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AMD Radeon HD 7990 im Test

08.05.2013 | 10:10 Uhr |

Die AMD Radeon HD 7990 hat es nun endlich in unser Testlabor geschafft. Wir klären, ob es AMD gelungen ist, die Nvidia Geforce GTX 690 zu schlagen und sich den Grafik-Thron zurück zu holen. Denn bei der Entwicklung hat sich der Hersteller ja ordentlich Zeit gelassen. Dafür macht die Grafikkarte mit drei Lüftern und über 30 Zentimetern Länge ordentlich was her.

AMD Radeon HD 7990 oder Nvidia Geforce GTX 690 ? Diese Kaufentscheidung ist vergleichbar mit der Wahl zwischen Ferrari oder Lamorghini: Wahnsinnig schnell und wahnsinnig teuer. Ob Sie jemals die volle Leistung im Privatgebrauch ausschöpfen, ist (aktuell) ziemlich ungewiss. In jedem Fall ist das Duell der beiden Dual-GPU-Grafikkarten spannend und entscheidet, ob es sich entweder AMD oder Nvidia auf dem hart umkämpften Grafik-Thron gemütlich machen kann.

Ausstattung: feuert aus zwei Läufen

Technische Daten im Überblick.
Vergrößern Technische Daten im Überblick.

In unserem Ratgeber " Das steckt in der AMD Radeon HD 7990 " sind wir bereits näher auf die Technik der 900-Euro-Grafikkarte eingegangen, hier aber noch einmal eine kleine Zusammenfassung: Zwei Tahiti-XT2-Grafikprozessoren berechnen bei der 7990 die Grafikeffekte, bekannt sind die GPUs schon von der Radeon HD 7970 GHz-Edition . Den Chiptakt hat AMD um 50 MHz auf 950 MHz nur dezent gesenkt. 1 GHz Taktrate sind dank der Technik "Powertune with Boost" jedoch immer noch drin: Die dynamische Übertakterfunktion hebt bei hohen Anforderungen vollautomatisch den Takt innerhalb der eingestellten Leistungsaufnahme an. Die Grenzen dürfen Sie aber glücklicherweise auch selbst definieren.

Zwei Tahiti-XT2-GPUs sorgen für ordentlich Leistung.
Vergrößern Zwei Tahiti-XT2-GPUs sorgen für ordentlich Leistung.
© AMD

Maßgeblich für die Performance bei komplexen Grafikeffekten ist auch die Anzahl an Shader-Einheiten . Hiervon stehen ingesamt 4096 Stück zur Verfügung, bei der GTX 690 sind es mit 3072 über 1000 Shader weniger. Jede GPU verwaltet 3 GB GDDR5- Videospeicher , die Speicherinterfaces sind je 384 Bit breit. Der Grafikkarte stehen somit satte 6 GB zur Verfügung. Der physikalische Speichertakt beträgt 1502 MHz, effektiv sind es somit rund 6000 MHz.

TECHNISCHE DATEN

AMD Radeon HD 7990

Grafikprozessor (Takt)

AMD Radeon HD 7900

GPU-Takt

950 MHz

Anschluss

PCI Express x16 3.0

Anzahl der Shader

4096

Shader-Takt

950 MHz

DirectX-Version

11.1

Speicher-Größe

6144 MB

Speicher-Typ

GDDR5-RAM

Speicher-Takt

1502 MHz

Speicher-Busbreite

768 Bit (2x 384 Bit)

Grafikkarten-Bios

15.032.000.004.002.700

Grafikkarten-Treiber

Catalyst 13.5 (12.102.3.0)

Kartenlänge

31 Zentimeter

Kartenbreite

2 Steckplätze

Stromanschluss

2x 8polig

Fünf Monitore sind für die 7990 kein Problem.
Vergrößern Fünf Monitore sind für die 7990 kein Problem.
© AMD

Allgemein ist die Kommunikation zwsichen zwei Prozessoren stets ein schwieriges Unterfangen, bei dem viel Leistung auf der Strecke bleibt. Bei der 7990 sorgt der PCI-Express-Switch von PLX, der PEX-8747, für den Austausch der Daten zwischen den GPUs. Hierfür darf der Chip 48 PCI-Express-3.0 -Lanes nutzen: Je 16 Lanes für die Kommunikation zwischen den beiden Grafikchips und noch einmal 16 Stück für die Anbindung des Switches ans System. Flaschenhälse aufgrund einer eventuell zu geringen Bandbreite sind also nicht zu befürchten, vorausgesetzt Ihr Mainboard beherrscht den aktuellen Datenstandard.

