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3D-Drucker im Vergleich

27.01.2014 | 16:45 Uhr |

Reicht ein Einstiegs-3D-Drucker wie der Pearl Freesculpt aus oder sollte es ein Profigerät wie der Makerbot Replicator 2 sein? Eine Antwort gibt der Vergleich.

Bei 3D-Druckern für den Desktop gehen die Gerätepreise immer weiter auseinander. Aktuell macht der Pearl Freesculpt EX-1 Basic als günstiges Einstiegsgerät von sich reden. Die Basisvariante kommt auf 800 Euro. Legen Sie noch 200 Euro drauf, erhalten Sie den iRapid Black. PC-WELT lässt diese Geräte gegen den Profidrucker Makerbot Replicator 2 antreten. Für den Profi-3D-Drucker müssen Sie rund 2400 Euro in die Hand nehmen. Ob sich die Investition lohnt oder der Einstiegsdrucker ausreicht, klärt der Vergleichstest.

Pearl Freesculpt EX1-Basic
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Makerbot Replicator 2
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iRapid Black
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© iRapid

Alle drei Modelle sind Fertiggeräte. Im Gegensatz zu Bausätzen müssen sie nicht erst zusammengesetzt werden, um einsatzbereit zu sein. Rein optisch unterscheiden sie sich: Das Gehäuse des Replicator 2 ist aus Metall, während Freesculpt und iRapid auf Kunststoff vertrauen. Die Folge: Beim Drucken bleibt der Replicator 2 vibrationsarm und relativ leise. Beim Freesculpt und iRapid ist die Dämpfung wesentlich schlechter: Sie puffern die mechanischen Bewegungen wenig ab. Alle drei Maschinen arbeiten mit dem Schichtschmelzverfahren (Fused Depositing Modeling), bei dem Kunststoffdraht erhitzt und auf einer Plattform aufgebracht wird. Durch das Übereinandersetzen der einzelnen Schichten entsteht das Objekt. Die Maschinen sind auf unterschiedliche Kunststoffe optimiert: Replicator 2 und iRapid Black werden mit PLA-, der Freesculpt mit ABS-Filament ausgeliefert. Die Drahtstärken sind jedoch identisch.

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Installation – hier helfen Routinen

In allen Fällen müssen die Plattformen justiert und die Materialrollen an den Rückseiten der Geräte montiert werden. Behilflich sind Routinen, die sich über das jeweilige Bedienpanel starten lassen. Der wesentliche Unterschied liegt in den Plattformen der Geräte. Beim Freesculpt heizt sie sich auf, damit der Kunststoff besser darauf haftet. Außerdem ist die eigentliche Heizplatte mit einer Lochplatte abgedeckt. Sie verhindert, dass die Heizeinheit verkratzt und hilft, das fertige Objekt leichter abzulösen. Replicator 2 und iRapid Black kommen ohne Heizung aus und verwendet nur eine Platte, die sich abnehmen lässt. Beim iRapid sogar besonders elegant, da die Plattform auf Magneten gelagert ist.

Druckersoftware Makerware: schnell zu bedienen
Vergrößern Druckersoftware Makerware: schnell zu bedienen

Software - enorme Unterschiede

In den Programmen unterscheiden sich die 3D-Drucker stark. Beim Replicator 2 lädt sich der Anwender das kostenlose Programm Makerware von der Webseite herunter. So erhält er stets die aktuellste Version. In der Software lässt sich die Vorlage drehen, in der Größe verändern und auf den Druck vorbereiten. Das Programm reagiert flott und ist trotz englischer Sprache verständlich aufgebaut.

Druckersoftware Myriwell: träge und teils wenig logisch
Vergrößern Druckersoftware Myriwell: träge und teils wenig logisch

Beim Freesculpt wird das Programm Myriwell mitgeliefert. Es bietet weniger Einstellungen und reagiert etwas träge, wenn wir das Objekt bewegen, skalieren oder auf der Plattform platzieren. Bei den Einstellungen für den Drucker ähnelt es der Makerware. Definiert werden die Stärken von Faden, Wänden und Füllungen. Außerdem stellen wir hier ein, ob ein Raft – eine Hilfsplattform – sowie Stückstrukturen gedruckt werden sollen. Warum man dazu jedoch auf „J“ klicken muss, ist nicht ersichtlich. Bei der Makerware klickt man auf das „M“, das für make (machen) steht – das ist wesentlich logischer.

