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Western Digital Velociraptor WD3000GLFS

14.07.2008 | 11:33 Uhr |

Mit bis zu 10.000 Umdrehungen pro Minute arbeitet die Western Digital Velociraptor WD3000GLFS - das verspricht hohe Transferraten und kurze Zugriffszeiten. Unser Test klärt, ob die Rekordjagd der 300-GB-Festplatte von Erfolg gekrönt ist.

Western Digitals Velociraptor WD3000GLFS ist ein Exot unter den Desktop-Festplatten. Charakteristisch für die Raubsaurier-Laufwerke des Herstellers ist die hohe Rotations-Geschwindigkeit, die bei maximal 10.000 Umdrehungen pro Minute liegt. Im Gegensatz zum Vorgänger Raptor X WD1500AHFD speichert die Velociraptor Daten allerdings nicht mehr auf 3,5-, sondern auf 2,5-Zoll-Magnetscheiben.

Daher müsste die WD3000GLFS eigentlich in der 2,5-Zoll-Klasse antreten, wäre da nicht der Lamellenkühler im 3,5-Zoll-Format, den Western Digital dem Laufwerk zur Seite stellt. Der vom Hersteller als „Icepack“ bezeichnete Kühlkörper samt 3,5-Zoll-Einbaurahmen ist notwenig für den stabilen Dauerbetrieb. Er leitet die durch das hohe Rotationstempo verursachte Hitze im Gehäuseinneren effektiv nach außen ab. Für den mobilen Einsatz im Notebook taugt die Velociraptor WD3000GLFS also nicht, zumal Ihre Bauhöhe mit 15 Millimetern die Norm gleich um 5,5 Millimeter überschreitet.

Ebenfalls erwähnenswert ist die erweiterte Garantiezeit der Velociraptor WD3000GLFS: Western Digital gewährt volle fünf Jahre. Dazu passt die für Desktop-Laufwerke vergleichsweise lange MTBF (Mean Time Between Failures), also die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen, die laut Hersteller bei 1,4 Millionen Stunden liegt. Üblich ist im Desktopbereich eine MTBF von maximal 600.000 Stunden.

Eine weitere Besonderheit der Velociraptor WD3000GLFS ist die Technik Rotary Acceleration Feed Forward (RAFF) . Die aus dem Server-Bereich stammende Technik ermittelt Störschwingungen von anderen Festplatten, die im gleichen Laufwerkskäfig montiert sind. Das erlaubt es RAFF die Position der Schreib-Lese-Köpfe sowie die Rotationsgeschwindigkeit der Datenscheiben optimal an die momentan vorherrschenden Störschwingungen anzupassen, um eine gleichbleibend hohe Datentransferrate zu gewährleisten (siehe auch nebenstehendes Blockdiagramm).

Ausstattung: Die Western Digital Velociraptor WD3000GLFS speichert Daten auf zwei Magnetscheiben, denen je zwei Schreib-Lese-Köpfe zugeordnet sind. Zur Pufferung von Daten steht ein 16 MB großer Cache zur Verfügung. Das 2,5-Zoll-Laufwerk vertraut einer modernen SATA/300-Schnittstelle, die Transferraten von theoretisch bis zu 300 MB/s erlaubt. Die Stoßfestigkeit im ausgeschalteten Zustand – die Velociraptor „parkt“ dann die Schreib-Lese-Köpfe neben den Datenscheiben – liegt bei vergleichsweise niedrigen 300 Gravitationskonstanten (G) , im Betrieb sinkt sie auf 65 G. Die Bruttokapazität von 300 GB verkleinert sich nach NTFS-Formatierung auf 279 GB. Da die WD3000GLFS aktuell ab rund 215 Euro zu haben ist, beträgt der Preis pro GB exorbitante 77 Cent. Damit kostet das GB bei dem Western-Digital-Laufwerk sieben mal so viel wie bei der derzeit preisgünstigsten 3,5-Zoll-Festplatte im Test, der Samsung Spinpoint T166 HD501LJ .

Geschwindigkeit: Die Western Digital Velociraptor WD3000GLFS wird ihrem Namen gerecht und stellte dank der hohen Rotationsgeschwindigkeit von 10.000 Umdrehungen pro Minute bei sämtlichen Datenratenmessungen Rekordwerte auf. Einzige Ausnahme: Nur bei der maximalen Schreibrate musste sich die Velociraptor mit 123,4 MB/s dem bis dato amtierenden Tempo-Champion Samsung Spinpoint F1 HD103UJ (124,9 MB/s) knapp geschlagen geben. Doch bereits bei der zweiten Transferratenmessung, der maximalen Leserate, setzte sich das Western-Digital-Laufwerk mit exzellente 121,5 MB/s an die Spitze aller bisher getesteten 3,5-Zoll-Festplatten.

