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Adobe Photoshop Creative Cloud im PC-WELT-Test

19.06.2013 | 13:00 Uhr |

Das Profi-Bildprogramm Photoshop erscheint in der neuen Version Photoshop CC mit interessanten Verbesserungen – und mit einer völlig neuen Vertriebspolitik. PC-WELT hat den Pixelmeister bereits getestet und sagt Ihnen, ob sich ein Update lohnt.

Erst im Mai 2012 erschien Photoshop CS6, und früher als sonst üblich präsentiert Hersteller Adobe schon jetzt eine neue Version. Die heißt Photoshop CC, benannt nach der sogenannten Creative Cloud. So nennt Adobe seine Reihe von Grafikprogrammen – und die meisten davon gibt es nur noch zur Miete, darunter auch Photoshop CC.

Neue Talente für den Raw-Dialog

Deutlich verbessert hat der Hersteller vor allem den Dialog für die hochwertigen Raw-Dateien, unter anderem mit vereinfachter Perspektivkorrektur und Retusche.

Der Retuschepinsel im Raw-Modul arbeitete bisher nur kreisförmig. So konnte man Sensorstaub oder Pickel retuschieren. Nun erfasst die Funktion beliebig geformte Umrisse – sie lässt also erstmals auch Telegrafendrähte oder Zaunpfosten spurlos verschwinden. Man erledigt jetzt viel mehr Aufgaben direkt im Raw-Dialog, ohne ins Photoshop-Hauptprogramm wechseln zu müssen.

Das Raw-Modul liefert auch neue Schaltflächen für die Bildgeometrie: Per Klick werden schiefe Horizonte oder stürzende Linien automatisch korrigiert. Das ging bisher nur mit Fummelei von Hand; die Automatik-Ergebnisse lassen sich jederzeit mit den bekannten Perspektive-Reglern verfeinern – eine tolle Erleichterung bei Architekturfotos, aber auch bei Produktaufnahmen oder Bildern von einzelnen Fenstern oder Türen, die seitlich aufgenommen wurden.

Neu ist der Regler für das Seitenverhältnis: Er staucht oder dehnt das Bild und sorgt so nach einer Entzerrung für realistischere Proportionen. Zudem blendet der Raw-Dialog erstmals ein Linienraster zur Orientierung ein, die Linienabstände sind regelbar.

Dritte Verbesserung in der Raw-Abteilung: Der neue Radial-Filter ändert runde oder ovale Auswahlbereiche mit weichem Übergang. So lässt sich ein Hauptmotiv in beliebigen Bildzonen unauffällig betonen – machen Sie den Hintergrund blasser, und zaubern Sie mehr Knack in den Vordergrund. Der Radial-Filter ändert unter anderem Farbtemperatur, Belichtung, Kontrast, Sättigung und Schärfe im ausgewählten Bereich. Wahlweise wirkt die Funktion innerhalb oder außerhalb der Auswahl. Bei Bedarf legt man gleich mehrere Radial-Filter an.

Bessere Filtertechnik

Schon bisher konnte man den Raw-Dialog nicht nur auf die hochwertigen, aber auch speicherfressenden Raw-Dateien anwenden. Auch ganz normale JPEG-Fotos ließen sich hier bearbeiten.

Photoshop CC bietet die Raw-Funktion nun erstmals auch als Filter-Befehl an. Damit verändert der Raw-Befehl auch Videoclips oder einzelne Ebenen einer Montage. Diese neue Vielseitigkeit bei der Raw-Funktion macht Sinn. Denn schon immer vereinte der Raw-Dialog in einem einzigen kompakten Dialog viele hochwertige Techniken, darunter Kontrastkorrektur, Rauschreduzierung, Scharfzeichnen, Perspektivverbesserung und Schwarzweiß. Auch kontrastreiche HDR-Montagen mit hoher 32-Bit-Farbtiefe verarbeitet der Raw-Dialog nun einfacher.

Wie die meisten Filter-Befehle bietet Photoshop auch den Raw-Dialog als verlustfreien Smartfilter an. Die Änderungen lassen sich also jederzeit verfeinern, abschalten, auf einzelne Bildzonen begrenzen, gleichmäßig dämpfen und auf andere Motive übertragen.

Auch andere Photoshop-CC-Verbesserungen gibt es als Smartfilter. Sie lassen sich damit ebenfalls verlustfrei anwenden und wieder abschalten; außerdem eignen sich solche Filter damit auch für Videos innerhalb von Photoshop. So stehen der Verflüssigen-Filter und die Weichzeichner-Galerie für die Smartfilter-Technik zur Verfügung. Ebenfalls verlustfrei anwendbar: die verbesserte Scharfzeichnung und der neue Befehl gegen Verwacklungen.

