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AMD Radeon R9 290 im Test

05.11.2013 | 13:26 Uhr |

Der zweiten Hawaii-Grafikkarte Radeon R9 290 von AMD fehlt das "X" im Namen – ob und wie viel Leistung fehlt, klären wir im Test. Und warum wir trotz herbstlicher Temperaturen ins Schwitzen gekommen sind und am Ende recht genervt waren erfahren Sie ebenfalls.

AMD veröffentlicht aktuell Grafikkarten am laufenden Band, mit der Radeon R9 290 komplettiert der Chip-Hersteller nun seine neue Oberklasse. Die Grafikkarte ohne den Namenszusatz "X" wollte AMD eigentlich als direkten Gegenspieler zur Nvidia Geforce GTX 770 positionieren, doch dank eines angepassten Treibers heben sich die Taktraten und neuer Gegner soll nun die Geforce GTX 780 sein. Damit reagiert der Hersteller extrem schnell auf die Wettbewerbslandschaft. Um welchen Faktor sich die Leistung zum großen Bruder unterscheidet und wie gut sich Nvidia noch wehren kann, erfahren Sie im Test.

Ausstattung: leistungsreduzierte Hawaii-GPU

Abgespeckte AMD-Hawaii-GPU.
Vergrößern Abgespeckte AMD-Hawaii-GPU.

Selbstverständlich setzt AMD den gleichen Grafikprozessor wie bei der Radeon R9 290X ein, schränkt einige technischen Daten allerdings etwas ein, wie Sie der folgenden Tabelle entnehmen können. Die Referenz-Designs unterscheiden sich nicht von der Optik her. nur ein kleiner Aufkleber auf der Unterseite der Platine weist auf die leicht schwächere R9 290 hin. Bei der Ausstattung des Chips fällt auf, dass die Hawaii-GPU nun über weniger Shader-Einheiten und TMUs (Texture Mapping Units) verfügt, des Weiteren beläuft sich der maximale Grafikchip-Takt nur noch auf rund 947 anstatt auf 1000 MHz. Bei den restlichen Daten ändert sich nichts, das Speicher-Interface bleibt bei beeindruckenden 512 Bit, ebenso wie der üppig große 4 GB GDDR5- Speicher . Auf dem Datenblatt kann sich Konkurrent Nvidia mit der Geforce GTX 770 zumindest auf dem Datenblatt in Sachen Speichertakt absetzen, genau wie beim maximalen Chiptakt. Wie viel weniger Leistung Sie in der Praxis erwartet, erfahren Sie in den Benchmarks weiter unten. Für die genaueren technischen Details des Grafikprozessors verweisen wir auf den Test der AMD Radeon R9 290X .

Grafikkarten-Oberklasse: Technische Daten im Vergleich

 

AMD Radeon R9 290

AMD Radeon R9 290X

Nvidia Geforce GTX 770

Nvidia Geforce GTX 780

Grafikchip

Hawaii

Hawaii

GK104

GK110

Fertigung

28nm

28nm

28nm

28nm

Chipfläche

438 mm²

438 mm²

294 mm²

551 mm²

Chiptakt

bis zu 947 MHz

bis zu 1.000 MHz

1.046 MHz

863 MHz

Shader-Einheiten

2.560

2.816

1.536

2.304

Textur-Einheiten (TMUs)

160

176

128

192

Raster-Operations-Proessoren (ROPs)

64

64

32

48

GDDR5-Speicher

4.096 MB

4.096 MB

2.048 MB

3.072 MB

Speichertakt (effektiv)

5.000 MHz

5.000 MHz

7.012 MHz

6.008 MHz

Speicheranbindung

512 Bit

512 Bit

256 Bit

384 Bit

Speicherbandbreite

320 Gbit/s

320 Gbit/s

224 GBit/s

288 GBit/s

Maximaler TDP (Herstellerangaben)

300 Watt

300 Watt

230 Watt

250 Watt

Preis

345 Euro (UVP)

475 Euro (UVP)

300 Euro

430 Euro

Bis runter auf die Platine: AMD Radeon R9 290
Vergrößern Bis runter auf die Platine: AMD Radeon R9 290
© AMD

