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18 Schutzprogramme für Mac getestet [Update]

05.09.2014 | 11:51 Uhr |

Auch Mac-Systeme sollten vor Malware geschützt werden. Ein Test der Schutzprogramme renommierter Hersteller offenbart allerdings zum Teil eklatante Schwächen. Mehrere Anbieter sind bei der Prüfung glatt durchgefallen, andere bieten optimalen Schutz.

Zwar hält sich der Mythos hartnäckig, bei einem Mac-Rechner gäbe es keine Probleme mit Malware, doch das ist längst Geschichte. Spätestens seit seit dem Trojanischen Pferd Flashback sollte jedem Mac-Nutzer klar sein, dass auch Mac OS X anfällig für Schädlinge ist. Verglichen mit der Windows-Welt ist das Problem zwar um Größenordnungen kleiner, doch es besteht. Deshalb hat das Magdeburger AV-Test Institut in bewährter Manier 18 Antivirusprogramme für Mac auf den Prüfstand gestellt – mit teils erschreckenden Ergebnissen.

Alle Produkte sind einzeln auf identischen iMac-Systemen mit Intel i5-CPU (2,7 GHz) installiert und geprüft worden. Sie konnten jederzeit über das Internet auf die Hersteller-Server zugreifen, um etwa Cloud-Scans auszuführen oder Updates zu laden. Bei manuellen Scans (On-Demand) mussten die Virenscanner 117 Mac-Schädlinge erkennen, beim automatischen Scan des Hintergrundwächters (On-Access) 84 unterschiedliche Schädlinge. Auch die 100 beliebtesten Mac-Anwendungen mussten sie scannen, um eventuelle Fehlalarme aufzudecken. Schließlich haben die Tester noch 7,4 GB an Dateien auf der SSD umher kopiert, um die Bremswirkung des Hintergrundwächters zu prüfen.

Wir haben für die Malware-Erkennung jeweils zehn Punkte für On-Access und On-Demand verteilt. Bei mehr als 99 Prozent erkannter Schädlinge gibt es volle zehn Punkte, ab 60 Prozent abwärts keinen Punkt. Wer keine Fehlalarme produziert, bekommt fünf Punkte bei der Benutzbarkeit sowie weitere fünf, wenn die Kopiervorgänge um maximal zehn Prozent länger dauern als ohne Schutzprogramm. Stärkere Bremswirkung ergibt gestaffelt weniger Punkte.

Testergebnisse
Die gute Nachricht zuerst: kein Produkt hat einen Fehlalarm produziert. Diese Aufgabe war allerdings auch noch relativ einfach. Doch schon beim Kopieren der 7,4 GB Dateien hat sich gezeigt, dass die Programmierer bei MicroWorld und vor allem bei Trend Micro mit ihrer Aufgabe überfordert waren. Während die anderen Produkte den (ohne Virenwächter 17,2 Sekunden dauernden) Kopiervorgang nur um bis zu 20 Prozent (maximal drei Sekunden) verzögern, ist mit MicroWorld oder Trend Micro an Bord viel Geduld nötig. Mit dem MicroWorld-Wächter dauert das Kopieren über 40 Sekunden, Trend Micro verlängert die Aktion sogar auf mehr als siebeneinhalb Minuten (470 Sekunden).

Schutz (Punkte)

Benutzbarkeit (Punkte)

Punkte

Hersteller/Produkt

gratis?

On-Access

On-Demand

Fehlalarme

Kopierdauer

gesamt

Bitdefender Antivirus 2.21.4959

nein

10

10

5

5

30,0

Norman Antivirus 3.0.7664

nein

10

10

5

5

30,0

G Data Antivirus 2.30.5095

nein

10

10

5

4

29,0

Avast Free AntiVirus 9.0

ja

10

8

5

5

28,0

ESET Cyber Security Pro 6.0.9.1

nein

9

10

5

4

28,0

Panda Antivirus 10.7.8

nein

9

9

5

4

27,0

F-Secure Anti-Virus 1.0.282

nein

8

9

5

5

27,0

Intego VirusBarrier 10.8.1

nein

9

9

5

3

26,0

Sophos Anti-Virus 8.0.23

ja

8

8

5

5

26,0

MicroWorld eScan 5.5-8

nein

8

10

5

0

23,0

Kaspersky Internet Security 14.0.1.46c

nein

7

7

5

4

23,0

AVG AntiVirus 14.0

ja

4

4

5

5

18,0

Comodo Antivirus 1.1.214829.106

ja

3

4

5

5

17,0

Avira Free Antivirus 2.0.5.100

ja

2

1

5

5

13,0

McAfee Internet Security 3.1.0.0

nein

0

0

5

5

10,0

Symantec Norton Internet Security 5.6

nein

0

0

5

5

10,0

Webroot SecureAnywhere 8.0.6.105

nein

0

0

5

5

10,0

Trend Micro Titanium 3.0.1251

nein

0

0

5

0

5,0

Die richtigen Blamagen kommen allerdings noch: gestandene Antivirushersteller, die schon seit dem 20. Jahrhundert am Markt sind, schaffen es nicht, wenigstens 80 Prozent der Mac-Schädlinge zu entdecken. In diesem Test trifft das auf Trend Micro, McAfee, Symantec/Norton und Avira zu – Webroot macht es nicht besser. Dass es auch anders geht, zeigen Bitdefender und  Norman: beide erreichen die volle Gesamtpunktzahl. Knapp dahinter landet G Data, das geringfügig stärker bremst. Alle drei nutzen im Kern die gleiche Technik aus dem Hause Bitdefender und bauen ein eigenständiges Produkt um diesen Kern. MicroWorlds eScan nutzt ebenfalls das Bitdefender-Modul, der Wächter hat jedoch im Test zwei Schädlinge übersehen.

Das beste kostenlose Angebot kommt von Avast, dessen On-Access-Scanner alle Schädlinge entdeckt und auch den Kopiervorgang nur unwesentlich verzögert hat. Den zweitbesten Gratis-Scanner bietet Sophos an, landet damit insgesamt jedoch nur im Mittelfeld.

Fazit
Angesichts der relativ überschaubaren Aufgaben in diesem Test fällt das Resultat für einige renommierte Antivirusunternehmen recht blamabel aus. Während Trend Micro nahezu auf der ganzen Linie versagt, hat sich MicroWorld seine an sich sehr gute Erkennungsleistung durch die Kopierbremse verdorben. Doch es gibt Produkte, die sehr guten Schutz für Mac-Systeme bieten – und zumindest eines ist sogar kostenlos erhältlich.

Anmerkung zum Update: In der Kalkulationstabelle waren die Resultate für die Bremswirkung mehrerer Produkte um jeweils eine Position verrutscht. Durch die Korrektur dieses Fehlers ergibt sich eine signifikante Veränderung der Reihenfolge. Wir bitten diese Panne zu entschuldigen.

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