Verwackelt? Fast kein Problem

Der Befehl "Verwacklung reduzieren“ erscheint erstmals in Photoshop CC. Die Funktion verbessert verwackelte Bildpartien deutlich; Motivzonen ohne Störung werden nicht mitverändert.

Photoshop wählt zunächst automatisch einen Bildteil aus, in dem die Verwacklungsrichtung analysiert wird. Auch die Stärke der Korrektur entscheidet Photoshop zunächst passend zum Bild. Größe und Position des analysierten Bereichs kann man aber ebenso ändern wie alle Reglerwerte.

Das Ergebnis lässt sich vielseitig verfeinern. Der Regler Verwacklungsspur-Limit begrenzt die räumliche Ausdehnung des Effekts, die Verbesserung wirkt dann unauffälliger. Der Glättung-Regler unterdrückt Bildrauschen, dass durch die Scharfstellung entstehen kann; niedrige Glättung-Werte lassen mehr Rauschen zu, sorgen aber auch für einen besseren Schärfe-Eindruck.

Der Filter verwendet wahlweise auch mehrere Verwacklungsmuster gleichzeitig. Zum Beispiel kann die Hand des Fotografen gezittert haben, während sich gleichzeitig Gräser bewegten. Generell sollte man in komplexen Szenen wie im abgebildeten Bahnhofsfoto mehrere Analysebereiche über unterschiedlichen, markant verwackelten Stellen anlegen. Nach Bedarf zeichnet man eigene Verwacklungsrichtungen von Hand ein, aber das Ergebnis wird selten besser als bei der automatischen Analyse.

Praktisch: Man kann die Filtervorschau auf eine kleine Zoomstufe stellen und immer noch eine 100-Prozent-Lupe über das Bild ziehen. Die Vergrößerung innerhalb der Lupe lässt sich noch von 50 bis 400 Prozent umstellen, und wahlweise berechnet Photoshop die Korrektur neu auf Basis des Bildteils in der Lupe.

Schärfer ohne Nebenwirkungen

Unter den Photoshop-Scharfzeichnern lieferte der Befehl „Selektive Scharfzeichner“ schon immer die besten Ergebnisse – er sorgte aber auch schnell für zusätzliche Bildstörungen, sofern das Foto schon ein leichtes Grundrauschen enthielt. Um diese Probleme zu vermeiden, haben Bildbearbeiter oft weniger stark scharfgestellt als eigentlich gewünscht.

Der Selektive Scharfzeichner in Photoshop CC arbeitet nun weit besser: Das Dialogfeld erhielt einen zusätzlichen Regler zur Rauschunterdrückung. Doch schon ohne jedes Experimentieren von Hand schützt die Funktion homogene Bildzonen nun optimal gegen Entstellung durch Scharfzeichnung – Hautpartien, Himmel oder Hintergründe ändern sich also nicht mehr ungewollt.

Wie bisher schon speichert der selektive Scharfzeichner eigene Voreinstellungen und bearbeitet Lichter oder Schatten wahlweise nur abgeschwächt. Diese Funktionen sind nun leichter zugänglich.

Besser hochrechnen

Manchmal erhält man beispielsweise per Facebook kleine Fotodateien, die noch auf eine höhere Pixelzahl großgerechnet werden sollen. So eine Vergrößerung wirkt oft verschwommen. 

Kleine Bildchen größer rechnen soll Photoshop CC nun besser erledigen. Dazu veränderten die Programmierer erstmals seit langem den bekannten Bildgröße-Dialog, der nun auch eine Vorschau erhält. Neu bei den Berechnungsverfahren ist die Vorgabe Details erhalten.

Die mit Photoshop CC hochgerechneten Bilder wirken in unseren Tests etwas kontrast- und detailreicher als Varianten nach dem alten Verfahren, ohne Treppenlinien zu zeigen. Allerdings liefern die Ergebnisse auch erkennbar mehr Rauschen; diese Störung lässt sich zwar direkt im Bildgröße-Dialog mit dem neuen Regler für die Rauschreduzierung dämpfen, aber dann sinkt auch der Detailreichtum insgesamt.

Die neue Technik produziert also keine Wunder. Wie üblich lässt sich eine vergrößerte Bilddatei  durch vorsichtiges Scharfzeichnen noch verbessern – und das geht besonders gut mit dem neuen, aufgewerteten Scharfzeichner in Photoshop CC (siehe oben).