Doch so ganz unbekannt ist uns die Dual-GPU-Karte nicht wirklich: Bereits die Ares II von Asus vereinte ebenfalls die gleichen beiden Tahiti-XT2-Grafikchips auf einer Platine, nur setzt der Boardpartner bei der Kühlung auf die Kombination von Flüssigkeit und Luft. Auch andere Partner wie Club3D, Powercolor oder VTX3D brachten schon vor geraumer Zeit eine Zwei-Grafikchip-Grafikkarte auf den Markt, nur handelt es sich hierbei um den "Ur-" Tahiti aus der herkömmlichen Radeon HD 7970 , die schon im Dezember 2011 ihren Start hatte.

Kommt mit acht Spielen - je nach Händler

Zusätzlich zu diesen sieben Spielen gibt es noch Bioshock: Infinite.
Vergrößern Zusätzlich zu diesen sieben Spielen gibt es noch Bioshock: Infinite.
© AMD

Je nach Händler erhalten Sie beim Kauf einer AMD Radeon HD 7990 Download-Codes für sage und schreibe acht PC-Games im Rahmen des " Never Settle Reloaded "-Programms – so beeindruckend, dass wir es noch einmal erwähnenswert finden: Sie dürfen Ihre Spielesammlung um Far Cry 3 , Far Cry 3: Blood Dragon, Crysis 3, Bioshock Infinite, Tomb Raider, Hitman: Absolution, Sleeping Dogs und Deus Ex: Human Revolution erweitern. Insgesamt hat das Spielepaket einen Wert von knapp 250 Euro und verspricht tagelangen Spielspaß. Eine vergleichbare Aktion zu Never Settle gibt es vom Konkurrenten Nvidia aktuell nicht.

AUSSTATTUNG

AMD Radeon HD 7990

Video-Anschlüsse

Mini-Displayport

4

DVI

1

beigelegte Spiele (je nach Händler)

Far Cry 3 , Far Cry 3: Blood Dragon, Crysis 3, Bioshock Infinite, Tomb Raider, Hitman: Absolution, Sleeping Dogs und Deus Ex: Human Revolution

Anzahl der gleichzeitig anschließbaren Bildschirme

5

Kaufberatung: So finden Sie die perfekte Grafikkarte

Multimedia-Leistung: deklassiert (fast) die Konkurrenz

Die Computing-Leistung einer Grafikkarte wird zunehmend wichtiger, selbst in Spielen. Wir prüfen die Leistung der zwei am weitesten verbreiteten Schnittstellen: das kostenlose OpenCL und die Computing-API Direct Compute, die Bestandteil von Microsofts DirectX 11 ist und die Shader der beiden Hersteller AMD und Nvidia gleichermaßen ansprechen kann. Bei beiden Schnittstellen ist die parallele Rechenpower der GPU gefragt – und die fällt außerordentlich aus!

Beeindruckende OpenCL-Leistung.
Vergrößern Beeindruckende OpenCL-Leistung.

In Luxmark 2.0 prüft der Benchmark die Leistung unter OpenCL , indem der Grafikchip eine fotorealistische Szene rendern muss – in unserem Fall den Medium-Test "Sala". Die beiden Tahiti-XT2-GPUs kommen hier auf ein beeindruckendes Ergebnis von 4356 Tausend Samples pro Sekunde und setzt sich damit weit von der Konkurrenz ab. Die Geforce GTX 690 kommt auf gute 1221, was in diesem Fall aber nicht annähernd an die Radeon HD 7990 herankommt.

