05.02.2011, 16:39

Pressetext

Zufall

Ägypten übersieht SMS-Lücke

Zumindest ein Teil der deutschen Handy-Besitzer kann weiterhin SMS-Nachrichten nach Ägypten versenden - und das, obwohl das ägyptische Mobilnetz ab Freitag der Vorwoche nach außen gesperrt war.
Das berichtet der auf SMS-Lösungen spezialisierte Anbieter ic3S AG. "Einige Anbieter konnten trotz Sperre weiterhin SMS-Nachrichten von Deutschland nach Ägypten versenden", erklärt ic3S-Vorstandsvorsitzender Oliver Wilps gegenüber pressetext. Möglich sei die Auslieferung deshalb, da einer von insgesamt zwölf der von ic3S genutzten Gateways für den Auslandsverkehr nach Ägypten von Mubaraks Regime nicht unterbrochen wurde. "Es ist derzeit noch nicht klar, ob es purer Zufall war oder die bewusste Entscheidung Ägyptens, eine Route über Skandinavien nicht zu unterbrechen", berichtet Stefan Fehlauer, Technik-Sprecher bei ic3S.
"Die Kurznachrichten werden ausgeliefert, worauf die Empfangsbestätigungen schließen lassen", erklärt Wilps. Gesperrt habe das Regime vor allem die Verbindungen nach außen. "Es scheint, als ob man damit in erster Linie die Berichterstattung aus Ägypten erschweren will. Journalisten in Ägypten, die für ausländische Medien arbeiten, telefonieren jedoch ohnehin meist über das Festnetz oder Satellit, aus Angst vor einer möglichen Ortung."
Bei ic3S-Kunden wie etwa debitel mobilkom fiel der Umsatzeinbruch bei Verbindungen nach Ägypten dank der SMS-Brücke etwas weniger stark aus. Für Ägypten selbst kommt die als "Kill Switch" bezeichnete Unterbrechung der Kommunikationswege durch die Regierung allerdings schon jetzt äußerst kostspielig. 90 Mio. US-Dollar wird dem ohnehin armen Land die fünftägige Internet-Abschaltung kosten, rechnet die OECD vor.
Die Zahl beruht allerdings bloß auf den geschätzten unmittelbaren Kosten auf Basis des BIP Ägyptens, zu dem das Internet drei bis vier Prozent beiträgt. Ungleich teurer dürfte der Verlust an Stabilität und Verbindungssicherheit werden, der ausländische Investoren zurückschreckt.
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