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iPod-Wurm wird zum Politikum zwischen Apple und Microsoft

19.10.2006 | 15:31 Uhr |

Die Auslieferung einiger mit einem Windows-Wurm verseuchter iPods lässt den Ton zwischen Apple und Microsoft schärfer werden. In einer Mitteilung seitens Apple zum iPod-Vorfall verwies der Konzern darauf, dass man "bestürzt darüber sei, dass Windows nicht robuster ist". Spezialisten von Microsoft und Sicherheitsunternehmen konterten sinngemäß, dass Apple wohl keine Ahnung habe, was sie überhaupt ausliefern.

Einige der seit Mitte September produzierten iPod Videos waren mit einem Windows-Wurm infiziert ( wir berichteten ). In einer Stellungnahme zu dem Vorfall erklärte Apple, dass weniger als 1 Prozent der nach dem 12. September 2006 verkauften iPods infiziert war. Weiter hieß es laut unser Kollegen des IDG News Service: "Wie Sie sich vorstellen können, sind wir darüber bestürzt, dass Windows nicht robuster gegen solche Viren ist, noch bestürzter sind wie aber über uns selbst, dass wir ihn (den Virus, Anm. d. Red.) nicht erwischt haben". Vor allem der erste Teil dieser Aussage ist Sicherheits-Spezialisten von Microsoft ein Dorn im Auge, ein entsprechender Konter folgte auf dem Fuße.

So erklärte Microsofts eigener Product Release Virus Scanning Chief, Jonathan Poon, dass derartige Schuldzuweisungen Apples in Richtung Microsoft irreführend seien. Vielmehr lasse Apple die Gründlichkeit beim Herstellungsprozess vermissen, so der Manager. Poon ist dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass kein Microsoft-Produkt mit einer Malware verseucht ist, sobald sie ausgeliefert wird.

"Es geht nicht darum, gegen welche Plattform sich ein Virus richtet. Die Tatsache, dass sie auf einem portablen Player gefunden wurde bedeutet, dass es ein Problem mit der Qualitätssicherung gibt, im speziellen, was die Überprüfung der Inhalte angeht", so Poon in einem Blogeintrag.

Beistand erhält Poon von James Abrams, der dessen Job über ein Jahrzehnt inne hatte und nun Director of Technical Education bei ESET ist, einem Hersteller von Sicherheits-Software. "Beim iPod-Vorfall geht es nicht darum, dass Microsoft kein robustes Betriebssystem hat, sondern um Sicherheit und Verfahren", so Abrams. In seiner Zeit bei Microsoft sei es niemals passiert, dass sich während des Release- oder Herstellungsprozesses Viren in den Programm-Code eingeschlichen haben, da Microsoft "ein professionelles Verständnis darüber habe, was getan werden muss, um das zu veröffentlichen, was veröffentlicht werden sollte", so Abrams.

Und Abrams geht sogar noch einen Schritt weiter: "Dass Apple nun Microsoft angreift, zeigt das fehlende Verständnis von Sicherheitsmaßnahmen und Herstellungsprozessen. Der Virus war nur das Symptom des eigentlichen Problems: Apple wusste nicht, was sie ausliefern."

Auch Apples Schadensbegrenzung für die Anwender bekam ihr Fett weg. Während McDonalds (das in Japan ebenfalls verseuchte MP3-Player ausgeliefert hatte, wir berichteten ) den Anwendern auf einer speziellen Site einen Link zu einem Online-Virenscanner von Trend Micro bereit stellte und den kostenlosen Austausch betroffener Geräte anbot, habe Apple lediglich eine Handvoll Links zu Test-Versionen von Antiviren-Software bereit gestellt, darunter einen zu Microsofts Onecare-Service, so Poon. Der Microsoft-Manager schloss mit einem Angebot in Richtung Apple-Chef: "Steve, wenn du jemanden zur Unterstützung benötigen solltest, um deine Qualitätschecks zu verbessern, melde dich bei mir."

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