AMD schlägt zurück

Die neuen Radeon-Grafikchips im Test

Montag den 23.06.2008 um 14:45 Uhr

von Christian Helmiss

Mit der 4000er-Serie will AMD Marktanteile von Nvidia zurückerobern. Von der Architektur her sind AMD-Karten schon lange denen von Nvidia überlegen. Ob sie es nun aber auch endlich schaffen in der rauen 3D-Spiele-Umgebung zu Punkten, haben wir im Testcenter für Sie untersucht.

Von AMD gibt es zwei neue Grafikchips aus der neuen Serie ATI Radeon HD 4000. Der 4850er ist dabei das Mittelklassemodell und der 4870er AMDs neues Flaggschiff. Letzteres wird voraussichtlich nicht ganz so schnell wie Nvidias Spitzenmodell Geforce GTX 280 sein, dafür aber nur etwa halb so teuer. Und die Leistung von Grafikkarten mit Radeon-HD-4850er-Chip soll oberhalb von Nvidia-Geforce-8800-GT-Karten liegen – bei in etwa gleichem Verkaufspreis. Noch vor dem offiziellen Verkaufsstart am 25. Juni 2008 konnten wir eine Powercolor HD 4850 ergattern und im Testcenter auf Herz und Nieren untersuchen. Eines vorneweg: Die rund 170 Euro teure Grafikkarte ist im Vergleich zur Nvidia-Konkurrenz ganz klar der Preis-Leistungs-Sieger. Die Tempowerte der 4850er fnden Sie in diesem Artikel, die von AMDs Flaggschiff ATI Radeon HD 4870 in den nächsten Tagen ebenfalls an dieser Stelle.

Innere Werte: Der neue Grafikchip (Codename RV770) besteht aus 965 Millionen Transistoren, die im 55-Nanometer-Prozess gefertigt wurden. Nvidia arbeitet noch mit der 65-Nanometer-Technik. Die 4000er-serie besitzt 800 Stream-Prozessoren und 160 Shader. Der RV770-Grafikchip erreicht damit 1.000 GFlops (ein Teraflop). Zum Vergleich: Nvidias GT-200 schafft mit seinen 240 Shadern knapp 933 GFlops. Dass er in Spielen trotzdem schneller als AMD arbeitet, hängt mit dem speziellen Charakter von 3D-Engines zusammen: Außer Fließkommaberechnungen beeinflussen viele andere Aspekte die Gesamtleistung, darunter Speicherbandbreite oder die schwankende Auslastung der Shader-Prozessoren. Weil auch Texturen in aktuellen 3D-Spieler weiter eine wichtige Rolle spielen, greift der RV770 jetzt auf 32 statt 16 solcher Einheiten zurück. Die Verbindung zum 512 MByte großen Videospeicher ist wie bei der Vorgänger-Serie Radeon HD 3800 256 Bit breit. Die HD 4850 verwendet konventionellen GDDR3-Speicher mit 2.000 MHz Taktfrequenz. Auf der Radeon HD 4870 wird hingegen GDDR5-RAM zum Einsatz kommen, das bei gleichem Takt doppelt so viel Daten pro Sekunde durch die Leitungen pumpt wie GDDR3. Allein das dürfte die HD 4870 bis zu 30 Prozent schneller machen als die HD 4850.

3D-Leistung: Die Grafikkarte erreichte 12.840 3D-Marks. Eine gute Leistung – damit liegt sie vor Nvidia-Karten mit den GPUs Geforce 8800 GT und 9600 GT. Die Geforce 9800 GTX (ab 210 Euro erhältlich) war im Test gerade mal 6 Prozent flotter. Normale DirectX-10-Kracher wie Company of Heroes und Lost Planet liefen bis zur 1600er-Auflösung flüssig. Das grafisch sehr aufwändige DirextX-10-Spiel Crysis konnte bei 1280 x 1024 Pixeln aber nur mit 23 Bildern/s aufwarten. Das Tempo erhöhten wir mithilfe eines im Treiber integrierten Tuning-Tools namens „ATI Overdrive“ auf eine flüssige Bildrate von 25 Bildern/s.

Leise aber heiß: Selbst nach dem mehrstündigen Benchmark-Marathon surrte der kleine 60-mm-Lüfter nur leise vor sich hin. Obwohl in unseren Tests keinerlei Probleme auftraten, haben wir Bedenken angesichts der Hitzeentwicklung. Bleibt die Karte im 2D-Modus unter Windows noch vergleichsweise kühl, erhitzt sie sich unter Volllast so stark, dass Sie die Karte besser nicht anfassen sollten. In engen und schlecht durchlüfteten Gehäusen dürfte die Kartentemperatur von 82°C noch einmal deutlich steigen. Der Aufkleber mit dem PowerColor-Emblem löste sich aufgrund der Hitze schon nach wenigen Stunden von der Karte ab.

Stromverbrauch: Durch Optimierungen im RV770-Chip gelingt es AMD, den Stromverbrauch auf dem Niveau der Vorgänger-Karten zu halten. Unter Last zog die 4850er maximal 110 Watt, unter Windows waren es knapp 40 Watt. Zum Vergleich: Eine Geforce GTX 280 genehmigte sich unter Last zwar satte 236 Watt, brauchte im Ruhezustand aber nur 25 Watt.

Fazit: Die 3D-Leistung ist für aktuelle 19-Zoll- oder 22-Zoll-Auflösungen von 1280 x 1024 oder 1680 x 1050 Bildpunkte völlig ausreichend – dies gilt für alle aktuellen und die kommenden DirectX-9- und -10-Titel von 2008. Für 170 Euro lieferte die Karte teils deutlich mehr Bilder pro Sekunde als die Konkurrenzprodukte von Nvidia, verbrauchte dabei weniger Strom und blieb auch noch sehr leise. Während Nvidia wohl auch in Zukunft die Tempokrone aufbehalten dürfte, wird sich AMD voraussichtlich mehr und mehr als Preis-Leistungs-Sieger durchsetzen und so in der Mittelklasse wieder Fuß fassen.

Alternativen: Schließen Sie zwei 4850er zusammen, erhalten Sie in etwa so viel Leistung wie eine Grafikkarte mit Nvidia-Geforce-GTX-280-Chip, sparen dabei aber rund 150 Euro. Und wenn Sie noch mehr Leistung benötigen, können Sie auch drei dieser Modelle in einem PC verheiraten. Dafür sind natürlich eine entsprechende Hauptplatine, ein starkes Netzteil sowie eine leistungsfähige CPU nötig.

Einkaufsratgeber Grafikkarten - darauf müssen Sie achten.

Montag den 23.06.2008 um 14:45 Uhr

von Christian Helmiss

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