Zahlreiche Techniken an Bord

Gleiches Design und gleiche Schnittstellen wie bei der R9 290X.
Vergrößern Gleiches Design und gleiche Schnittstellen wie bei der R9 290X.
© AMD

Auch die Radeon R9 290 verfügt über alle Techniken des neuen Top-Modells: AMD Trueaudio ist mit an Bord, bei der ein eigens verbauter Digital Signal Processor (DSP) die Kraft der GPU nutzt, um Sound in Echtzeit zu verarbeiten um sie dann an die sogenannte Middleware weiter zu reichen. Über eine frei programmierbare API erhalten Entwickler Zugriff auf Trueaudio. Durch die Technik sollen Sound-Effekte nicht nur besser klingen, sondern auch die Nutzung parallel genutzter Audiokanäle sowie der virtuelle Surround-Klang auf Stereo-Geräten soll sich verbessern.

Das ebenfalls überarbeitete Powertune übernimmt die dynamische Anpassung der Taktraten des Grafikchips und orientiert sich dabei an der Temperatur, Auslastung und Leistungsaufnahme. Darüber hinaus unterstützt die Grafikkarte auch die Schnittstellen DirectX 11.2, OpenGL 4.3 sowie das von AMD selbst entwickelte Mantle . Des Weiteren ist auch der kleine BIOS-Umschalter vorhanden, der im Gegensatz zum größeren Bruder aber nur zwischen zwei identischen BIOS-Versionen wechselt.

TECHNISCHE DATEN

AMD Radeon R9 290

Grafikprozessor

AMD Hawaii

GPU-Takt

947 MHz

Anschluss

PCI Express x16 3.0

Anzahl der Shader

2560

Shader-Takt

947 MHz

DirectX-Version

11.1

Speicher-Größe

4096 MB

Speicher-Typ

GDDR5-RAM

Speicher-Takt

1250 MHz

Speicher-Busbreite

512 Bit

Grafikkarten-Bios

015.039.000.007.003523

Grafikkarten-Treiber

Catalyst 13.11 Beta 9 (13.250.18.0)

Kartenlänge

27,8 Zentimeter

Kartenbreite

2 Steckplätze

Stromanschluss

2x (1x 8polig, 1x 6polig)

AUSSTATTUNG

AMD Radeon R9 290

Video-Anschlüsse

 

Displayport

1

HDMI

1

DVI

2

Anzahl der gleichzeitig anschließbaren Bildschirme

4

Gleiches Design und gleiche Schnittstellen wie bei der R9 290X.
Vergrößern Gleiches Design und gleiche Schnittstellen wie bei der R9 290X.
© AMD

Computing-Performance im Test

Direct-Compute-Leistung der Shader.
Vergrößern Direct-Compute-Leistung der Shader.

Die parallele Rechenpower abseits von PC-Spielen hat schon in der R9 290X beeindruckt, in Sachen OpenCL und Direct Compute bleiben kaum Wünsche offen. Die leicht schwächere R9 290 erweist sich ebenfalls als guter Beschleuniger, wenn es um GPGPU-Anwedungen geht. Luxmark 2.0 (OpenCL) zeigt ein Ergebnis von 2490 Tausend Samples in der Sekunde, Computemark (Direct Compute) gibt ein Ergebnis von insgesamt 2285 Punkten aus. Mit diesen beiden Ergebnissen muss sich die "kleinere" Grafikkarte nicht hinter dem großen Bruder verstecken, auch wenn die Resultate etwas schwächer sind – eher Nvidia-Grafikkarten sollten sich hier ein Beispiel nehmen.

MULTIMEDIA-LEISTUNG

AMD Radeon R9 290

Direct Compute (Computemark, 1920 x 1080 Pixel, Preset: Complex)

2285 Punkte

OpenCL-Leistung (Luxmark 2.0, Sala-Benchmark)

2490 Tausend/Samples pro Sekunde

Spiele-Leistung: Leistung satt

Ergebnisse des neuen 3DMark.
Vergrößern Ergebnisse des neuen 3DMark.

