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nüviCam: Navigationsgerät mit Fahrsicherheits-Funktionen und Dashcam angetestet

24.04.2015 | 10:18 Uhr |

Garmin hat mit der Nüvicam sein neues Top-Navigationsgerät vorgestellt. Als pfiffige Zusatz-Funktionen gibt es nicht nur eine Dashcam, sondern vor allem einen Spurverlassenswarner und einen Kollisionswarner. Wir konnten die nüviCam bereits im Straßenverkehr ausprobieren.

Nüvicam als Dashcam
 
An der Vorderseite der Nüvicam hat Garmin eine HD-Kamera verbaut. Damit lässt sich das Navigationsgerät auch als Dashcam verwenden. Sie können mit der Nüvicam also das Verkehrsgeschehen vor Ihrem Fahrzeug aufnehmen und die Videos gegebenenfalls vor Gericht als Beweismittel verwenden. Wobei es aber von der Entscheidung des Richters/der Richterin abhängt, ob er/sie Dashcam-Aufnahmen akzeptiert.

Dashcams im Auto sind von Vorteil - trotz Datenschutzbedenken
 
Das Amtsgericht Nienburg hat solche Aufnahmen kürzlich akzeptiert, es gibt aber auch gegenteilige Entscheidungen wie die des Amtsgerichts Ansbach. Eine abschließende rechtliche Bewertung der Zulässigkeit von Dashcam-Aufnahmen liegt noch nicht vor und dürfte auch noch für viele Jahre nicht vorliegen.

Gembird DCAM-005 Überwachungskamera im Test 

Falls Sie übrigens mit der Nüvicam in ein Land fahren wollen, in dem Dashcams generell verboten sind, so können Sie die Aufzeichnungsfunktion des Gerätes unter den Einstellungen deaktivieren, wie uns Garmin erklärte.
 
Nüvicam mit Fahrerassistenzfunktionen
 
Viel spannender als die Dashcam-Funktionen sind jedoch die Fahrerassistenzfunktionen der Nüvicam. Denn Garmin nutzt die eingebaute Kamera nicht nur für Dashcam-Zwecke, sondern stellt darüber auch einen Spurverlassenswarner und einen Kollisionswarner zur Verfügung.

Damit das auch wirklich funktioniert, muss die Kamera einmal justiert werden. Das ging bei unserer Probefahrt sehr schnell und einfach über die Bühne. Man muss dafür kein umständliches Einstellungsmenü bemühen, sondern richtet die Kamera einfach nur anhand eines Fadenkreuzes auf dem Bildschirm richtig zum Horizont und den erkennbaren Spurmarkierungen aus.

Spurverlassenswarner

Danach kann man sofort losfahren. Der Spurverlassenswarner schlägt Alarm, wenn man ab einer Geschwindigkeit von 65 Stundenkilometer rechts über die durchgezogene Begrenzungslinie fährt. Es erscheint ein akustisches und ein optisches Signal – ideal für Situationen, in denen der Fahrer abgelenkt ist oder in einen Sekundenschlaf gefallen ist. Diese Warnfunktion macht auf jeden Fall Sinn.

Beim Überfahren der linken Begrenzungslinie ist die Situation etwas komplizierter. Hier unterscheidet die Nüvicam anhand der GPS- und Kartendaten zunächst einmal zwischen Autobahn und Land- und Bundesstraßen. Auf der Autobahn warnt der Spurverlassenswarner bei einer gestrichelten linken Linie nicht vor dem Überfahren. Weil man ja eventuell überholen will. Weil die Nüvicam nicht den Blinkerstatus des Fahrzeugs auslesen kann, vermeidet Garmin so, dass die Nüvicam bei jedem Überholvorgang auf der Autobahn einen Fehlalarm auslöst.

Der Spurverlassenswarner.
Vergrößern Der Spurverlassenswarner.
© Garmin

Auf der Land- oder Bundesstraße dagegen warnt die Nüvicam auch vor einem Überfahren der linken Linie – durchgezogen und gestrichelt. Und zwar immer, anders lässt sich das aufgrund der fehlenden Bindung an Blinker beziehungsweise OBD-Daten nicht realisieren.

Sobald ein Alarm ausgelöst wurde, ist der Alarm für fünf Sekunden deaktiviert, um den Fahrer nicht zu nerven. Nach Ablauf der fünf Sekunden löst die Nüvicam wieder einen Alarm aus, sobald man wieder eine Begrenzungslinie überfährt.

Zusammengefasst: Auf der Autobahn warnt der Spurverlassenswarner beim Überfahren einer gestrichelten Linie weder auf der linken noch auf der rechten Seite. Bei einer durchgezogenen Linie warnt der Spurverlassenswarner dagegen auf beiden Seiten in jedem Fall.
 
