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AMD Phenom X4 9950 Black Edition

10.10.2008 | 14:14 Uhr |

Mit 2,6 GHz Taktfrequenz ist der Phenom X4 9950 AMDs neues Vierkern-Spitzenmodell. Wir prüfen, ob AMD für sein Flaggschiff einen wettbewerbsfähigen Mix aus Preis und Leistung gefunden hat.

Martialisch verpackt: die Black Edition der Phenom-Prozessoren
Vergrößern Martialisch verpackt: die Black Edition der Phenom-Prozessoren
© 2014

Der aktuell taktstärkste Desktop-Vierkerner Phenom X4 9950 von AMD stammt aus der B3-Kernrevision, bei der AMD den TLB-Fehler (Translation Lookaside Buffer) behoben hat . Auch der Hypertransport-Link des 2,6-GHz-Vierkerners läuft mit dem derzeit maximal möglichen Takt von 2 GHz. Die Taktfrequenzen sind also schon einmal viel versprechend, doch wie sieht’s mit dem Preis aus?

Hier geht AMD ebenfalls an die Schmerzgrenze: Bereits ab rund 140 Euro wandert AMDs aktuelles Flaggschiff über die Ladentheke. Wahnsinn, wenn man bedenkt das AMD für seine Spitzenmodelle wie etwa den Athlon 64 FX-60 vor gut anderthalb Jahren noch deutlich über 1000 Euro kassieren konnte, bevor Intels erster Core-Prozessor „Conroe“ AMDs Top-CPUs entzauberte . Doch diese Zeiten sind vorbei, AMD muss mittlerweile seine Prozessoren verschleudern, um Intel Paroli bieten zu können. Was für Sie als potentieller Käufer ein Segen ist, drückte bei AMD Umsatz, Gewinn und Marktanteile und trieb den Prozessor-David zwangsläufig in die Arme eines potenten Geldgebers – diese Woche gab AMD den Einstieg des arabischen Investors ATIC aus Abu Dhabi bekannt.

Stromverbrauch: Eine heftige Verlustleistung von 140 Watt hat AMD dem Phenom X4 9950 in die Papiere geschrieben. Das lässt nichts Gutes für den Energieverbrauch des 65-Nanometer-Vierkerners vermuten - unsere Messungen bestätigen diese Prognose: Im Leerlauf hatte das Testsystem des 9950 ebenso wie der Vorgänger Phenom X4 9850 mit 185 Watt den höchsten Verbrauch aller bisher getesteten CPUs. Zum Vergleich:

Intels Top-CPU Core 2 Extreme QX9770 verbrauchte im Leerlauf mit 158 Watt nur 85 Prozent der Energie des Phenom X4 9950 – und das trotz der deutlich höheren Taktrate von 3,2 GHz. Allerdings fertigt Intel sein Spitzenmodell bereits im energieeffizienteren 45-Nanometer-Verfahren. Doch auch im hausinternen Vergleich der 65-Nanometer-Prozessoren von AMD macht der Phenom X4 9950 keine gute Figur. Sein Testsystem benötigte beispielsweise im Leerlauf gut 12 Prozent mehr Strom als das seines 2,3-GHz-Kollegen Phenom X4 9600 (162 Watt).

Noch schlechter ist es um den Stromverbrauch unter Volllast bestellt: Das 9950er-Testsystem stellte mit 318 Watt einen neuen Negativrekord auf – auch wenn der Vorgänger Phenom X4 9850 bei dieser Messung bereits 311 Watt verheizte. Zum Vergleich: Intels Quad-Core-Flaggschiff Core 2 Extreme QX9770 verbrauchte unter Vollast mit 222 Watt nur 70 Prozent der Energie des Phenom X4 9950. Das es auch bei Prozessoren aus der 65-Nanometer-Fertigung sparsamer geht, zeigt wiederum der Phenom X4 9600, dessen Testplattform unter Volllast „nur“ 256 Watt (80 Prozent) aus dem Netzteil zog.