Bei der durchschnittlichen Transferrate, die maßgeblichen Einfluss auf die Leistung im täglichen Einsatz hat, übersprang das Western-Digital-Laufwerk als erste Festplatte die magische Grenze von 100 MB/s: Beim Lesen erreichte die Velociraptor WD3000GLFS formidable 100,3 MB/s und beim Schreiben scheiterte Sie mit 99,7 MB/s nur knapp an der 100-MB/s-Grenze. Damit erarbeitete sich das 300-GB-Laufwerk gegenüber der Samsung Spinpoint F1 HD103UJ einen Vorsprung von immerhin gut 8 beziehungsweise fast 4 Prozent.

Temposprung von mehr als 30 Prozent: Richtig davon zog das Western-Digital-Modell jedoch erst bei den minimalen Datenraten. Beim Lesen erreichte die Velociraptor WD3000GLFS exakt 76 MB/s und war beim Schreiben mit 74,8 MB/s kaum langsamer. Sagenhaft, wenn man bedenkt das einige 3,5-Zoll-Laufwerke der Vorjahresgeneration Schwierigkeiten haben, diese Werte bei der maximalen Datenrate zu erreichen. Aber auch gemessen an unserem bis dato amtierenden Tempokönig, der Spinpoint F1 HD103UJ von Samsung , macht die Velociraptor eine blendende Figur: Sie übertrumpfte die minimale Transferrate des Samsung-Modells beim Lesen um rund 38 und beim Schreiben um fast 31 Prozent.

Rekord-Zugriffszeiten: Dank den bis zu 10.000 Rotationen pro Minute glänzte die Western Digital Velociraptor WD3000GLFS auch mit neuen Bestwerten bei den Zugriffszeiten: Die durchschnittliche Zugriffszeit lag bei atemberaubenden 4,3 Millisekunden, üblich für gängige 7200er-Festplatten sind Werte zwischen 5,5 und 7,6 Millisekunden. Zudem erhöhte sich die durchschnittliche Zugriffszeit nach Aktivierung des automatischen Akustik-Managements (AAM) lediglich um 0,2 Millisekunden - hervorragend!

Ebenfalls ausgezeichnet fiel der Zugriff beim Fullstroke aus. Die Velociraptor benötigte hier 7,1 Millisekunden, herkömmliche 7200er-Laufwerke erreichen Werte zwischen 12,6 und 18,6 Millisekunden. Mit AAM erhöhte sich der Fullstroke-Zugriff auf 8,3 Millisekunden. Zum Vergleich: Der bisher flotteste Testprobanten Seagate Barracuda 7200.11 ST31000340AS , der seine Datenscheiben mit maximal 5400 Umdrehungen pro Sekunde rotieren lässt, benötigte dafür 13 Millisekunden.

Ergonomie: Das hohe Rotationstempo sorgt für Rekordwerte bei den Transferraten und Zugriffszeiten, geht aber wie erwartet auf Kosten des Betriebsgeräusches. Im Ruhezustand arbeitete die Western Digital Velociraptor WD3000GLFS mit 26,0 dB(A) respektive 0,6 Sone mit einer gerade noch akzeptablen Geräuschkulisse. Unter Volllast erhöhte sich der sprichwörtliche Lärmpegel des Western-Digital-Laufwerks jedoch auf 33,5 dB(A) beziehungsweise 1,4 Sone - in der Praxis macht sich das in der Regel selbst für unempfindliche Ohren störend bemerkbar. Auch die Aktivierung des AAM konnte das Betriebsgeräusch nur unwesentlich auf 32,5 dB(A) respektive 1,2 Sone reduzieren.

Fazit: Die Western Digital Velociraptor WD3000GLFS ist die mit Abstand schnellste Desktop-Festplatte und hat sich nicht nur den Testsieg, sondern auch unsere Tempo-Empfehlung ohne wenn und aber redlich verdient. Sowohl die pfeilschnellen Übertragungsraten als auch die exzellenten Zugriffszeiten machen das 300-GB-Laufwerk zur ersten Wahl für High-End-PCs, kompromisslose Spiele-Rechner und Festplatten-kritische Anwendungen wie beispielsweise Videobearbeitung. Dafür müssen potentielle Käufer allerdings ein lautes Betriebsgeräusch in Kauf nehmen und einen gesalzenen Preis von mindestens 215 Euro hinblättern: Umgerechnet sind das 77 Cent pro Gigabyte - bei so manchem Konkurrenzprodukt bekommen Sie dafür sieben mal so viel Kapazität.

Alternativen: Sie benötigen eine schnelle 3,5-Zoll-Festplatte, wollen aber nicht so viel Geld ausgeben? Dann empfehlen wir Ihnen die Samsung Spinpoint F1 HD103UJ . Die kostet nur die Hälfte und bietet zudem gut drei mal so viel Speicherplatz. Alternativ können Sie sich für rund 200 Euro einen pfeilschnellen Raid-0-Verbund aus vier Festplatten zusammenstellen, etwa mit dem flotten 320-GB-Laufwerk Western Digital Caviar SE16 WD3200AAKS oder der besonders günstigen 500-GB-Festplatte Samsung Spinpoint T166 HD501LJ .

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