22.05.2011, 15:11

Pressetext

Smartphone

iPhone-App lässt Blinde wieder sehen

Der rasante technologische Fortschritt im Handysektor hat das Anwendungspotenzial moderner Mobilfunktelefone beträchtlich erweitert. Neben der Integration von Multimediaplayern oder GPS-Navigationsdiensten eröffnet vor allem die mittlerweile großteils standardmäßige Internetfähigkeit eine Vielzahl neuer Einsatzmöglichkeiten für die portablen Geräte.
Dass die Entwicklung in dieser Hinsicht noch lange nicht ausgereizt ist, zeigt das Beispiel der aktuell von US-Computerwissenschaftlern vorgestellten iPhone-App "VizWiz", die Sehbehinderte mittels Crowdsourcing-Unterstützug aus dem Web wieder sehen lässt. "VizWiz ist eine iPhone-Anwendung, die darauf abzielt, es blinden oder sehbehinderten Menschen zu ermöglichen, örtlich entfernte Hilfskräfte in Anspruch zu nehmen, um visuelle Probleme nahezu in Echtzeit lösen zu können", heißt es auf der entsprechenden Projektwebseite der School of Engineering & Applied Sciences der University of Rochester. Mithilfe der neuartigen App könnten Blinde beispielsweise ihre E-Mail-Nachrichten lesen, ihre Kleidungsstücke besser aufeinander abstimmen, Speisekarten in Restaurants verstehen, das Ablaufdatum von Lebensmitteln erkennen oder auf wichtige Straßenschilder reagieren, so das Versprechen.
Wie das in der Praxis funktionieren soll, wird anhand eines kleinen Videos demonstriert. Dabei wird eine blinde Studentin gezeigt, die sich eine Suppe zubereiten möchte. Hierfür benötigt sie eine Dose mit Kokosmilch. Sie öffnet einen Küchenschrank und findet drei Dosen vor, die sich in Form und Größe kaum unterscheiden. Um herauszufinden, welche die gesuchte Kokosmilch enthält, fotografiert sie mit ihrem iPhone den Schrankinhalt und nimmt anschließend ihre Frage - "wo ist die Kokosmilch?" - auf. Nach 45 Sekunden erhält sie per Sprachnachricht die Antwort: "Es ist die Dose ganz rechts."
Nun mag sich vielleicht der eine oder andere fragen, wo VizWiz die Antworten hernimmt. Diese kommen laut Angaben der App-Entwickler von registrierten Nutzern der Amazon-Seite Mechanical Turk, die gewissermaßen einen Online-Marktplatz für die Erfüllung von Arbeitsaufgaben darstellt. "Irgendjemand steht immer bereit, um die gestellten Fragen zu beantworten", betonen die Computerwissenschaftler.
Ob und wann die innovative Handy-Anwendung letztendlich in Apples App Store zum Download angeboten wird, steht derzeit noch nicht fest. Bis es soweit ist, muss die Software noch einige Testreihen durchlaufen. Erste Versuche mit insgesamt elf blinden Probanden verliefen aber überaus erfolgreich: Im Durchschnitt erzielte jede Anfrage drei Antworten. Die erste Antwort traf dabei im Schnitt nach 133,3 Sekunden ein und half den betroffenen Personen in 71 von 82 Fällen, ihre jeweiligen Alltagsprobleme zu lösen.
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