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AMD Phenom X4 9100e

12.06.2008 | 13:40 Uhr |

Stromsparfuchs: Nur 65 Watt soll die typische Leistungsaufnahme des AMD-Vierkerners Phenom X4 9100e betragen. Wir prüfen, ob die 1,8-GHz-CPU auch eine ansprechende Rechenleistung erreicht.

Mit einer Thermal Design Power (TDP) von lediglich 65 Watt ist der Phenom X4 9100e nach Angaben von AMD der sparsamste Vierkern-Prozessor auf dem Markt - deshalb das e (steht für „energy-efficient“) am Ende der Modellnummer. Die vergleichsweise niedrige Leistungsaufnahme für Quad-Cores - üblich sind bei AMD und Intel zwischen 95 und 136 Watt – erreicht AMD durch einen strengen Selektionsprozess und die niedrige Taktrate von 1,8 GHz. AMDs Stromsparfuchs ist offiziell nur für PC-Hersteller und den Großhandel erhältlich, dürfte aber über den Graumarkt auch bald den Weg zu den Endkunden finden. Ein Straßenpreis für den Phenom X4 9100e ist daher nicht exakt kalkulierbar, der Stromsparfuchs dürfte aber ungefähr so viel kosten wie der Phenom X4 9550 – aktuell also circa 140 Euro.

Stromverbrauch: Im Leerlauf sowie unter Last hatte das Testsystem des Phenom X4 9100e mit 157 respektive 203 Watt den niedrigsten Verbrauch aller bisher von uns getesteten AMD-Prozessoren mit mehr als zwei Rechenkernen. Zum Vergleich: AMDs Flaggschiff Phenom X4 9850 Black Edition benötigte mit 185 beziehungsweise 311 Watt zwischen 30 und 53 Prozent mehr Energie. Und selbst der Triple-Core AMD Phenom X3 8750 genehmigte sich unter Volllast mit 238 Watt noch gut 17 Prozent mehr Energie als der Phenom X4 9100e. Ob AMDs Rechnung aufgeht, zeigt jedoch erst die Energieeffizienz, also die Kunst möglichst viel Rechenleistung pro Watt herauszuholen.

Zumindest im hausinternen Vergleich mit der aktuellen Baureihe gelingt das dem Phenom X4 9100e: Mit 27,8 Punkten pro Watt konnte er sich sowohl vor dem Vierkern-Spitzenmodell Phenom X4 9850 (26 Punkte/Watt) als auch dem Dreikerner Phenom X3 8750 (24,8 Punkte/Watt) positionieren. Allerdings basieren die beiden letzteren Prozessoren auf der etwas stromhungrigeren Kernrevision B3. Ein Vergleich mit einem Modell aus der selben B2-Baureihe wie etwa dem Phenom X4 9600 (29 Punkte/Watt) zeigt aber, dass der relativ niedrige Stromverbrauch des Phenom X4 9100e auf Kosten der Rechenleistung geht.

Muss sich der Phenom X4 9100e hingegen der Intel-Konkurrent stellen, macht der 1,8-GHz-Prozessor keine gute Figur. So verbrauchte die Testplattform des ebenfalls im 65-Nanometer-Verfahren gefertigten Core 2 Quad Q6600 zwar im Leerlauf 2 und unter Volllast 12 Watt mehr, holte aber mit 40,6 Punkten pro Watt deutlich mehr Rechenleistung heraus als der Phenom X4 9100e. Und zieht man zum Vergleich noch die 45-Nanometer-Generation von Intel heran, schneidet AMDs Stromsparfuchs noch schlechter ab. So benötigte das Testsystem mit Intels Top-CPU Core 2 Extreme QX9770 unter Last mit 222 Watt zwar gut 8 Prozent mehr Energie als der Phenom X4 9850. Mit 57,2 Punkten pro Watt ging die aktuell schnellste Desktop-CPU im Test allerdings auch mehr als doppelt so effizient mit Energie um, wie AMDs vermeintlicher Stromsparfuchs Phenom X4 9100e.

