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15/17/19-ZOLL-TFT-DISPLAYS: WIE WIR TESTEN

12.10.2004 | 15:00 Uhr |

Wenn zu Hause oder am Arbeitsplatz ein Röhrenmonitor kaputt geht, soll immer öfter an seiner Stelle ein 15-, 17- oder 19-TFT-Display stehen. Es bietet eine Bildfläche wie ein 17-, 19- beziehungsweise 21-Zöller herkömmlicher Technik, benötigt aber sehr viel weniger Platz. Doch wie steht es um die Qualität der Displays? Die Fachwelt ist sich nicht ganz einig, welches Messverfahren für TFT-Schirme das geeignetste ist. Auch das PC-WELT-Testcenter hat mehrere Lösungsansätze ausprobiert. Am Ende stand fest: Ausschlaggebend ist die Praxis. Deshalb verlassen wir uns auf unsere Augen und kombinieren die subjektiven Eindrücke mit Messwerten.

Die PC-WELT bewertet die TFT-Displays in fünf Kategorien, wobei diese gewichtet in die Qualitätsnote eingehen (vergleiche Tabelle 1): Bildqualität (45 Prozent), Ausstattung (20 Prozent), Handhabung (15 Prozent), Ergonomie (15 Prozent) und Service (5 Prozent).

Vor Testbeginn
Unser Verfahren stellt die Bedingungen im Alltag nach. Deswegen erzeugen wir mit Deckenflutern eine Umgebung wie bei Tageslicht. Dank der Beleuchtung fällt kein direktes Licht auf die Geräte und beeinflusst die Bildqualität. Die Displays erreichen ihre optimale Betriebstemperatur, indem wir sie vor dem Test 60 Minuten bei voll aufgedrehtem Kontrast und Helligkeit ”aufheizen”.
Grundeinstellung : Verfügt ein Gerät über eine Auto-Adjust-Funktion, führen wir diese aus. Zudem aktivieren wir die Werkseinstellungen für die Phasen und überprüfen diese anhand eines Schwarzweiß-Bildes. Sollte ein Flimmern zu sehen sein, bessern wir manuell nach. Jetzt geht es an das Darstellungsspektrum. Mit Hilfe eines 64-Graustufen-Bildes justieren wir am Display Helligkeit und Kontrast so lange, bis sowohl die hellsten als auch die dunkelsten Stufen zu sehen sind. Das alles geschieht bei einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln.
Fünf Redakteure der PC-WELT nehmen die Geräte einzeln in Augenschein. Ihre Sehkraft hat ein Augenarzt untersucht. Er beurteilte die Sehschärfe genauso wie die Fähigkeit, Farben und räumliche Zusammenhänge zu unterscheiden. Welches Display gerade getestet wird, wissen die Tester nicht, denn Firma und Typenbezeichnung sind während der Prüfung verdeckt .

Die Test im Einzelnen

Bildqualität

Hier vergeben wir insgesamt 100 Punkte in den Bereichen Kontrast (maximal 25 Punkte), Farbe (maximal 25 Punkte), Blickwinkelabhängigkeit (maximal 20 Punkte) und Helligkeitsverteilung (maximal 30 Punkte). Einen Abzug erhält ein Display, sollten wir Pixelfehler entdecken (pro Fehler minus 10 Punkte). Dazu kommt der Dauertest: Bewährt sich der Monitor mehrere Tage am Arbeitsplatz, kassiert er dafür 10 Punkte zusätzlich. Stellen sich jedoch Mängel heraus, die auf den ersten Blick nicht zu sehen waren, ziehen wir 10 Punkte ab. Die Bildqualität eines TFT-Displays schätzen wir mit Hilfe von Testbildern ein. Jeder Betrachter gibt sein Urteil subjektiv in Form von Punkten ab. Das Spektrum geht von 100 Punkten (sehr gut) bis zu 0 Punkten (mangelhaft). Die schlechteste und die beste Punktevergabe fallen jeweils heraus. Die anderen Werte summieren wir und nehmen diese in die Wertung auf.

