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AMD Radeon Software Crimson im Treiber-Check

27.11.2015 | 11:00 Uhr |

Aus Catalyst wird Crimson, sonst ändert sich nix – falsch gedacht, denn AMD hat seine Grafikkarten-Treibersoftware von Grund auf erneuert. Welche Änderungen der Chip-Hersteller vorgenommen hat und ob das Auswirkungen auf die Leistung hat, erfahren Sie in unserem ausführlichen Treiber-Check.

Mit Radeon Software Crimson stellte AMD seine komplett überarbeitete Grafikkarten-Treibersoftware vor – damit ist auch der altbekannte Catalyst-Treiber Geschichte. Und AMD will sich Mühe gegeben haben: Die Grundlage der gesamten Software soll Stabilität sein, auf die vier Säulen aufbauen: Benutzererfahrung, Funktionen, Leistung und Effizienz. Inwieweit der Chip-Hersteller auch in der Realität Recht behält, klärt unser Treiber-Check. AMD Radeon Crimson Software: Hier herunterladen!

Flotter, hübscher und übersichtlicher

Schon beim ersten Start von Radeon Crimson Software bemerken wir bereits, dass der neue Treiber nicht nur flotter auf dem Bildschirm erscheint, sondern auch die Navigation innerhalb des Programms gefühlt reaktionsfreudiger ausfällt. Das kommt daher, dass AMD bei der Programmierung von Crimson nicht mehr wie auf Microsoft .NET setzt, sondern auf das Qt-Framework. Laut AMD soll sich dieses Programmiergerüst besser anpassen lassen und effizienter arbeiten.

Crimson ist deutlich moderner, aufgeräumter und flotter als sein Vorgänger Catalyst.
Vergrößern Crimson ist deutlich moderner, aufgeräumter und flotter als sein Vorgänger Catalyst.

Auch das Design ist komplett neu und wirkt deutlich frischer und übersichtlicher: Die wichtigsten Funktionen befinden sich nun in Form von Reitern im oberen Teil von Crimson, in der Mitte erfolgt die Darstellung der jeweiligen Menüs, während sich an der Fenster-Unterseite die Einstellungen finden lassen. Beim Design setzt AMD auf eine leicht transparente, anthrazitfarbene Benutzeroberfläche, die deutlich moderner als der altbackene Catalyst daherkommt. Bei der Übersichtlichkeit und der Benutzerführung kann der Crimson also schon einmal deutlich punkten!

Einzelne Profile für Spiele und Anwendungen

Unter dem Menüpunkt Spiele lassen sich nun für Spiele und Anwendungen individuelle Einstellungen vornehmen. Mit einem Klick auf das jeweilige Programm erscheint erst einmal das „Profil Grafikkarte“. Dort lassen sich verschiedene Grafik-Einstellungen vornehmen, wie beispielsweise den Kantenglättungsmodus, die Qualität der Texturfilterung oder auch Optionen zur vertikalen Synchronisation. „Shader-Cache“ speichert Shader auf Ihrer Festplatte, um eine geringere CPU-Auslastung und damit weniger Ruckler zu erreichen – allerdings muss das Spiel diese Technik unterstützen. Die „Frame Rate Target Control“ ist eine Funktion, um die Bildrate (also Bilder pro Sekunde) mit Hilfe des Schiebereglers auf ein beliebiges Maximum zu limitieren – in Crimson hat AMD die Beschränkung auf 200 Bilder pro Sekunde angehoben. Durch diese Frameraten-Begrenzung soll die Grafikkarte weniger Strom verbrauchen.

Für jede einzelne Anwendung lässt sich ein Grafikkarten-Profil anlegen: Dazu gehört auch die Bildraten-Begrenzung "Frame Rate Target Control" oder auch der "Shader-Cache", um Shader schneller zu laden.
Vergrößern Für jede einzelne Anwendung lässt sich ein Grafikkarten-Profil anlegen: Dazu gehört auch die Bildraten-Begrenzung "Frame Rate Target Control" oder auch der "Shader-Cache", um Shader schneller zu laden.