Übersicht: Stromverbrauch bei voller CPU-Auslastung

Prozessor

Testplattformverbrauch (Watt)

Intel Core 2 Duo E7200

148

Intel Core 2 Duo E8500

159

Intel Core 2 Duo E8400

160

Intel Core 2 Duo E6750

176

Intel Core 2 Duo E8600

180

Intel Core 2 Quad Q9450

186

Intel Core 2 Extreme QX9650

198

AMD Phenom X4 9100e

203

AMD Phenom X3 8450

203

Intel Core 2 Quad Q6600

215

Intel Core 2 Extreme QX9770

222

AMD Phenom X3 8750

238

AMD Phenom X4 9600

256

AMD Athlon 64 X2 6400+ Black Edition

264

AMD Phenom X4 9850 Black Edition

311

AMD Phenom X4 9950 Black Edition

318

Eine noch wichtigere Kenngröße als der Bruttoenergieverbrauch der Testsysteme stellt die Rechenleistung pro Watt dar: Sie ist ein Hinweis darauf, wie effizient der Prozessor Energie in Rechengeschwindigkeit umsetzt. Hier schnitt der Phenom X4 9950 Black Edition im hausinternen Vergleich nicht ganz so schlecht ab. Mit 26,3 Punkten pro Watt positionierte er sich beispielsweise hinter dem Vierkerner Phenom X4 9600 (29,0 Punkte/Watt), aber vor dem X4 9850 (26,0 Punkte/Watt) sowie der Dreikern-Baureihe Phenom X3 (24,8 bis 25,1 Punkte/Watt).

In einer ganz anderen Liga - dank fortschrittlicher Fertigung - spielt hingegen die Intel-Konkurrenz. Mit 57,2 Punkten pro Watt ging Intels Top-Prozessor Core 2 Extreme QX9770 mehr als doppelt so effizient mit Energie um, wie AMDs Vierkern-Flaggschiff. Selbst den Vergleich mit Intels 65-Nanometer-CPU Core 2 Quad Q6600 (40,6 Punkte/Watt) verliert der Phenom X4 9950 Black Edition deutlich.

Ausstattung: Den Zusatz Black Edition trägt der Phenom X4 9950 wegen des frei wählbaren Multiplikators. Dadurch lässt sich der Prozessor bequem übertakten, ohne den Referenztakt ändern zu müssen, der wie gehabt bei 200 MHz liegt. Zudem glänzt der 2,6-GHz-Phenom mit tadellosem Funktionsumfang: Er verfügt über 128 KB L1- sowie 512 KB L2-Cache pro Kern. Zudem teilen sich die vier Rechenkerne einen gemeinsamen 2 MB großen L3-Cache.

Der im Prozessor integrierte 128 Bit breite Speichercontroller unterstützt DDR2-SDRAM des Typs PC800 und PC1066. Mit an Bord sind neben den bewährten zusätzlichen Befehlssätzen 3DNow, MMX, SSE, SSE2 und SSE3 auch das moderne SSE4a. Zudem beherrscht der Phenom X4 9950 die Virtualisierungs-Technik AMD-V und unterstützt 32- und 64-Bit-Betriebssysteme via AMD 64.

Technischer Leckerbissen: Unabhängige dynamische Takt- und Spannungsversorgung (DICE)
Vergrößern Technischer Leckerbissen: Unabhängige dynamische Takt- und Spannungsversorgung (DICE)
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Die verbesserte Energiespartechnik Cool'n'Quiet 2.0 erlaubt die dynamische Spannungsregelung der Rechenkerne und des integrierten Speichercontrollers. Zudem lässt sich mittels der Technik DICE ( Dynamic Independent Core Engagement ) die Taktfrequenz aller Prozessorkerne unabhängig voneinander dynamisch regulieren. So kann beispielsweise ein voll ausgelasteter Rechenkern mit maximalem Takt arbeiten, ein halb ausgelasteter Kern den Takt auf 50 Prozent reduzieren und die beiden unbeschäftigten Kerne begeben sich in den Ruhemodus.