Ausstattung: Größtes Manko des Phenom X4 9100e ist seine fehlerbehaftete B2-Kernrevision - identifizierbar an den zwei Nullen am Ende der Modellnummer. Laut AMD puffert der Translation Lookaside Buffer (TLB) - eine Funktionseinheit des Prozessors, die Teilberechnungen beim Übersetzen virtuelle in physischen Speicheradressen zwischenspeichert - bei einigen wenigen Applikationen, die alle Prozessorkerne auslasten, fehlerhafte Zwischenberechnungen. Letztere können dann zu einem Ausnahmefehler oder Absturz führen. Zwar sind bei unseren umfangreichen Test mit mittlerweile einem halben Dutzend B2-Phenoms nicht ein einziges Mal Abstürze und Ausnahmefehler aufgetreten - grundsätzlich ausschließen kann man eine TLB-Fehlfunktion jedoch nicht. Wenn diese Fehler bei Ihnen wieder Erwarten auftreten würden, könnten Sie - nach einem Bios-Update - den TLB zwar im Bios desaktivieren. Sie müssten dann allerdings mit Leistungseinbußen von bis zu 20 Prozent rechnen.

Ansonsten liefert AMD den Phenom X4 9100e mit allen modernen Funktionen aus, sieht man einmal vom gedrosselten Hypertransport-Link ab, der nur mit 1,6 statt 2 GHz arbeitet. Der Phenom X4 9100e verfügt über 128 KB L1- sowie 512 KB L2-Cache pro Kern. Zudem teilen sich die vier Rechenkerne einen gemeinsamen 2 MB großen L3-Cache. Der im Prozessor integrierte 128 Bit breite Speichercontroller unterstützt DDR2-SDRAM des Typs PC800 und PC1066. Der Referenztakt liegt wie gehabt bei 200 MHz. Mit an Bord sind neben den bewährten zusätzlichen Befehlssätzen 3DNow, MMX, SSE, SSE2 und SSE3 auch das moderne SSE4a. Zudem beherrscht der Phenom X4 9100e die Virtualisierungs-Technik AMD-V und unterstützt 32- und 64-Bit-Betriebssysteme via AMD 64.

Die verbesserte Energiespartechnik Cool'n'Quiet 2.0 erlaubt die dynamische Spannungsregelung der Rechenkerne und des integrierten Speichercontrollers. Zudem lässt sich mittels der Technik DICE (Dynamic Independent Core Engagement) die Taktfrequenz aller Prozessorkerne unabhängig voneinander dynamisch regulieren. So kann beispielsweise ein voll ausgelasteter Rechenkern mit maximalem Takt arbeiten, ein halb ausgelasteter Kern den Takt auf 50 Prozent reduzieren und die beiden unbeschäftigten Kerne begeben sich in den Ruhemodus.

Rechenleistung: Zum Härtetest der Vierkerner gehört der Rendering-Test von Cinebench 10. Mit 5604 Punkten war der Phenom X4 9100e nicht besonders schnell. Hier konnte selbst die 100-Euro-Schnäppchens Core 2 Duo E7200 mit nur zwei Rechenkernen mit 5259 Punkte noch ganz gut mithalten. Der Intel-Konkurrent Core 2 Quad Q6600 hingegen war mit 8724 Punkten rund 55 Prozent deutlich flotter. Aber auch der Abstand zum schnellsten Pferd aus dem gleichen Stall, dem Phenom X4 9850, fiel mit gut 44 Prozent (8095 Punkte) drastisch aus - gerade im Hinblick auf den Preisunterschied von gerade einmal 25 Euro.

