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iPod-Hersteller verklagt chinesische Journalisten

30.08.2006 | 12:19 Uhr |

Der Eigentümer der Fabriken, denen laut einem Bericht der britischen Zeitung "Mail on Sunday" schlechte Arbeitsbedingungen vorgeworfen wurden, hat nun Journalisten verklagt, die in China über den britischen Artikel berichtet haben.

Für einige Aufregung sorgte im Juni ein Bericht der britischen Zeitung "Mail on Sunday", der die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken anprangerte, in denen unter anderem Apples iPod produziert wird. Apple hat bereits Nachforschungen angestellt, ist aber - im Gegensatz zum Zeitungsartikel - insgesamt zufrieden mit den dortigen Bedingungen (wir berichteten). Nun hat der Eigentümer der Fabriken zwei chinesische Journalisten auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Dies meldet die Zeitung " People's Daily ".

Demnach wirft die Eigentümergesellschaft Hongfujin Precision Industry Co. den beiden Mitarbeitern der "China Business News", Shanghai, Verleumdung vor und fordert umgerechnet rund 3 Millionen Euro Schadenersatz von den Journalisten Weng Bao und Wang You. Dabei soll Bao 2 Millionen Euro zahlen und You 1 Million. Dabei sind die beiden Journalisten nicht die Urheber des ursprünglichen Berichtes, sondern haben - wie weltweit eine Reihe von Medien - in erster Linie unter Bezug auf den Artikel der "Mail on Sunday" berichtet und weitere, eigene Recherchen angestrengt.

Das zuständige Gericht, das die Klage laut Zeitung bereits angenommen hat, hat umgehend die Vermögenswerte der beiden Journalisten eingefroren. Ob die Klage erfolgreich sein wird, sei dahingestellt, chinesische Rechtswissenschaftler halten das Ganze für "absurd", so die Zeitung. Seltsam sei vor allem, dass die beiden Journalisten persönlich verklagt wurden und nicht etwa der Verlag für den sie arbeiten, so Professor He Weifang gegenüber der "People's Daily". Des Weiteren wirft He in dem Interview den Behörden vor, den Fall nicht genügend geprüft zu haben, bevor die Vermögenswerte der beiden Beschuldigten eingefroren wurden.

Die "Reporter ohne Grenzen" haben in diesem Zusammenhang einen offenen Brief an Apple-Chef Steve Jobs geschrieben, in dem dieser aufgefordert wird, auf Foxconn dahingehend einzuwirken, dass die Vermögenswerte (Konten, PKW, etc.) der Journalisten wieder freigegeben und die Anklage fallen gelassen wird.

Hongfujin Precision Industry ist eine Tochtergesellschaft von Foxconn. Dieser Industrie-Gigant fertigt für eine Vielzahl bekannter Hersteller. So beispielsweise iPods und Mac Minis für Apple, Motherboards für Dell und HP, die Spielekonsolen Xbox 360, Playstation 2 und 3 oder Handys für Motorola.

Apple schließt Überprüfung chinesischer iPod-Fabrik ab (PC-WELT Online, 18.08.2006)

iPod-Produktion in China: Massive Vorwürfe gegen Apple (PC-WELT Online, 14.06.2006)

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