Neue Möglichkeiten beim Grafikdesign

Photoshop zeigt Bilder in beliebigen Umrissen, beispielsweise innerhalb eines Puzzlestücks oder Kleeblatts. Besonders beliebt sind derzeit Rechtecke mit abgerundeten Ecken, die an Kreditkarten oder Bierdeckel erinnern. Und diese abgerundeten Ecken gestaltet Photoshop CC vielseitiger als bisher: Die Rundung lässt sich nun jederzeit einfach ändern – bisher musste man sich vorab auf einen Radius festlegen. Wahlweise bearbeitet man die Ecken sogar einzeln. So bleibt etwa eine Ecke bei Bedarf spitzer als andere.

Für komplexe Montagen liefert Photoshop noch eine weitere Funktion: Der Befehl „Ebene isolieren“ räumt die Liste im Ebenen-Bedienfeld auf – angezeigt wird dann nur noch das gewählte Objekt. Die Montage bleibt jedoch vollständig sichtbar, und sobald der Gestalter eine andere Ebene im Bild anklickt, erscheint sie als weiteres Objekt im Ebenen-Bedienfeld. Ein Klick im Bedienfeld reicht, um wieder alle Ebenenminiaturen anzuzeigen.

Photoshop CC bietet zudem alle Funktionen für 3D-Modelle und Bildanalyse der bisherigen Fassung Photoshop CS6 Extended. Eine getrennte, teurere Extended-Version gibt es bei Photoshop CC also nicht mehr. Zu Photoshop gehört auch wieder die nützliche Bildverwaltung Bridge. In der Version CC zeigt Bridge jedoch kaum Änderungen gegenüber der bisherigen CS6-Ausgabe.

Fazit zum Test des neuen Adobe Photoshop CC

Photoshop CC bietet Neuheiten besonders für engagierte Fotografen: Der verbesserte Scharfzeichner und der neue Befehl gegen Verwacklungen werten Bilder spürbar auf und bringen klare Vorteile gegenüber den Vorgängerversionen. Wer Raw-Dateien verwendet, weiß auch die Verbesserungen im Raw-Dialog zu schätzen: Die Möglichkeiten des Radialfilters gab es bisher gar nicht, bei Perspektivkorrektur und Retusche haben die Programmierer das Verfahren massiv vereinfacht.

Weniger tat sich allerdings in anderen Bereichen wie Montagetechnik. Kontrastkorrektur und Bildverwaltung erscheinen sogar praktisch unverändert, ebenso wie die Bedienerführung.

Photoshop zur Miete – so funktioniert's

Den neuen Photoshop CC gibt es nur noch im Abonnement. Wer das Abo kündigt, kann Photoshop CC nicht weiter nutzen. Bei Redaktionsschluss verlangte Hersteller Adobe gut 24 Euro pro Monat im Rahmen eines Jahres-Abos. Prüfen Sie jedoch unter www.adobe.com/de/products/photoshop.html , ob es inzwischen günstigere Einführungspreise gibt.

Grafikprofis abonnieren vielleicht nicht nur Photoshop, sondern die ganze sogenannte Creative Cloud. Dazu gehören neben Photoshop noch viele andere große Programme wie Premiere, Indesign, Acrobat und Lightroom. Der Preis liegt bei gut 61 Euro brutto monatlich, sofern Sie für ein Jahr abschließen.

Den Photoshop-Mietern verspricht Adobe interessante Vorteile: Der Hersteller will per Internet regelmäßig neue Funktionen nachliefern. Man muss also nicht mehr Jahre auf den nächsten Versionssprung warten. Abonnenten erhalten zudem 20 GB Online-Speicherplatz bei Adobe und können alle Daten auf mehreren Rechnern immer auf dem neuesten Stand halten. Abgleichen kann man aber nicht nur Bilder, sondern beispielsweise auch die aufwändigen Photoshop-Voreinstellungen: Sobald sich der Nutzer auf einem beliebigen Rechner anmeldet, bietet Photoshop die ganz persönlichen Muster, Pinselspitzen und Aktionen (gespeicherte Befehlsfolgen) an.

Wer Photoshop CC nicht abonnieren will, kann weiterhin den Vorgänger Photoshop CS6 kaufen. Dieses Programm vom Mai 2012 lässt sich nach Einmalzahlung unbegrenzt lange nutzen, ist also nicht an ein Abonnement gebunden (Preis für die Vollversion derzeit 880 Euro, das Upgrade kostet 270 Euro). Adobe will Photoshop CS6 weiterhin anbieten und auch für neue Kameras und Betriebssysteme aktualisieren.

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