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iPod-Hersteller Foxconn reduziert Schadenersatzforderung gegen Journalisten

31.08.2006 | 08:44 Uhr |

Der iPod-Hersteller Hong Fujin Precision Industry hat die überzogenen Schadenersatzforderungen gegen zwei chinesische Journalisten massiv reduziert.

Zwei chinesische Journalisten wurden vor kurzem von Hong Fujin Precision Industry, einer Tochtergeselschaft von Foxconn, wegen der Berichterstattung über die Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben verklagt. Das zuständige Gericht hat dabei das komplette Vermögen der beiden Männer eingefroren, insgesamt forderte der Konzern umgerechnet drei Millionen Euro Schadenersatz. Nun rudert das Unternehmen - wohl auch auf Grund des weltweiten Sturms der Entrüstung - massiv zurück und fordert nun nur noch einen symbolischen Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 10 Cent. Zudem setzt sich das Unternehmen bei Gericht dafür ein, dass die Vermögenswerte der beiden Journalisten wieder freigegeben werden. Die Verleumdungsklage selbst wird aber aufrechterhalten, berichtet der IDG News Service.

In einem Statement des Unternehmens heißt es zu dieser Entscheidung: "um die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die eigentliche Sache zu lenken, wird die vorläufige Pfändung zurückgezogen werden." Allerdings wurde nun auch der Arbeitgeber der beiden Journalisten, die China Business News in die Klage aufgenommen.

Der Bericht, um den sich die ganze Angelegenheit dreht, wurde ursprünglich von einem Artikel der britischen Zeitung "Mail on Sunday" angestoßen, der die Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben anprangerte. Für einen Artikel in der China Business News recherchierten Weng Bao und Wang You weiter und berichteten unter anderem, dass von 1000 Arbeitern einer Fabrik in Longhua 500 unter Vorerkrankungen leiden. Hong Fujin Precision Industry hingegen ließ mitteilen, dass seine Statistiken beweisen, dass "99 Prozent der Angestellten gesund und fit" seien.

Die China Business News hingegen beharrt auf ihrer Darstellung. In ihrem Artikel wurden drei Fälle von Frauen beschrieben, die während ihrer Arbeit zusammenbrachen. In diesem Zusammenhang wird eine "Frau Ho" zitiert, die erklärte, dass Vorerkrankungen für die Zusammenbrüche verantwortlich gewesen seien. "Von 1000 neuen Angestellten haben 500 eine Vorerkrankung", wird "Frau Ho" zitiert. Problematisch ist allerdings, dass keine zitierte Quelle in dem Artikel mit vollem Namen genannt wird und der Nachname "Ho" in China sehr gebräuchlich ist. Ersteres lässt sich allerdings auch durch Schutzmaßnahmen für die Quellen erklären.

Nach Angaben des chinesischen Wirtschaftsministeriums war Hong Fujin Precision Industry im vergangenen Jahr mit einem Volumen von 14,47 Milliarden US-Dollar die Nummer 1, was Exporte angeht.

iPod-Hersteller verklagt chinesische Journalisten (PC-WELT Online, 30.08.2006)

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