viele Einstellmöglichkeiten: Repetier Host
Vergrößern viele Einstellmöglichkeiten: Repetier Host

Der iRapid Black baut auf die Open-Source-Software Repetier Host, die auch bei den Reprap-Modellen Mendel und Prusa zum Einsatz kommt. Die an den iRapid Black angepasste Version lässt sich beim Hersteller herunterladen. Sie bietet viele Einstellmöglichkeiten. Wie bei den anderen 3D-Druckern liegt ihre Hauptaufgabe im Slicing, dem Aufteilen der 3D-Vorlage in druckbare Schichten. Das macht sie im Test relativ zügig, allerdings mit Varianzen, wie die Druckergebnisse identischer Vorlagen zeigen.

Detailreich: Fertiges Objekt aus dem Makerbot Replicator 2
Vergrößern Detailreich: Fertiges Objekt aus dem Makerbot Replicator 2

Qualität und Geschwindigkeit der 3D-Drucker

In beiden Punkten liegt der Replicator vorne. Er zeigt im Ausdruck die meisten Details und hat den Vorzug, dass wir die Testobjekte nicht nachbearbeiten müssen, wie das beim Freesculpt in der Regel der Fall ist. Da dieser auf eine Lochplatte druckt, ist ein Raft meist unumgänglich. Beim Entfernen dessen bleiben Noppen, die nach dem Druck weggeschliffen werden müssen. Aber auch sonst sehen wir an jedem Testobjekt Stellen, die wir verbessern müssen. Ähnlich wenig Mühe im Nachgang wie der Replicator 2 verursacht auch der iRapid Black. Die Objekte haben von Anfang an eine glatte Standfläche.

Fertige Tasse aus dem Pearl Freesculpt EX1-Basic
Vergrößern Fertige Tasse aus dem Pearl Freesculpt EX1-Basic

Im Schnitt arbeitet der Replicator 2 am schnellsten. An zweiter Stelle steht hier der iRapid Black, während sich das Pearl-Modell am längsten Zeit lässt. Schon bei kleinen Objekten macht sich das bemerkbar: So benötigt der Freesculpt für unser Testobjekt 55 Minuten, während der Replicator nach 45 fertig ist. Je größer die Objekte, desto wichtiger wird auch der Zeitfaktor. Denn der Druck eines größeren Objektes kann schon einmal mehrere Stunden dauern. Hier sollten die 3D-Drucker auch unbeaufsichtigt werkeln. Der Pearl hat hier die Nase vorn. Seine Materialführung ist am besten gelöst. Einen Tick dahinter folgt der Replicator 2. Am meisten beaufsichtigen müssen wir das Filament-Management beim iRapid Black.

Fazit – 3D-Druck noch nicht massentauglich

Für ein Fertiggerät ist der Freesculpt günstig. Dafür arbeitet er relativ geräuschvoll. Außerdem kommt man um ein Nachbearbeiten der Objekte meist nicht herum. Der iRapid Black liefert schon feinere Objekte, kostet aber auch mit rund 1000 Euro einen Zacken mehr. Der Replicator 2 ist kostspielig in der Anschaffung, druckt aber sehr genau und vergleichsweise schnell. Der Freesculpt ist ein erster Versuch, den 3D-Druck für ein breites Publikum zu öffnen. Das gelingt aber nur bedingt, denn in der vorliegenden Form bleibt das Verfahren erklärungsbedürftig und nur für experimentierfreudige Anwender geeignet. Das gilt auch für die anderen Kandidaten. Allerdings bietet hier der Replicator 2 noch den größten Spielraum und höchste Leistungsfähigkeit, so dass die Ergebnisse die eingesetzte Mühe wert sind. Knackpunkt bleibt hier jedoch die relativ hohe Investition, die den Heimanwender wohl abschrecken wird, wenn er das Gerät nicht in irgendeiner Weise auch beruflich einsetzen kann.

Zu den ausführlichen Testberichten inklusive Bildergalerien, technischer Daten und Videos: Pearl Freesculpt EX1-Basic , Makerbot Replicator 2 , iRapid Black

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