Die Leistung unter Direct Compute ist sehr gut, aber nicht die beste.
Vergrößern Die Leistung unter Direct Compute ist sehr gut, aber nicht die beste.

Der Computemark wuchtet die Leistung über die Direct-Compute-API auf den Prüfstand, und das gleich in fünf verschiedenen Verfahren. In Full-HD und dem Preset "Complex" erhalten wir eine Gesampunktzahl von 1716, was eine GTX 690 ebenfalls wieder aussticht. Zum Vergleich: Die Nvidia-Doppeldecker-Karte erreicht zwar auch sehr gute 1496 Punkte, unterliegt der 7990 um knapp 13 Prozent. Überraschender ist jedoch, dass die Asus Ares II , die über eine vergleichbare Ausstattung verfügt, auf eine weit höhere Punktzahl von 2113 kommt. Wir vermuten, dass der Treiber zwar in Sachen Spiele-Leistung mehr Geschwindigkeit aus den beiden Chips herauskitzelt, dafür aber in Sachen Computing etwas Nachholbedarf herrscht.

MULTIMEDIA-LEISTUNG

AMD Radeon HD 7990

Direct Compute (Computemark, 1920 x 1080 Pixel, Preset: Complex)

1716 Punkte

OpenCL-Leistung (Luxmark 2.0, Sala-Benchmark)

4356 Tausend Samples/Sekunde

Ein großes Aber bleibt: Die Nvidia Geforce GTX Titan ist mit Direct Compute schneller unterwegs. Die Supercomputer-Grafikkarte kommt unter den selben Einstellungen des Computemarks auf eine beeindruckende Gesamtpunktzahl von 2555. Hier macht sich der Ursprung aus dem Supercomputer bemerkbar, denn dort kommt es auf die parallele Rechenleistung des Grafikchips (GPGPU) an.

Spiele-Leistung: fast schon unterfordert

Je höher die Anforderungen, desto besser die Performance.
Vergrößern Je höher die Anforderungen, desto besser die Performance.

Aktuell erhalten Sie bereits für einen Preis von unter 200 Euro schon Grafikkarten, die Spiele in 1920 x 1080 Pixeln, maximalen Details und aktivierter Kantenglättung nahezu ruckelfrei wiedergeben. Da verwundert es nicht, dass die AMD Radeon HD 7990 zu einem fast fünffachen Preis fast schon unterfordert ist. Selbst in Battlefield 3 sind immer noch pfeilschnelle 99 Bilder pro Sekunde kein Problem.

Die Geforce GTX 690 ist ebenfalls extrem schnell, kommt aber nicht ganz an die Radeon HD 7990 ran, wie Sie der folgenden Tabelle entnehmen können. Im Übrigen ist auch die GTX Titan langsamer. Wir haben es uns auch nicht nehmen lassen, Crysis 3 in der extrem hohen Auflösung 2560 x 1600 mit maximalen Details und der Kantenglättung FXAA zu testen. Wir messen Shooter-taugliche 42 Bilder pro Sekunde – sehr gut!

SPIELE-LEISTUNG

AMD Radeon HD 7990

Nvidia Geforce GTX 690

Battlefield 3: Ultra-Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

99 Bilder/s

93 Bilder/s

Anno 2070: sehr hohe Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

149 Bilder/s

148 Bilder/s

Tomb Raider: sehr hohe Voreinstellungen, 4xAA, 8xAF (1.920 x 1.080)

107 Bilder/s

98 Bilder/s

DirectX 11 (3DMark: 1920 x 1080 Pixel, Ice Storm)

148 429 Punkte

148 530 Punkte

DirectX 11 (3DMark: 1920 x 1080 Pixel, Cloud Gate)

29 107 Punkte

27 567 Punkte

DirectX 11 (3DMark: 1920 x 1080 Pixel, Fire Strike)

9331 Punkte

4321 Punkte

Was uns im synthetischen Benchmark des neuen 3DMark auffällt: In den ersten beiden Stages ist der Unterschied zwischen der 7990 und der 690 nicht wirklich groß, aber im High-End-Test "Fire Strike" erreicht die AMD-Karte mehr als die doppelte Punktzahl. Genau in dem Bereich, auf den es in dieser Preisklasse wirklich ankommt.