Das bietet sich vor allem in weniger aufwendigen Spielen wie MOBAs à la Dota 2 oder älteren Titeln an, bei denen die Grafikkarte dann nicht mehr unnötigerweise hunderte von Bildern pro Sekunde berechnen muss. Neu ist mit der Radeon Crimson Software, dass sich diese Funktion nun auch für ältere DirectX-9-Spiele aktivieren lässt. Unter „Globale Einstellungen“ lässt sich auch ein allgemeines Profil erstellen, dass dann für alle Anwendungen gilt.

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Als nächstes kommt das „Profil Overdrive“: Hier lassen sich die Taktfrequenzen und Lüftergeschwindigkeiten der Grafikkarte für jede Anwendung einzeln anpassen. Außer dem neuen Design hat sich hier nicht viel von der Bedienung her geändert. Nach wie vor lassen sich die aktuellen Werte wie GPU-Auslastung, -Frequenz und -Temperaturen in Echtzeit überwachen und über- respektive untertakten sowie die Lüftergeschwindigkeiten anpassen.

Auch in Sachen Overdrive ist es möglich, jede einzelne Anwendund mit einem eigenen Profil zu versehen. Bei der Bedienung hat sich kaum etwas geändert.
Vergrößern Auch in Sachen Overdrive ist es möglich, jede einzelne Anwendund mit einem eigenen Profil zu versehen. Bei der Bedienung hat sich kaum etwas geändert.

Anzeigenoptimierung und Freesync

Die Profile für die Videooptimierung bündelt AMD natürlich im Reiter „Video“. Hierfür bietet der Hersteller bereits einige vordefinierte Profile an, um Inhalte gebührend darzustellen: Filme schauen Sie dann wohl am besten mit „Cinema Classic“, Actioncam-Aufnahmen mit „Helmvideo“. Unter „Benutzerdefiniert“ legen Sie selbst Hand an. Doch diese Profile beeinflussen nicht nur die Farbintensität oder Helligkeit, sondern auch tiefere Anpassungen kann AMD mit Hilfe der GPU durchführen: Zum Beispiel stabilisiert die Technik Steady Video verwackelte Handyvideos. Fluid Motion Video passt die Bildrate von Bewegtinhalten an die Bildwiederholfrequenz des Bildschirms an für eine flüssigere Wiedergabe.

Unter "Video" gibt Ihnen Crimson Einstellung an die Hand, um die Bildqualität von Videos zu verbessern. Neben vordefinierten Profilen dürfen Sie unter "Benutzerdefiniert" auch selbst Hand anlegen.
Vergrößern Unter "Video" gibt Ihnen Crimson Einstellung an die Hand, um die Bildqualität von Videos zu verbessern. Neben vordefinierten Profilen dürfen Sie unter "Benutzerdefiniert" auch selbst Hand anlegen.

Die getätigten Einstellungen setzt Crimson sofort um, über „Demo aus“ deaktivieren Sie die Echtzeitvorschau. Apropos Videooptimierungen: Die A-Serien-APUs (Accelerated Processing Unit) FX 8800P und A10-8700P sollen mit dem neuen Treiber nun Videos flüssiger, schärfer und mit weniger Bewegungsunschärfe darstellen können.

Optionen wie die Downsampling-Technik Virtual Super Resolution oder die Synchronisations-Technik Freesync stellen Sie "Anzeige" ein.
Vergrößern Optionen wie die Downsampling-Technik Virtual Super Resolution oder die Synchronisations-Technik Freesync stellen Sie "Anzeige" ein.

In den Anzeigeneinstellungen dreht sich alles um Ihren Monitor und wie er Inhalte darstellen soll. Darunter fällt beispielsweise die Skalierung von Inhalten oder auch die Downsampling-Technik VSR (Virtual Super Resolution): Damit lassen sich Inhalte in höherer Pixelzahl darstellen, als der Monitor eigentlich nativ beherrscht. Der Bildsynchronisations-Technik Freesync spendiert AMD einige Neuerungen: Ein Glattbügeln der Bewegtdarstellung ist nun auch bei Bildraten möglich, die unter die niedrigste Monitor-Bildwiederholfrequenz fallen.

