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Amazon Kindle Paperwhite 3 (2015) im Test

26.06.2015 | 09:09 Uhr |

Was soll daran neu sein? Der neue Amazon Kindle Paperwhite 3 sieht aus wie der Vorgänger aus dem Jahr 2013. Doch beim Einschalten ist dann plötzlich alles anders.

Fast zwei Jahre hat es gedauert, dass Amazon ein neues Modell seines Ebook-Readers Kindle Paperwhite auf den Markt bringt. Gegenüber dem Vorgänger, dem Kindle Paperwhite 2 , wartet das 2015er-Modell mit zwei großen Neuerungen auf: So besitzt der Paperwhite 3 jetzt ein Display mit 300ppi-Auflösung (1.448×1.072 Bildpunkte gegenüber bisher 1.024x758 Pixeln). Zum Zweiten unterstützt der neue Reader die Schriftart Bookerly, die speziell für das Lesen auf digitalen Geräten entwickelt wurde und laut Amazon „schnelleres und augenfreundlicheres Lesen“ verspricht.

Ansonsten legen die Verbesserungen eher im Detail und sind erst auf den zweiten Blick sichtbar. Beibehalten wurde insbesondere auch das bisherige Gehäuse-Design mit dem leicht versenkten 6-Zoll-Display. Optisch unterscheiden sich die Paperwhite-Modelle 2 und 3 abgesehen von der Farbe des Kindle-Logos praktisch nicht. Gegenüber dem im Vorjahr vorgestellten Topmodell Kindle Voyage mit durchgehender, planer Glasoberfläche sieht der neue Paperwhite 3 also aus „wie früher“.

Neuer Ebook-Reader mit 300 ppi-Display und neuer Schrift

Knapp 120 Euro verlangt Amazon für das aktuelle Lesegerät, das ist der Preis für das Modell „mit Spezialangeboten“. Darunter versteht Amazon eingeblendete Werbung auf der Startseite bzw. im Bildschirmschoner, bei eigentlichen Lesen sieht man davon nichts. Ohne diese Werbung bezahlt man 20 Euro mehr. Die Modelle, die über WLAN hinaus eine Mobilfunkkarte für die Nutzung im Handynetz in mehr als 100 Ländern integriert haben, kosten jeweils 60 Euro mehr, also rund 180 bzw. 200 Euro.

Der Display-Unterschied gegenüber dem Vorgänger ist auf den ersten Blick sichtbar und nach kurzer Zeit möchte man die höhere Auflösung nicht mehr missen. Durchaus positiv sticht auch neue Bookerly-Schrift ins Auge, wobei viele Menschen sowohl am PC als auch am Ebook-Reader gewohnheitsmäßig einen bestimmten Font bevorzugen. Das Eigenlob „Leseerlebnis der nächsten Generation“ trägt dann doch ein bisschen zu dick auf.

Äußerlich kaum zu unterscheiden: Beim neuen Paperwhite 3 (links) ist der Kindle-Aufdruck dezenter als beim Vorgängermodell aus dem Jahr 2013.
Vergrößern Äußerlich kaum zu unterscheiden: Beim neuen Paperwhite 3 (links) ist der Kindle-Aufdruck dezenter als beim Vorgängermodell aus dem Jahr 2013.
© Amazon

Amazon Kindle Voyage gegen Tolino Vision 2 im Test

Beim Kontrast bewegt sich das neue Display auf hohem Niveau, vergleichbar mit dem des Voyager-Modells , das ebenfalls eine Auflösung von 300 ppi hat. Nichts zu beanstanden gibt es zudem bei der Beleuchtung, die den gleichmäßig ausleuchtet und sich in 24 Stufen in der Helligkeit einstellen lässt. Nur wird die Beleuchtungsstärke beim neuen Paperwhite anders als bei Amazons Top-Reader nicht automatisch an das Umgebungslicht angepasst, man muss sie also manuell einstellen.

Geradezu überragend zeigt sich der Bildschirm in heller Umgebung: Selbst in direktem Sonnenlicht erlaubt die matte E-Ink-Anzeige mit Schwarz-Weiss-Technik im Gegensatz zu dem Bildschirmen von Smartphones und Tablet-PCs entspanntes Lesen – sogar im direkten Sonnenlicht am Strand.

Amazon-Ökosystem, Lesen und Komfort-Funktionen

Viele Jahre hinkten die anderen Anbieter von Ebook-Readern Amazon hinterher, was die Integration von Hardware, Shop und digitalen Büchern angeht. Hier hat die Konkurrenz um den Tolino und Co. zwar ordentlich aufgeholt, bei Amazon funktioniert das aber nach wie vor nahezu perfekt. Egal, ob man ein Ebook auf der Webseite, im Lesegerät oder über die Kindle-App auf dem Smartphone oder Tablet kauft, Sekunden später steht es zum Lesen bereit.