Kontrast : Vier Bilder umfasst dieser Testabschnitt. Zuerst bewerten wir die Qualität der Schrift anhand eines Textes hinsichtlich der Lesbarkeit der Buchstaben (schwarz auf weiß und umgekehrt). Dazu machen wir den Scrolltest . Er zeigt, wie stark sich die Schrift in Bewegung verschlechtert. Zudem lässt sich das Ergebnis auch auf Spiele übertragen. Ein Display, dessen Schriftbild beim Scrollen absolut unleserlich ist, wird auch bei Actionspielen keine Freude machen. Das zweite Bild enthält eine Excel-Tabelle . Hier geht es um die Schärfe der Zahlen, die Lesbarkeit eines markierten Blocks und um die Schärfe der Icons in der Taskleiste. Bild 3 stellt den Windows-Desktop mit aktiver Taskleiste dar. Ihre Schärfe sowie die der Icons auf dem Desktop sind zu beurteilen. Schwarze vertikale Linien bestimmen das vierte Testbild. Wie gut sie zu unterscheiden sind und ob man Schatten erkennt, ist hier die Frage. Der beste Schirm erhält maximal 25 Punkte. Die anderen Geräte werden entsprechend skaliert.

Farbe : Insgesamt drei Fotos beinhaltet der Farbtest. Die erste Abbildung ist eine Nahaufnahme eines Obstkuchens . Zu sehen sind Erdbeeren, Blaubeeren, Kiwis und Pfirsiche unter klarem Tortenguss. Gefragt wird nach der Farbintensität, der Detailtreue und der Natürlichkeit der Früchte. Auf dem zweiten Bild ist der Betrachter in einem Park und schaut auf eine kleine Brücke im Bildhintergrund, einen Bach und viele Bäume. Vor der Brücke liegt Dunst über dem Wasser, ein einzelner Sonnenstrahl fällt auf einen Baumstamm. Wie gut erkennt man Dunst und Sonnenstrahl? Wie detailliert sind die Blätter zu sehen? Anhand eines Fotos mit Sportlern verschiedener Nationen beurteilen wir zuletzt die Darstellung von Hauttönen. Sind sie natürlich und erkennen wir die Kleidungsdetails deutlich? Beim Farbtest vergeben wir maximal 25 Punkte und skalieren die anderen TFT-Schirme am Bestwert.

Blickwinkelabhängigkeit : Das TFT-Display steht bei diesem Testabschnitt auf einem Drehteller. Es werden die horizontalen und vertikalen Winkel nach rechts und links anhand der Testbilder mit der Schrift und dem Kuchen überprüft. Der Tester stoppt den Drehteller sofort, wenn in der Bildmitte wesentliche Veränderungen der Qualität erkennbar sind. Die Winkel messen wir in 5-Grad-Schritten. Gewertet wird jeweils der beste Winkel. Maximal vergeben wir 20 Punkte und skalieren nach dem besten Ergebnis.

Helligkeitsverteilung : An neun Messpunkten (oben links, Mitte, rechts; unten links, Mitte, rechts und Mitte links, Mitte, rechts) messen wir die Leuchtkraft des Bildschirms. Dazu setzen wir das Messinstrument aus Mavo-Monitor der Firma Gossen in einer Schablone auf, damit sich der Druckpunkt auf der TFT-Oberfläche verteilt. Wir richten wir das lichtempfindliche Bauelement auf die Messpunkte aus und erhalten die Helligkeitswerte an diesen Stellen. Je gleichmäßiger die Helligkeit über die gesamte Bildschirmfläche verteilt ist, desto besser (maximal 30 Punkte). Das Testfeld wird an diesem Bestwert ausgerichtet und entsprechend skaliert.

Pixelfehler : Sie treten selbst bei einer Größe von 15 Zoll auf. Es handelt sich meist um ein defektes Subpixel – zu bemerken als roter , grüner , blauer , leuchtender oder schwarzer Punkt. Wir ahnden jeden Fehler mit einem Abzug von 10 Punkten von der Gesamtpunktzahl der Rubrik Bildqualität.
Dauertest: Als Arbeitsplatzgerät ist das TFT-Display einige Tage in der Redaktion im Einsatz. Es muss Texte, Zahlen, Bilder und Spiele darstellen. Dafür kann es maximal 10 Punkte zusätzlich absahnen oder verlieren, wenn schwere Mängel auftreten. Wieder skalieren wir abhängig vom Bestwert.