Rechenleistung: Im Rendering-Test von Cinebench 10 - eine der Paradedisziplinen für Vierkern-CPUs - stellte der Phenom X4 9950 Black Edition mit 8367 Punkten einen neuen Rekord unter allen bisher getesteten AMD-Prozessoren auf. Kommt die Intel-Konkurrenz ins Spiel, muss der 9950 mit Rang 5 Vorlieb nehmen und reiht sich hinter allen bisher von uns untersuchten Intel-Vierkernern ein. Pickt man sich den etwa gleich teuren Core 2 Quad Q6600 heraus, verbuchte die Intel-CPU unter Cinebench 10 einen knappen Vorsprung von rund 4 Prozent (8724 Punkte). Über alle Benchmarks gemittelt musste der Phenom X4 9950 sogar die drei von uns getesteten Modelle E8400, E8500 und E8600 aus Intels Doppelkern-Baureihe Core 2 Duo E8000 vorbeiziehen lassen.

Unterm Strich ist AMDs neues Flaggschiff aber dem in der gleichen Preisklasse spielenden Core 2 Quad Q6600 ebenbürtig. Intels 2,67-GHz-Vierkerner ist nur minimal schneller und muss sich in einigen Tests dem Phenom X4 9950 Black Edition geschlagen geben. So war der X4 9950 beispielsweise im CPU-Benchmark von 3D Mark 06 mit 3617 Punkten gut 2 Prozent vor Intels Q6600. Im hausinternen Vergleich konnte der X4 9950 gegenüber seinem Vorgänger X4 9850 Black Edition, je nach Benchmark, zwischen 3 und 5 Prozent zulegen. Dafür, dass der Taktunterschied nur 100 MHz (plus 4 Prozent) beträgt, ist die Leistungsausbeute ordentlich.

Aber auch die Multi-Media-Fähigkeiten des Phenom X4 9950 Black Edition müssen sich nicht vor der Intel-Konkurrenz verstecken. So benötigte AMDs Flaggschiff unter Apples iTunes für die Encodierung des 1080i-HD-Trailers von Ice Age 2 ins MPEG-4-Format 133 Sekunden und war damit exakt genauso schnell fertig wie Intels Core 2 Quad Q6600.

Fazit: AMDs Rechnung geht auf. Endlich hat der Prozessor-David wieder eine flotte CPU im Angebot, die mit ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis der übermächtigen Intel-Konkurrenz Paroli bieten kann. Einen fetten Minuspunkt müssen wir dem Phenom X4 9950 Black Edition allerdings für den wahnwitzig hohen Stromverbrauch ins Zeugnis schreiben. Diesen - durch die nicht mehr zeitgemäße 65-Nanometer-Fertigung verursachten - Wettbewerbsnachteil, wird AMD wohl erst kompensieren können, wenn Ende 2008 in Dresden die ersten 45-Nanometer-Chips vom Band rollen.

Dank der sehr guten Ausstattung - hier ist AMD mit seiner unabhängigen dynamischen Takt- und Spannungsversorgung technisch immer noch führend - und dem vergleichsweise niedrigen Preis von rund 140 Euro ist AMDs Vierkern-Flaggschiff unterm Stich wieder eine Alternative für den von Intel de facto monopolisierten Desktop-Prozessormarkt. Empfehlenswert ist der AMD-Prozessor in jedem Fall für alle, die das maximales Tempo aus ihrem Rechner mit AM2(+)-Hauptplatine herauskitzeln wollen.

Alternativen: Über alle Benchmarks gemittelt bietet Intels Core 2 Quad Q6600 eine Rechenleistung auf ähnlich hohem Niveau, verbraucht aber deutlich weniger Strom. Wenn Sie hingegen hauptsächlich Programme einsetzen, die maximal zwei Rechenkerne auslasten, sind Sie mit einem Zweikerner wie dem AMD Athlon 64 X2 6400+ Black Edition oder Intels Preis-Leistungs-Wunder Core 2 Duo E8500 besser beraten.

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