Virtual Super Resolution ist AMDs Downsampling-Technik und erlaubt (einfach erklärt) die Darstellung einer höheren Auflösung, als der Monitor nativ eigentlich beherrscht.
Vergrößern Virtual Super Resolution ist AMDs Downsampling-Technik und erlaubt (einfach erklärt) die Darstellung einer höheren Auflösung, als der Monitor nativ eigentlich beherrscht.
© AMD

AMD nennt dies „Low Framerate Compensation“ (LFC): Fällt die Bildrate und die jeweilige minimale Hertz-Zahl, erfolgt einfach eine Verdopplung des Bildes, um auch eine Verdopplung des Monitor-Refresh-Rate zu erreichen. Voraussetzung hierfür ist, dass die maximale Bildwiederholfrequenz des Bildschirms doppelt so hoch ist wie die niedrigste Frequenz. Beispielsweise kann ein Monitor mit maximal 60 Hertz und minimal 30 Hertz LFC also anwenden.

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Hinzu kommt noch, dass Freesync nun auch bald über HDMI funktionieren soll – bisher beschränkte sich die Technik nur auf die Displayport-Schnittstelle. Kompatible Monitore sollen ebenfalls bald in den Handel kommen.

Freesync beherrscht nun auch die flüssige Darstellung von Inhalten, wenn die Bildrate unter die niedrigste Monitor-Bildwiederholfrequenz fällt.
Vergrößern Freesync beherrscht nun auch die flüssige Darstellung von Inhalten, wenn die Bildrate unter die niedrigste Monitor-Bildwiederholfrequenz fällt.
© AMD

Weitere Verbesserungen und Funktionen in Crimson

  • Multi-Monitor-Betrieb: AMD Eyefinity erkennt nun selbstständig die ideale Monitor-Konfiguration und bietet eine sinnvolle Anordnung der Anzeigen an. Laut AMD soll die Trefferquote für die Konfigurationen bei über 90 Prozent liegen.

  • Mikroruckler: Frame Pacing, AMDs Technik um Mikroruckler beim Einsatz von zwei oder mehr Grafikkarten zu reduzieren, funktioniert nun auch mit DirectX-9-Spielen.

  • Benutzerdefinierte Auflösungen: Mit Crimson ist es möglich, eigene Auflösungen festzulegen und dabei auch Timings, Bildwiederholfrequenzen und Pixelraten der Bildschirme zu definieren.

  • 4K-Upscaling: Die adaptive direktionale Skalierung soll 1080p-Inhalte auf 4K-Bildschirmen glatter darstellen und den Treppcheneffekt an den Kanten minimieren.

  • Automatischer Kontrast: Der Algorithmus für den dynamischen Kontrast soll nun verbessert sein und sich automatisch bei jedem Video anpassen. Das Resultat sollen stärkere Kontraste sein, ohne die dunklen Bereiche aufzuhellen.

  • Reaktionsfreudigere Eingaben: Die sogenannte Flip Queue Size will AMD optimiert haben, indem nur noch ein Frame vorberechnet wird anstelle von drei. Auf diese Weise sollen Spiele Eingaben von Maus und Tastatur schneller umsetzen.

  • Nutzer-Feedback: AMD möchte seine Qualitätssicherung steigern und stellt ein eigenes Kontaktformular bereit, um Fehler im Treiber zu melden. Der Hersteller möchte nach eigenen Angaben künftig mehr auf die Nutzer hören und Fehler ausmerzen.

  • Treiber-Deinstallation: Mit dem Programm AMD Clean Uninstall Utility lassen sich die AMD-Grafiktreiber nun restlos vom System entfernen, inklusive Registry-Einträge. Das bietet sich eigentlich vor jeder Treiberaktualisierung an.