So tunen Sie Ihre AMD Radeon Grafikkarte

Umwelt-Eigenschaften: leider auch extrem laut

Das Kühldesign arbeitet effizient, aber laut.
Vergrößern Das Kühldesign arbeitet effizient, aber laut.
© AMD

AMD selbst hält das Kühldesign der Referenzkarte für gelungen. Denn es sorgen gleich drei Lüfter, Kupfer-Heatpipes und ein Aluminium-Kühlkörper für die dringend nötige Kühlung der beiden Chips. Tatsächlich erweisen sich die Betriebstemperaturen als recht akzeptabel für ein Referenzdesign. Weniger gut ist dafür das Rauschen der Lüfter, unter Last messen wir verboten laute 5,3 Sone. Doch wie wir bereits im Technik-Artikel schreiben, ist die Tonlage des Rauschens nicht nervig hoch, sondern eher ein gleichmäßiges Surren. Allerdings vernehmen wir in einigen Tests ein unangenehmes Spulenfiepen.

Nun zum Stromverbrauch : Im Desktop-Betrieb im Leerlauf ist noch vertretbar und im Hinblick auf zwei GPUs in Ordnung. Bei voller Auslastung messen wir aber 441 Watt (gesamte Testplattform) – das ist zu viel, selbst die Ares II genehmigt sich weniger Watt. Die Geforce GTX 690 kommt bei gleicher Auslastung auf lediglich 305 Watt und ist damit ebenfalls genügsamer. So oder so ist ein potentes Netzteil im Gehäuse Pflicht.

UMWELT UND GESUNDHEIT

AMD Radeon HD 7990

Stromverbrauch des Test-PCs: Leerlauf

112 Watt

Stromverbrauch des Test-PCs: Last

441 Watt

Betriebsgeräusch: Leerlauf

0,4 Sone

Betriebsgeräusch: Last

5,3 Sone

Temperatur: Leerlauf

48° Celsius

Temperatur: Last

78° Celsius

Test-Fazit zur AMD Radeon HD 7990

Mit der Radeon HD 7990 hat es AMD wieder zurück an die Grafik-Spitze geschafft. Die erreichte Spiele-Leistung übetrifft die Konkurrenz ohne Probleme, stellenweise haben wir den Eindruck, die Grafikkarte zu unterfordern. Im Vergleich zum direkten Konkurrenten, der Geforce GTX 690, fällt vor allem folgendes auf: Je höher die Anforderungen sind, desto bessere Ergebnisse liefert die AMD-Karte letztendlich ab. Wenn Sie Games in extremen Auflösungen respektive auf mehreren Monitoren oder sogar in 3D spielen möchten, ist die 7990 keine schlechte Wahl! Besonders lobenswert ist der Lieferumfang, der acht Spiele für den Käufer bereit hält, Never-Settle-Reloaded sei es gedankt. Allerdings kommt es auch hier auf den Verkäufer und Boardpartner der Grafikkarte an.
Bei der Computing-Leistung herrscht ebenfalls Oberklassen-Stimmung, auch wenn die Grafikkarte nicht die volle Kraft der beiden GPUs ausspielen kann. Einen Dämpfer erfährt die 7990 durch die GTX Titan, die in Sachen Computing-Leistung sogar teilweise viel flotter unterwegs ist – und das nur mit einem Kern.
Das Kühldesign arbeitet zwar stets effizient, dafür aber extrem laut. Die Leistungaufnahme fällt durch einen horrenden Verbrauch auf, der im Gegensatz zur GTX 690 viel zu hoch ausfällt.

Der Preis von etwa 900 Euro ist letztendlich etwas zu teuer. Denn ein vergleichbarer Grafikkarten-Verbund aus zwei Radeon HD 7970 GHz-Edition ist immer noch günstiger als eine einzelne Radeon HD 7990, die allgemeine Leistung ist nur leicht geringer.

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