Ausstattung

Hier finden sich große Unterschiede. Einige Geräte bieten Lautsprecher , DVI-Buchse und einen TV-Tuner . Andere beschränken sich auf eine Kurzbeschreibung . Insgesamt sind maximal 100 Punkte zu vergeben.
Hier zählt erst einmal, wie viele Schnittstellen der TFT-Bildschirm hat: D-Sub bringt 30 Punkte. Hat das Gerät zusätzlich noch eine DVI-Buchse, bekommt es 50 Punkte. Ausschließlich digital ansteuerbare Geräte hatten wir derzeit noch nicht im Testfeld. Der Anschluss wäre aber 40 Punkte wert. Eine Verbindung zum Rechner via USB erhält 15 Punkte. Lautsprecher sind uns 15 Punkte wert, Mikrofone 10 Punkte, ein Videoeingang 5 Punkte und der Anschluss für einen TV-Tuner 5 Punkte. Ist eine Pivotfunktion vorhanden, lässt sich das Display hochkant aufstellen (40 Punkte).

Handhabung

Für die Plug&Play-Fähigkeit gibt es 3 Punkte. Beim mitgelieferten Handbuch benoten wir, ob es deutschsprachig ist, sowie verständlich , übersichtlich und ausführlich aufgebaut ist. Weitere wichtige Kriterien: Installationskapitel , Inhalts- und Stichwortverzeichnis , Glossar und Hilfestellung bei Problemen . Für ein sehr gutes Handbuch gibt’s maximal 12 Punkte.
Bei der Benutzerfreundlichkeit eines TFT-Displays (maximal 10 Punkte) geht es um die Tastensteuerung und das Bildschirmmenü . Gepunktet wird, je logischer die Steuerung funktioniert und je schneller sich das optimale Bild einstellen lässt. Neben der Benutzerfreundlichkeit beurteilen wir zusätzlich die Vielfalt der Einstellmöglichkeiten des Onscreen-Menüs (maximal 37 Punkte): Jede Einstelloption wird mit 2 Punkten gewertet. Ein Display kann sich noch je 3 Zusatzpunkte verdienen, wenn es separate Tasten für die Funktionen Helligkeit und Kontrast mitbringt. Für den Platzbedarf sind die Maße (B/H/T) und das Gewicht mit Fuß entscheidend (maximal 38 Punkte).

Ergonomie

Erreichbar sind hier 100 Punkte. An erster Stelle werten wir, ob das ISO-13406-2-Zertifikat vorliegt (10 Punkte). Denn dann hält das Gerät nicht nur qualitative, sondern auch ergonomische Vorgaben ein. Daneben messen wir den Stromverbrauch während des Betriebs (maximal 10 Punkte) und im Standby-Modus (maximal 5 Punkte). Dazu nutzen wir ein digitales Watt-Meter der Firma Waldsee Elektronik. Die Höchstpunktzahl sichert sich der sparsamste Monitor, die anderen werden entsprechend skaliert. Je länger die Lampen des Backlights eines Gerätes halten, desto besser. Für die längste Lebensdauer gibt es maximal 15 Punkte. Bei diesen Werten stützen wir uns auf die Herstellerangaben. Bei der Messung des Kippwinkels untersuchen wir, wie weit sich ein Display auf seinem Standfuß nach hinten kippen lässt. Das Display mit dem größte Winkel erhält die meisten Punkte (maximal 5). Die anderen skalieren wir entsprechend. Für die höchste maximale Bildauflösung bekommt der Testkandidat 5 Punkte. Auch hier skalieren wir. Je höher die Bildwiederholrate , desto besser. Wir messen sie in den Auflösungen 1024 x 768 (maximal 20 Punkte) und 800 x 600 (maximal 10 Punkte). Dasselbe gilt für die Horizontalfrequenz . Der höchste Wert ergibt maximal 15 Punkte. Zuletzt vergeben wir noch maximal 5 Punkte für die beste sichtbare Bildschirmdiagonale.

