28.07.2008, 12:47

Hans-Christian Dirscherl

Angetestet

Suchmaschine Cuil will Google Paroli bieten

Eine neue Suchmaschine will Google Paroli bieten. Sie trägt den Namen Cuil und soll angeblich 2,5 bis 4 Mal so viele Websites wie Google erfasst haben. Die Treffer werden kontextbasiert aufgelistet, was in einem ersten Test durchaus überzeugen konnte. Obendrein will Cuil keine Nutzerdaten speichern oder auswerten.
Die Suchmaschine von Google und besonders ihre Vormachtsstellung stellt für rivalisierende Unternehmen ganz offensichtlich eine besonders spannende Herausforderung dar. Immer wieder treten Firmen oder Unternehmensgründer an die Öffentlichkeit mit der Ansage, dass sie eine neue Internetsuchmaschine gegründet haben, die alles besser als Google kann. Vor einiger Zeit versuchte sich beispielsweise Wikipedia-Gründer Jimmy Wales als Suchmaschinen-Urheber und stellte Wikia Searchvor. Deren Suchergebnisse reißen bis jetzt niemanden vom Hocker.
Heute ist nun ein weiterer vermeintlicher/tatsächlicher Google-Konkurrent an den Start gegangen. Das Baby hört auf den Namen Cuil (was wie das englische "cool" ausgesprochen wird) und stammt unter anderem von Anna Patterson, einer ehemaligen Google-Mitarbeiterin, die seinerzeit für den Google-Index zuständig war. Die Frau sollte also wissen, wie eine gute Suchmaschine funktioniert. Pattersons Ehemann Tom Costello ist ebenfalls Mitbegründer von Cuil - Costello hat an der Universität Stanford geforscht und bei IBM gearbeitet. Russell Power, der dritte Mitbegründer des potenziellen Google-Killers, hat in der Vergangenheit ebenfalls beim Google Suchindex mitgearbeitet. Außerdem befasste er sich mit Webrankings und Spam-Entdeckung.
Patterson betont, dass Cuil viel mehr Websites indiziere als Google. Angeblich soll Cuil 120 Milliarden Webseiten erfassen. Bei Google sollen es nach US-Medienberichten zwischen 30 und 50 Milliarden Websites sein. Cuil soll vor allem aber den Kontext einer erfassten Seite besser analysieren und beim Trefferranking mehr auf die tatsächlichen Inhalte anstelle der reinen Seitenpopularität setzen (Google sieht vor allem Seiten als wichtig an, auf die häufig von anderen Seiten aus verlinkt wird). Die Treffer würden von Cuil zudem in Themengruppen eingeteilt und danach sortiert. Die unterschiedlichen Kontexte, in denen ein Suchbegriff auftauchen kann, führen dazu, dass die Trefferliste in verschiedene Bereiche aufgeteilt wird, die sich über Tabs gezielt ansprechen lassen.
Derzeit liegt der Schwerpunkt der Suchergebnisse von Cuil auf englischsprachigen Seiten, speziell für deutschsprachige Themen/Begriffe fehlen manche Web-Seiten noch in der Trefferliste, wie ein Kurztest ergab. Doch die Suchergebnisse können sich insgesamt durchaus sehen lassen. Es werden nämlich nicht nur etliche Treffer angezeigt, die sich von der Suchergebnissen von Google unterscheiden. Die Treffer werden auch ansprechend aufbereitet (fast zu jedem Eintrag gibt es eine Bildvorschau) und es werden relevante verwandte Themen in einem eigenen Kasten rechts oben zur Verfügung gestellt.
Nehmen wir den Suchbegriff "Caesar" als Beispiel: Ein Tab namens "All results" listet alle Treffer auf. Daneben gibt es aber auch eigene Tabs für "Julius Caesar" (unter dem man nur Suchergebnisse findet, die sich mit dem berühmten Römer, den römischen Kaisern und der julisch-claudischen Kaiserdynastie befassen), "Caesar Salad"(hier dreht sich alles um den kulinarischen Bezug), "Sid Caesar" (gemeint ist der US-Komiker) und "more", wo man unter anderem das Computer-Spiel Caesar findet. Das ist eine durchaus überzeugend Aufbereitung der Suchergebnisse.
Innerhalb der jeweiligen Trefferkategorie bietet ein Übersichtskasten "Explore by category" rechts oben den Schnellzugriff auf weitere Unterrubriken. Schauen wir uns als Beispiel wieder "Caesar" an. Wir klicken auf den Tab "Julius Caesar", uns interessiert also nicht der Salat oder der US-Komiker, sondern der berühmte Schürzenjäger, Feldherr und Politiker Gaius Julius Caesar. Der "Explore bei category"-Kasten bietet jetzt die Möglichkeit an, die Suchergebnisse zu verfeinern, indem er die Treffer vorsortiert nach "alte römische Familien" (die Julier waren eine solche), "julisch-claudische Dynastie" (wie die erste Dynastie der römischen Kaiser heißt, die sich von Julius Caesar ableitet), nach antiken römischen Biografen (hier findet man antike Geschichtsschreiber, die Biografien oder zumindest historische Werke zu berühmten Römern hinterlassen haben), Werken von William Shakespeare mit Bezug zu Caesar, römischen Adelsgeschlechtern und sogar zu "römischen Statthaltern von Spanien" (was historisch keineswegs falsch ist, weil die römischen Provinz Spanien für Caesar und dessen Nachfolger mehrfach eine wichtige Rolle spielte) aufführt. Google kann mit dieser sehr differenzierten Aufbereitung der Treffer nicht mithalten, der etablierte Suchmaschinengigant liefert lediglich am Ende der ersten Trefferseite einige Hinweise zu verwandten Suchvorgängen. Gerade wenn man sich mit einem Thema überhaupt noch nicht auskennt, ist die Vorsortierung von Cuil sehr hilfreich.
Ähnlich verhält es sich beim Suchbegriff "VW Käfer". Zwar hat man hier nicht mehrere Tabs zur Auswahl, weil der Kontext durch die Kombination aus VW und Käfer schon klar definiert ist und die Tabs somit überflüssig sind. Aber der "Explore by Category"-Kasten existiert und erlaubt eine differenzierte Einteilung der Suchergebnisse in Volkswagen, Volkswagen-Führungskräfte, Volkswagen-Fahrzeug-Modelle und sogar in "Fahrzeuge mit Heckmotor". Letzteres setzt eine wirklich intensive und prinzipiell gelungene Einordnung des Kontextes voraus, wenn leider auch einige typische Heckmotor-Autos wie der Fiat 500 oder der Fiat 126 und der Volkswagen Typ 3 sowie 4 fehlen. Dafür listet Cuil hier aber sogar den seltenen NSU Prinz auf. Warum Cuil allerdings beim Suchbegriff VW Käfer noch einen eigenen Abschnitt für Ford-Fahrzeuge anzeigt, bleibt ein Rätsel.
Anders verhält es sich übrigens, wenn Sie anstelle von "VW Käfer" nur "Bug" eingeben. Dann bietet Ihnen Cuil wieder verschiedene Tabs unter denen Sie auswählen können, je nachdem ob Sie etwas zu Insekten, Fehlern oder Volkswagen suchen. Der Bug entsprechende deutsche Suchbegriff Käfer führt übrigens zu keinem Ergebnis.
Alle in allem ist Cuil (was laut den Suchmaschinen-Machern ein altes irisches Wirt für Wissen ist) im Unterschied beispielsweise zu Wikia Search einen regelmäßigen Blick wert und sollte gebookmarkt werden.
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