierung ist Voraussetzung.

Fazit: Gutes Navi, aber etwas teuer

Das Becker professional.6 LMU erledigt seine Kernaufgabe, die Navigation, schnell und zuverlässig. Besonders der schnell reagierende Touchscreen gefiel uns im Test.

Die Verkehrslageinformationen via TMC bieten dagegen gegenüber den Verkehrslagedurchsagen aus dem Autoradio keine Vorteile. Deshalb sollten Sie immer die optionalen Online-Echtzeitverkehrsinformationen verwenden. Gut gefiel uns der Zusatznutzen als Freisprecheinrichtung – dieses Feature haben wir seinerzeit beim Konkurrenzprodukt TomTom Go 50 schmerzlich vermisst.

Preislich liegt das Becker professional.6 LMU mit Marktpreisen von zirka 235 Euro aufwärts zwar deutlich über dem TomTom Go 50, bietet gegenüber diesem aber einen guten kapazitiven Touchscreen anstelle des nicht mehr zeitgemäßen resistiven Touchscreens des Go 50. Und zudem eine Freisprechfunktion. Dieses Duell geht also an das Becker-Gerät, wenn man die Erfordernisse eines Vielfahrers zu Grunde legt.

Anders verhält es sich beim Vergleich mit dem Garmin nüvi 2599, das rund 200 Euro kostet. Das nüvi 2599 besitzt ebenfalls einen kapazitiven Touchscreen und zwar einen sehr guten. Und das Garmin-Modell bietet ebenfalls die Funktionalität einer Freisprecheinrichtung. Vor allem aber kann man auf dem Garmin nüvi 2599 die sehr guten Echtzeitverkehrsinformationen von Garmin Live Traffic via DAB+ ohne gekoppeltes Smartphone empfangen! Man muss sich also nicht mit der WLAN-Hotspot-Koppelung herumschlagen und sich keine Sorgen um Roamingkosten machen, wenn man die Garmin-Verkehrslagedaten beispielsweise im Grenzgebiet empfängt und sich das Smartphone in ein ausländischen Mobilfunknetz einwählt. Und die Echtzeitverkehrsinformationen belasten nicht den Traffic des Mobilfunkvertrags. Der einzige kleine Nachteil: DAB+ steht nicht überall zur Verfügung. Und das Garmingerät ist nur ein 5-Zöller und kein 6-Zöller. Trotzdem hat beim Vergleich Garmin nüvi 2599 gegen Becker professional.6 LMU das Garmin die Nase vorn.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2013263