Hier noch einmal die wichtigsten Neuheiten und Verbesserungen der Radeon Crimson Software im Überblick.
Vergrößern Hier noch einmal die wichtigsten Neuheiten und Verbesserungen der Radeon Crimson Software im Überblick.
© AMD

Gesteigerte Performance und weniger Stromverbrauch

Es ist ja bereits bekannt, dass Radeon-Grafikkarten unter DirectX 12 eine bessere Leistung erzielen als Geforce-Grafikkarten. Mit Crimson soll eine weitere Steigerung von bis zu 20 Prozent im Vergleich zur letzten Catalyst-Version drin sein. Verbessert will AMD auch die Leistung in aktuellen Spielen wie Call of Duty: Black Ops 3 oder Rainbow Six: Siege und gibt eine Steigerung von fünf bis 15 Prozent an. Auch unter Linux sollen Spiele mit Crimson nun flotter laufen. Gleichzeitig soll es auch besser um die Energieeffizienz stehen, AMD spricht hier von einer bis zu 23-prozentigen Verbesserung des Leistung-pro-Watt-Verhältnisses.

Besonders die Leistung in den aktuellsten Spielen will AMD mit Crimson gesteigert haben.
Vergrößern Besonders die Leistung in den aktuellsten Spielen will AMD mit Crimson gesteigert haben.
© AMD

Praxistest: Catalyst gegen Crimson

Wir haben den Test gemacht und die Bildrate und den Stromverbrauch mit dem letzten Catalyst-Treiber und der neuen Radeon Crimson Software verglichen, die Ergebnisse sehen Sie in der Tabelle weiter unten. Während in Battlefield 4 und Witcher 3 die Bildrate kaum gestiegen ist, hat sich etwas beim Stromverbrauch getan: In Battlefield 4 sinkt der Verbrauch von 411 auf 393 Watt, in Witcher 3 steigt er dagegen von 377 auf 388. Im synthetischen Benchmark 3DMark starten wir Firestrike und erhalten unter Crimson ein etwas besseres Ergebnis. Die Resultate sind also deutlich vom Spiel abhängig und schwanken merklich. Zum Testverfahren: Wir verwendeten beim Test eine Gigabyte R9 290X OC und den Catalyst-Treiber der Version 15.8.

Vergleich: Grafiktreiber-Performance

Catalyst 15.8

Crimson 15.11

Battlefield 4: Bilder pro Sekunde (Durchschnitt)

74 Bilder/s

75 Bilder/s

Battlefield 4: Stromverbrauch (gesamte Testplattform, Maximalwert)

411 Watt

393 Watt

Witcher 3: Bilder pro Sekunde (Durchschnitt)

43 Bilder/s

44 Bilder/s

Witcher 3: Stromverbrauch (gesamte Testplattform, Maximalwert)

377 Watt

388 Watt

3DMark: Firestrike

10810 Punkte

10869 Punkte

Fazit zur AMD Radeon Crimson Software

Das große Treiber-Update von Catalyst auf Crimson weiß zu gefallen: Die Benutzeroberfläche hat ein längst überfälliges Redesign erfahren, das nun moderner und frischer wirkt. Außerdem ist die Navigation nun übersichtlicher, womit sich auch Laien schneller zurechtfinden dürften: Nützliche Funktionen wie die Bildraten-Beschränkung Frame Rate Target Control sind nun flotter greifbar.

Auch das Anlegen der Anwendungsprofile geht einfach von der Hand. Insgesamt funktioniert Crimson auch viel schneller als sein Vorgänger. Dass die Leistungssteigerungen in Spielen nicht allzu krass ausfallen ist nicht so schlimm: AMD möchte in Zukunft mehrere größere Treiber-Updates im Jahr veröffentlichen und hat also Zeit um nachzubessern. Auch der effizientere Stromverbrauch ist nicht allgegenwärtig, sondern von der Anwendung abhängig.

Nichtsdestotrotz: Ein Schritt in die richtige Richtung, der schon lange nötig war. Und von einer Zwangsregistrierung für die neusten Treiber-Updates ist glücklicherweise auch (noch?) nichts zu sehen.

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