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Musik als Multitasking-Hintertür

15.08.2010 | 15:03 Uhr |

Apple hat mit iOS 4 Multitasking für das iPhone endlich ermöglicht, wenn auch nur sehr begrenzt. Daher bleiben viele Apps funktionell eingeschränkt. So muss das Clipboard-Tool "Pastebot" für jeden Kopiervorgang eigens gestartet werden.

Das Entwicklerstudio Tapbots setzt nun auf Musik als Trick, um Pastebot doch im Hintergrund laufen zu lassen. Denn Music Player sind eine der wenigen Hintergrund-Apps, die iOS 4 offiziell unterstützt. Ob Apple den Trick durchgehen lässt, bleibt abzuwarten. "Ich finde Apples Multitasking-Umsetzung gut", sagt jedenfalls Mark Jardine, UI-Designer beim Tapbots, gegenüber pressetext. Denn wenngleich damit Unwägbarkeiten für nützliche Apps verbunden sind, macht das eingeschränkte Multitasking Usern das Leben leichter. "Handys haben begrenzte Energie, Speicherkapazität und CPU-Performance. Ich würde kein Gerät wollen, wo ich das selbst verwalten muss", meint der Entwickler.

Schon bei der Vorstellung des neuen iPhone-Betriebssystems gab es App-Entwickler, die in Sachen Multitasking von einem Scherz sprachen. Doch für Jardine sind Apples Einschränkungen verständlich. "Vielen Entwicklern geht es nur ums Geld. Sie achten nicht auf das Nutzererlebnis", meint der UI-Designer. "Würde Apple vollwertiges Multitasking ermöglichen, gäbe es bald jede Menge Apps, die schnell den Akku leeren oder das System zum Absturz bringen." Das wird mit dem aktuellen System vermieden.

Für eine App wie Pastebot wäre echtes Multitasking freilich hilfreich. Denn auf Desktop-Computern würde wohl niemand ein Clipboard nutzen, das zum Kopieren von Texten oder Bildern stets eigens geöffnet werden muss. Daher hat sich das Tapbots-Team überlegt, wie die eigene App vielleicht doch im Hintergrund laufen kann. Der Ansatz nutzt eine Programmierschnittstelle für Musikwiedergabe und sollte eigentlich nur einen geräuschlosen Clip abspielen. Das aber hat Apple nicht erlaubt.

Nun hofft Tapbots, dass die App zugelassen wird, wenn sie tatsächlich eine Music-Player-Funktionalität bietet. User könnten dann einfach selbst einen stillen Song zur Wiedergabe auswählen, wenn sie keine Musikuntermalung wollen. "Wir haben viele Optionen eingebaut, damit Pastebot nicht einfach nur den Akku belastet", betont Jardine. Trotzdem ist er skeptisch, ob diese Pastebot-Version eine Freigabe von Apple bekommen wird. Wenn der Konzern derartige Multitasking-Tricks erlaubt, bringt das erst wieder das Risiko unnötig stromfressender Apps mit sich.

(pte)

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