Praktisch ist die Whispersync genannte Synchronisation, welche die zuletzt gelesene Seite automatisch speichert, so dass man auf einem anderen Gerät (mit dem gleichen Benutzerkonto) stets an der richtigen Stelle weiterliest. Das gleiche gilt für den Vokabeltrainer, der Wörterbuchdefinitionen in einer Vokabelliste zusammenstellt. Mit „X-Ray“ schließlich lassen sich zu den relevanten Inhalten, Personen oder Orten eines Buches zusätzliche Infos aus Wikipedia abrufen. Dies sind nur drei Beispiele von vielen, das Benutzerhandbuch erklärt alle Möglichkeiten.

Die neue Schrift „Bookerly“ ist durchaus angenehm, macht aber noch lange kein „Leseerlebnis der nächsten Generation“, wie Amazon verspricht.
Vergrößern Die neue Schrift „Bookerly“ ist durchaus angenehm, macht aber noch lange kein „Leseerlebnis der nächsten Generation“, wie Amazon verspricht.

Dessen ungeachtet lässt sich der neue Paperwhite 3 wie gewohnt gut bedienen, die drei Touch-Bereiche auf dem Display ruft man zielsicher auf, zudem sind die Menüs gut strukturiert. Die im Herbst 2014 auch in Deutschland gestartete Lese-Flatrate Kindle Unlimited lässt am Lesegerät funktionell kaum Wünsche offen. Wer aber viel liest, stellt schnell fest, dass in der monatlichen Gebühr von 9,99 Euro bei weitem nicht alle Bücher enthalten sind.

Vier Ebook-Reader im Vergleichstest

Drei kritische Anmerkungen gibt es dennoch: Ersten bindet man sich beim Kauf (kommerzieller) Bücher de facto an Amazon, denn so gut wie alle Ebooks sind DRM-geschützt. Werke im offenen ePub-Format, die Webshops wie Ebook.de für die Lesegeräte anderer Hersteller anbieten, lassen sich legal nicht auf dem Kindle nutzen – auch nicht mit dem Verwaltungs- und Konvertierungstool Calibre .

Der zweite Aspekt betriff den Datenschutz: Angaben zum Buch wie „Typische Lesezeit: 4 Stunden und 29 Minuten“, „Im Kapitel verbleidend: 11 Minuten“ oder die bereits genannte Cloud-Synchronisierung lassen erahnen, was Amazon von seinen Lesern so alles trackt – hier ist der Nutzer gedruckter Bücher weniger transparent.

Schließlich bietet Amazon in Deutschland anders als in den USA keine Verleihfunktion von Ebooks an Freunde. Während amerikanische Amazon-Kunden gekaufte Digitalbücher 14 Tage an jedermann verleihen können – in dieser Zeit können sie die Bücher wie bei gedruckten Werken selbst nicht lesen – bleibt hierzulande nur die Familienbibliothek . Sie erlaubt die gemeinsame Nutzung gekaufter Ebooks, Kindle-Apps und Hörbücher innerhalb der Familie für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder, ohne dass man Inhalte doppelt kaufen müsste.

Der 70 Euro teurere Kindle Voyage bietet gegenüber dem neuen Paperwhite ein schickeres Design und tastenähnliche Sensoren zum Umblättern der Seiten.
Vergrößern Der 70 Euro teurere Kindle Voyage bietet gegenüber dem neuen Paperwhite ein schickeres Design und tastenähnliche Sensoren zum Umblättern der Seiten.
© Amazon

Fazit: Nicht schick, aber ein ausgezeichneter Reader

Der neue Paperwhite-Reader ordnet sich zwischen dem einfachen Kindle ohne Displaybeleuchtung zum Preis von 59 Euro und dem Flaggschiff Kindle Voyage (ab 190 Euro) ein. Vom teuren Bruder hat er das hochauflösende Display bekommen, das ihn zudem vom Vorgängermodell unterscheidet. Nur deshalb aber den Paperwhite 2 durch die dritte Generation zu ersetzen, lohnt sich kaum. Ebenso muss man sich überlegen, ob einem das schickere Design, die automatische Helligkeitsanpassung der Displaybeleuchtung und die zusätzlichen, seitlich angebrachten Sensoren zum Umblättern beim Voyage-Reader den Aufpreis von 70 Euro wert sind. Das zweite neue Feature des Paperwhite 3, die Bookerly-Schrift, ist hingegen nur eine Sache der Software. Sie erhält über kurz oder lang vermutlich auch Einzug in die übrigen Kindle-Modelle.