Halbleiterplättchen des Phenom X4: Gut zu erkennen sind die L2-Caches, die die vier Kerne horizontal voneinander abgrenzen
Vergrößern Halbleiterplättchen des Phenom X4: Gut zu erkennen sind die L2-Caches, die die vier Kerne horizontal voneinander abgrenzen
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Wie gut eine CPU mit Multimedia-Software umgeht, prüfen wir unter anderem mit Apples iTunes. Dabei wandeln wir mit den integrierten De- und Encodern von Itunes 7.5 den 1080i-High-Definition-Trailer von Ice Age 2 im H.264-Format ins MPEG-4-Format mit 124 KBit/s und einer für den iPod Touch sowie das iPhone optimierte Auflösung von 640 x 352 Bildpunkten um. Itunes teilt die Encoder-Arbeitslast dabei allerdings nur in zwei parallele Prozesse auf, so dass Quad Cores ihr Potential nicht ausspielen können. Der Phenom X4 9100e benötigte für diese Video-Transcodierung 192 Sekunden und war damit mit Abstand die langsamste CPU im ganzen Testfeld. Zum Vergleich: 44 Prozent schneller decodierten beispielsweise der Core 2 Duo E7200 sowie der Core 2 Quad Q6600 (jeweils 133 Sekunden) und die hauseigene Konkurrenz in Gestalt des Phenom X4 9850 sowie des Triple-Cores Phenom X3 8750 erarbeitete sich einen Vorsprung von circa 40 respektive 29 Prozent.

Aber auch die Spieleleistung des Phenom X4 9100e kann nicht überzeugen: So erreichte AMDs 1,8-GHz-Vierkerner unter Crysis bei der 800er-Auflösung eine mittlere Bildrate von mageren 52 Bildern pro Sekunde und war damit erneut die lahmste CPU im Testfeld. Zum Vergleich: Die Bildrate des Core 2 Duo E7200 (106 Bilder/s) sowie des Core 2 Quad Q6600 (102 Bilder/s) war doppelt so hoch. Und die hauseigene Konkurrenz lag zwischen 70 (Phenom X3 8750) und 75 Prozent (Phenom X4 9850) in Front.

Fazit: Beim Phenom X4 9100e hat sich AMD verzockt und ist über das Ziel hinausgeschossen. Vergleicht man den Stromsparfuchs mit dem in etwa gleich teuren Dreikerner AMD Phenom X3 8750 , verbraucht letzterer unter Volllast zwar 17 Prozent mehr Strom, bietet dafür aber bis zu 70 Prozent mehr Leistung. Der gezügelte Stromhunger des Phenom X4 9100e ist also teuer erkauft. Zum Debakel gerät hingegen der Vergleich mit dem Core 2 Duo E7200: Intels Schnäppchen-Doppelkerner ist nicht nur preisgünstiger und sparsamer, sondern in den meisten Fällen auch schneller - selbst in der Vierkerner-Paradedisziplin Multi-Core-Rendering kann Intels-Doppelkerner gut mithalten.

Ist AMDs Phenom X4 9100e also ein völlig überflüssiges Produkt, um das Sie einen großen Bogen machen sollten? Nein, denn für Übertaktungs-Fans ist die CPU hochinteressant. Sie lässt sich durch anheben des Referenztaktes sehr gut übertakten. 2,4 GHz sind so problemlos drin, ohne die Prozessorkernspannung anheben und dafür den vergleichsweise niedrigen Stromverbrauch opfern zu müssen. Daher können wir AMDs Stromsparfuchs wärmstens für AMD-Fans mit Overclocker-Ambitionen empfehlen.

Alternativen: Unterm Strich mehr Leistung für weniger Geld bietet Intels Core 2 Duo E7200 . Muss es unbedingt ein Prozessor mit vier Rechenkernen sein, raten wir zum nur unwesentlich teureren Core 2 Quad Q6600 . Der Intel-Vierkerner benötigt unter Volllast zwar 6 Prozent mehr Energie, setzt seinen Stromverbrauch aber deutlich effizienter in Rechenleistung um. Je nach Einsatzgebiet ist er zwischen 40 und 96 Prozent schneller.

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