18.03.2005, 10:49

Michael Ludwig, Markus Wagenseil

Alleskönner

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Doch ist ein Media-Center-System tatsächlich in der Lage, Spezialisten wie DVD-Recorder und/oder CD-Player zu ersetzen?

TV-Sendungen und Filme aufzeichnen

Fernsehempfang gehört bei einem Media-Computer zum Standardrepertoire. Problemlos gelingt das, wenn das Signal vom analogen Kabelnetz oder der Hausantenne kommt. Wer digitales Fernsehen via Satellit oder das neue DVB-T nutzt, muss genauer hinsehen. Denn nicht jede TV-Tunerkarte oder Media-Center-Oberfläche unterstützt diese Techniken. Davon abgesehen, bietet ein Media-Center-Rechner dieselben Funktionen wie ein Festplatten-Recorder, etwa das zeitversetzte Ansehen von Programmen (Timeshifting) oder das Aufzeichnen von Sendungen mit Hilfe eines Timers.
Ein elektronischer Programmführer (Electronic Program Guide) gehört zur Standardausrüstung und liefert Informationen zum Fernsehprogramm der nächsten Tage. Im Idealfall können Sie sogar gezielt nach einzelnen Genres oder Schauspielern suchen, etwa nach allen Filmen mit Hollywoodstar Halle Berry, die in den kommenden Tagen auf allen Kanälen gesendet werden. Eine TV-Sendung direkt auf DVD aufzeichnen kann ein Media-Center, gespeichert wird aber immer zuerst auf Festplatte. Der Nutzer muss die Aufnahmen meist nachträglich auf eine Video-DVD brennen.

DVDs abspielen

Zu den Geräten, die ein Media-Center-PC problemlos ersetzen kann, zählt der DVD-Spieler. Funktionen zur Wiedergabe von DVDs gehören bei allen Media-Computern zur Standardausstattung. Unterschiede gibt es beim Komfort. Zwar lassen sich auch mit Media-Center-Programmen Sonderfunktionen einer DVD aufrufen, etwa das Umschalten der Blickwinkel (Multi-Angle). Allerdings muss sich der Nutzer dazu erst umständlich durch etliche Untermenüs klicken.
Unschlagbar ist der Media-Center-PC, wenn es um das Abspielen von HD-DVDs (High Definition) geht. Noch kann kein DVD-Player die Scheiben mit hochauflösenden Bildern wiedergeben. Dem Computer bereiten die Daten im Format Windows Media Video (WMV) dagegen kein Problem. Auf einem HD-Display machen Aufnahmen mit bis zu 1080 Zeilen selbst feinste Bilddetails sichtbar. Zur Wiedergabe einer Audio-DVD ist eine spezielle Soundkarte nötig; eine Super-Audio-CD (SACD) kann kein Rechner abspielen. Dafür ist weiterhin ein separates Wiedergabegerät erforderlich.

Musik, Fotos und Videos verwalten

Wer viele Gigabyte an Musik, Filmen und Fotos auf seiner Festplatte angesammelt hat, kennt das Problem: Wo abspielen? Bisher gab es dafür nur eine praktikable Lösung: die Daten auf CD oder DVD brennen und dann auf einem Multi-Format-DVD-Spieler ausgeben, der auch MP3, Divx oder WMA versteht. Der Media-Center-Rechner macht diesen Umweg überflüssig. Er erhält die Daten über ein Heimnetzwerk, das Internet oder über Speicherkarten, legt sie auf der eigenen Festplatte ab und gibt sie anschließend über den Monitor, ein TV-Gerät oder die Boxen der Surround-Anlage aus. Ein weiterer Pluspunkt des Media-Center-Rechners ist, dass sich mit seiner Hilfe problemlos Musikarchive oder Videosammlungen auf der Festplatte verwalten lassen.

Filme und Musik herunterladen

Ein Vorteil eines Media-Center-Systems ist seine Kommunikationsfähigkeit. Über eine DSLVerbindung holt der Rechner beispielsweise Filme aus Online-Videotheken, auf Wunsch auch weiterführende Informationen zu den Schauspielern aus einer Filmdatenbank. Auch Radiofreunde kommen nicht zu kurz: Sie können Musiksendungen oder Nachrichten aus dem Internet beziehen. Diese Funktionen bieten herkömmliche Geräte aus der Unterhaltungselektronik nicht oder erst in Ansätzen. Firmen wie Philips, Onkyo oder Pinnacle bieten Media-Receiver, die via Netzwerk Musik, Filme, Fotos vom PC zur AV-Anlage übertragen. Einige dieser Geräte empfangen auch Radiostationen aus dem Internet oder Video-on-Demand.

Ladestation für mobile Medienspieler

Die Unterhaltung endet nicht an der Haustür. Apples iPod hat den Trend zum mobilen Musikarchiv eingeläutet. Und wer sich unterwegs einen Film oder Fotos ansehen möchte, greift zum Multimedia-Player von Archos, Creative oder iRiver. Was liegt näher, als den Media-Center-Rechner als Datenladestation für die mobilen Geräte zu nutzen? Doch das klappt derzeit nur ansatzweise. Wer MP3-Dateien oder eine MPEG-Datei auf seinen mobilen Media-Player übertragen möchte, muss das unter der normalen Windows-Oberfläche bewerkstelligen. Denn die meisten Media-Center-Oberflächen unterstützen diese Funktion nicht. Eine Ausnahme stellt in diesem Zusammenhang Microsofts Windows XP Media Center Edition 2005 dar.

Echte Alternative

Media-Center-Systeme haben das Zeug dazu, fester Bestandteil der Audio-Video-Landschaft zu Hause zu werden. Am ehesten dürften Media-Center-Rechner und Set-Top-Boxen wie Activy von Fujitsu-Siemens den DVDPlayer und Videorecorder ersetzen (siehe auch Kasten Seite 34). Eingefleischte Audio-Fans werden dagegen sicherlich nicht ihren SACD-Spieler (Super-Audio-CD) einmotten und sich statt einer Musik-CD eine MP3-Datei zu Gemüte führen. Als zentrales Medienarchiv ist ein Media-Center-System eine feine Sache. Die Suche nach bestimmten DVDs, Musik-CDs oder Fotos, die auf Speicherkarten lagern, hat damit endgültig ein Ende. Und außerdem lassen sich die digitalen Inhalte über ein Heimnetzwerk verteilen, etwa auf ein Notebook oder einen AV-Receiver in einem anderen Zimmer. Und noch ein Punkt, der für den Einsatz eines Media-Center-Rechner spricht: Wer DVDs oder Fernsehsendungen im High-Definition-Format genießen möchte, kommt derzeit definitiv nicht um ein solches System herum.
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