Ansonsten ist auch der neue Kindle Paperwhite 2015 ein ausgezeichneter Ebook-Reader, der in der Liga der Konkurrenzmodelle Aura und Aura H2O von Kobo sowie vom Tolino Vision 2 mitspielt. Ob man sich in die Amazon- oder die offenere ePub-Welt begeben möchte, ist vor allem eine persönlich Entscheidung. Klar aber ist, es sind zwei getrennte Welten: Kauft man ein Amazon-Gerät, ist man damit an den US-Konzern gebunden. Ach ja, wasserdicht ist das Amazon-Lesegerät im Gegensatz zu immer mehr Konkurrenzmodellen auch nicht: Der Einsatz in der Badewanne oder im Pool ist deshalb nur bedingt zu empfehlen.

Hersteller und Reader

Amazon Kindle Paperwhite 3

Amazon Kindle Voyage

Preis

ab 120 Euro

ab 190 Euro

Technische Daten

Bildschirmgröße / Auflösung

6 Zoll / 1.448×1.072

6 Zoll / 1.440×1.080

Gewicht (Gramm)

217 g (WLAN)

180 g (WLAN)

Maße (Breite x Höhe x Dicke)

169 x 117 x 9,1 mm

162 x 115 x 7,6 mm

Displaytechnik

E-Ink Carta, kapazitiv

E-Ink Carta, kapazitiv

Audio-Ausgang (3,5 mm) / Lautsprecher

nein / nein

nein / nein

Interner Gerätespeicher / davon frei

4 GByte / 3,0 GByte

4 GByte / 3,0 GByte

Geräteanbindgung

USB 2.0, WLAN (b,g,n)

USB 2.0, WLAN (b,g,n)

Erweiterung mit Kartenslot

nein

nein

Ausstattung

Touchscreen / Tasten / Tastatur

ja / nein / nein

ja / Sensoren / nein

Schriftgröße wählbar

8 Stufen

8 Stufen

Schriftart wählbar

7 Typen

6 Typen

Unterstützte Formate

Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW), TXT, PDF, MOBI, PRC, HTML, DOC, DOCX und Bilder

Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW), TXT, PDF, MOBI, PRC, HTML, DOC, DOCX und Bilder

Kopierschutzformate (DRM)

AZW (Kindle)

AZW (Kindle)

Kontrast einstellbar

nein

nein

Beleuchtetes Display

24 Helligkeitsstufen

24 Helligkeitsstufen, automatischer Sensor

Laden der Bücher über: Mobilfunk, WLAN, USB

gegen Aufpreis (60 Euro) / ja / ja

gegen Aufpreis (60 Euro) / ja / ja

Verleihdienst

Amazon Prime und Kindle Unlimited

Amazon Prime und Kindle Unlimited

Schalter für WLAN

über Menü

über Menü

Aufladen über USB / Ladegerät

ja / optional

ja / optional

Zubehör / Lieferumfang

USB-Kabel, Kurzanleitung, Anleitung als Ebook

USB-Kabel, Kurzanleitung, Anleitung als Ebook

Funktionsprüfung

Lesbarkeit bei Sonne / diffus / Kunstlicht / Dunkelheit

sehr gut / sehr gut / sehr gut /sehr gut

sehr gut / sehr gut / sehr gut /sehr gut

Entspiegelung

sehr gut

sehr gut

Formatwechsel (hoch / quer)

manuell

manuell

Seitenwechsel (Geschwindigkeit)

ca. halbe Sekunde

ca. halbe Sekunde

Akkulaufzeit (Herstellerangabe)

sechs Wochen

sechs Wochen

Titelsuche / Volltextsuche

ja / ja

ja / ja

Gehe zu Seite bzw. Pos. / Kapitel / 1. Seite / Letzte Seite

ja / ja / ja / ja

ja / ja / ja / ja

Favoriten / Buchsuche / Letzte Bücher

ja / ja / ja

ja / ja / ja

Kommentare / Hervorhebungen / Lesezeichen

ja / ja / ja

ja / ja / ja

Lese-Apps für

PC, Mac, Android, Blackberry, iOS, Windows Phone, Kindle Fire

PC, Mac, Android, Blackberry, iOS, Windows Phone, Kindle Fire

Zusatzfunktionen: Fotos / MP3s / Videos / Web-Browser

ja / nein / nein / ja

ja / nein / nein / ja

Extras

Twitter, Facebook, Amazon-Cloud, Kindersicherung, Vokabeltrainer, Leihbibliothek gegen Gebühr (Amazon Prime), Wikipedia und Wörterbücher

Twitter, Facebook, Amazon-Cloud, Kindersicherung, Vokabeltrainer, Leihbibliothek gegen Gebühr (Amazon Prime), Wikipedia und Wörterbücher

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