Service

Hier bewerten wir die Garantiezeit (maximal 60 Wertungspunkte) und den Vor-Ort-Service (maximal 40 Wertungspunkte). Die 100 möglichen Punkte werden auf 60 Punkte skaliert. Den zweiten Schwerpunkt bilden die Service-Leistungen der Hersteller (40 Punkte). In dieses Kriterium gehen mit maximal 24 Punkten die Ergebnisse unserer Brand-Awareness-Studie ein. Bei dieser Studie befragt die PC-WELT Endanwender, wie zufrieden sie mit den Service-Leistungen ihres Herstellers waren. Maximal 8 Punkte kann sich ein Hersteller mit einem guten Internet-Auftritt verdienen – dazu gehört beispielsweise eine gut strukturierte Seite. Ein guter FAQ-Bereich ist uns ebenfalls wichtig. Natürlich ist auch eine deutschsprachige Website positiv. Letztlich bewerten wir die Hotline des Herstellers mit bis zu 8 Punkten. Wichtig ist hierbei beispielsweise, ob sich die Hotline-Nummer problemlos auf der Website finden lässt, wie lange die täglichen Sprechzeiten sind, an wie vielen Tagen die Hotline offen ist und was sie den Anrufer kostet.
Das beste TFT in dieser Kategorie erhält 100 Punkte, die übrigen werden entsprechend skaliert.

Preis-Leistungs-Note

Die aktuellen Preise recherchieren wir Monat für Monat anonym , weil wir uns nicht auf die wenig aussagefähigen Listenpreise der Hersteller stützen wollen. Dazu rufen wir bundesweit Versandhändler und Fachgeschäfte an und errechnen aus den Angaben den Mittelwert . Zusätzlich durchforsten wir die Angebote der Internet-Händler. Aus den recherchierten Angaben bilden wir den Durchschnittspreis . Anhand dieses Preises vergeben wir Punkte. Das billigste Display bekommt 100 Punkte. Alle übrigen bekommen entsprechend skaliert weniger Punkte. Nachdem wir aus den Punkten die Preisnote für ein Gerät gebildet haben, berechnen wir die Preis-Leistungs-Note. In diese Note gehen Bildqualität zu 25 Prozent, Ausstattung zu 20 Prozent, Handhabung zu 15 Prozent, Ergonomie zu 15 Prozent, Service zu 5 Prozent und der Preis zu 20 Prozent ein. In der Top-Tabelle der besten Geräte spielt der Preis allerdings keine Rolle. Hier geht es lediglich um Qualität und Leistung. Zusätzlich präsentieren wir Ihnen die drei Geräte mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis, bei denen Sie der Hersteller keinesfalls über die Ladentheke zieht.

Gesamtbewertung

Alle Ergebnisse werden in eine umfangreiche Tabelle eingetragen. Der zuständige Redakteur wertet diese aus und berechnet in einer weiteren Tabelle das Endergebnis und damit den Testsieger. Die Tabellen und Testberichte erscheinen tagesaktuell auf unserer Website www.pcwelt.de mit dem zu diesem Zeitpunkt gültigen Straßenpreis. Für das Heft aktualisieren wir einmal im Monat kurz vor Druckbeginn alle Preise der Top-200-Geräte. Zudem arbeiten wir kontinuierlich eventuelle technische Änderungen ein. Damit wir frühere Testgeräte mit den neuen vergleichen können, normieren wir in allen Kategorien auf das jeweils beste Ergebnis (maximale Punktzahl). Die anderen Geräte werden am Spitzenreiter gemessen und entsprechend skaliert. So entsteht die Top-10-Liste. Die Bildqualität eines TFT-Displays macht zum Beispiel 45 Prozent der Gesamtwertung aus. Damit bekommt das Gerät mit dem besten Bild 45 Punkte. Die anderen TFT-Schirme werden am Spitzenreiter gemessen und entsprechend skaliert.

Bewertungsschema der 15/17/19-Zoll-TFT-Top-10 im Überblick:

Tabelle 1: Prozentualer Anteil der einzelnen Kriterien am Gesamtergebnis

Tabelle 2: Punktevergabe innerhalb der einzelnen Kriterien

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