Auf der Land- und Bundesstraße warnt der Spurverlassenswarner immer beim Überfahren einer gestrichelten oder durchgezogenen Linie auf der linken Seite. Rechts warnt der Spurverlassenswarner immer bei einer durchgezogenen Linie, sofern er eine solche erkennt.

Erster Test: Solide Funktion des Spurverlassenswarner

Bei einer ersten Probefahrt auf einer Land-Straße im Westen von München, funktionierte der Spurverlassenswarner im dichten Verkehr gut. Die Sicht- und Witterungsverhältnisse waren allerdings auch perfekt. Denn der Spurverlassenswarner der Nüvicam unterliegt natürlich den üblichen Einschränkungen, die auch die Spurverlassenswarner beeinträchtigen, die ab Werk in den Fahrzeugen eingebaut werden. Also setzen starker Regen, Nebel oder Dämmerungslicht die Erkennung deutlich herab, Schnee oder eine beschlagene oder zugefrorene Scheibe setzen die Kamera sogar völlig außer Gefecht. Während einer Nachtfahrt soll sich die Kamera dagegen durchaus einsetzen lassen, wie Garmin auf Nachfrage versicherte.

Kollisionswarner

Die Nüvicam misst auch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und schlägt Alarm, wenn man diesem deutlich zu nahe kommt. Wobei derzeit die Betonung auf „deutlich“ liegt, denn die Kamera löste den Alarm immer sehr spät aus, als wir diese Funktion auf dem Gelände der BMW Driving Academy bei Maisach im Westen von München ausprobierten (um ein Unfallrisiko auszuschließen wurde der Kollisionswarner nicht im realen Straßenverkehr getestet).

Der Kollisionswarner.
Vergrößern Der Kollisionswarner.
© Garmin

Garmin will bis zum Verkaufsstart der Nüvicam noch ein Einstellungsmenü implementieren, mit dem man die Empfindlichkeit des Kollisionswarners einstellen kann.

Rein theoretisch wäre auch eine Verkehrszeichenerkennung möglich. Allerdings verzichtet Garmin derzeit darauf diese Funktionalität anzubieten, damit die gesamte Leistung des Prozessors der Nüvicam für den Spurverlassens- und Kollisionswarner zur Verfügung steht.
 
Navigations-Funktion
 
Die Nüvicam ist aber natürlich in erster Linie ein PND, also ein mobiles Navigationsgerät für Autos. Der kapazitive Farb-Touchscreen ist 6 Zoll groß (15,4 cm Bildschirmdiagonale), löst mit 800x480 Bildpunkten auf und unterstützt Multitouch. Die Echtzeitverkehrslagedaten Garmin Live Traffic empfängt die Nüvicam per DAB+ oder alternativ per Smartphone Link. Für letzteres muss allerdings eine App auf dem iPhone, iPad oder Android-Smartphone installiert und dieses während der Nutzung mit dem Navigationsgerät gekoppelt werden. Mit Smartphone Link kann man aber auch aktuelle Benzinpreise recherchieren und Radarwarnungen empfangen.
 
Garmin nüvi 2599 im Praxistest
 
Laut Garmin stehen dem Benutzer 1,5 Millionen POIs zur Verfügung. Für die mitgelieferten Europa-Karten bietet Garmin wie gehabt für die gesamte Lebensdauer des Gerätes kostenlose Updates.
 
Direct Access: Die Funktion Direct Access soll bei weitläufigen Zielen den Fahrer möglichst nah an das konkrete Ziel lotsen, bei einem Flughafen also bis zum gewünschten Terminal.

Real Vision: Ein hilfreiche Funktion ist die Funktion „Zielansicht per Augmented Reality Funktion Real Vision“. Hierbei blendet das Navi auf den letzten Metern vor dem Ziel das von der eingebauten Kamera erfasste Bild auf dem Bildschirm des Navigationsgerätes zusammen mit den Abbiegehinweisen und der visualisierten Entfernungsgabe ein. Das erleichtert dem Fahrer die Orientierung dank Augmented Reality.
 
Sprachsteuerung, Fahrspurassistenten und Kreuzungsansichten sind ohnehin vorhanden. Zudem kann man die Nüvicam auch per Sprache einschalten und bedienen. Dank Bluetooth-Koppelung mit dem Smartphone dient die Nüvicam auch als Freisprecheinrichtung.
 
Verkaufsstart und Preis
 
Die Nüvicam ist ab Mai 2015 zum Preis von 379 Euro erhältlich.

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