Zwar reicht bereits eine Radeon R9 270X für flüssiges Gaming in Full-HD, doch bei gehobenen Ansprüchen wie dem Spielen auf drei Monitoren respektive in hohen Auflösungen verlangt es definitiv nach mehr Leistung. In unseren Spiele-Tests sowie im synthetischen 3DMark muss sich die Geforce GTX 780 nur um Haaresbreite der AMD-Grafikkarte geschlagen geben, eine GTX 770 kann überhaupt nicht mehr mithalten. Stellenweise übertreffen die Ergebnisse sogar eine GTX Titan! Der Unterschied zur Radeon R9 290X ist durchaus vorhanden, allerdings ist hierfür unter anderem auch der neuere und somit besser optimierte Treiber verantwortlich.

SPIELE-LEISTUNG

AMD Radeon R9 290

DirectX 11 (3DMark: 1920 x 1080 Pixel, Preset): Ice Storm / Cloud Gate / Fire Strike

141 781 / 25 983 / 9164 Punkte

Battlefield 3: Ultra-Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

83 Bilder/s

Tomb Raider: höchste Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

73 Bilder/s

Anno 2070: sehr hohe Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

129 Bilder/s

Umwelt-Eigenschaften: es bleibt heiß und laut

Der Lüfter rauscht verboten laut.
Vergrößern Der Lüfter rauscht verboten laut.

Der neue Catalyst-Beta-Treiber (Version 9) hebt die maximale Drehzahl des Referenz-Lüfters von 40 auf 47 Prozent und möchte damit höhere Taktraten erlauben, die wiederum mehr Leistung erbringen sollen. Die oberen Benchmarks haben gezeigt, dass die Rechnung für AMD aufgeht. Nur die Temperaturen klettern auf rund 93 Grad Celsius, was nach Herstellerangaben noch keinerlei Grund zur Sorge ist. Hinzu kommt der Lüfter, der nun noch lauter rauscht als bei der R9 290X – fast schon unerträglich bei einer offenen Testplattform. Der Stromverbrauch fällt ebenfalls extrem aus: Unter voller Auslastung des gesamten Systems messen wir 395 Watt!

UMWELT UND GESUNDHEIT

AMD Radeon R9 290

Stromverbrauch des Test-PCs: Leerlauf

101 Watt

Stromverbrauch des Test-PCs: Last

395 Watt

Betriebsgeräusch: Leerlauf

2,5 Sone

Betriebsgeräusch: Last

7,4 Sone

Temperatur: Leerlauf

49 Grad Celsius

Temperatur: Last

93 Grad Celsius

Test-Fazit zur AMD Radeon R9 290

Preislich muss sich die Nvidia Geforce GTX 780 der AMD Radeon R9 290 ganz klar geschlagen geben: AMD empfiehlt für Europa einen Verkaufspreis von nur 289 Euro ohne Steuern, inklusive der deutschen 19 Prozent wären wir also bei rund 345 Euro – ein herber Unterschied zur aktuell etwa 430 Euro teuren GTX 780. Preis und Leistung stehen hier in einem Top-Verhältnis, der Hersteller schafft es, Ihnen viel Leistung für relativ wenig Geld zu liefern! Und auch in den Praxis-Tests schafft es AMD, den anvisierten Konkurrenten größtenteils zu schlagen, eine GTX 770 unterliegt der neuen Grafikkarte vollkommen. Dank des üppigen Videospeichers und des breiten Speicher-Interfaces sind die Grafikkarten der R9-290-Serie für das Gaming jenseits von Full-HD fast schon prädestiniert!
Erwartungsgemäß fällt die Leistungsaufnahme enorm aus, der Verbrauch ist höher als bei einer GTX Titan! Und der laute Lüfter lässt uns wieder einmal erkennen, wie nervig ein kleiner Propeller doch sein kann. Ein weiterer Negativpunkt resultiert aus der hohen Temperatur des Grafikchips: In einem geschlossenen Gehäuse dürften benachbarte Komponenten die Abwärme zu spüren kriegen. Insgesamt hinterlässt die Grafikkarte bei uns gemischte Gefühle. Zwar stimmt der Preis und die Leistung, doch dem fallen die Leistungsaufnahme sowie die Thermik zum Opfer. Es bleibt abzuwarten, wie Custom-Designs die Probleme in den Griff bekommen.

ALLGEMEINE DATEN

AMD Radeon R9 290

Testkategorie

Grafikkarten

Grafikkarten-Hersteller

AMD

Internetadresse von AMD

www.amd.com/de/

Preis (unverbindliche Preisempfehlung)

345 Euro

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